Der Schmetterling.

Ein

Flugblatt zum Spiegel.

Mittwoch, 18. Oktob.

1837.

Theater.

Peſth.(Der Poſtillon. Dem. Carl als Roſin a. Dem. Hoch. Der Diamant des Gei⸗ ſterkönig s. Der Vater.) Die Wiederholung der Oper:der Poſtil lon von Lonjumeau hatte ihr noch mehr Freunde geworben. Die Exeku tirung war exakter, die lieblichen Wei ſen ſchmiegten ſich einſchmeichelnd an Gehör und Gefühl und es läßt ſich nun definitiv annehmen, daß dieſes Tonwerk nicht ſobald von dem Reper toir verſchwinden u. das Intereſſe ſtets ſteigern wird. Hr. Stoll ſtand ſchon bei der zweiten Vorſtellung ungleich höher als bei der erſten. Er beherrſchte ſeine gedeihenden Kräfte, hütete ſich vor Uebermaaß und ſang böchſt ange nehm. Die herrliche Romanze im er ſten Akt kann nicht wirkſamer vorge tragen werden. Auch im Spiel hat dieſer junge Sänger ſchon viele Re ſolution und Freiheit gewonnen, und es ſteht zu erwarten, daß er auch bald die zu überladene Aktion mit den Händen, die überdies faſt noch nie des Schnupf⸗ tuches entbehren können, ſo wie das allzunahe Vortreten an die Lampen ab⸗ legen werde. Er erhielt einſtimmi gen Beifall. Mad. Pohl-BVeiſteiner hat gewiß ſchöne Verdienſte als Mag⸗ dalena. Steht ihr auch der Part etwas zu hoch, ſo erſezt ſie viel durch eine

gelungene Darſtellung. Herr Rott macht aus dem ziemlich dürftig hinge ſtellten Biju etwas gar Amüſantes und ſein Weilen auf der Bühne bringt nur Kurzweil hervor. Auch Hr. Rötzer weiß dem Marquis eine geeignete Färbung zu geben u. ſo ruht auf dieſen vier Säulen die Oper u. ſie hat feſte Stü⸗ zen. Weil wir gerade von der Oper reden, ſo müſſen wir der neulichen Vor- ſtellung von RoſſinisBarbier er⸗ wähnen. Wir wiſſen nicht, wie oft dieſe herrliche Kompoſition von dieſer Büh ne herab gehört wurde, vielleicht wür de die Zahl 100 nicht übertrieben ſein; aber ſo viel iſt gewiß, daß ſie den 15. d. M. wieder das Haus bis zum Er drüken füllte. Wenn an dieſem außer ordentlichen Succeſſe gewiß der unver gängliche Gehalt des Tonwerkes ſeinen Theil hat, ſo läßt ſich auch nicht leug⸗ nen, daß Dem. Henriette Carl, die die Roſing zur Gaſtrolle gab, eine nicht minder große magnetiſche Kraft ausübte. Dem. Carl ſang auch zum Entzüken. Sie wirkte Wunder in der Cavatine, in welcher ſie die Reize der Geſangskunſt in höchſter Potenz ent faltete. Die Introduktion ſingt ihr ſobald Keine nach. Im zweiten Akte trug ſie Variationen aus Vaccaj's Pie- tro il grande vor. Neue Bewunderung und neuer ſtürmiſcher Beifall! Vereits iſt dieſes Tonſtük, wie manches an⸗ dere, durch dieſe Künſtlerin en vogne