DR SOU.
Kae,
Mittwoch, 9. Septemb.
Theater.
Veſth(8. Sept.). Die vierte Rolle unſerer gefeierten Gaſtſängerin, Mad. Schröder-Devrient war Desdemona in„Othello.““ Sie bewährte auch hier, wie überall, die große Künſt⸗ lerin, die die Muſik dem Worte und nicht das Wort der Muſik unterordnet und dennoch beide ſinnig und geſchmak⸗ voll verſchmilzt, und man muß es ihr gerne verzeihen, wenn ſie ſich oft vom Gefühle etwas zu ſehr überwältigen läßt. Kraft, Wärme und Innigkeit des Vortrages, die mit aller Zauber⸗ macht des freien makelloſen Geſanges ausgedrükten Leidenſchaften, wo jede Note, jede Verzierung durch den dra— matiſchen Moment bedingt wird, waren auch in bieſer Parthie die dominiren— den Vorzüge der vortrefflichen Sänge⸗ ein, die ihr den Beifall der Kunſtver— ſtändigen in hohem Maaße ſicherten. Shakſpeare würde ſeine Desdemona in dem italieniſchen Opernbuche gewiß nicht erkennen— wie verſtümmelt erſcheint da dieſer ſchöne Charakter! kaum daß ihr noch die Geſichts farbe übrig blieb, um ſie von ihrem ſchwarzen Liebhaber zu unterſcheiden; würde aber der große Britte Roſſinis Muſik aus der Kehle der Schröder-Oevrient mit al⸗ ler dieſer großartigen muſikaliſch- dra— matiſchen Charakterzeichnung vernehmen können, gewiß er würde auch ſeinen
Geiſt wieder finden. Mad. S chröder⸗ Devrient, iſt unter Deutſchlands Sängerinen das, was Wil d unter den Sängern iſt oder vielmehr wa r, und würde ſie mehr Ruhe und Umſicht im Spiel über ſich gewinnen können, ſo wäre ſie dieſem noch einigermaßen vor—⸗ zuziehen.— Die Damen Mi n k und Schebeſt, welche bei Gelegen⸗ heit der Gaſtrollen dieſer Könſtlerin Alles aufbieten, um ihr würdig an der Seite zu ſtehen, verdienen deshalb ge⸗ rechtes Lob, und wir verſichern, daß ihnen dies Streben größtentheils gelungen. (Geſtern, den 7. Sept. gab man zum Erſtenmal und zur Venefize der Mad. Schröder ⸗ Devrient Vellinie „Nachtwandlerin“(Ja Sonnambula). Bei gedrängt vollem Hauſe. Darüber nächſtens mehr.) W. Wien(2. September). Die hieſigen Theater bieten nichts Neues oder doch nur Bagatellen, mit denen man bald fertig iſt. Im Jo ſephſtäbter⸗ theater trat eine Delle. Reimbeck als Kunigunde in Deinhardͤſteins„Hanns Sachs“ auf und gefiel ſehr, Organ, Aeu— ßeres und ziemliche Routine vereinigen ſich bei dieſer Schauſpielerin, ſte zu einer angenehmen, vielverſprechenden Erſcheinung zu machen. Hr. Dietrich, als Hanns Sachs, und Hr— Arbeſſer, als Bürgermeiſter, ſpielten brav. Auf dieſer Bühne erwartet man mehrere Novitäten. Ein Luſtſpiel von Holten, „Erinnerung“ betitelt, ein Schauſpiel


