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Ast abschneiden und auch mit Kitt wohl über⸗ streichen muß. So wird der Baum wieder ge— deihen. N
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Ist die Bertilgung der Maikaͤfer unbedingt anzurathen?
Man glaubt durch die Vertilgung der Mai⸗ käfer den Bäumen eine Wohlthat zu erweisen. Die Meinung ist allgemein. Wie in vielen Din⸗ gen, so ist es auch mit diesen Thieren. Man sieht sie für ein Uebel an und vertilgt sie— ohne zu bedenken, daß es kein Uebel in der Welt giebt, das nicht zu Etwas gut ist. Man vertreibt und verfolgt die Maulwürfe, weil sie die Erde untergraben, und davon ein Paar junge Pflanzen absterben. Könnten wir sie aber alle vernichten, so könnten wir uns des kleinen Un⸗ geziefers in der Erde nicht mehr erwehren, und letzter Schaden wäre größer, als der erste. Die gänzliche Vertilgung der Maikäfer mochte dem⸗ nach ihr Bedenken haben, wie nachstehender Brief zu erkennen giebt.
Ich war auf meinem Gute, als die Mai⸗ käfer in ungeheurer Menge über die Bäume her— stelen. Ich konnte die unwillkommenen Gäste nicht walten sehen, und ordnete daher 20 Men⸗ schen zu ihrer Herabschuͤttelung in meinem sehr großen Obstgarten an. Die Maikäfer wurden in meiner Gegenwart mit aller möglichen Be— hutsamkeit auf untergebreitete Tücher herabge— schüttelt und verbrannt. Einige Bäume jedoch am Ende des Gartens, die ich theils nicht sehr achtete, theils aber wegen ihrer Größe und Stärke nicht füglich schütteln lassen konnte, ließ ich sammt den Maikäfern in Nuhe. Mehrere Bauernwirthe, die Fleiß und Sorgfalt zeigen wollten, folgten meinem Beispiele und schüttelten in ihren Gärten die Maikäfer ab. Die meisten Bauern aber ließen Maikäfer Maikäfer seyn, und sagten in ihrer gewöhnlichen Argumen⸗
ationsweise: Ohne Ursache ist kein Thier auf t
dieser Welt. Wer weiß, warum dieser Käfer, der seit mehreren Jahren schon nur in geringer Anzahl hier erschienen, dieß Mal in großer Menge sich einfanden!— Ich achtete nicht viel auf diese Reden. Aber auch mein alter Gärt⸗ ner, der bereits über 50 Jahre lang meiner Fa⸗ milie dient, warnte mich beide Male, vor dieser Operation. Ei, ei! gnädiger Herr, sagte er, lassen Eure Gnaden diese Maikäfer ja unge⸗ tastet; denn sie zeigen an, daß es heuer viel Obst geben werde. Schütteln Sie dieselben ab, dann ists um das Obst geschehen. Voriges Jahr erging es Ihnen eben so. Was nützt es Ihnen, wenn Ihre Bäume Laub in Menge, aber auch sonst nichts haben? Wie kahl werden oft nicht die Wälder durch die Maikäfer angefressen und die Eicheln gerathen doch. Sehen Sie, gnädiger Herr, das habe ich aus Erfahrung. So oft es geschah, daß ein starken Wind diese Käfer von den Bäumen blies, entstand eine Menge sehr kleiner Würmer und Insekten, die hintendrein alles Obst verdarben, ja selbes schon in der Blü— the zerstörten. Die Maikäfer hingegen fressen das Laub, reinigen die Blüthe von anderm Un— geziefer und sichern somit dem Baume seine Früchte zu.— So raisonnirte mein alter Gärt⸗ ner. Ich brummte etwas gegen ihn in den Bart und folgte ihm nicht.
Der alte Gärtner hatte Recht. Ich bekam zwei Jahre hindurch viel Laub und gar kein Obst, diejenigen Bäume ausgenommen, welche ich unangetastet ließ und die sehr fruchtreich waren, obgleich sie einige Wochen fast entblät—
tert dastanden. Kleine Mücken, Käfer und weiße
Würmer, dem Seidenwurm der ersten Tage ähn— lich, fraßen alle Blüthen von den geschüttelten Bäumen ab. Es half gar kein Mittel dagegen, so zahlreich fanden sie sich ein, und so hartnäckig saßen sie im Herzen der Blüthen. Eben so er— ging es auch den Bauern, welche meinem Bei— spiele gefolgt waren; den übrigen hingegen(denn jeder Bauer hat bei mir zu Hause einen Obst—


