beirathet ein Poſtillon, Namens Cha—⸗ pelou, in dem Dorfe Lonjumau, eine Wirthin Magdalena; aber unmittelbar nach der Trauung wird er, durch den gerade durchreiſenden Marquis v. Corcy, Kammerherr und Direktor der großen Oper zu Paris, der einen Sänger für ſeine Anſtalt ſucht und in dem Poſt il⸗ lon eine treffliche Stimme entdekt, gleichſam entführt und nach Paris ge⸗ bracht. Die Proteſtationen des Poſtil⸗ lons halfen um ſo weniger, da er ſeines Dienſtes gemäß, den Marquis weiter befördern mußte. Die beiden andern Akte ſpielen in Paris um 6 Jahre ſpäter. Da iſt unſer Poſtillon, unter dem Namen Saint Phar, bereits erſter Sänger der königlichen Oper und folglich ein ge⸗ machter Faſhionable. Er macht die Be— kanntſchaft der ſchönen und eleganten Frau v. Latour, die aber keine andere als ſeine verlaſſene, nun aber durch eine fette Erbſchaft gewaltig reich und vornehm gewordene Gattin Magdalena iſt. Ohne ſie zu erkennen, macht er ihr die Kour, und hält um ihre Hand an. Sie aber kennt den Ungetreuen wohl, und um ihn in Verlegenheit zu bringen und ſich ſo zu rächen, läßt ſie ſich zum zweiten Male mit ihm trauen. Der Marquis⸗Direktor iſt ſein unglük⸗ licher Nebenhuhler, und weiß, daß der Poſtillon ſchon einmal getraut wurde, er klagt ihn daher aus Rache des Ver⸗ brechens der Bigamie an. Chape⸗ lou iſt in gränzenloſer Angſt, er fürch⸗ tet gehängt(2) zu werden. Schon ſind die Gerichtsdiener da um ihn abzuholen. Wie ſich die Sache auflöſt, iſt leicht zu errathen. Frau v. Latour gibt ſich zu erkennen und der Held der Oper hat wohl zwei Mal geheucathet, aber nur eine und dieſelbe Perſon.— Das iſt nun eine ziemlich intereſſante Hand⸗ lung, die aber hin und wieder doch manches Gedehnte, beſonders im zweiten
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Akte aufzuwelſen hat; auch wird kein
erbaulicher Beitrag zur Geſchichte der Moral geliefert. Die Ueberſezung iſt fließend u. beſſer als gewöhnlich.— Was die Muſik anbelangt, ſo gibt ſie dem Werke zum Theil mehr das Gepräge ei⸗ nes Singſpiels als einer Oper. Aber indeſſen herrſcht in dieſer, wie wir glau— ben, Erſtlingsarbeit eines jungen Kom- poſiteurs viel Geſchmak, verbunden mit techniſcher Kenntniß der Aufgabe. Wir finden ſehr angenehme Motive mit Geiſt und Geſchik durchgeführt und über das Ganze viel Grazie und Leichtigkeit gehaucht. Die Inſtrumentirung iſt reich dotirt und effektvoll, wenn auch, was hier charakteriſtiſch iſt, Gloken— ſchall und Peitſchenknall zu Hilfe ge⸗ nommen werden. Manches iſt auch ſeicht, manches breit, Alles in Allem aber ge— lungen. Nur erfordert dies Singſpiel von den Darſtellenden ein in Deutſch— land ſelten vorkommendes Doppeltalent, das des Sängers und das des Schau⸗ ſpielers und daher dürfte et auf vie⸗ len Bühnen ſcheitern. Bei uns war die erſte Aufführung faſt nichts mehr als eine Generalprobe. Doch aus dem, was unſere Sänger jezt leiſteten, laßt ſich für die Folge alles Gute erwar— ten. Hr. Stoll(Poſtillon) hatte eine große Aufgabe und er iſt im Stande ſie größtentheils mit Erfolg zu löſen. Er trat überall da glänzend hervor, wo er ſeine ſchöne reine Bruſtſtimme geltend zu machen wußte.— Madam Pohl⸗Veiſteiner(Magdalena) bewegte ſich mit Glük in vielen ſchwierigen Momenten u. die frappante Szene im dritten Akt gab ſie mit allem Auf⸗ wande ihres ſchönen Darſtellungsta⸗ lents.— Hrn. Rott(Biju) lag es ob, einen pikanten Charakter darzuſtellen. Er war die ergözlichſte Perſon des Stükes. Man weiß, mit welcher Virtuoſität er die feinkomiſche Einfalt repräſentirt. — Herr Rötzer(Marquis) war ver⸗ dienſtlich. Die Oper geſiel ſehr. Hag.


