Entfernung von der Entstehung des Zweiges, die zweite aber gegen die Mitte zu, die dritte % von der Länge des Zweiges; die vierte endlich ist die aͤußerste, die dazu bestimmt ist, den Zweig zu verlängern. Von den ersteren Knospen ist jede einzelne dazu bestimmt, einen Seitenzweig zu bilden, so daß der ganze Baum sechs Zweige erhält. Von nun an, und den ganzen Sommer über, geschieht damit weiter nichts, als daß die Bäume angebunden werden. Im Monat Novem⸗ ber werden J der sechs Zweige abgeschnitten; die zwei ältesten bleiben aber ganz. Im folgen⸗ den Frühjahre werden sie wie die beiden ersten behandelt, nämlich man läßt ihnen nur vier Zweige, die eben so disponirt sind. Von den Seitenzweigen läßt man ihnen nur drei, wovon derjenige, der der äußerste ist, die Richtung fort⸗ setzt. Durch dieses Mittel ergibt sich eine Quelle von 26 neuen Zweigen, wovon zwei fortlaufen, um die Mutterzweige zu verlängern, und diese werden den Sommer über angebunden, und nach derselben Art der überflüssigen Knospen beraubt. Jedes Jahr vermehrt sich die Anzahl der Knos⸗ pen und folglich auch die der neuen Zweige ums Dreifache, und es bleiben außerdem noch zwei zu Mutterzweigen übrig, vergestalt daß sich im dritten Jahre 14, und im vierten Jahre 242 Zweige finden. Bei den gut tragenden Pfirschen

findet sich in dem Winkel eines jeden Blattes

im Moment seiner Entwickelung sogleich eine ein⸗ zige Knospe, oder ein Auge; gegen die Mitte des Sommers hingegen finden sich drei. Von den beiden Seitenknospen bildet jede die Kapsel für eine Blume, die mittlere ist eine Blattknospe und zur Vildung eines neuen Zweiges bestimmt. Hieraus geht also hervor, daß die Zahl der Blumen in jedem Jahre doppelt so groß ist, als die der Knospen oder gelassenen Augen, und so auch die doppelte Zahl der Früchte hoffen läßt. Im ersten Jahre könnte also ein Baum sechzehn Früchte tragen, wenn er nicht zu jung ist, Blü⸗

ten hervorzubringen, im zweiten Jahre wird er 58 Früchte bringen, im dritten 160 und im vier⸗ ten 183. Dieß ist das Maximum, das also durch Zufälle verringert werden kann. Die durch Hrn Sieleu waͤhrend 8 Jahren auf diese Art be handelten Bäume bezeugen durch ihre Schoͤnheit das Gute seiner Verfahrungsart.

Anekdote.

Ein Knabe im sächsischen Erzgebirge wurde von seinen Eltern nach einem drei Stunden ent fernten böhmischen Orte mit einem Schiebkarren geschickt, um Brod, welches dort wohlfeiler war, zu holen.

Beim Rückwege kam er durch ein Grenzstädt⸗ chen, wo für das Brod Accise bezahlt werden mußte. Er entrichtete die Abgabe, und erhielt dagegen den gewöhnlichen Accisezettel.

Eine Stunde von seinem Wohnorte begeg nete ihm der Visitator desselben, und da er von ihm erfuhr, wo er mit dem Brode herkäme, so fragte er ihn: ob er es auf der Grenze auch ge⸗ hörig veraccist habe?

Der Knabe antwortete schüchtern: Ja. Der Visitator verlangte den Accisezettel zu sehen, der Knabe suchte darnach, und sagte endlich sehr ver⸗ legen: er könne ihn nicht finden, und müsse ihn verloren haben.

Das ist ein leerer Vorwand! rief der Visi⸗ tator aus, das Brod ist Contreband, und ich nehme es in Beschlag.

Alles Flehen und Weinen des Knaben war fruchtlos; der Visitator nahm den Schiebkarren mit dem Brode in Beschlag, und fuhr damit sei nem Wohnorte zu. Der Knabe schlich weh klagend nach, bis der Visitator das Thor erreicht hatte. Hier lief der erstere auf letzteren zu und rief: Herr Visitator, ich habe den Zettel glückli⸗ cherweise wiedergefunden. Hier ist er! indem er ihn dem Visitator hinhielt; ich bitte mir meinen Karren und mein Brod wieder aus. Jetzt erst merkte der Visilator, daß der verschlagene Knabe den Accisezettel aus List verläugnet hatte, damit

er die Mühe erspare, den schweren Karren eine Stunde lang zu schieben.