Jahrgang 
1840
Seite
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render, und erhebender für das Publi⸗ kum ſei, wenn ſie in der Zeit der höch⸗ ſten Blüt he, nicht des Verfalles ihres Objektes geſchieht. Indeſſen wir wol len gläubig hoffen und harren! Das theatraliſche Wirken und Leben in den verfloſſenen Tagen war übrigens ſehr bewegt und faſt ausſchließlich vom beſten Erfolge, ſo daß die Minder zahl der aufgeführten Novitäten den rächen⸗ den Göttern als Opfer anheimfiel. Ich nenne darunter blos Scholz's Einnah meſtük:der Lebensmüde wider Wil len u. das im Leopoldſtädter Theater aufgeführte:der Hut als Heirat hs ſtifter. Beide Stüke verunglükten in ihrer Durchführung und hätten, wären die Stoffe von einer bühnenkundigeren Feder bearbeitet worden, ſicher eine ſehr gegent heilige Aufnahme gefunden. Im Joſephſtädter Theater erregte Vary's Freskobild:das Trauerſpiel in Kräh winkel, viel Senſation. In ziemlich ernſten Tönen iſt hier Glanz und Ende einer Schauſpielerin, der Celebritäten⸗

wechſel in der Kunſtwelt, behandelt.

Warum Hr. Vary zwar blos ein erträglicher Schauſpieler, aber ein un⸗ verkennbares Talent im dramatiſchen Fache die Hauptmomente der Hand⸗ lung ſeines Stükes nach Krähwinkel ver⸗ legte, läßt ſich wenig rechtfertigen. Ganz verſchieden von bisherigen Mu⸗ ſtern iſt Hrn. Kaiſer's Lokalmuſe. Ob⸗ wohl ihm eine ungewöhnliche Originali tät gerade nicht zum Vorwurfe zu ma⸗ chen iſt, ſo bleibt ihm doch Kenntniß der Bühne und ihrer Komiker, ſo wie je⸗ nes Publikums, das an ihn Forderun⸗ gen macht, unbeſtritten. Sein leztauf geführtes Stük:Dienſtbotenwirth ſchaft, iſt gelungen, wizreich und bie tet eine Manigfaltigkeit frappant komi⸗ ſcher Szenen allein, jene Vollendung und durch einfache natürliche Motive be

gründete Gediegenheit, welche eine Gei ſteserſcheinung mit dem Ehrennamen: ein Werk, zu belegen erlaubt, fehlt ihm, und ſo bleiben Kaiſer's Erzeug⸗ niſſeArbeiten ſtatt Wire Zwei Novitäten im Hofburgtheater nah, men vorzüglich unſere Aufmerkſamkeit in Anſpruch.Der Vevollmächtigte von Frau v. Weiſſent hurn, iſt ein ganz artiges Luſtſpiel voll Leben und Situa⸗ tion, das ſehr wohlthuend auf die vom modernen Zukerwerk und der franzöſi⸗ ſchen Küche verdorbenen Geſchmaksor gane wirkt. Ein Schauspiel:Leicht⸗ ſinn und ſeine Folgen, hat hier zu manchen kritiſchen Differenzen Anlaß ge geben, da man einerſeits die franzöſiſche Abſtammung deſſelben und manche Un⸗ wahrſcheinlichkeit hart verfolgte, ander ſeits der trefflichen Szenirung, Vehand⸗ lung des Stoffes und Dialoges ſeine Achtung nicht verſagen konnte. Der größte Anſtoß mag aber wohl im Titel liegen, da wir eine beabſichtigte Ver führung unmöglichLeichtſinn taufen können, die Folgen deſſelben ſich übri gens weder als gute noch böſe ſo dar ſtellen, daß man ſie im nothwendigen Nexus mit dem ſogenanntenLeichtſinn

ſich denken müßte. Soviel über unſere theatraliſchen Zuſtände. Sun. Mlignon-Zeitung.

Berlin. In den hieſigen Journa len kündigt ein Zahnarzt an, daß er für 20 Silbergroſchen künſtliche Zähne ein⸗ fezt und für 7% Silbergroſchen aus⸗ zieht. Bei ſolchen Preiſen würden an⸗ dere Zahnärzte ausreißen müſſen.

Elbing. Ein ſogenannter deut⸗ ſcher Improviſator, Graff mit Namen, iſt hier mit dem größten Unwillen ange hört u. endlich aus dem Saale entfernt worden, weil er mit lallender Zunge und unſichern Beinen, in einem Zuſtan⸗ de, den man ſo geradeweg betrunken nennt, improviſirte.(Geſchieht auch manchmal andern Improviſatoren.)

Rebigirt von der Redaktion des Spiegels.