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wahrſcheinlich am nächſten ſteht, ſowohl an Kompoſition als an Kenntniß des In⸗ ſtrumentes und in der Weiſe ſeines Vor— trages ſehr an Lafont erinnert.— Er befindet ſich wechſelweiſe in Brünn und Wien; bald da, bald dort Konzerte ge— bend, wird er bis zu Ende des Som— mers in Oeſterreich bleiben und in Herbſt in die Heimath aller Virtuoſen— nach Paris zurükkehren. Einige Konzerte wur— den noch von einheimiſchen Tonſezern oder Meiſtern veranſtaltet, erregten aber wenig Senſation.— In den Thea— tern, die während des Karnevals ſich ſehr novitätenſchwach bewieſen hatten, beginnt man ſich wieder etwas zu re— gen; ſo wurde das allgemeine Intereſſe durch eine Wohlthätigkeitsvorſtellung in Anſpruch genommen, die im Joſeph— ſtädtertheater unter dem Titel:„Die Landfamilie, oder die neue Iris“, Luſtſp. von Koch, in Szene ging, unter Mit— wirkung der ausgezeichnetſten Mitglie— der der Hofburgbühne. Mad. Rettich ſprach einen Prolog, von M. G. Sa— phir verfaßt, und der„Himmelsrath, oder die Lebensengel“ betitelt, mit je— ner warmen und energiſchen Begeiſte— rung, die ihr ſchon ſeit Langem ihren ſo ausgezeichneten Ruf in der Rezitation erwarb.— Im Hofburgtheater bereitet man jezt mehrere neue Luſtſpiele zur Aufführung vor, nebſtdem noch Halm's Schauſpiel:„Ein mildes Urtheil“, zur Einnahme der Regiſſeurs. Die lezte Novität war Pannaſch's:„Wette“, eine Karnevals-Viege, die ihrer Zeitten— denz vollſinnig entſprach; überdies durch raſchen Gang der Handlung und reich— haltige Geiſtesausſtattung lebhaft eres Intereſſe erregte, als manches der tra— giſchen Produkte des Verfaſſers.— In der literariſchen Erſcheinungswelt nimmt der„öſterreichiſche Muſenalmanach“ ei— nen bevorzugten Rang ein; man findet * die anerkannten hochberühmten Na—
en unſeres poetiſchen Horizontes und
auch einige etwas obſkure, noch ſehe unter den Schichten der geiſtigen Ober— fläche begrabenen Beiträge. Indeſſen wal⸗ tet auch hier die allgemein und ſo oft beklagte Inconvenienz, daß auch dieſer Muſenalmanach viele Aus erwählte zählt, die aber wenig Aus erleſe⸗ nes lieferten. Dann machte ſich auch eine periodiſche Erſcheinnng für Wiener Tagsvorfälle an's Licht, welche Herr Schickh unter dem Titel:„Wiener Ci— cerone“, herausgibt. Das erſte Heft enthält manche treffende Bemerkung, aber keine neue. Das Jahr 1840 tritt hier als Briefſteller an ſeinen Vorgän— ger auf; eine Darſtellungsart, die uns, als ſeit den Eipeldauer Briefen ange— wandt, ſchon etwas obſolet dienen ſoll— te.— Die Folgen des Faſchings ge— ſtalten ſich heuer etwas freundlicher als ſonſt, da noch kein Selbſtmord vorfiel, deren man voriges Jahr etliche zählte; einen Unglüksfall etwa ausgenommen, der durch Unachtſamkeit von Leuten her— beigeführt ward, die durch Kohlenſtik— gas um's Leben kamen, hat man keine außergewöhnliche Todesart zu erwäh— nen.— Als öffentlicher Beluſtigungsort wurbe ein neues Elyſium eröffnet, wel⸗ ches, eine Miniatur-Welt darſtellend, die Neugierde der Leute ſehr in Beſchäfti—⸗ gung ſezt, aber auch mehr Zeitungs— lob erregte, als es verdiente. S nn.
Mignon⸗Zeitung.
Prag. Das„Nordlicht“ erzaͤhlt: „Bei dem erſten Ton, der unter des hier, wie überall gefeierten Liß tt, Fin⸗ ger entſtand, brach eine Dame, die in ſeiner Nähe ſaß, in heiße Thränen aus; als Herr Strakaty Schubert's „Wanderer“ zu Ende geſungen hatte, weinte ſie noch immer. Ja, am Ende des Konzertes ward ſie weinend nach Hauſe gebracht, ſie ſezte ſich weinend zu Tiſche, ſtand weinend wieder auf, legte


