Jahrgang 
1837
Seite
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Auch in Prag hat ſich ein ſolcher Ver⸗ ein gebildet, an deſſen Spize die H. H. Ritter von Rittersberg, Weber und Witaſſek ſtehen, welche in Prag dem großen Komponiſten desDon Juan ein Monument zu ſezen beabſichtigen, weil der verblichene Meiſter geäußert: die Böhmen verſtehen mich! Meine unanmaßliche Meinung iſt, Mozart habe ſich in dem gläubigen Herzen je des Kunſtfreundes, jeder Zunge und je der Zeit ein dauerndes, dem Zahne der Zeit trozendes Denkmahl gegrün⸗ det, und beſſer wäre einen geräumigen Konzertſaal in Prag zu bauen, und ihn Mozartſaal zu nennen, der Prag ſehr Noth thut. Ueberdies iſt uns ſchon die Geburtsſtadt des Seeli⸗ gen, Salzburg, mit einem Denkmal zuvorgekommen. Zum Beſten des in Prag zu errichtenden Denkmals veran ſtalteten der Verein der Freunde für Kirchenmuſik eine Akademie, in wel⸗ cher außer einer Kantate nur Tonſtüke von Mozart trefflich exekutirt wurden, und deren reines Erträgniß. 350 fl. Conv. M. war. Das Konſervatorium, das in den Faſten drei klaſſiſche Aka⸗ demien gab, wird nächſtens ebenfalls eine zum Vortheile dieſes Denkmals veranſtalte. Ueberhaupt war in die⸗ ſem Jahre das muſikaliſche Prag mit Konzerten, Akademien, muſikaliſchen Soireen, die größtentheils zum Be ſten eines wohlthätigen Inſtitutes ſtatt fanden, überhäuft. Unter dieſen zeich nete ſich beſonders die Akademie zum Beſten der Verſorgungs- und Beſchäf⸗ tigungsanſtalt für erwachſene Blinde, ſowohl durch die ſeltene! Frequenz als auch durch die Wahl der intereſſanten Piecen, in welcher der Pariſer Vio linkünſtler, Ghyys der ſich bei die⸗ ſer Gelegenheit zum erſten Mal in Prag öffentlich hören ließ, Dem. Jenny Lutzer, die gefeierte Sangs⸗ künſtlerin, Herr Pöck, der treffliche

Pianiſt Dreiſchak und die Profeſſoren und die Zöglinge des Konſervatoriums mitwirkten. Hr. Ghys enthuſiasmirte auch die ſtrengrichtenden Prager in vier Konzerten und wirkte gefälligſt in einem von Hrn. Kinderfreund in ſeiner Behauſung gegebenen und von hohen Perſonen beſuchten Konzerte mit. Die muſikaliſchen Soireen, die der Tongelehrte, Hr. Tomaſchek in ſeinem Salon veranſtaltete, boten ſeltene Hochgenüſſe. Die Tamaſchek'ſchen Kom⸗ poſitionen zu den Schiller'ſchen Ge dichten, welche ſämmtlich die Dichterin, Fräulein Ebert mit dichteriſchem Feuer, Leidenſchaft, Gefühl und metallreicher Stimme vortrug, gehören unſtreitig zu den gelungendſten Liederkompoſitio nen, die deutſche Tondichter geſchrie

ben haben. Möchte Hr. Tomaſchek den

Wunſch aller Kunſtfreunde erfüllen und dieſe trefflichen Tondichtungen der Oeffentlichkeit übergeben. Die von Hrn. T. herausgegebenen Geſänge zu EbertsWlaſta haben zur Genüge bewieſen, welchen Antheil die muſika⸗ liſche Welt an den Werken dieſes Ton⸗ gelehrten nehme. Novitäten in thea- tralibus gibt es nicht viele. Bellinis Puritaner haben außerordentlich ge fallen, was der ausgezeichneten Aus⸗ führung und den Bemühungen einer Lutzer, eines Pöcks zuzuſchreiben iſt, da die Oper wenig Originelles, und Charakteriſtiſches bietet und größten theils Reminiszenzen enthält. Ueber das Spiel und den Geſang der Lutzer finde ich kein auszeichnendes Veiwort, um welches daher ein Preis ausgeſchrie ben werden müßte. Da ich gerade von einem Pre iſe rede, ſo theile ich Ih⸗ nen mit, daß künftige Woche das Preis luſtſpiel der H. H. Gerle und Horn: die Vormundſchaft zur Beneſize des Hrn. Grabinger! in die Szene geht. Auch Albinisgefährliche Tante kommt in Balde zur Aufführung. Dem.