mit der Messerspitze oder einem schmalen Falzbein⸗ chen zu beiden Seiten los, schiebe das Schildchen von oben nach unten zwischen Ninde und Holz ein, bis der obere Theil des Schildchens mit dem Quer⸗ schnitt am Baume gleich steht, nehme dünnen starken Bast, verbinde die dadurch am Baume entstandene Wunde und hefte bei'm nämlichen Verbande die bei— den abgelösten Flügel von hinten gegen das Auge und„ieses selbst so fest an den Baum oder Ast, daß man den Umlauf des Saftes nicht zu hindern ge— denkt. Wird nun nach Verlauf von 10— 44 Tagen das Auge vollkommener, sieht man, daß dessen Spitze eine berggrüne Farbe bekömmt, so ist man seines Fortkommens versichert, und nehme sodaun am jun⸗ gen Bäumchen die ober dem eingesetzten Auge fort⸗ laufende Nuthe durch einen schiesen, aufwärts lau⸗ fenden Schnitt ab, und belege diese Abschnittsstelle mit Baumwachs. Wenn sodaun im Laufe des Sem— mers außer diesem Auge aus der Unterlage Aus— schläge hervortrelben, sollten, so nehme man solche als Safträuber sorgfältig ab, und lege, wenn dadurch Verwundungen entstanden, Baumwachs auf diese Stellen.
Dieses Verfahren gilt auch bei größeren zu oku⸗ lirenden Bäumen, nur soll man, wenn Väume in die Aeste okulirt werden, noch einiges Holz als Saft— zieher stehen lassen. Bei dem Okuliren mit Augen aus Neisern vom nämlichen Sommer soll man über die Hälfte des Blattes vom einzuschiebenden Auge abnehmen, übrigens wie angegeben verfahren; nur darf man nach dem Verfahren auf's schlafende Auge dem Baume durchaus kein Holz nehmen, denn da— durch koͤnnte man das Auge noch zum Ausschieben zwingen und es würde im nächsten Winter, da es nicht reifen konnte, sicher erfrieren.
Wenn man Steinobst okulirt, besonders bei Pfirsichen und Aprikosen, ist es rathsam, daß man Reiser wähle, die nebst dem Holzauge auch, noch Blüthenknospen haben; denn diese Bäume“ tragen dann früher und reichlicher.
Viele Baumzüchter okuliren mit ausgebrochenen Augen, indem sie die Rinde am Okulirreis in Form des Schildchens durchschneiden und sodann solche mit dem Auge ausbrechen und einsetzen. Man bat die Erfahrung schon oft gemacht, daß das zuerst angege⸗ bene Verfahren das bessere ist. 5 85
Sieht man, daß die inokulirten Augen ange⸗
wachsen sind, so löse man den Bast auf, und binde ihn lockerer.
Im nächsten Frühjahre aber, auch schon vor Winter, kann man ihn ganz abnehmen. 5
Von dem Verfahren bei den übrigen Veredlungs⸗ arten ein andermal.
Nach der Veredlung bleiben die Obstbäume in der Edelschule stehen, bis sie die gehörige Dicke und Höhe erreicht haben, und werden sodann auf ihren künftigen Bestimmungsort verpflanzt.
In den Jahren bis zur Versetzung muß die e Se von Unkraut rein gehalten und im Laufe
des Sommers einigemal herumgehackt werden. Die zur Form des Baumes unnöthigen Aus⸗ wüchse und Aeste hat man im Spätjahre abzuneh⸗ men, hüte sich aber dabei, den Baum zu sehr auszu⸗ giebeln, damit er nicht, während er zu schnell in die Höhe getrieben wird, zu dünn bleibe und im Ver⸗ hältniß zu seiner Höhe eine angemessene Dicke be⸗ kommt. 4 Bäume, die den erforderlichen geraden Wuchs nicht von selbst bekommen, müssen an einen geraden starken Pfahl befestiget, und so nach und nach in dentliche Richtung gebracht werden. N
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Ueber große Pflanzkartoffeln. Vom Gutsbesitzer Herrn Gildemeister zu Schöneiche. (Beschluß.)
Als wesentlichen Umstand muß ich hierbei noch bemerken, daß die Stauden von der großen Saat überaus voll saßen, 30— 40 Stück an jeder, die jedoch sämmtlich sehr klein waren, und nur selten die Größe eines Hühnereies hatten.
Wenn ich nun gleich gestehe, daß dieß Ergebniß mich im ersten Augenblick etwas stutzig machte, weil es meinen Erwartungen ganz und gar nicht entsprach, so fand ich doch bald den Schluͤssel dazu. Es ist naͤm⸗ lich klar, daß mein Boden noch nicht denjenigen Grad von Fruchtbarkeit besaß, der erforderlich war, um einen, der verstaͤrkten Aussaat entsprechenden Ertrag zu liefern. Die Kartoffeln hatten reichlich genug ange— setzt, aber die Bodenkraft war nicht im Stande, sie voͤllig auszubilden. Waͤre dieß geschehen, so wuͤrde der Ertrag eben so hoch ausgefallen sein, wie der des Frhrn. v. M. Wenn nun gleich dieser Versuch nicht mit solcher nachahmungswürdigen Genauigkeit, wie der des Frhrn. v. M., durchgeführt würde, wozu es mir dermalen lei⸗ der noch an Zeit gebricht, so konnen doch auch dabei keine groben Taͤuschungen Statt finden, und ich glanbe daher nicht zu irren, wenn ich fur die Praxis folgende Regelu daraus abziehe: 1 17(
1) daß es für jeden Früchtbarkeitszustand des Bo— dens ein bestimmtes Maaß der vortheilhaftesten Saat Verwendung gebe, welches uͤberschritten, in Saat-Verschwendung ausartet;
2) daß demnach das Maaß der Einlage proporti⸗ onal sein muͤsse der im Boden vorhandenen Kraft. 5
Beim Getreideban war man bekanntlich schon vor uralten Zeiten zu dem Grundsatz gekommen, starken Boden stark und schwachen Boden schwach zu besaͤen, und was auch spaͤterhin dagegen gesagt und geschrieben worden, dieser Grundsatz wird noch heut zu Tage von
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