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Nr. 9

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Samstag, den 31. Januar 1931.

Lokales.

Verbot öffentlicher Anf- und Umzüge sowie Ansammlungen in der Ludwigstraße zwischen Garten: und Bleichstreiße, der Bismardstraße und Goethestraße zwischen Loeber- und Stephanstraße.

Vom Polizeiamt wird uns mitgeteilt:

Auf Grund des§ 1 Absatz 2 des Reichsvereinsgesetzes vom 19. April 1908, des Artikels 123 Absatz 2 der Reichsverfassung vom 11. August 1919 und des Artikels 129 b Absatz 2 Ziffer 2 des Gesetzes, die Städteordnung betreffend, vom 8. Juli 1911, werden öffentliche Auf- und Umzüge, Ansammlungen, sowie das Tragen und Aufstellen von Plakaten und Transparenten in der Ludwigstraße zwaschen Garten- und Bleichstraße, der Bis­mard- und Goethestraße zwischen Loeber- und Stephanstraße verboten. Das gleiche Verbot gilt für das Universitätsgelände bei den Universitätsgebäuden für Personen, die nicht immatri­fuliert oder eingeschrieben sind.

Zuwiderhandlungen gegen dieses Verbot werden, unbe­schadet anderer strafrechtlicher Bestimmungen, nach Artikel 129 b Absatz 2 Ziffer 2 des Gesetzes, die Städteordnung betreffend, vom 8. Juli 1911, in Verbindung mit der Verordnung über Vermögensstrafen und Bußen vom 6. Februar 1924 und der zweiten Verordnung zur Durchführung des Münzgesetzes vom 12. Dezember 1924 mit Geldstrafe bis zu 1000 RM. bestraft.

* Von der Stadtkasse. Die Zahlung des fünften Ziels der vorläufigen Gemeinde-, Kreis- und Provinzialumlagen ein­schließlich vorläufiger Sondersteuer 1930, des vierten Ziels Kanal, Straßenreinigungs- und Müllabfuhrgebühr 1930, des Schulgelds für die Hessische Studienanstalt für Dezember 1930 und der Wohnungsmiete aus städtischen Häusern für Dezember 1930 können bis zum 5. Februar 1931 noch ohne Kosten erfolgen. *' Regelung des Wassergeldes. Ein Vermieter kann das Wassergeld auf die Nutzungsberechtigten Mieter, Pächter

usw. im Verhältnis der Friedensmieten gegen Nachweis um­legen. Macht ein Vermieter von dieser Befugnis Gebrauch, so ermäßigt sich die gesetzliche Miete um 3 v. 5. der Friedensmiete.

* Erlaß der Rundfunkgebühr für Erwerbslose. Auf Grund der Ausschußberatung wird das Reichspostministerium die Post­ämter ermächtigen, mit Wirkung vom 1. März 1931 solchen Er­werbslosen, die Krisenempfänger sind, oder die als Ausgesteuerte bei nachgewiesener Notlage von den Gemeinden Wohlfahrts­unterstützung erhalten, die Rundfunkgeführ unter gewissen Vor­aussetzungen zu erlassen.

* Die neue 4- Pfg.- Marte. Das Amtsblatt des Reichs= postministeriums" veröffentlicht den vom Verwaltungsrat der Deutschen Reichspost genehmigten neuen Tarif für die Versen­dung von Drucksachen innerhalb Deutschlands, sowie nad) Oesterreich, Luxemburg, Danzig, Litauen und dem Memelgebiet. Drucksachen in Form einfacher, ohne Umschlag versandter Karten, auch mit anhängender Antwortkarte, tosten 3 Rpfg. Im übrigen fosten Drucksachen im Gebiet bis zu 20 Gr. 4 Rpf., bis 50 Gr. 5 Rpfg., bis 100 Gr. 8 Rpfg., bis 250 Gr. 15 Rpfg. und bis 500 Gr. 30 Rfpg. Die Anfertigung der jetzt notwendigen Briefmarke zu 4 Rpfg., die es bisher noch nicht gab, ist bereits veranlaßt worden. Postwurfsendungen in Form von Druck­sachen bis zu 50 Gr. fosten 2 Rpfg., Mischsendungen, d. h. Drud­sachen und Warenproben zusammen, als Wurfsendungen ver­sandt, kosten 5 Rpfg. Der neue Tarif tritt am 1. März dieses Jahres in Kraft.

