7 Kaufmann arbeitet in ſeinem Komptoir bis vier Uhr Nachmittags; dann fährt er entweder in einem Omnibus, wenn er in der Vorſtadt wohnt, oder geht, wenn er im Innern der Stadt ſein Ge ſchäft hat, nach der Börſe. Hier macht er Geſchäfte oder auch nicht, er erkun digt ſich in den Bureaus der Inhaber von Kolonialwaaren, dann ſteigt er wieder in einen Omnibus und fährt nach Hauſe. Sein Tiſch iſt trefflich ſer virt; er ſpricht über Alles, beſonders aber über Kaffe, Zuker, Branntwein und Wein. Befindet man ſich zu einem großen Diner bei einem Kaufmanne, ſo hört man bald nach der Suppe auf al len Punkten der Tafel mit Kennermiene und Kunſtausdrüken über die Eigenſchaf ten der Weine diskuriren. Vom Weine geht die Unterhaltung gewöhnlich auf die Theater über; von der Politik ſpricht man wenig, wenn ſie nicht gerade ein mal mit dem Handel nahe in Verbin dung ſteht, z. B. ſich um ein Zollgeſez, eine Zuker- Abgabe u. ſ. w. handelt. Abends geht der Kaufmann regelmäßig in's Kränzchen oder in die Reſſource. So ziemlich Alles wie bei uns; Geld, Vergnügen und Zeitvertreib ſind die einzigen Intereſſen Derer, die nur an ſich und ihren Glanz, und bei vollem Geldkaſten nicht an ihre eigene, ſchau erliche Leerheit denken! Vor Kur zem war der Redakteur derPreſſe, Hr. Emile de Girardin, wegen einer Verläumdung gegen Hrn. Balmoiſſiere, Redakteur desCorſaire zu einer Geldſtrafe von 10,000 Franks verur- theilt worden. Am 20. Dez. wurde Hr. Balmoiſſiere wegen Verläumdung gegen Hrn. Emile de Girardin zu einmonat licher Haft, einer Geldbuße von 500 Franks und zur Bezahlung einer Ent ſchädigung von 6000 Franks verurtheilt. (Nach Adam Rieſe bleibt dem Redak teur derPreſſe noch immer ein Plus

von 4000 Franks übrig, wofür er Hrn.

Balmoiſſiesre im Nothfall noch einmal verläumden kann).

Pele⸗mele aus London. Zu Edinburgh ſtarb unlängſt ein unverhei⸗ rathetes Frauenzimmer, Miß Jane In⸗ nes: und hinterließ ein Vermögen von 800,000 Pf. St. in engliſchen Staats⸗ papieren und ſonſtiges Eigenthum in verſchiedenen Theilen Schottlands zum Belauf von 1,200,000 Pf. St., welches ganze koloſſale Vermögen von zwei Mil lionen Pf. St.(Vierundzwanzig Millio nen Gulden rhein.) nach den Beſtim mungen ihres lezten Willens gleichheit lich unter ihre ſämmtliche Verwandt ſchaft, ſo viel ſich deren auffinden läßt, und ohne Rükſicht auf nähern oder ent ferntern Verwandtſchaftsgrad vertheilt werden ſoll. Troz ihres enormen Reich⸗ thums war die verſtorbene Dame bis zum Geiz ſparſam, wie denn dieſer Um ſtand auch mittelbar ihren Tod herbei führte, indem ſie an einem ſehr dunkeln Abend, um ein Licht nicht anzünden zu müſſen, finſter die Treppe hinaufging, in Folge ihrer Altersgebrechlichkeit(ſie war 80 Jahre alt) ausglitt, ein Bein brach, und an dieſer Verlezung ſtarb. Der Betrag der(bekanntlich in Eng land hohen) Erbſchaftsacciſe allein wür de ſchon ein bedeutendes Vermögen ab geben. Die Koſten und der Luxus, welche gegenwärtig an die engliſchen Wirths häuſer, ja an die gemeinſten Branntweinläden gewendet werden, gren zen an's Unglaubliche. Jeder, der eine ſolche Anſtalt beſizt, wettteifert mit ſei nen Nachbarn an Schönheit der Ein richtung, an Verſchwendung des Maha goniholzes, Schnizwerkes, Meſſingver zierungen de. In demGrapes Public Houſe koſtete die Schnizarbeit 100 Pf. Sterlinge. In einer Straße wurden drei Schnappsläden errichtet, und die Ein richtung eines jeden kam auf beinahe 2000 Pfd.(13,000 Thaler). Da muß viel Branntwein getrunken werden, ehe