Migcellen.

Einige Bemerkungen uͤber Obstweinberei tung. Fortsetzung.)

Da aber mit der stufenweisen Vermehrung des Alkohols in der Flüsfigkeit die Gährung lang samer und langsamer wird, denn der Alkohol schwächt die Kraft des Hefenstoffs; so kommt die Gährung nicht ganz zu Ende, es bleibt noch unzersetzter Zucker, der dann so langsam zersetzt wird, daß es oft Jahre und bei Traubenwein, wenn der Luftzutritt möglichst abgehalten wurde, oft über zwanzig Jahre dauert, ehe aller Zucker zersetzt wird.

Ist der Gährungsprozeß beendet, so hat der Wein in dem Verhältniß mehr Alkohol gewonnen, als Zuckerstoff zugegeben worden ist, aber nicht in diesem Verhältniß mehr Kohlensäure, denn diese verfliegt größtentheils schon während der Gährung.

Der mit einem Zuckerstoff zersetzte Most hat nun einen Wein geliefert, der nicht allein reicher an Alkohol und daher stärker, kräftiger und dauer⸗ hafter geworden ist, sondern der auch noch Zucker⸗ stoff zur zweiten sogenannten stillen Gährung üb⸗ rig behalten hat; was einmal den Geschmack der

im Obstwein enthaltenen freien Aepfelsäure ab⸗

stumpft und andertheils die Beendigung des Gäh rungs-Prozesses viel weiter hinaussetzt.

Nachdem ich mich auf die so eben dargelegte, aus den bessern Schriften über Gährung von Kölle, Döbereiner und Phenard geschöoͤpfte Gaͤh⸗ rungstheorie orientirt hatte, konnte ich meine oben aufgestellte Frage allerdings mit Ja beantworten.

In Folge dessen entstand nun die neue Frage:

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Welcher unter den Zuckerstoffen ist zum

Zusatze zu Obstmost der geeignetste, der

beste? 1 Sah ich mich unter den vielen Rezepten zur Obstweinbereitung um, so fand ich, daß durch⸗ gängig bei allen der Rohrzucker anempfohlen, so daß man in Versuchung geräth, diesen für den Helfer in der Noth zu halten.

Doch der von den meisten Aepfelwein-Fa⸗ brikanten gepriesene und gelobte und am, häufig⸗ sten gebrauchte Rohrzucker ist es gerade, der, un⸗ tersucht man die Sache genauer, sich am Aller⸗ wenigsten zu einem Zusatze eignet; denn er erfüllt die Anforderungen, die man an einen solchen Zusatz machen muß und kann, am Allerschlechte sten. Ja ich behaupte geradezu, daß diefer Ju⸗ satz es ist, der die Aepfelweinfabrikation am Mei⸗ sten hemmt und gehemmt hat; daß er die Ursache ist, daß die meisten Obstweinfabrikanten und Di⸗ lettanten gar bald wieder von diesem Geschaͤfte abgehen; daß er es ist, der diesen Zweig von je untergraben und niedergehalten hat. Dieß kann paradox scheinen, ohne es zu sein.

Der Rohrzucker ist es, der den Obstwein, das Surrogat des wirklichen Weins, zwar trinkbar, aber auch so theuer macht, daß, wer nicht eine Affenliebe für sein Fabrikat besitzt, es gestehen muß, daß ein solches Getränk, bei unsern nie⸗ dern Weinpreisen, ein solches Geld gewiß gar nicht werth ist.

Der Preis des Obstweins wird durch den Zucker doch wenigstens um 1 bis 13 Thaler er⸗ höht, beim Johannisbeerwein, wo viel mehr Zuk kerzusatz angewendet werden muß, vertheuert er gar den Eimer um 10 Thaler, wenn man 40 Pfund zum Eimer nehmen soll, wie eine Vorschrift in der Opera will. Wenn ich beim Aepfelwein von den bessern Sorten den Eimer fertig zu 4 bis 43 Thaler rechne und 12 Thaler den Zusatz, das macht 6 Thaler, dafür bekomme ich heutzu⸗ tage schon einen trinkbaren Wein, der unbedingt

in jedem Betracht dem Obstweine vorzuziehen ist.

Aber nicht allein der hohe Preis ist es, der dem Zucker seine praktische Brauchbarkeit raubt, es ist auch sein chemisches Verhalten.

(Fortsetzung folgt.).

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Be ch et i geg e ee

2,603

2630 fl. und Zeile 2 von unten statt: 803 fl., 830.

In Nro. 40. Seite 1 Zeile 16 von unten lies: stalt Holzziegeln, Hohlziegeln. Seite 4 Zeike 18 von oben statt: fl.

Druck und Verlag der G. D. Brüh l'schen Buch- und Steindruckerei in Gießen.

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