59
An der Wien ſind ſie noch immer klaſ— ſiſch! Hr. Kunſt gaſtirt waker drauf los und hat eine Beneſtze um die an— dere. Seit meinem lezten Bericht ver— arbeitete er bereits den Meinau, den Marquis Poſa, den Georg(850 Jahre aus dem Leben eines Spielers), den Vayard, und den Grafen Greifen ſtein. Dimmi, che vuoi di pid? Wie wir hören, wird das noch einen gan— zen Monat ſo fort gehen und dann will Hr. Kunſt Peſth beſuchen.— Ein Kor— reſpondent hat manchmal nichts ande— res zu thun, als heute eine Neuigkeit zu erzählen, und ſelbe morgen zu wi⸗ derrufen. Geſchieht dies nicht augen⸗ bliklich— dann gehts über ihn her. Literariſche Rügen, humoriſtiſche Aus⸗ fälle, Abſtauber(2) und wie der Firle— ſanz aller heißen mag, ſezen dem Re⸗ ferenten die Daumſchrauben an, und machen ihn herunter, als hätte er ir—⸗ gendwo etwas Böſes angeſtellt. Der Name einer Seiltänzerin oder Thea— terſtatiſtin gefehlt geſchrieben— und alle Blätter wimmeln von ſogenannten Belehrungen, Antikritiken, Entgeg— nungen u. dgl. Auch ich habe mir ei— nes dreifachen Irrthums zu Schulden kommen laſſen. Ich kündigte den Tod der Delle. Moſtbauer an, und ſie wird wieder geſund, ich erzählte von dem Engagement des Herrn Clement im Theater in der Leopoldſtadt, und nun glich ſich die Sache nachträglich dahin aus, daß Alles beim Alten bleibt; ich referirte, daß H. v. Marinelli und Mad. de Bach Vorſtellungen à la Fran- coni zu geben geſonnen ſeien, und plözlich treten Hinderniſſe ein, die die Produktionen zu Waſſer machen. Man möchte ein Hürſch werden! Appropos, leſen Sie den Sammler?*) Hier haben ) Nein! Es kommt, unſers Wiſ— ſens, von dieſem geſchäzten Blatte nicht Ein Exemplar nach Peſth. N.
neulich einige Thiere(ein Hir ſch, ein Schneidervogel, Gelb⸗ ſchnabel ze.) in einen Spiegel ge— ſehen, und wegen des Reflexes, der ih⸗ nen ihre Geſtalt treu zeigte, ſolche poſſierliche Sprünge gegen den Spie⸗ gel gemacht, daß Alles laut auflachte. Adiaphoros.
Mailand. Daß Herr Carta— genova die Rolle des Furioſo von Do⸗ nizzetti mit hoher Auszeichnung gibt hat Mailand's Publikum längſt ent— ſchieden. Sein Wiedererſcheinen am 20 dieſes Monats, im k. k. Theater alla Canobbiana, beſtätigte dieſes Urtheil abermal. Ungeachtet ſeiner höchſt un— glüklichen Umgebung wußte dieſer brave Künſtler dennoch die Zuhörer zu elek— triſiren; ſie lobnten ihm mit Beifall im reichlichſten Maaße. Kaidama ward von Herrn Scheggi recht gut gegeben. Dieſer junge Mann, deſſen Talent wir bereits vom Theater Carcano her kennen, iſt ein in jeder Beziehung lo— benswerther Buffo, er iſt komiſch ohne gemein, lebendig ohne übertrieben zu ſein. Die Retter Eleonorens haben ihr und uns einen üblen Streich ge— ſpielt— beſſer wäre es geweſen, ſie in der Tiefe des Meeres zu laſſen. Fernando iſt die perſonifizirte Verle⸗ genheit. Wir rathen ihn ſich früher auf andern kleinen Provinzial-Bühnen zu verſuchen, ehe er es wieder wagt, auf einer bedeutenden der Hauptſtadt zu erſcheinen. Es iſt wahrhaftig un⸗ verzeihlich, unſere erſten Theater zur Arena für Anfänger herabzuwürdigen. — Der ehmalige Kuchen- nun Ton⸗ künſtler Jourdan, der den Kochlöffel und die weiße Müze, gegen Schwerdt und Helm vertauſcht hat, ward zu Madrid auf dem italieniſchen Opern⸗ theater, in Torquato Taſſo und der Pariſina zum Icarus. Ach, wäre er doch bei ſeinen Fleiſchtöpfen geblieben!— Madame Gartia- Ruiz, Malibran's


