D S mmung. Ci. Na le, 2222 Hegel.
12. Mittwoch,
24. Juni.
Theater.
Peſth(25. Juni). Die eun⸗ zige Gaſtrolle des Dresdner Künſtlers Pauly war, wie ſchon geſagt, Shy— lock, den er am 4. d. M. gab. Es war eine wahre Meiſterdarſtellung. So rich— tig gezeichnet ſahen wir dieſen Cha— rakter faſt nur von Devrient und Sey— delmann. Das Schmuzige des Reli— gionshaſſes, des Geizes und der Rach— gier, und das Edle der Vaterliebe wußte er mit erſtaunlicher Virtuoſität in ſich zu vereinen, und er zeigte den noch kräftigen Greis, der das Eigen— thümliche ſeines Volkes, beſonders je— ner Zeit: Regſamkeit, pikante, neki— ſche Sprache, verbunden mit kriechender Demuth, die iym gewaltſam angewöhnt wird, in ſich bürgt. Die Gerichtsſzene war unübertrefflich. Auch in der Wahl des Dialektes war Hr. Pauly ſehr glüklich und kann hierin andern Dar— ſtellern ſehr zum Muſter dienen. Der Beifall war außerordentlich.— Wir hören, daß He. Pauly in Kurzem wie— der hier eintreffen wird. Möge er uns doch wleder mit einigen Darſtellungen erfreuen.— Wir gehen zu Gaſtſpielen anderer Gattung über. Mad. Rohrbek hat am 15. d. M. in ei⸗ ner„Auswahl beliebter Szenen“ von uns Abſchied genommen. Sie hatte Ge— legenheit, ſich in mehrern Parthien zu zeigen und ihre Vielſeitigkeit, an den
Tag zu legen. Sie iſt in ihrem Fach aus; gezeichnet. Bei dieſer„Auswahl“ hatten wir aber auch einige kernhafte Genüſſe. Wir rechnen dazu das Duett aus„Tan⸗ cred,“ gan; vorzüglich geſungen von den Damen Schebeſt und Mink, ferner eine trefflich vorgetragene Arie der Mad. Mink dc.— das entſchädigte für Vieles.— Ein Gedicht in öſter⸗ reichiſcher Mundart:„der vierblätterige Klee“ betitelt, deklamirt von H. Gäde, war ſehr langweilig, wir wiſſen nicht, ob die Poeſie oder der Vortrag daran Schuld war. Der Tanz(ausgeführt von Vetti Moſer, Julie Treuhold- und den beiden Uhlichs) war amüſant, das Tableau(nicht Tableaux, wie der Zettel ſagt, denn es war nur ein Gemälde) war ſinnig arrangirt und be— friedigte.— Am 17. d. M. trat ein Hr. Fürſt(unbekannt woher) in der Rolle des Hans Sachs auf, und pro— duzirte ein nicht gewöhnliches Schau— ſpieltalent. Figur, Haltung und Or— gan ſind gut und er ſcheint auch zu wiſſen, wie er ſeine Rolle zu behan— deln hat. Er ward zweimal gerufen. Vielleicht können wir uns bei nächſter Gelegenheit mehr über ihn ausſpre— chen.— Dem. Stoll, die, wenn wir uns nicht irren, in Peſth als Vertha in der„Ahnfrau“ zum Er— ſtenmale die Bühne betrat, und die jezt Mitglied des Stadttheaters in Brünn iſt, erſchien am 20. in derſelben Rolle. Sie hatte damals ſchon ziemliche An—


