Jahrgang 
1837
Seite
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Brüſſel. Hier wurde ein Herr originell beſtohlen. Er hatte einen Be⸗ dienten, in deſſen Treue er nicht den geringſten Zweifel ſezte. Eines Mor⸗ gens aber, als er ſich ank leiden wollte, ſucht er vergebens was er braucht und ruft eben ſo vergebens nach dem Be dienten; der Leztere war ſchon den Abend vor her fort und hatte die Hälfte von allen dem, was ſein Herr beſaß, die Hälfte der Kleidungsſtüke, die Hälfte der Wäſche, die Hälfte des Geldes mitgenommen. Ja er hatte die Aengſtlichkeit bei der Theilung noch weiter getrieben; auf dem Kamine lag eine einzelne goldene Nadel; der Dieb zerbrach ſie und nahm nur die Hälfte davon mit..

Koppenhagen. Neulich kam bier ein trauriger Vorfall vor. Ein junges Mädchen nämlich, das in dem Wirthshauſe neben dem Zollhauſe dien te, wurde von großen Hunden, die ge wöhnlich an Ketten liegen, buchſtäb lich in Stüke zerriſſen. Die Unglük⸗ liche gab unter furchtbaren Schmerzen bald darauf ihren Geiſt auf, als man ihr auf ihr Geſchrei zu Hilfe eilte.

F. Berlin. Der Selbſtmord nimmt in hohem Grade zu und man verübt ihn zuweilen, wie es ſcheint, nur aus übler Laune. Einiger ſolcher' Fälle, die ſich in Verlin und der Umgegend ereigneten, nicht zu gedenken, wollen wir nur melden, daß ein ſechzigjähri ger Droſchken-Fuhrmann ſich neulich entleibte, weil er unpäßlich war. Er hatte, als er zu Hauſe bleiben mußte, erklärt: ſäße er am fünften Tage nicht wieder auf ſeinem Kutſcherſiz, würde er ſich erſchießen: er ſei des Krankſeins nicht gewohnt. Was man für einen Scherz hielt, hat er zu. Ernſt gemacht.

B.

Alexandrien(in Aegypten). Hier beſteht jezt ein franzöſiſches Lieb⸗ habertheater. In derſelben Stadt, wo vor 20 Jahren noch kein Franke reiten durfte, werden nun Wettrennen gege ben, an welchem die Söhne der Bey's mit den franzöſiſchen Kaufleuten Theil nehmen, und für welche der Vizekönig ſelbſt ſich lebhaft intereſſirt. DO. Brügge. Dieſer Tage warf hier das Parterre bei einer mißlunge- nen Vorſtellung Aepfel auf die Bühne; eine Schauſpielerin warf, entrüſtet, einen davon ins Parterre zurük. Nun beſtand man darauf, daß ſie ſich ent ſchuldigen ſolle. Sie that dies mit folgenden! Worten:Meine Herren, ich bitte um Entſchuldigung wegen der Aepfel, die Sie uns zugeworfen haben. Man kann denken, daß dieſes Im⸗ promptu lauten Beifall fand. 1 Hamburg. Der Korreſpondent aus Hamburg im Morgenblatte wird ſich bei den Hamburger Damen wahr- ſcheinlich keine Stufe in den Himmel bauen. Er läßt gar ruhig ſchwarz auf weiß druken, die Hamburgerinen wären weder ſchön noch liebenswürdig. Wenn man mit ihnen in Geſellſchaft wäre, thäte keine den Mund auf und alle Mühe, ein intereſſantes Geſpräch auf die Vahn zu bringen, ſcheiterte an dem abſoluteſten Schweigen. Sie ſäßen da und hörten mit vornehm⸗ kalter Miene zu. Aber das wäre al les die Folge der verkehrten Hambur

ger Erziehung. P. Paris. Nächſtens werden die Memoiren und der handſchriftliche

Nachlaß des General Lafayette dem Druk übergeben. Dieſe Papiere ſind mit der größten Genauigkeit von Francois Coreelles geordnet, und ent⸗ halten höchſt wichtige, bisher unbe⸗ kannte Dokumente. B.

Redigirt von der Red

aktion des Spiegels.