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den Valentin mit allem Aufwande ſei⸗ ner gemäthlichen Laune. In den Kou⸗ plets entwikelte er einen Schaz von Orollerie. Ganz vorzüglich war er im dritten Akte, wo er ſich die allgemein⸗ ſte und gerechteſte Theilnahme erwarb. Hr. Kurt ſpielte und ſang den Bett— ter mit ergreifender Wahrheit, was ihm großen Applaus zuzog.— Gar anmuthig und graziös war Mad. Tho⸗ me als Roſa in den beiden erſten Ak⸗ ten, und voll Wahrheit und Natur im 3. Akte. Es fehlte ihr auch nicht an großem Applauſe. Genial war die Auſ⸗ faſſung und Darſtell ung des alten Wei⸗ bes durch Mad. Wilhelmi. Es lag ein großer Effekt in dieſer Rolle.— Die kleinen Parthien waren größtentheils in guten Händen. Vorzüglich erwähnen wir Hrn. Macho, der den Baumeiſter Sokel recht drollig gab. Herr Juſt (Wolf) u. Hr. Liebold(Chevalier) wa⸗ ren genügend. Die kleine Wilhelmi war in ihrer Kinderrolle recht lieb. Hr. Nötzl, der den Vaumeiſter Gründ⸗ ling recht gut gab, hätte ſich als Prä⸗ ſident beſſer placiren können, zumal dieſer in unbedeutenden Händen war. Die Dekoration im zweiten Akte, von Hrn. Tallner, war recht nett. Der Ap⸗ plaus dem Ganzen war ſtürmiſch. Herr Nötzl wurde verdientermaſſen nach dem 2. Akte gerufen. Am Schluſſe Herr und Mad. Thome, Hr. Seydl u. ſ. w.
Korreſpondenz.
Prag. Daß die jezigen Abende lang und länger werden und die Zeit doch vertrieben werden muß, iſt leider eine ausgemachte Sache. Hr. Novotni, der Eigenthümer der Färberinſel, hat, um dieſer Länge adzuhelfen, Reunio⸗ nen erfunden, welche in dem Prachtſaale der Färberinſel abgehalten werden. Das Entree iſt zwar nichts weniger als bil⸗ lig 14 fl. 40 kr. W. W.), aber die Un⸗
terhaltung iſt zu theuer erkauft. Ka⸗ pellmeiſter Tittl leitet hier das Orche⸗ ſter, das außer Strauß'ſchen, Lanner— ſchen Kompoſitionen, auch Tondichtun—⸗ gen von Mozart, Beethoven, Meyer⸗ beer ausführt. Auch Vokalmuſik, deren Kompoſiteur Herr Tittl iſt, wird hier exekutirt. Die Tanzunterhaltun⸗ gen im„Platteis“, im„Convikt“, zur„Stadt Hamburg“ gehören für diis minorum gentium.— Die Weihnachts- buden ſind ſchon geöffnet und bieten Weihnachtsgeſchenke für kleine Kinder, ſo wie die Buchhändler Almanache für große Kinder als Weihnachtsgaben an⸗
preiſen. In der Leipziger Zeitg. wird
jezt ſogar eine„geſchikte“ Eſelin als Weihnachtsgeſchenk für„große oder kleine Kinder“ aus geboten.— Der thä⸗ tige Gewerbsverein hat einem lange gefühlten Bedürfniſſe abgeholfen und für Jedermann eine Sonntagsſchule gegründet, in welcher in einem popu⸗ lären Style Vorlefungen über Chemie,
Hydraulik und andere mit der Phyſik
verwandten Lehrgegenſtände abgehalten werden. Hr. Prof. Heßler beſorgt un⸗ entgeltlich den Unterricht.— Von Pro⸗ feſſor Michls„literariſchen Chronik, oder Ueberſicht der Literatur der Sla⸗ ven“ wurde die dritte Lieferung(Bo⸗ gen 7-12) ausgegeben. Dies Heft um⸗ faßt ſchöne Literatur, Geſchichte, Geo⸗ graphie, Philoſophie u. Jugendſchrif⸗ ten. Wir ſtimmen mit Freuden den günſtigen Urtheilen bei, welche in- u. ausländiſche kritiſche Inſtitute über das gehaltvolle Werk fällten.—„Der Novelliſt“, der in Form und Geſtalt wie die„Europa“ erſcheinen ſoll, hat ſich noch nicht angekündigt.— Der rühmlich bekannte Komponiſt der„Lid⸗ wina“ Hr. Joſ. Deſſauer hat eine ko⸗ miſche Oper geſchrieben, zu welcher Bauernfeld den Text verfaßte.— In der hieſigen politiſchen Zeitung vom 26. Nob. befindet ſich folgende, durch


