Dm Smd.

22 Se, le. 55. Auel,

Mittwoch, 28. Oktob.

Theater.

f Peſth(27. Okt.) Seltdem Hr. Kunſt und Mad. Schröder Devrient uns berlaſſen, hat ſich nichts von beſon⸗ derer Bedeutung auf unſerer Bühne zugetragen, und wir haben diesmal nur über einige Novitäten von min⸗ derem Belange zu reſeriren. Am 12. gab man eine vorber in Prlbatzirkeln viel beſprochene neue Oper, zum Vor theil unſers verdienſtvollen Kapellmei⸗ ſters, Hrn. Joh. Grill, die er ſelbſt komponirte, und wozu den Text ſeine Gattin, Mad. Klara Grill, ein ſchäz⸗ bares Mitglied der bieſigen Bühne, ſchrieb. Die Oper betitelt ſich:Die Liebeszauberin, führt das Prädikat große romantiſche Oper und hat drei Akte. Vom Buche können wir zwar nicht viel Rühmliches ſagen, es mangelt ihm an Intereſſe und wohlberechnetem Effekt, aber man muß das der Frau zu Gute halten, die nur Schauſpie⸗ lerin, keine Dichterin iſt. Der Kom⸗ poſiteur aber hat an ſein Werk er⸗ ſtaunlichen Fleiß verwendet, wie dies auch ſolch eine große Oper unver⸗ kennbar erfordert, und ſein Muth ſich in einer ſolchen Arbeit zu verſuchen, in einer Zeit wo Auber, der ſel. Bel⸗ lini, Donizetti, ſelbſt mit ihrem friſchen, ſchaffenden Genius nicht immer durch zubringen vermögen, verdient Würdi⸗ gung und Anerkennung. Wäre die Mu⸗

ſik des Hrn. Grill vorthellhafter arran⸗ girt im Ganzen, hätte ſle mehr Zu ſammenhang und Konſequenz, mehr Cha rakter, ausgeführtere und wirkungs vollere Melodien, weniger Reminiszen⸗ zen und wäre ſie nicht zu ſehr auf die Individualität unſerer Operiſten berechnet, ſo würde man dle andern

Mängel leicht vergeſſen und das Ton⸗

werk als gut bezeichnen können. Ge⸗ lehrte Tlefe vermißt man ohne⸗ dles in den meiſten neuern Opern, dieſe macht hierin keine Ausnahme, ohne jedoch in demLeichten und Gefäl⸗ ligen zu freigebig u. originell zu ſein. Hr. Grill ward vom Publikum gut auf⸗ genommen und ſchon vor Anfang der Oper mit rauſchendem Beifalle empfan⸗ gen. Nach dem erſten Akte ward er zweimal gerufen. Er hätte daſſelbe mit gleichem Rechte am Schluſſe verdient, denn, wie geſagt, Hrn. Grills reſolu⸗ tes Streben verdient Anerkennung. Im rezitirenden Schauſpiel ſahen wir ein recht artiges dreiaktiges Luſtſpiel: Die Eheſcheidung, nach dem Franzö ſiſchen von Kettel. Es hat eine unter haltende Intrigue, einen fließenden Dia log und recht hübſche Situationen. Auch die Darſtellung war ſehr gut, wobek wir beſonders der Mad, Grill er⸗ wähnen müſſen. Mad. Klimmetſch gab das alte, aber gute Melodrama Salomos Urtheil, und Hr n⸗ ner das noch ältere militäriſche Schau⸗ ſpiel:General Schlenzheim zur Be⸗