* Ausrufen der Stationsnamen bei strenger Kälte. Wenn in den Wintermonaten bei strenger Kälte die Wagenfenster dicht gefroren sind, können die Reisenden schwer erkennen, wo der Zug sich befindet. Die Reichsbahnbediensteten sind daher angewiesen worden, in solchen Fällen vor jedem Wagen des Zuges den Stationsnamen jeweils laut und deutlich auszurufen. Reisende, die die betr. Strecke nicht genau kennen, sollen möglichst vorher auf die bevorstehende Ankunft auf der Zielstation auf­merksam gemacht werden.

* Stadttheater. Spielplan: Heute abend wird als 17. Vor­stellung im Freitag- Abonnement die Komödie ,, Marius ahoi!" ven M. Pagnol zum ersten Male aufgeführt. Morgen abend

Selbsterlebnis

aus den Septembertagen 1914.

Von Walter Mangold, Gef. d. R. im Feld- Art.- Rgt. Nr. 25, L. Mun. Kol. 2, später 8/25.

Mit gütiger Genehmigung des Verlages:

,, Die Hessische Artillerie", Darmstadt, Karlstraße 90. Es war in Frankreich, Ende September 1914, als wir den Rückzug von der Marne angetreten hatten, den ganzen Tag hat­ten wir strammen Marsch, d. h. wir waren mit unserer Mu­nitions- Kolonne unterwegs und müde und abgespannt machten wir spät abends in einem französischen Dorfe halt. Es stellte sich dann aber heraus, daß schon das ganze Dorf von anderen Truppenteilen belegt war und mußten wir deswegen außerhalb des Dorfes Biwad beziehen. Unsere Offiziere sollten in einem in der Nähe liegenden Bauernhofe Quartier nehmen. Wir Kanoniere bauten die Zelte auf, die Fahrer beschäftigten sich noch mit ihren Pferden und gerade als wir uns todmüde in den Zelten auf das Stroh legen wollten, ertönte die Stimme unseres Wachtmeisters: Befehlsempjänger, Radfahrer Man­gold!" Jch fluchte und schimpfte ehe ich Antwort gab, denn ich wußte, daß jetzt für mich die Nachtruhe vorüber war. Ich troch wieder aus dem Zelt und meldete mich. Sofort mußte ich mit dem Rad aufbrechen, den Abteilungsstab aussuchen und die Be fehle in Empfang nehmen. Dies war feine ganz leichte Auf­gabe, wußten doch sogar meine Vorgesezten nicht, wo der Ab­teilungsstab sich befand, dazu noch die stockfinstere Nacht. Aber ich hatte mir angewöhnt, mich auf dem Marsche immer einiger­maßen zu orientieren, wo der Stab evtl. liegen könne. Dies fam mir auch jetzt wieder zu statten. Trotz der Dunkelheit, ohne Licht am Rade, fand ich auch nach einigem Suchen den Abtei­lungsstab in einem entfernten Dorfe. Die Befehle waren jedoch noch nicht vom Regiments- Stab eingetroffen. Alle Befehls= empfänger wurden angewiesen, sich in einer Scheune auf's Stroh zu legen, bis zum Befehlsempfang gewedt würde Ich hörte, daß in diesem Dorse Teile des Inf. Regimtens Nr. 117 lägen und da in der 9. Kompagnie eine ganze Anzahl Ober- Ingel­heimer Landsleute standen, machte ich mich auf die Suche nach ihnen. Ich traf auch alle noch wohlbehalten an. Sie hatten gerade ihr Lager in einem leeren französischen Spezereiladen zurecht gemacht und nachdem wir uns noch lange über die Hei­mat unterhalten hatten, luden sie mich ein, daß ich mich zu ihnen lege, bis ich geweckt würde. Ich hatte nämlich bei einem

,, Gießener Zeitung"

ab 27 Uhr wird nochmals die Jazzoperette: Meine Schwester und ich" gespielt.-Am Montag abend gastiert Paul Wegener mit seinem Ensemble in Hebbels ,, Maria Magdalena". Per­sonalie: Ilse Jahn ist von einem Unglücksfall wieder hergestellt und wirkt morgen wieder mit. Edu Wesener ist für die nächste Spielzeit nach Hamburg an das Deutsche Schauspielhaus und Thalia- Theater verpflichtet worden.

