4 „Arthur“, redete ihn der Maler an, „wollteſt Du mit mir nicht die Maske wechſeln?“—„Angenommen“, antwor⸗ tete der Seemann:„ich glaube ohne— dies, ich bin erkannt.“ Und die beiden Narren bewerkſtelligten in einem Neben— zimmer die Metamorphoſe.„Jezt ſage mir“, ſprach der Maler zu ſeinem Freun⸗ de,„ob Du heute keine Liebſchaften ge—⸗ ſponnen?“—„Einige“, antwortete ver— traulich der ſchöne Dandy.—„Wohl— an, mein theurer Freund“, verſezte der Frager,„ſiehſt Du dort jene ſchöne Da— me ler zeigte auf die bewußte Gattin jenes fürchterlichen Mannes), ſie iſt ſterb— lich in Dich verliebt, ich bin davon über— zeugt. Mache ihr die Kour den ganzen Abend, und morgen haſt Du einen Na—⸗ men mehr auf der Liſte Deiner Erobe— rungen.“— Der zum Armenier gewor— dene Seemann ließ ſich das nicht zwei Mal ſagen, er umſchwärmte die Schöne gleich einem Schmetterling. Da gab es Vetheuerungen, Galanterien, Schon heiten u. ſ. w., als er ſich von einer ſtarken Hand unſanft am Arm gefaßt fühlte, die ihn aus dem Saale zog: dieſe Hand gehörte dem Gatten.„Mein Herr“, ſagte dieſer, den Hinausgezoge— nen für den früheren Geliebten haltend, „ich habe Sie gewarnt, deſto ſchlimmer für Sie. Morgen tödte ich Sie. Ich bin der Major F., ein Mann Frankreichs, der den Degen, wie das Piſtol zu hand—⸗ haben weiß.“—„Wie, mein Herr“, erwiederte der junge Menſch,„was wol⸗ len Sie damit ſagen?“—„Daß Sie ein Gek ſind.“—„und Sie ſind ein Tölpel.“—„Ich habe Ihnen verbo⸗ ten, mit meiner Frau zu ſprechen.“— „Sie haben nie mit mir geſprochen.“— „Sie haben es vergeſſen.“—„Genug, wir ſchlagen uns.““—„Sehr wohl.“ — Und ſie trennten ſich, wie man ſieht,
mit den beſten Ausdrüken.— Am an⸗
dern Tage erafen die beiden Gegner auf dem beſtimmten Plaze ein, und ſie hät⸗ ten ſich gewiß tapfer die Gurgel abge— ſchnitten, wenn nicht der Eingeweihte in dieſes geheimnißvolle Abenteuer zur rechten Zeit erſchienen wärt, und den wüt henden Major, der für den furcht⸗ barſten aller Ehemänner in Paris gilt, aus ſeinem Irrthume gewekt hätte. Die Affaire hatte weiter keine Folgen— mit dem Gatten.— Man fängt jezt in Paris an, Mäntel à la Abd-EI-Kader zu tragen. Die Journale ſagen: Dieſe Mäntel à la Abd-El-Kader haben et was Abenteuerlich-Romantiſches an ſich, und ſind allen Freunden der beduiniſchen Poeſie zu empfehlen. Sie deken wunder⸗ bar den Körper gegen alle unangenehmen äußeren Einwirkungen. Es wäre präch⸗ tig, wenn man über die ganze franzöſi— ſche Kolonie in Afrika einen ſolchen Mantel ziehen könnte, vielleicht wäre ſie dann auch gedekt gegen alle unange— nehmen äußeren Einwirkungen.
London. Lord Veaukler, Bruder des Herzogs von St. Albans, mußte vor dem Gerichtshofe des Lord⸗Mayor zu London erſcheinen, weil er ein ge— meines Bürgersweib an der Hausthüre beleidigt hatte. Der edle Lord führte zu ſeiner Entſchuldigung an, daß er betrunken geweſen ſei. Der Mayor gab ihm einen nachdrüklichen Verweis, daß Leute ſeines Standes ſich ſo vergäßen, und fügte bei, daß er keinen Unterſchied nach dem Stande der Perſon machen könne. Er verurtheilte ihn zu 60 fl. Geldſtrafe und in die Gerichtskoſten; zugleich gab er ihm den Rath, einer Mäßigkeitsgeſellſchaft beizutreten, um ſich gegen die Anfälle der Trunkenheit geſichert zu haben. Kapitain Marryat würde gegen dies Erkenntniß wohl pro— teſtirt haben.
Nedigirt von der Red
aktion des Spiegels.


