Temesvar(Ende Jänner). Seit meinem lezten Berichte ſind uns eine ſolche Fülle von Kunſtgenüſſen zu Tbeil geworden, daß der Raum dieſer Blätter mir unmöglich geſtatten würde, ſie alle nach der Reihe aufzuführen und genügend zu beſprechen. Ich will mich daher nur auf die ganz vorzüglichen beſchränken, und vor allem Bellinis Meiſterſchöpfung, der wunderherrlichen Norma erwähnen, die bereits in dieſem Kurſe zum ſechſten Mal mit ſtets geſteigertem Belfalle gegeben wur de. Olle. Auchter feierte in der Titel rolle einen wahren Triumph, und be rechtiget durch ihre ſchöne Stimme, und durch ihr vorzügliches Spiel, das bei einer Sängerin überhaupt, bei ei ner Anfängerin aber um ſo ſeltener iſt, zu den ſchönſten Erwartungen für die Zukunft im tragiſchen Genre, für welches ſie auch ihre vortheilhafte Ge ſtalt ganz eignet. Olle. Saalfeld d. j., Adalgiſa, zeigt den lobenswertheſten Fleiß und erringt ſich die Gunſt des Publikums in dieſer Partie, bei jedes maligem Auftreten in höherem Grade. Hr. Herz, Sever, iſt, ſo wie Hr, Huber, als Oraviſt, im Spiel und Geſang ausgezeichnet, und durch bas Zuſammenwirken ſo ſchöner Talente muß die Darſtellung dieſer Oper, die unſer wakere Direktor Nötzl auch noch beſonders ausgeſtattet hat, zu einer ſo vorzüglichen erheben, daß gewiß nur wenige Provinzbühnen eine ähnliche aufzuweiſen im Stande ſein dürften. Im Schauſpiele wird die umſichts volle Thätigkeit des kenntnißreichen Negiſſeurs, Hrn. Kurt, überall bemerk bar, der als Darſteller in manchen Rollen nicht minder ausgezeichnet, ſich würdig dem ſchönen Kunſtvereine an ſchließt, welcher uns ſo viele erfreuli che Spenden ſchon gegeben hat, und wir müſſen nur mit Bedauern auch ihn mit Oſtern ſcheiden ſehen, da er mit

19

2 8

Hrn. Nötzt berelte einen Früzel Kon- trakt ſür Ofen abgeſchloſſen bat. Un längſt wurdeAngelo, Tyrann von Padua gegeben, workn Olle. Zettler d. d., als Tbisbe, und Hr. Thoms, in der Titelrolle ſo ausgezeichnet ſpielten, daß ungetheilter ſtürmiſcher Beifall ibr ſchönes Streben belohnte. Eine eben ſo vollendete Darſtellung war die lezt gegebene Raupach'ſche Tragödie Iſidor und Olgabn, worin nebſt den Genannten auch Hrn. Kreibig, als Iſidor, ſeinen alten Rubm bewährte, wornach er im Fache den jugendlichen Liebhaber längſt zu den Lieblingen des hieſigen Publikums gehört. Im Luſtſpiele iſt Olle. Saalfeld d. ä. eine äußerſt liebliche Erſcheinung, die be ſonders im Fache der naiven Mädchen elne wahre Zierde unſerer Bühne iſt. Charles.

Varie. Am Sonntage, den 16. Januar war der Geburtstag Mollere's, des größten Luſtſpleldichters der neuern Zeit, Bauernfeld, Albini u. Töpfer mö⸗ gen mir deshalb nicht zürnen. Das In⸗ tereſſe iſt mächtig für ihn angeregt wor den, u. es wird ein Denkmal zu Stande kommen, das ſeiner Nation ſicher mehr zur Ehre, als ihm zum Ruhme gerel chen wird. So lange die Mars noch ſeine Celimenen und Elmknen gibt, wird Molière immer einer der ſtärk ſten Pfeiler der Comédie frangais blel ben. In der That verdankt man es dieſer unvergeßlichen Künſtlerin ganz beſonders, daß es ſo beſtellt iſt. Un⸗ ter den alten Stüken, welche dieſes Theater wieder belebte, nenne ich auch den Avocat Patelin von Bruédys. Es wurde einer uralten Farce aus dem Zeitalter Ludwigs XII. nachgebildet, und den 4. Juni 1706 zum Erſtenmale aufgeführt; aber noch heute ergözt die ſes Stük das Publikum auf die leb hafteſte Weiſe. Das auch in Deutſchland ſo gang und gäbe gewordene Sprich⸗