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Nr. 8

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Gießener Zeitung

( Gießener Tageblatt)

Erscheint Mittwochs und Samstags. Bezugspreis 2,40 M vierteljährlich frei ins Haus. Für Aufbewahrung oder Rüd­endung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert.

v.) geben. Dadurch tam Redaktionsschluß früh 8 Uhr.

teilen und Arbeitsträfie Gehälter und die anderen amitert, also unnötig ab die entgegengejekte En ündigt und zurückgezab der Wirtschaft weite slosigkeit wächst. Die ntommt: Nicht hamiter es nur furze Zeit ni

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nden. 8. gänzlich neu b Stichwörtern und Artikel It und auf Tafeln, Band n Frühjahr 1932, Band erdienst des Bibliograph neben seiner umfassende eriton" ein neues, zeit iches Nachschlagewerk he

t gültige Vorbestellungs Band in Ganzleinen, 25,

nes nach 1892 erschienen der Bandpreis um je me jowohl inhaltlib als and

14 Jahrg.

Bolitische Rundschau.

Der Wirtschaftsbeirat der Reichsregierung trat am Freitag vieder unter dem Vorsiz des Reichspräsidenten zusammen. Man rwartet, daß die allgemeine Aussprache noch bis zum Abend be: mbet ist. Unmittelbar im Anschluß daran sollen die drei Aus­hüsse gebildet werden, die sich mit dem Lohn- und Preisproblem, den Kartell- und Zollfragen und dem Problem einer Senkung der Zinslasten befassen sollen. Am wichtigsten ist zweifellos der Lohn- und Preisausschuß, auf dessen Arbeiten die Reichsregie­rung den größten Wert legt.

Die Schlichtungsverhandlungen über die Neuregelung der Löhne ab 1. November für die Arbeiter in fommunalem Dienst haben am Freitag im Reichsarbeitsministerium begonnen und verden den ganzen Freitag und Sonnabend in Anspruch nehmen.

In Berliner unterrichteten Kreisen nimmt man an, daß der deutsch- französische Wirtschaftsausschuß zwischen dem 10. und 15. Rovember seine erste Sigung in Paris abhalten wird.

Am 9. November tritt im Reichsjustizministerium eine Kon­jerenz der Ländervertreter zusammen, um über die Schaffung des nach der Notverordnung in Aussicht gestellten sozialen Mietrechts jusprechen.

In unterrichteten Schweizer Kreisen rechnet man mit der kündigung des deutsch- schweizerischen Handelsvertrages.

Der Zechenverband hat wegen der schlechten Wirtschaftslage die ab 1. Oktober ds. Js. gültigen Vereinbarungen vom 14. Otto: ber über Gehälter und soziale Zulagen der technischen und kauf­männischen Bergbauangestellten vom 30. November d. J. gekün= digt, d. h. zu dem gleichen Tage, zu dem auch die Löhne der Sergarbeiter gekündigt worden sind.

Zum Ausgang der englischen Wahlen wird in Berliner Krei­jen erklärt, eine Aenderung der allgemeinen Politik Englands jei nicht zu erwarten.

Nach den letzten Zählungen hat sich die Regierungsmehrheit im englischen Parlament auf 555 Abgeordnete erhöht.

Die englische Nationalregierung gedenkt sich unverzüglich an das wirtschaftliche Reformwerk zu begeben, das sie dem Lande Qualitätsarbeit barfelversprochen hat. Fülle recht vielen Menschen menden.

er schöne Abreißkalende g Died& Co., Stuttgart für alle, die als Leichta Fußballer, Wintersportle der Wettkampfbahn tun

ehen" mehr Freude mat rhaupt, die unsere gefur hönen Bildern lieben. Doppeltondrud kommt eisausschreiben: Wer f

Wie das Journal" aus Madrid berichtet, hat der Unter­juchungsausschuß seine Untersuchung abgeschlossen. Es ist Anklage erhoben worden gegen 20 Persönlichkeiten, von denen aber nur 14 wegen politischer Vergehen verfolgt werden sollen. Die An­lage gegen den früheren König Alfons XIII, lautet auf Hoch­verrat.

