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Zittwoch, 29. April.
1840.
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Theater.
Pie ſti h.(Hr. Zaag.— Neue Stüke.) In Bellini's„Norma““ de⸗ butirte Hr. Zaag, in der Parthie des Oroviſt, zum erſten Male auf unſerer Bühne. Wenn gleich dies erſte Erſchei— nen auf unſerer großen Bühne bei dem Sänger eine leicht zu entſchuldigende hör- und ſichtbare Beklommenheit her— vorbrachte, wozu ſich noch eine Heiſer— keit geſellte, ſo ließen ſich doch einige ſchöne Vorzüge nicht verläugnen. Beſon— ders loben wir eine angenehme, wohl— lautende Stimme von tüchtigem Umfan— ge und eine mit dem dramatiſchen Vor— trage vertraute Geſangsweiſe. Wir hof— fen, daß er in der Folge einen freiern Gebrauch ſeiner Kunſt- und Naturmit— tel gewinnen und ſomit ſeine Talente in größere Klarheit ſezen werde. Aber auch ſchon diesmal ward ſeine, beſon— ders im erſten Akte, verdienſtliche Lei— ſtung recht beifällig aufgenommen.— Norma-Carl ſang ſo hinreißend, ſo voll Schmelz und leidenſchaftli— cher Gluth, daß ſie das Auditorium in den höchſten Enthuſiasmus verſez— te. Sie erwarb ſich den einſtimmigſten Beifall und ward mehrere Male ſtür— miſch gerufen.— Sehr lobenswerth wa—
den auch Olle. Rauch, als Adalgiſa, und
Hr. Unrein, als Sever.— Das neue Luſtſpiel:„die Landfamilie, oder: die neue Iris“, von C. W. Koch, gehört zu jenen Piecen, welche ſchon darum mehr Intereſſe erregen, weil ſie auf ei— nen weiblichen Hauptcharakter baſirt ſind — dieſem Umſtande haben ja auch größ— tentheils Albini's Luſtſpiele ihr Büh— nenglük zu danken. In dieſer„neuen Iris“ finden ſich die Charaktere einer Suſanne(Einfalt vom Lande) Donna Diana, Gurli, Mimili vereinigt und es iſt nicht zu läugnen, daß dem Hrn. Vf. dieſes Amalgam recht wohl gelun— gen. Das vortreffliche, in allen Nüancen gleich ausgezeichnete Spiel unſerer lie— benswürdigen Müller trug viel dazu bei, dieſe Grundſtaffage des heitern Gemäl— des noch mehr hervorzuheben. Was die übrigen Charaktere, die Verwiklung, den Gang der Handlung, ſo wie die äußere Form des Dialoges betrifft, ſo ſind ſie zwar nicht durchaus neu, ja viel⸗ leicht öfter da geweſen— allein die Bearbeitung verräth immer die tüchtige Bühnenroutine des gewandten Ueberſe— zers. Lobenswerth ſpielten die Damen Deny und Schindelmeiſſer, echt charak— teriſtiſch Hr. Berg den alten Landedel— mann; die Lauheit, mit welcher Hr. Wagner manche Rollen behandelt, ver— dient um ſo mehr eine ernſtliche Rüge,


