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Berlin. Oer Geſellſchafter ſagt: „Wir könnten, einen Zeitungs-Artikel uber Muſikaliſches parodirend, ausru— fen: Wehe unſerer Vaterſtadt! Am 4. Dezember ward Gluck's„Iphigenia““ vor einem ſehr leeren Hauſe gege— ben. Sollte dies nicht beweiſen, daß das edle, tiefe und große Werk doch nicht mehr ganz in der Zeit iſt, und nicht zu oft gegeben werden darf, wenn man nicht eben ein leeres Haus haben will; es iſt zu tief und zu ein⸗ fach, um eine magnetiſche Anziehungs— kraft auf die ſchauluſtige Menge aus— üben zu können, und ſelbſt für den Kenner bedarf es einer längern Pauſe, wofern er nicht die gehörige Empfäng— lichkeit für ein ſolches Werk verlieren ſoll. Wir werden uns ſicher nicht irren, wenn wir glauben, daß es in der näch— ſten Aufführung von„Robert der Teu— fel“ bedeutend voller ſein wird.„Gluck hat für alle Zeit geſchrieben!“ hören wir die Parteigänger der„klaſſiſchen“ Muſik rufen. Wahr, ſofern man auf die tiefe Grundlage ſeiner Werke ſieht; nicht wahr, ſofern man die Form betrachtet, die doch in vieler Hinſicht, namentlich in Bezug auf die ſehr langen Recitative, veraltet iſt. Die Zeit ſchreitet unaufhaltſam fort: vergeblich iſt es, ſie zu rükſchrau— ben zu wollen. Gluck im Jahre 1840 würde anders komponiren, als er im Jahre 1770 komponirt hat.“
München. Die k. baier. Regie rung von Mittelfranken hat eine ſchon im Jahre 1831 erlaſſene Verordnung, wonach auf öffentlichen Theatern Vor— ſtellungen aus der Geſchichte des neuen Teſtaments nicht geſtattet werden ſollen, neuerdings in Erinnerung gebracht.
Literatur.
Literariſches Portefeuille. Hofrath Jouffroy, in Berlin lebend,
hat Leſſing's„Emilia Galotti“ u. der Prinzeſſin von Sachſen„Fürſtenbraut““ in's Franzöſiſche überſezt und„Emilie Galotti“ und„La Flancée du Prince“ ſind gedrukt zu haben(Leipzig et pa- ris, chez Brockhaus et Avxenarius.) Wer ſich's bequem machen will, kann beide Stüke von der hieſigen Mittler'- ſchen Buchhandlung entnehmen, wo man auch die, ebenfalls von Jouffroy über— ſezten Luſtſpiele:„Donna Diana““ und „La derniere ressource“(„das lezte Mittel“) finden kann, und„Wilhel- mine de Barnhelmée,„L'Epigramme““ (nach Kotzebue) und„Une Fiaucée de la Capitale“(der Prinzeſſin von Sach— ſen„Braut aus der Reſidenz“). Wir haben die beiden neueſten, oben zuerſt erwähnten Ueberſezungen mit den Ori— ginalen verglichen und müſſen ihnen eine große und ſeltene Treue nachrüh— men, ſo daß alle dieſe Stüke beſonders dazu dienen können, die Deutſchen, welche ſich für die franzöſiſche Sprache intereſſiren und ſich ihrer möglichſt be— mächtigen wollen, in derſelben zu befe— ſtigen.— Die Nachricht von dem Ein— gehen der Jenaer Literatur-Zeitung war ungegründet; dieſelbe wird auch im lau— fenden Jahre fortgeſezt.
Mignon Zeitung.
Potpourri aus Paris. Eine kürzlich verſtorbene Pariſerin hat in ih— rem Teſtament 3000 Franks für ihren Banquier, eben ſoviel für ihren Ver— walter, jeder ihrer beiden Mägde 4000 Franks vermacht, doch unter der Bedin— gung, daß ihr Schoßhund lebenslänglich gut gekleidet, gefüttert und bedient wird. So geſchieht's; Bibi hat warme Kleider, ſein eigenes Zimmer, fährt täglich aus und der Arzt fragt an, wie er ſich befinde?—J Der„Kourier von Bordeaux“ ſchildert den Kaufmanns— ſtand daſelbſt folgendermaßen:„Der


