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erſten Arie, in welcher er nebſt einer klangvollen, ziemlich umfangreichen Stim— me eine tüchtige Schule entfaltete. Je— des Muſikſtük machte ihn freier u. dem Publikum intereſſanter. Gelungener war jede ſpätere Nummer, als die frühere. Nach dieſem verſteht es ſich wohl von ſelbſt, daß er oft applaudirt und geru⸗ fen wurde. Den größten Eindruk jedoch und zwar gleich bei ſeinem Erſcheinen machte Sign. Paltrinieri(Dulcamara). Das iſt ein Buffo assoluto! Wer es nicht glaubt, der ſehe ihn nur, er braucht ihn nicht erſt zu hören, und er wird mir gewiß beipflichten. Liſt, Laune, Humor und Schelmerei, und wie ſie alle heißen die Lachen erregenden Gei— ſter, ſind ſeinem Weſen dermaßen ein— geprägt, daß man ihn gezwungen, wie einen guten, lieben, feöhlichen Bekann— ten begrüßen u. aufnehmen muß. Nun iſt er aber außer dieſem noch im Beſiz einer vollen, jugendlich kräftig ſchönen und hoch ausgebildeten Stimme. Welche Laune lag in dem Vortrage ſeiner En— tré⸗Arie? Welcher Humor in ſeinem Duett mit Nemorino? Wie ohne Ue— bertreibung und doch wie wirkſam ſang er das Barcarole-Duettchen? wie das ſpätere Duett mit Adina? Im Weni⸗ gen: er war und blieb in Allem gut, ja vortrefflich. Stürmiſcher Applaus u. die Ehre des wiederholten Hervorrufens wurde ihm zu Theil. Ueber den Dar— ſteller des Belcore(Sign. Polinini) will ich mich nach der heutigen Vorſtellung, da er beinahe total heiſer war, jedes Urtheils begeben. Zu erkennen war je— doch nicht undeutlich, daß auch deſſen Stimme gut, ſchön und kräftig ſei.— Ihre k. k. Hoheit, die Prinzeſſin Her— mine, beehrte die erſte Vorſtellung mit Ihrer hohen Gegenwart, und aus Ih— ren gar ſo freundlichen Mienen war Ihre hohe Zufriedenheit deutlich erkennbar. Tags darauf ward die Oper bei vollem Hauſe wiederholt. Die Oper ging noch
beſſer und der Beifall ſteigerte ſich faſt. Hr. Polinini war weit beſſer bei Stimme. — Auch dieſe Vorſtellung beehrte Ihre k. k. Hoheit die Prinzeſſin Hermine mit Ihrer Anweſenheit; auch heute gab Sie Zeichen Ihrer hohen Befriedigung. Die zweite Oper wird„Beliſario“ ſein. K
Korreſpondenz.
Wiener Tabletten.(Anfang April.) In einem meiner lezten Berichte äußerte ich, man dürfte gegenwärtig ei— nen bedeutenden Preis auf die beſte Lo— kalpoſſe ausſezen, und ohne es zu ah— nen, ſprach ich eine Prophezeihung; denn wenig Tage ſpäter erſchien Hrn. Direktor's Carl Preisausſchreibung zu Gunſten eines wahrlich tief geſunkenen Zweiges unſerer geiſtigen Produktion. In der That war es auch ſchon die höchſte Zeit, zu einem Mittel ſeine Zu⸗ flucht zu nehmen, deſſen Energie ſich binnen wenigen Monaten beweiſen wird. Eine ſolche Aufregung des Genie's mit⸗ telſt goldener Stacheln kann gewiß den Impuls liefern, ein Stük zu erzeugen, welches glänzenden Beifall erhält; da⸗ durch wäre aber nur dargethan, daß der Quell der Lokaldramatik noch unge— trübt und unverſiegt vorhanden ſei — ob aber ein Bühneninſtitut mit den raſchen Erzeugniſſen einiger zufällig an— gelokter Talente ſeinen Rang für die Folgezeit ehrenvoll behaupten dürf— te, ob nicht im Publikum die Anſicht entſtünde, der Dichter ſchreibe ſtatt nach der Reichhaltigkeit ſeiner Ideen nach jener ſeines Honorars, wodurch es freilich eine ſehr ſchlechte Anſicht bekä— me— dies ſind Fragen, deren Löſung etwas ſchwieriger ſein möchte, als die Verfaſſung eines Preis ſtükes. Schlüßlich bin ich noch der Meinung, daß, da eine Preisausſchreibung das Trefflichſte, Voll— endetſte ihres Gegenſtandes zum Zweke hat, es ſtets für die Konkurrenten eh


