Jahrgang 
1837
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ſchwender ſtatt. Welch ein Kontraſt, zwiſchen dem alten harmloſen Scherz und dem neuen affektirt-erzwungenen! M.

Breslau. Demolf. Henriette Carl, kön. ſpan. Hofſängerin, machte auf unſerer Bühne großes Furore. Sie findet auch hier jene glänzende Aner kennung, die ihrem großen Talente noch überall zu Theil ward.So be⸗ deutſam, ſagt ein hieſiges Blatt, auch Dem. Carl in ihrem 1. Auftre⸗

ten(im Konzert) erſcheinen mußte, ſo iſt das Feld dramatiſcher Darſtell ung doch ein ganz anderes, ihrer intereſ⸗ ſanten und impoſanten Perſönlichkeit, ihrer Virtuoſität und ſeltenen Ausbil dung angemeſſenes. Ferner:Demoiſ. Carl erſang ſich durch ihre Einlagen (inJohann v. Paris) Triumphe, welche in dieſem Genre nur Henriet te Sontag ſich bereiten konnte. So groß auch der enthuſiaſtiſche Beifall war, ſteigerte ſich derſelbe erſt nach Anhörung der am Schluſſe eingelegten Arie ausBianka und Fernando (Alla gioja ed al piacere) bis an den hächſten Grad.Was Bellini hier der Stimme zumut het, ſind ſicherlich von deutſchen Sängerinen nur wenige mit telmäßig, die Meiſten gar nicht, kei ne mit einem ſolchen Schwung, mit ſolcher Sicherheit und Kühnheit, wie Dem. Carl auszuführen im Stande. Die Norma der Dem. C. iſt weit weniger ein, aus dem ängſtlichen Stu dium einzelner Stellen und Stellun gen entſtandenes, als aus der Anwen- dung der ſchönſten, glüklichſten Natur gaben frei und feſſellos erzeugtes, mit kräftigen Zügen ins Leben tretendes Bild der hohen, opferfähigen Prieſte rin. Zu dieſen Vorzügen der Cha rakteriſtik treten nun ihre Verdienſte als Sängerin, die ſich freilich noch entſchiedener geltend machen. Sie ent wiklelte darin eine in Einzelnheiten kewunderungswärdige Kraft, uner⸗

ſchöpfliche phyſiſche Ausdauer und glerch⸗ zeitig doch auch wiederum eine Ge wandthelt und Sicherheit in Ans füh⸗ rung der Bravourſtellen, wie man bei des vereint nicht leicht wieder fin⸗ den dürfte. Dem. Carl ſang noch die Roſina, Donna Anna, u. am 30. Dez. zu ihrer Benefize, die Desdemona. Un erhöpter Applaus! Nicht weniger als eilf Blummenkraͤnze und zahllose Ge dichte flogen auf die Bühne. Auf allgemeines Verlangen, muß ſie am 3. d. M., vor ihrer Reiſe nach Warſchau, nochmals auftreten. B. T. London. Die' in Deutſchland häufig gemachte Bemerkung, daß es jezt hauptſächlich oder faſt nur die Schauſpieler ſelbſt ſeien, von denen bühnengerechte und effektvolle Stüke geliefert werden, wird in ſofern auch von England aus beſtätigt, als der einzige erfolgreiche dramatiſche Dich ter, den die brittiſche Juſel jezt be ſizt, eir Schauſpleler iſt. Herr She ridan Knowles, der Verfaſſer des Hunchback(der Buklige) und des Wiſe of Mantua(die Mantuanerin) hat neuerdings mit einem auf dem Drurylane-Theater zur Aufführung gekommenen großen Schauſpiele Furore gemacht. Seine enthuſtaſtiſchen Bee wunderer gehen ſo weit, den Verfaſſer mit ſeinem großen Vorgänger zur Zeit der Eliſabeth zu vergleichen, doch kann man wirklich ein viel beſſerer Schauſpieler noch ſein, als es ein Shakſpeare in ſeinen Dramen war z ja man kann unter ganz ähnlichen Ver hältniſſen, wie er, und auf denſelben Brettern auftreten, ohne darum auch nur eine poetiſche Ader des Giganten zu beſizen, der in jedem Zoll ein Dich⸗ ter war. Das neueſte Produkt des Herrn Sheridan Knowles heiſft:The wrecker's daughter(des Strandräu⸗ bers Tochter)! und enthält in der That neben einer poetiſchen Sprache