,, Sera Secolo" meldet aus La Valetta auf Malta, eine

Rotabelnversammlung in Malta beschloß einen Aufruf an das englische Parlament zu richten, für Erweiterung der Selbstver­valtung der Insel.

Nach Meldungen aus Rio de Janeiro ist es den Regierungs­truppen gelungen, die im Besitz der Stadt Pernambuco befind­lichen Aufständischen von allen Seiten einzuschließen. Nach Be= richten des Gouverneurs ist die Lage der Rebellen hoffnungslos.

Die letzte Wochenbilanz der Bank von Frankreich weist aber­nals ein Anwachsen des Goldschazes um 1,7 auf 64 Milliarden Franken aus.

Der Reichsrat genehmigte am Donnerstag die Ausprägung ton insgesamt 120 Millionen RM. neuen Silbermünzen.

usern. Unter dieser Uebe der durch ihren anregung ft ,, Das schöne Hein fich Wohnungen in älters Aufwand den Bedürfnij Jassen. Das November Sandlung zu haben. Veri Er bildet das Charatteri besteht, erzählt Ihnen ommenden neuesten Heft Artikel behandelt den

das im Vordergrund m

Internationale Finanzkonferenz

unvermeidlich.

29 Milliarden deutsche Auslandsschulden. Der deutsche Botschafter in Paris, Herr von Hoesch, ist am Freitag vormittag in Berlin eingetroffen. Er wird in den nächsten beiden Tagen der Reichsregierung über die französische Luffassung von der Weiterentwidlung der internationalen

an Klein in Gießen Finanz- und Wirtschaftsfragen Bericht erstatten und seinerseits

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Giessen

Südanlage 21.

inderei.

chriften.

erbände

über die Meinung der Reichsregierung, vor allem über ihren Billen, zu dieser grundlegenden Bereinigung des internationalen Schuldenproblems zu gelangen, unterrichtet werden.

Das Reichskabinett wird sich im Laufe der kommenden Boche mit der Reparations- und Schuldenfrage befassen, sobald Klarheit über die Absichten Lavals besteht. Die Sigung des Reparationsausschusses der Reichsregierung am Donnerstag bend gedieh, über einen grundsätzlichen Gedankenaustausch nicht hinaus. Darüber scheint jedoch zwischen den maßgebenden Res­jorts volle Einmütigkeit zu herrschen, daß der von dem inter­esterten Ausland seit Tagen mit steigendem Nachdruck emp­jhlene Weg einer deutschen Initiative in der Richtung des Sachverständigenausschusses der BJ3. nicht nur politisch für Deutschland, sondern auch sachlich zur Lösung des Gesamtpro­Nems durchaus unzweckmäßig ist.

Aber was nicht minder wesentlich ist, auch die außerordent­Ich umfangreichen privaten Schuldbeziehungen Deutschlands dem Luslande gegenüber können von den Sachverständigen der BJZ. far nicht in den Kreis der Erörterungen einbezogen werden. I'm welche Beträge es sich dabei handelt, erfährt man neuer­lings: Die Erhebungen, die die Reichsbank über die Gesamthöhe ler deutschen Auslandsverpflichtungen einschließlich Dawes- und Jounganleihe angestellt hat, haben einen

Kapitalbetrag von rund 29 Milliarden Mark ugeben. Die darauf ruhende Zinsenlast ist auf insgesamt minde­

Drud und Verlag von Albin Klein in Gießen Geschäftsstelle: Gießen, Südanlage 21. Fernsprecher Nr. 2525 und 2526. Postschedkonto Nr. 69 530 Amt Frankfurt a. M.

Samstag, den 31. Oktober 1931

stens 2 bis 2,5 Milliarden Mark jährlich zu schätzen, eine Summe, die demnach etwa die Höhe der ,, normalen" Dawes- Annuität erreicht.

Wenn man die Weltlage vom Kern der allgemeinen Krise, nämlich von Deutschland aus, ernsthaft sanieren will, dann ist es unmöglich, sich auf einen Ausschnitt aus der Gesamtverschuldung Deutschlands, nämlich auf die politischen Lasten des Reiches, zu beschränken. Infolgedessen gibt es nur einen Weg, nämlich den, die Dinge vor das Forum einer großen internationalen Konferenz zu bringen, und zwar noch im Laufe dieses Jahres. Es ist dabei selbstverständlich, daß diese Konferenz nicht lediglich von Finanz- oder Währungstechnikern und Bankiers beschickt werden darf, sondern daß man auf ihr auch die politische Ver­trauenskrise behandeln muß, auf die bereits der Layton- Bericht mit großem Nachdruck und Ernst hingewiesen hat.

