DR Sms.

Theater.

Peſth(5. Juni). Hr. und Mad. Rettich baben ihre Gaſtrollen raſch ſortgeſezt und ſie geſtern in Sbakſpea⸗ resKaufmann von Venedig(ihrer Veneſize) beendigt. Das Künſtlerpaar trat in allen Leiſtungen auf das Emi⸗ nenteſte und Wirkſamſte hervor und fei⸗ erten die ſiegreichſten und ehrenvollſten Triumphe. Sprechen wir nur von Heu waldsBild und ShakſpearesRo⸗ meo und Julie. Mad. Rettich, als Camilla und als Julie, war das Er⸗ babenſte, das man ſich in der mimi ſchen Kunſt denken kann; gewiß ſteht ſie darin in Deutſchland unübertroſſen da. Wohllaut ſtrömt von dieſen Lip⸗ pen, maleriſch ſind dieſe Geſten, Ge⸗ füht und Wehmuth ergreifen das Ge müth des Zuſchauers und reißen ihn endlich zur Bepeiſterung hin. Es fällt uns ſchwer in Einzelnheiten über⸗ zugehen. Jede dieſer beiden Rollen war ein vollkommenes Ganzes, das in den kleinſten Theilen im wohlberechne ten Zuſammenhange ſtand. Hr. Ret⸗ tich war als Maler Spinaroſa und Romeo der vollendete Künſtler, der, alltägliche Mittel verſchmähend, nur durch artiſtiſche Auffaſſung ſeines Cha rakters, durch ein tiefdurchdachtes, der Wahrheit und der Natur gemäßes Spiel zu wirken ſucht. Wie weit es

ihm gelingt, mag der Spinaroſa be⸗

ſonders als bündigſter Beleg dienen. Er brachte den eklatanteſten Effekt her voc. Das kunſtſinnige Publikum nahm dieſe herrliche Leiſtung(ſo wie übri gens auch alle andern) mit wahrem Enthuſiasmus auf. Das Künſt lerpaar ſcheidet von uns, und wer von den gebildeten Bewohnern Peſths wünſcht nicht ſehnlichſt, daß es bald wiederkehren und dauernder und wirk ſamer bei uns verweilen möge? Ue ber des großen Künſtlers, Hr. Pa u- ly(kön. ſächſ. Hofſſchauſpieler) ein⸗ zige(und gewiß einzige) Gaſtrolle als Shylock, die er geſtern aus Gefällig⸗ keit für die Rettichs gab, nächſtens einige Worte. Mad. Ro hrbeck ſezt ihre Gaſtrollen im lokalen Fache mit beſtem Erfolge fort. Sie erhei tert, troz der mangelhaften Umgebung. C. v. H.

Wien(2. Juni). Es jukt mir in den Fingern, ich muß ſchreiben. War⸗ um? Zuvörderſt um einer Berichti gung willen. Sie haben einen Korre ſpondenten in Ihrem Spfegel, der jüngſthin in einen großen Fehler ge⸗ rathen iſt: ich meine die Geſchichte vom Siege des Hrn. Staudigl über den Italiener Cartagenova, in Bellinis neuem Duett. Ich verbürge Ihnen mit meinem Ehrenworte das Gegen theil und zum Beweiſe meiner Be haup⸗ tung zitire ich Ihnen nur die jüngſten Blätter desWanderer's, worin Hr. von Seyfried, der den Welſchen eben