* Reichsbahn. Am 1. Februar wird der in weiten Kreisen bekannte Oberbahnhofsvorsteher W. Walther vom Bahnhof Groß- Linden nach 45jähriger Dienstzeit in den Ruhestand versetzt.

* Jubiläum. Der Oberkellner, Herr Gustav Rühl, ist mor­gen 25 Jahre im Hause ,, Hotel Hindenburg" tätig.

* Oeffentliche Vorträge über Physiologie. Im sechsten Vor­trag spricht Herr Prof. Dr. Bürfer am Sonntag, dem 1. Fe­bruar ds. Js., 11.30 Uhr vormittags, im Physiologischen Institut, Friedrichstr. 24, über ,, Die Funktionen des Nervensystems".

* Wohltätigkeits- Konzert. Zugunsten der Schwesternstation für die Lukas- und Petrusgemeinde veranstaltet die Gesangs= schule der Frau Dr. Meyer morgen abend im Lukassaale ein Wohltätigkeits- Konzert.

* Der Verein der Eisenbahn- Fahrbeamten Gießen hält mor­gen nachmittag im Vereinslokal seine Jahres- Generalversamm­lung ab.

* Der Gesangverein Seiterkeit" hält heute abend im ,, Schipkapaß" seine diesjährige ordentl. Generalversammlung ab. * Oberhessischer Schäferverein. Am Sonntag, dem 1. Fe­bruar, findet im Restaurant Hopfeld eine Versammlung statt. * Lichtspielhaus. Am Sonntag, dem 1. Februar, vormittags 11.15 Uhr, wird ein recht interessanter Kultur- Film ,, Silber­fondor über Feuerland" gegeben.

* Vorsicht beim Einkauf von Tapeten. Jn Wien erkrankte vor etwa drei Jahren die Frau eines Professors an einem Haut­leiden, dessen Ursache nicht festgestellt werden konnte. Die Krankheit nahm immer schlimmere Formen an und führte schließlich unter den Anzeichen einer Arsenikvergiftung zum Tod. Die Untersuchung ergab, daß in der Wohnung des Professors Tapeten angebracht waren, die auf 100 Gramm 7/10 Milligramm Arsen enthielten, dessen Dämpfe sehr schädlich und giftig wirken können. Besonders zu grünen Tapetenfarben wird dieser Gift­stoff verwendet.

Schafflers Wettervorhersage für Februar 1931.

Die auffallend rasch wechselnden Temperaturgegensätze des heurigen Winters werden sich auch im Februar einstellen. Auf strengen Frost plötzlich Tauwetter und umgekehrt. Wie im Januar, zu Beginn des Monats Februar nach Frostwetter bald wieder milde Westluftströmung, regnerisch, in höheren Lagen Neuschnee. Ende der ersten und Beginn der zweiten Woche wieder kälter, Schneefall. Mitte des Monats Witterungs­umschlag zu Tauwetter und Regen. In der dritten Dekade wahrscheinlich wieder winterlich, Wettercharakter anhaltend bis Monatsende.

