2755 e N
c e 1 N 8
1755 D
r uur TERL G
8
we 2
Mittwoch, 15. April.
1840.
— ͤ——— S8 T—
Theater.
Peſt h.(Benefiz der Mad a⸗ me Deſſoir: Kaiſer Otto III., Trauerſpiel in 5 Akten, von Julius Moſen.) Die Journal-Fama hatte uns viel Gutes u. Schönes von dieſer Novität berichtet und zwar nicht mit Unrecht. Wenn wir von der moder— nen wilden Romantik, die ſich wohl mit den äſthetiſchen Regeln des Drama's nicht immer einen läßt und welcher Ju— lius Moſen ganz im Sinne Alexander Dumas, Viktor Hugo's u. ſ. w. hul⸗ digte, wenn wir von dieſem Zeitgeſchmake abſtrahiren: ſo kann dieſe neueſte dra— matiſche Dichtung in vieler Beziehung als ein gelungenes Werk gelten. Die Expoſition iſt einfach und klar, die Handlung ſchreitet ziemlich geregelt vor— wärts, das Intereſſe des Zuſehers von Szene zu Szene ſteigernd, der Bühnen⸗ effekt iſt nirgends außer Acht gelaſſen, die Charaktere erheben ſich über das Ge— wöhnliche, Alltägliche ſo mancher Lam— penhelden, ſie ſind zwar mitunter mit grellen, aber deſto mehr bezeichnenden Farben geſchildert, die Sprache iſt faſt durchaus edel, kräftig, weich, gemüth⸗ lich, anſprechend, da, wo es auf Rüh⸗ rung berechnet iſt; energiſch, blühend,
jugendlich friſch im geſteigerten Pathos,
die ganze Inſzenirung verräth nicht ge— wöhnlichen Bühnentakt und nur im 5. Akte iſt der Raum zwiſchen Verwiklung und Löſung etwas zu klein ausgefallen, wenn gleich dieſer Akt im Ganzen viel zu gedehnt iſt. Zum Vorwurf des Dra— ma's diente Otto des III. Eindringen in Rom, die Hinrichtung des Konſul Cres— centius(man ſpricht: Creszent ius und nicht Creßtſchentius), die Liebe des Kaiſers zur Gemahlin des Ermor— deten und ſein Untergang durch dieſe liebeglühende, leidenſchaftentflammte, rachſüchtige Römerin. In der Darſtel— lung lieferte Mad. Deſſoir, als Ste— phanie, ein wahres Kunſtgebilde— da zeigt ſich echt dramatiſches Studium, jedes Wort iſt durchdacht, jede Stellung, jede Bewegung maleriſch ſchön, Natür— lichkeit und theatraliſche Schminke im gehörigen Verhältniſſe gemengt. Die Szene mit Taraglia im 4. Akte, ſo wie jene darauffolgende mit Otto wa⸗ ren in der Ausführung klaſſiſch zu nennen. Die Künſtlerin, welcher auch Gedichte geſpendet wurden, ward oft; mals gerufen und dankte am Schluſſe mit wenigen, aber herzlichen Worten. — Hr. Wagner ſpielte den Otto mit lobenswerthem Feuer, das war wieder einmal eine Rolle, die er mit Luſt und Eifer ſtudirt hatte und daher auch ge—