Die These von der Unantastbarkeit des Youngplanes, die die französische Politik offenbar auch nach der Washingtoner Reise Lavals aufrechterhalten sehen will, ist bei der Gesamtlage einfach nicht mehr zu retten. Je eher Frankreich das einsieht, umsomehr wird es in seinem und im europäischen Interesse handeln.

Berbilligte Kohle für Erwerbslose.

Eine begrüßenswerte Maßnahme der Kohlensyndikate. Berlin. Sämtliche Kohlensyndikate haben sich bereiterklärt, für Erwerbslosenempfänger Kohlen zu ermäßigten Preisen ab= zugeben oder Kohlenmengen in gewisser Höhe gratis zur Ver­fügung zu stellen, um Preisnachlässe für die an Erwerbslose abgegebenen Kohlen zu ermöglichen. Ebenso wird auch der Koh­lenhandel seinerseits zur Verbilligung durch Ermäßigung des Handelsrabatts und der Kleinhandelsaufgelder beitragen. Fer­ner hat sich auch die Reichsbahn durch eine für alle Entfernungen gleich Ermäßigung der Frachten für Erwerbslosen- Kohle( 3 Pfg. je Zentner) an der. Verbilligungsaktion beteiligt.

Die Untersuchung des Sprengstoffundes.

Bei der Prüfung des in der Wohnung des Agitators Ueber­brüd in der Siedlung Lindenhof in Tempelhof beschlagnahmten schriftlichen Materials ist man unter anderem auch auf einen Brief aus Mostau gestoßen, den der im Frühjahr dieses Jahres flüchtig gewordene Funktionär Gutsche an Ueberbrück geschrieben hatte. Gutsche war Führer einer Sprengkolonne, deren übrige Mitglieder teils in Berlin, teils in Breslau verhaftet wurden und gegen die jetzt das Hochverratsverfahren beim Reichsgericht schwebt. Schon damals liefen auch die Fäden dieser Sprengstoff­affäre nach Schlesien, von wo Ueberbrück fürzlich

mit zwei Koffern voll Sprengstoff

nach Berlin gekommen war. Der Brief aus Moskau enthält aber auch einen Hinweis auf die Beziehungen zu Schleswig­Holstein, wo zur Zeit ebenfalls Ermittlungen der Polizei im Gange sind. In dem Schreiben erwähnt Gutsche nämlich auch den der KPD. angehörenden Hamburger Bürgerschaftsabgeord­neten Presche, der schon einmal in den Verdacht geraten war, daß er zu Sprengfolonnen in Beziehungen stand.

( Neueste Nachrichten)

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Nummer 87

Das Handwerk zum Lohnproblem.

Der Vorsitzende des Reichsverbandes des Deutschen Hand­werks, Fr. Derlien- Hannover, stellte der Schriftleitung des ,, 8- Uhr- Abendblattes", Berlin, nachfolgende Ausführungen zur Verfügung:

Das deutsche Handwerk hat in den letzten Jahren wieder­holt Anlaß nehmen müssen, seine Bedenken gegenüber der Lohn­politik zum Ausdruck zu bringen. So haben u. a. die Spitzen­verbände des Berufsstandes- der Reichsverband des Deutschen Handwerks und der Deutsche Handwerks- und Gerverbekammer­tag noch in einer Entschließung vom 8. November 1930 eine zielbewußte Abkehr von der Zwangsbewirtschaftung der Löhne verlangt. Zu wiederholten Malen hat das Handwerk seiner Auffassung Ausdruck gegeben, daß das seit mehr als einem Jahrzehnt geübte System der politischen Löhne" mit seinen Schiedssprüchen und Zwangstarifen in hohem Maße zur gegen­wärtigen Wirtschaftskrise mit ihrer ungeheueren Arbeitslosigkeit beigetragen hat. Mit Recht hat es eine alsbaldige Beseitigung dieser wirtschaftsfeindlichen Zwangswirtschaft gefordert. Das Handwerk lehnte eben schon immer den durch die restlos durch­geführte Bindung der Arbeitslöhne vorliegenden Schematismus und die damit verbundene Nivellierung ab. Es war der Fehler unserer ganzen staatlichen Lohnpolitik, daß sie zudem nur auf die Probleme der Großwirtschaft abgestellt war und eine individuelle Berücksichtigung, eine Kleinwirtschaft und eine Handwerkswirt­schaft überhaupt nicht kannte, obwohl in Industrie und Hand-, werk ganz verschiedene Arbeitsbedingungen vorhanden sind.

