Pfropfreis von oben herein zwischen Rinde und Holz gesetzt, sorgfältig umbunden, sodann die Stelle mit Baumwachs verstrichen wird. Hierbei, kommt nun Alles darauf an, daß erstlich der Wildling im vollen Safte stehe, zweitens die Rinde am Pfropfreis sich nicht verschiebe, drit⸗ tens der Verband scharf angezogen werde. Wird bei diesem Verfahren die nöͤthige Sorgfalt be obachtet, und geschieht es zur rechten Zeit, so kann es niemals fehlschlagen.

Bei schwachen Wildlingen, welche in der Kernschule noch gepfropft werden, so wie bei dünnen Zweigen auf bereits erwachsenen Bäum⸗ chen ist das Copuliren als die unfehlbarste und heilsamste Art des Veredelns anzuwenden. Eine Beschreibung des dabei zu beobachtenden Verfahrens ist nicht nöthig, da die Sache be kannt ist, würde aber auch nicht hinreichend sein, da man sich nothwendig mit den Augen selbst unterrichten muß. Ein gut angebrachtes Kopu⸗ lirreis bleibt niemals aus. Dabei kommt Alles auf einen glatten Schnitt und einen festen Ver⸗ band an. Daß der letztere nothwendig sei, kann man aus folgender Beobachtung schließen: So bald ein Kopulirreis in den ersten 14 Tagen nicht kommen will, lüfte man den Verband, zie⸗ he ihn aber sogleich um so fester an, oder lege einen neuen über den alten, ohne diesen zu lüf⸗ ten, und ziehe ihn mit Kraft fest an, nach acht Tagen wird das Kopulirreis aufbrechen. Jeder Verband muß gelüftet werden, sobald das Reis zu schwellen beginnt. In großen aumschulen, wo das Lüften des Verbandes viel Zeit erfordern würde, kann man mit schmalen Papierstreifen copuliren, deren beide Enden mit sehr klebrigem Baumwachs bestrichen sind, so daß sie blos an⸗ gedruckt zu werden brauchen. Sobald das Neis aufschwillt, sprengt es den Verband durch eigene Kraft. Doch hat dieß den Nachtheil, daß, wenn das Papier durch Regen und Thau feucht wird, dasselbe oft aufgeht, ehe das Reis angewachsen

ist. Das Copuliren hat den schönen Vortheil,

daß nach dem Anwachsen des Reises eine Wunde gar nicht vorhanden und oft nicht einmal die Stelle sichtbar ist, wo das Reis aufgesetzt wor⸗ den. Es gehört aber viel Genauigkeit und eine sichere Hand dazu. 62 5

Das Oculiren würde sich durch seine An⸗ wendbarkeit und Zulässigkeit unter den meisten umständen empfehlen, wenn es eine größere Si cherheit gewährte. Allein zu geschweigen, daß es bei erwachsenen Stämmchen mit staͤrkerer Rin⸗ de gar nicht anwendbar ist, gehört eine solche Feinheit des Werkzeuges und Genauigkeit des Arbeiters dazu, daß es sehr oft fehlschlägt, und an einem Stämmchen oder Zweige oft mehrere Jahre wiederholt werden muß, ehe es Erfolg hat. Ich habe wenigstens in Baumschulen starke Stämmchen gefunden bei denen die verharrsch⸗ ten Wunden die vergebliche Mühe bezeugten, wel⸗ che der Gärtner sich bei der Veredlung gegeben, bis der Stamm so starke Rinde bekommen hatte, daß das Okuliren nun gar nicht mehr in An⸗ wendung zu bringen war.

Dagegen mache ich auf eine neue, in un⸗ seren Gegenden ganz ungewöhnliche Art des

Veredelns aufmerksam, welche allgemein einge

führt zu werden verdient, ganz unfehlbar ist, und überall angewendet werden kann; ich möchte

sie das Einzweigen nennen. Man nimmt ein gewöhnliches Pfropfreis(es muß aber immer bedeutend schwächer, als der Wildling sein), schneidet es etwas weniges schräger, als beim Copuliren und Pfropfen in die Rinde, schneidet dann in den Wildling den sogenannten Oculir⸗ schnitt, welcher einem lateinischen T gleicht, trennt die Rinde vom Holze, gerade wie beim Oculiren, setzt den Zweig sicher und fest zwischen Rinde und Holz, verbindet die Stelle sorgfaͤltig und verstreicht sie, jedoch erst nach dem Verbande, mit Baumwachs, wobei man sehr wenig Baum⸗ Wachs noͤthig hat, da nur die Stellen verstrichen zu werden brauchen, wo der Schnitt nicht durch den Verband gedeckt wird. (Fortsetzung folgt.)