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auch in dem Verhältniß zu denjenigen, welche als Hörige unter ihnen lebten, und die durch man⸗ cherlei Umstände veranlaßt, nicht so viel Eigenthum an Grundstücken und nicht diejenigen Rechte an den Gemeindeverband besaßen, daß sie sich mit den ih— rigen hätten ernähren können und deßwegen solchen
Familien zu Hülfe kamen, welche gegenseitig nicht
im Stande waren, mit eigenen Händen ihr Feld selbst zu bestellen. Die Römer hatten keinen der Sache ganz entsprechenden Namen für diese Höri— gen und bezeichneten sie mit dem Worte servi (Sklaven). Das gute Verhältniß der Gutsbesitzer gegen die Hofhörigen gereichte gar trefflich zur Be— schleunigung der Feldarbeiten und zum möglich höchsten Ertrag der Wirthschaft, denn die letzteren gaben nur von den ihnen übergebenen Flächen eine gewisse bestimmte Quantität Getreide.„Jeder herrscht,“ sagt Tacitus von diesen Hofhörigen, „über seinen Heerd. Sie wohnen in eigenen Häu— sern um die Wohnung des Gutsherrn herum.“ Die— ser Heerd(sedes, Sitz) begriff außer der Wohnug, eine Scheune mit der Tenne, den Stallungen und dem Garten, überhaupt das, was wir jetzt Hof— räithe nennenz„Wenn der serzus seine Abgabe an Getreide, Vieh und Kleidungsstücken giebt,“ setzt dieser Geschichtsschreiber hinzu,„so verlangt die Herrschaft weiter nichts von ihm.“ Die Römer verwunderten sich über diese sanfte Behandlung sol— cher Bauern, die sie Sklaven zu nennen pflegten, da sie selbst die ihrigen mit Geiseln und in Fesseln zur Feldarbeit zu schleppen und zu treiben gewohnt waren. Was solchen Frohnbauern noch übrig blieb, nachdem sie ihre Abgabe entrichtet hatten, war ihr Eigenthum. Dergleichen Verhältnisse haben sich auch späterhin erhalten, ohne daß man sagen kann, es leide der Ackerbau dabei, wie man dies mit Necht von der polnischen Leibeigenschaft behauptet. Aus diesem schönen Verhältnisse zwischen Gutsherrn, welche fremder Arbeit und Dienste bedurften und deren Arbeitern läßt sich auch der Umstand erklä— ren, daß man nirgends von Empörungen der Knechte (eigentlich der Hofhörigen) unter den Deutschen lieset, da hingegen die Sklaven der Römer sich einigemal zu fürchterlichen Kriegen Fegen die römi— sche Negierung vereinigten, die Ermordung der Herren aber von einzelnen Sklaven, oder von ihrem Gesinde in Masse, gur nichts seltenes war. Ja einige Volksstämme der Germanen nahmen diese Hofhörigen unter ihre Streiter für das Vaterland auf, so daß diese Bauern dieselbe Anhänglichkeit an das Volk, unter welchem sie lebten, hegten, wie die eigentlichen selbstständigen und freien Glieder dieses Volkes ob sier gleich in einer gewissen Ab⸗ hängigkeit und Unterordnung leben mußten. Die
Anzahl dleser Arbeiter war überhaupt in frühern
Zeiten gering, besonders bei manchen Stämmen, bei welchen der größte Theil der Bodenfläche Ge—
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in Sklavenwirthschaften
meingut war, und jährlich wieder von neuem ge— theilt in andere Hände überging. Erst späterhin, nachdem die Römer vermittelst ihrer Hierarchie und ihrer Rechtsgelehrten, Einfluß auch auf die im In—⸗ nern Deutschlands wohnenden Stämme erhielten, und von Osten her die Slavischen Stämme mit ihrer strengen Leibeigenschaft, ein für die reichen Gutsbesitzer und Ritter anlockendes Beispiel gaben, wurde das Loos der Hofhörigen, zum großen Nach— theil für die Landeskultur härter, artete hie und da aus, und man begann Sklavenhandel zu treiben, ja Mönche fingen sogar an, die Freilassung der Sklaven der Römer bei den Hörigen nachzuäffen, wie die Klostergeistlichen z. B. in einigen fränkischen Klöstern, Veßra u. a., wo man den Altar, die Wachskerzen und gewisse religiͤöse Ceremonien dazu mißbrauchte, Sörige, welche Klöstern von Laien üherwiesen waren, zu Freigelassenen umzustempeln, diesen Freigelassenen aber so schwere Verbindlichkeiten auferlegte, daß der neue Stand noch härter war, als der frühere. Dieses war jedoch so sehr gegen den Grundcharacter der Germanen, daß der Sclavenhandel allmählig abkam, und daß dann, als im Innern von Deutsch— land die vormals freien Gutsbesitzer, die keine Va— sallen waren, sollten in Hörige und die Hoͤrigen in Leibeigene verwandelt werden, der Bauernkrieg er— folgte, zugleich aber auch die Reformation dazwischen— trat, und dem Bauer seine Selbstständigkeit wieder nach und nach zurückbrachte. Die Folge jedoch von allen diesen Ereignissen war, daß der Ackerbau an Achtung gewann, und der näheren Theilnahme der Vornehmen, Neichen und Gelehrten sich zu erfreuen hatte.
Bei den erwähnten trefflichen dem Ackerbau und der Viehzucht guüͤnstigen Einrichtungen der in Bezug auf das Religiöse und Bürgerliche freien Germanen vermehrten sie sich früher so stark, daß schon ihre eigene Konsumtion, und der Eifer, die Angehörigen hinlänglich zu ernähren, und mit der nöthigen Bekleidung zu versorgen, ein mächtiger Anreiz zu einer vermehrten Production wurde, so daß sie in Berg- und Hügelland die höheren Flä— chen, die nur irgend sich für die Bearbeitung eig— neten, urbar machten; Flächen, die späterhin all— mählig wieder verödeten. Die Bedürfnisse an Klei— dern, Waffen, Ackergeräthe, und der Bau ihrer Häuser, Scheunen, Stallungen, die Herstellung von Burgen und Städten, welche eine Menge von Ar— beitern in Metallen, Holz und andern Stoffen, wie Steinen, Kalk, Gyps u. dgl. nothwendig mach—⸗ ten, der Verkehr mit Kaufleuten von der Ostsee, von dem Rhein und von der Donau, ihr eigener Schiffbau und ihre eigenen Seefahrten, die Anfül— lung ihrer Magazine bei ihren Wohnungen, oder in den Burgen, um bei langen Belagerungen dem Mangel vorzubeugen, späterhin die Getreideversen—


