Der Anbau der Kartoffeln ersetzt nun über

dem in der Kultur des Bodens die reine Som merbrache, und es gehört bei uns zu den guten Wirkungen der Kartoffelbrennerei, daß jene bis jetzt schon sehr beschränkt ist, und immer mehr beschränkt wird. Was sonst durch die Bearbei tung der gedüngten reinen Sommerbrache von der Kraft des Düngers durch die Wirkung der Luft verloren ging, das giebt jetzt eine Kartof⸗ felerndte von den geringern, den Getreidefrüch⸗

ten nicht zusagenden Bestandtheilen des Mistes. Gegen eine reine, mit frischem Dünger in den Sommermonaten durchgearbeitete Brache ist also die Kartoffelerndte hier reiner Gewinn, und giebt überdem durch das Futtern der Brannt- weinschlempe und durch sorgfältige Benutzung aller thierischen, besonders auch der flüssigen, Abgänge eben so viel Düngerkraft zurück, als eine gleiche Fläche guter Klee. 8 Alle diese Vortheile treffen nun den ländli⸗ chen Branntweinfabricanten, der sich die noͤthi⸗ gen Kartoffeln dazu selbst baut, zunächst, und setzen ihn in den Stand, auch unter ungünstigen und drückenden Handelsconjuncturen folgende Vortheile für den Flor des Ganzen herbeizufuͤh⸗ ren und zu tragen. Wohlfeile Lebensmittel, die wohl jeder Verständige als ein wesentliches Beförderungs mittel der öffentlichen Wohlfahrt ansehen muß, sind die nächste Folge hiervon. Denn

2) Wohlfeilheit des Brotes entsteht schon unmit⸗

telbar dadurch, daß große Massen des Kornes, (dessen Anbau durch die Kartoffeln nicht im mindesten beeinträchtigt werden darf), die frü⸗ her zu Branntwein verwendet wurden, für die Brotconsumtion übrig bleiben, welche auch als

Thatsache der Gegenwart, wenn nicht Fer. erndten des Kornes und der Kartoffeln(wie

bei uns im Jahre 1832) eintreten, augenschein⸗

lich ist, und keines weitern Beweises bedarf.

p) Wohlfeilheit des Fleisches wird durch den An⸗

reiz zur Viehhaltung Behufs Benutzung der Kartoffelschlempe bewirkt, bei welcher überdem noch durch die Merinozucht eine höchst wichtige Stapelwaare für den Handel im Großen in der feinen Wolle gewonnen wird. Von Butter und Milch gilt dasselbe.

e) Wohlfeiler Branntwein ist eine directe Folge

der Kartoffelbrennereein. Wenn früher, ehe diese ins Leben traten, eine Ohm(à 120 Berl. Quart) Branntwein ohne eine Abgabe an den Staat 20, 25 bis 30 Thlr. kostete, so kostet er jetzt bei einer Steuer von 5 Thlr. pr. Ohm, 14, 16 bis 18 Thlr., je nachdem die sonstigen Productenpreiße sind; ja, man hat ihn bis zum Jahre 1830 auch oft für 10 bis 12 Thlr. pr. Ohm verkauft.(Fortsetzung folgt.)

Theater in Giessen.

Sonntag den 5. October: Die Weiberkur, oder

Liebe kann Alles! Lustsp. in 4 Akt. v. Hol⸗

bein. Dann folgt: Der Vetter aus Bre⸗ men, oder die 3 Schulmeister. Lustsp. von Körner. f

Dienstag den 7. October: Lenore, oder das

Ende des 7jährigen Krieges, vaterländ. Schausp. mit Gesang in 3 Abthl. von C. Holtei.

Freitag den 10. Oct.: Die Wiener in Berlin.

Fruchtpreise.

Komische Oper in 1 Akt, von C. v. Holtei. Vor⸗ her: Die Vertrauten, oder der Rock des Königs, Lustsp. in 2 Akten v. A. Müllner.

F. A. Friese.

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