Wenn man heute angesichts der schweren wirtschaftlichen Depression die Fehler der Vergangenheit einsieht, so wäre es m. E. trotzdem für die gesamte Volkswirtschaft ein schweres Verhängnis, in einen ungehemmten Lohnabbau verfallen zu wollen Damit soll durchaus nicht bestritten werden, daß in manchen Berufszweigen eine weitere Lohnermäßigung noch mög­lich, ja sogar auch notwendig ist. Allein es wäre verkehrt, hier in den eingangs gerügten Fehler einer schematisierenden Rege­lung zu geraten. Ein übertriebener Lohnabbau könnte zudem leicht durch den Schwund der Kaufkraft den erhofften Erfolg auf Besserung der Geschäftslage durch Verminderung der Ge­stehungskosten wieder in Frage stellen und so zu weiterer Stagnie­rung im Wirtschaftsleben beitragen. Gerade das Handwerk, das etwa mit einem Drittel an dem Absaßkonsum beteiligt sein dürfte und dem Verbraucher am nächsten steht, hat kein Interesse an einem die gesamte wirtschaftliche Lage noch verschärfenden Absaßausfall.

Zudem wird ein etwa 10prozentiger Lohnabbau niemals eine 1oprozentige Preisermäßigung nach sich ziehen können, da sich die Ermäßigung des Lohnes unter Berücksichtigung der übri­gen Unkosten wohl schwerlich in ihrem prozentualen Gesamt­umfang auf die Preise auswirken wird. Es kann sich immer nur um eine anteilsmäßige Auswirkung bei den Preisen handeln, da auch noch mit den übrigen Geschäftsunkesten, wie vor allen Dingen Steuern und sozialen Abgaben, gerechnet werden muß. Für das Handwerk steht somit zu befürchten, daß etwaige eigene Einsparungen durch den Lohnabbau die Absatzverluste infolge

14 Wahlvorschläge für die Landtagswahl. der verminderten Kaufkraft nicht auszugleichen vermögen. Wenn

Für die Hessische Landtagswahl am 15. November sind fol= gende 14 Wahlvorschläge eingegangen: 1. Sozialdemokraten, 2. Zentrum, 3. Kommunisten, 4. Kommunistische Opposition, 5. Deutsche Volkspartei, 6. Staatspartei, 7. Radikaldemokraten, 8. Christl. Soz. Volksdienst, 9. Volksrechtpartei, 10. Hessisches Landvolk, 11. Deutschnationale Volkspartei, 12. Sozialistische Arbeiterpartei, 13. Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei, 14. Wirtschaftspartei.

Listenverbindungen haben eingegangen: Kommunistische Op­position und Sozialistische Arbeiterpartei, ferner Deutsche Volks­partei, Volksrechtpartei, Hess. Landvolk und Wirtschaftspartei. Die Listen 5 und 9( Deutsche Volkspartei und Volksrechtpartei) find enger verbunden.

Auf der Liste der Wirtschaftspartei stehen Rechtsanwalt Ludwig, Ingelheim, und Kaufmann Reibert, Neu- Isenburg als Listenführer.

Der Wahlvorschlag der NSDAP.

1. Karl Lenz, Schriftsteller, Darmstadt. 2. Prof. Ferdinand Werner, Studienrat, Buzbach. 3. Frizz Kern, Fabritarbeiter, Eberstadt. 4. Heinrich Ritter, Bürgermeister, Gau- Odernheim. 5. Dr. Reinhold Daum, prakt. Arzt, Oppenheim. 6. Wilhelm Schwinn, Gast- und Landwirt, Spreng( Odw.). 7. Edmund Philipp Diehl, Landwirt, Gau- Odernheim. 8. Wilhelm Seipel 2., Landwirt, Fauerbach( Oberh.). 9. Dr. Werner Best, Gerichts­assessor, Gonsenheim. 10. Alfred Klostermann, Lehrer, Vocen­rod.

