geben vermag. Wenn hierbei der eingesetzte Zweig zu langsam nachwachsen sollte, so müssen die alten Zweige des Baumes durch starkes Ver⸗ schneiden am Wachsthum verhindert werden, da⸗ mit das neue Neis mehr Zugang bekommt;

4) wenn man ein Reis wählt, welches neben den Triebaugen ein oder einige Blütenaugen hat, welches bei zweijährigen Trieben leicht der Fall ist, von Pflaumen und Kirschen sogar bei ein⸗ jährigen, so wird man, sobald das Reis kommt und die alten Zweige stark verschnitten werden, noch im ersten Jahre Blüten und Früchte an dem Pfropfreise finden, eine Erfahrung, die zu manchen artigen Spielen Veranlassung gibt, in⸗ dem man, selbst auf einem noch nicht tragbaren Baume Früchte erzielen und auf einem und dem⸗ selben Baume sehr verschiedenartige Früchte be⸗ kommen kann.

Ein Beispiel aus vielen:

Ein junger Apfelbaum, der unter der Krone fast einen Arm stark war, aber noch nicht getra gen hatte, war auf der Ostseite astlos und die Krone so einseitig, daß es wünschenswerth schien, einen Zweig auf der leeren Seite einzusetzen. Dieser Zweig trieb im ersten Jahre schwach, setz⸗ te aber Blütenknospen an. Im zweiten Jahre trug das schwache Reis drei Nepfel, welche merk würdiger Weise weder der Sorte, von der das neue Reis genommen, noch auch der ähnlich waren, welche der Baum in bemselben Jahre zum ersten Male trug. Diese interessante Erschei⸗ nung war höchst überraschend, und ist vielleicht daraus zu erklären, daß der Blüthenstaub sich ganz eigenthümlich mischte. Im dritten Jahre trieb das junge Reis einen langen, schonen Zweig, und wären die alten Zweige des Baumes nicht schon zu stark, so würden sie von dem Einsetzling bald eingeholt sein. In Neuhörnitz bei dem Nichter Eckhardt kann dieser Wunderzweig in Augenschein genommen werden.

Was den Verband betrifft, so würde ich je dem Obstgärtner schmales graues Linnenband empfehlen und dieß statt des Bastes und jedes andern Bindemittels vorschlagen. Der Aufwand ist nicht sehr bedeutend, jedoch bei großen Baum⸗ schulen allerdings zu beachten. Es hat aber den großen Vortheil, den der VBast und jedes andere Bindemittel nie haben kann, daß man scharf und fest anziehen kann, welches besonders beim Kopu⸗ liren nothwendig ist. Das Linnenband ist, wenn das Reis angewachsen, bei Zeiten zu lüften, da die Kraft des Bäumchens nie im Stande ist, dasselbe zu zerreißen, wodurch beim Fortwachsen tiefe Einschnitte in die Rinde entstehen.

Ein bewaͤhrtes Mittel

gegen Baumschäden, das die Aufmerksamkeit al⸗ ler Gärtner und Güterbesitzer, aller Landwirthe und Forstmänner verdient.

Die Anpflanzung und Erhaltung der Bäu me ist gewiß kein unwichtiger Zweig der Land⸗ wirthschaft, zumal in unsern Gegenden. Dennoch aber ist bis jetzt unter den vielen Zweigen dieser Wissenschaft keiner so unverbessert liegen geblie ben, als eben dieser. Man überließ gewöhnlich Alles dem Gange und den Kräften der Natur. Wenn diese Natur dann in ihrem Gange und in der Anstrengung ihrer Kräfte durch gewalt⸗ same oder zufällige Ursachen gehindert wurde, so wußte man sich nicht zu helfen; man brauchte entweder gar keine, oder fehlerhafte Mittel, so daß das Uebel immer ärger wurde, und die schönsten Bäume abstarben, oder umgehauen wer⸗ den mußten. Wie viele Baume, die durch den kalten Winter 1828 gelitten hatten, verdarben, weil man keine Mittel, sie zu retten, wußte! Einem Engländer war es vorbehalten, die Men schen in einer Sache, die einen so nahen Vezug auf die wichtigsten menschlichen Angelegenheiten hat, aufzuklären. Nach einer langen Reihe von Jahren, während welcher er den Ursachen der