Mörtel bestrichen werden. Läßt man den Krebs im Holze, so dringt er immer tiefer ein und der ganze Baum kommt in Gefahr, zu Grunde zu gehen. Schon durch diesen Umstand, daß diese und andere Bäume im Frühling geschnitten wer⸗ den, kann man diese Krankheit häufig verhüten.
Pflaumenbäume, die Schaden gelitten hat— ten, müssen unweit der geimpften oder gepfropf⸗ ten Stelle geschnitten werden, um mehr junges Holz zu erhalten, das in 2 oder 3 Jahren wie⸗ der Frucht bringt. Kirschbäume leiden oft an Krebs und Gummifluß. Wenn man sie schnei⸗ det, so muß man jederzeit einige alte Zweige stehen lassen, um den Saft in die Höhe zu zie⸗ hen. Können aber die jungen Schosse einmal ihren Dienst thun, so schneidet man die vorigen weg, überall aber, wo was geschnitten wird, muß Mörtel aufgelegt werden.
So vorzüglich sich dieses Heilmittel an den Obstbäumen erprobt hat, eben so auffallend hat sich auch sein Nutzen an den Waldbäumen bestä⸗ tigt. Ulmen, die schon ganz in Abnahme gera⸗ then waren, Eichen, die durch Stöße, Quet⸗ schungen, eingeschnittene Buchstaben, Wagenrä⸗ der und andere Zufälle beschädigt waren, wurden nach sorgfältiger Abschneidung der schadhaften Theile mit dem Mörtel bestrichen, und erhielten dadurch wieder volles Leben und gesunde Säfte.
Schutzrede fuͤr die Sperlinge zu Gunsten der Obstbaumzucht.
Man wird in den landwirthschaftlichen Schriften wohl hundert Mal wohlgemeinte Mit⸗ tel lesen: wie der listige Sperling einzufangen, ja sammt seiner Brut zu tödten sey; aber nur aäußerst wenige Schriftsteller haben ihn in Schutz genommen. Wenn ich mich zum Beschützer die⸗ ses Vogels, sbesonders unter den gegenwärtigen
Umständen, aufwerfe, so bestimmt mich dazu die aus einer vieljährigen Erfahrung geschöpfte Ue⸗ berzeugung, daß dieser in jeder Jahreszeit treu bei uns ausharrende Freund unsern Obstbäumen sehr nützlich, und wenigstens gegenwärtig keines⸗ wegs überzählig vorhanden sey.
Sehr oft schon wurde in diesem Blatte auf— gefordert, die natürlichen Feinde der Raupen, die Singvögel mehr zu schonen, und einigemal schon wurde der Sperling als ein Naupeufeind gerühmt.
Ungeachtet dieser zweckmäßigen Belehrungen erhält sich doch die ererbte Feindschaft gegen die Sperlinge; der Muthwille der Knaben zerstört die Nester, die Brut dieser Vögel, und Erwach- sene steuern dieser grausamen Verfolgung nicht, weil auch sie die Sperlinge mehr für schaͤdlich als nützlich halten.
Unter diesen Umständen dürfte es nicht über⸗ flüßig seyn, aus der Erfahrung auf den wichti— gen Nutzen hinzuweisen, den dieser Vogel, be— sonders unsern Obstgärten leistet; nur auf diesem Wege dürfte man den Verfolgungsgeist gegen die Sperlinge bannen, der ohnehin in den meisten Ländern noch jetzt gesetzlich genährt wird.
Es ist allerdings nicht zu verkenuen, daß der Sperling in reifenden Getreidefluren, an Kirschen und Weinstöcken, in schlecht verwahr, ten Scheunen und Schüttböden, bei der ihm be— sonders eigenen Gefräßigkeit bedeutenden Scha— den anrichten könne. Da der von ihm gestiftete Nutzen nicht so in die Augen fällt, als der durch ihn angerichtete Schaden, so ist der bei jungen und alten Landleuten gegen ihn eingewurzelte Haß wohl erklärlich.
Aber um so wichtiger ist die Pflicht, auch das Gute bekannt zu machen, das der Sperling stiftet, und das ganz unterbleiben würde, wenn die Sperlinge der gegen sie herrschenden Verfol⸗ gung endlich unterliegen würden.