11. Heinrich Gödel, Landwirt, Langen. 12. Dr. Karl Schilling, praft. Tierarzt, Gau- Odernheim. 13. Daniel Hauer, Handlungsgehilfe, Darmstadt. 14. Hans Döring, Spediteur, Darmstadt. 15. Dr. Heinrich Müller, Regierungsrat, Alsfeld. 16. Dr. Wilhelm Schäfer, Syndikus, Offenbach. 17. Karl D'An­gelo, Osthofen. 18. Wilhelm Wassung, Hauptmann a. D., Darm­stadt. 19. Friedrich Claß, Steuerinspektor, Darmstadt. 19. Phi­lipp Wilhelm Jung, Rechtsanwalt, Worms. 21. Otto Geiß, Landwirt, Vadenrod. 22. Dr. Otto Jvers, Chemiker, Eberstadt. 23. Dr. Wilhelm Wagner, Landwirt, Boxheimer Hof, Bürstadt. 24. Karl Wahl, Arbeiter, Vadenrod. 25. Josef Buttler, Arbeiter, Eberstadt. 26. Bernhard Graf zu Solms Laubach( Oberhessen).

man allerdings ohne Rücksicht auf den Inlandsabsatz die Be­deutung Deutschlands als exportierender Staat in den Vorder­grund stellt, dann würde man wohl zur Hebung der Ausfuhr eine allgemeine Lohnsenkung als unbedingt geboten bezeichnen müssen, zumal fast durchweg die Gestehungskosten im Ausland unter denen der deutschen Wirtschaft liegen.

Ich glaube auch nicht, daß ein Lohnabbau in Deutschland zu einem wesentlichen Rückgang der Arbeitslosigkeit infolge von Neueinstellungen führen könnte. Die deutsche Volkswirtschaft ist keine isolierte Wirtschaft, sie leidet ebenso unter der augen­blicklich herrschenden Weltkrise wie die übrigen Länder. Diese trifft Deutschland um so schwerer, solange es noch mit den un­geheueren Reparationszahlungen belastet ist.

Der Lohn wird seine unterste Grenze immer an dem soge­nannten Existenzminimum finden. Allerdings ist dieses ein sub­jektiver Begriff. Vielleicht auch haben sich die Anschauungen über das zum Leben Notwendigste gegerüber der Vorkriegszeit geändert. Jedenfalls kann ein verlorener Krieg mit allen seinen Lasten und Verpflichtungen wohl kaum zu einer Herauffezung der Lebensansprüche Anlaß geben. Daß das Existenzminimum verschiedenartig aufgefaßt wird, beweist u. a. der Umstand, daß z. B. Alleinmeister im Handwerk durch die Not der Zeit gezwungen sind, zu einem Stundenverdienst zu arbeiten, den der Geselle als unter dem Eristenzminimum liegend ablehnen würde bezw. abgelehnt hat. Man wird somit wohl schwerlich behaup­ten können, eine Erreichung oder gar Unterschreitung des Existenzminimums verbiete einen weiteren Lohnabbau. Wie die Finanzämter bestätigen können, wird von vielen Handwerks meistern der Verdienst eines vollbezahlten Gesellen nicht erreicht.

Der gezahlte Lohn erhält seinen Wert erst durch die Mög lichkeit, was man sich für den Gesamtbetrag zur Bestreitung der täglichen Bedürfnisse kaufen kann Nicht die Lohnhöhe als solche ist von entscheidender Bedeutung, sondern immer die in ihr wohnende Kaufkraft. Man wird für die jüngste Vergangenheit wohl kaum feststellen können, daß die Preise in ihrer Entwicklung mit den sinkenden Löhnen gleichen Schritt gehalten haben. Daß sie es nicht konnten, erklärt sich zum Teil daraus, daß die übrigen Gestehungskosten keine wesentliche Tendenz zum Fallen