Demonstrationsverbot

für nationalsozialistische Beranstaltungen in Hessen. Darmstadt, 30. Jan. Der hessische Innenminister erließ heute ein Verbot für alle nationalsozialistischen Veranstaltungen, die von solchen nationalsozialistischen Organisationen ausgehen, deren Angehörige nicht in Hessen wohnen. Zur Begründung dieses Verbotes wird gesagt: Seitdem in den an Hessen gren­zenden Gebieten eine Reihe von Uniform- und Umzugsverboten erlassen worden sind, benutzen außerhessische Ortsgruppen der N.S.D.A.P. das Land Hessen immer wieder häufiger als ihr Aufmarschgebiet, in dem sie ihre Bundeskleidung zeigen und nach Belieben Auszüge und Versammlungen unter freiem Himmel veranstalten. Dabei treten sie als Ortsfremde, die bei ungesetz­lichem Verhalten auch schwer zu ermitteln und zu überführen sind, besonders herausfordernd und rücksichtslos auf. So häufen sich in letzter Zeit die Fälle, in denen es zu schweren Zusammen­stößen mit der Bevölkerung und zu Gesetzesverletzungen durch solche außerhessischen nationalsozialistischen Gruppen kommt. Und es bleibt auch weiterhin zu befürchten, daß es bei Aufzügen, Durchmärschen und Versammlungen unter freiem Himmel, die

befreundeten Befehlsempfänger hinterlassen, wo ich zu finden wäre, und der brave Kamerad tat wie ich gebeten

Mitternacht war schon vorbei, als wir die Befehle in Empfang nehmen konnten und wir den Rückweg antraten Glück­lich fand ich mich wieder zurück zu unserer Kolonne ins Biwad, woselbst ich sofort unserem Wachtmeister die Meldung über­brachte. Er las noch im Halbschlaf den Abmarschbefehl und schichte mich damit zu den Ofizieren. Diese zu finden war aber eine Kunst. Alles schlief und niemand konnte mir über die Quartiere der Offiziere Auskunft geben. Selbst der Wacht­posten nicht. Ich wußte wohl, daß dieselben in einem Bauern­hof liegen sollten, aber wo und in welcher Richtung, war die Frage. Ich suchte nun solange, bis ich in nicht zu großer Ent­fernung in der Dunkelheit einen Gebäudekomplex entdeďte, welcher wohl der gesuchte Bauernhof sein konnte. Ich fand auch einen Eingang und tastete mich nun in stodfinsterer Nacht in dem Gehöft herum. Ich rief nach den Offiziersburschen, aber niemand gab Antwort. Eine Taschenlampe hatte ich wohl in der Tasche, aber sie nutzte mich nichts, denn die Batterie war aus­gebrannt und ich war ganz allein auf mein Tastgefühl ange= wiesen. Lange irrte ich so umher, auf einmal rannte ich mit meinem Kopf an einen hervorstehenden harten Gegenstand so stark an, daß ich fast die Besinnung vor Schmerzen verlor, prallte zurüd und taumelte nach einer anderen Seite. Ich rief und suchte noch eine Zeitlang, bis es zu dämmern anfing und ich die Umrisse der verschiedenen Gebäude erkennen konnte, fand auch eine ins Innere führende Tür eines Gebäudes und tam in ein Zimmer, worin aus einem Bette eine Zipfelmütze hervorsah und eine ängstliche Stimme nur immer rief: Pardon monsieur, Pardon, monsieur!" Es war wohl der Besitzer des Hofes, mit dem ich mich, so gut es meine französischen Sprachkenntnisse ge­statteten, verständigte und wenigstens nun erfuhr, wo ich die Offiziersburschen finden konnte. Ich fand nun auch gleich die Lagerstätte der Burschen, welche sich auf einem Heuspeicher be­fand und die mich bei meinem Erscheinen noch gehörig lachten. Diese hatten mich die ganze Zeit rufen hören, wollten aber in ihrer Ruhe nicht gestört sein.

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Es war nun mittlerweile hell geworden, ich begab mich in das Offiziersquartier und überbrachte die Meldung. Es früher Abmarsch befohlen und wurden sofort die diesbezüglichen Befehle erteilt. Bald war das ganze Lager lebendig und alles rüstete sich für die nahe Abmarschstunde.

Bevor wir aber abrückten, fuhr ich noch einmal zu dem Gehöft zurück, um zu erkunden, wo ich die halbe Nacht herum­geirrt war und woran ich mir den Kopf wohl angestoßen haben

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von den genannten Organisationen veranstaltet werden oder an denen sich Gruppen dieser Organisationen beteiligen, zu solchen Zusammenstößen und Ausschreitungen kommt. Ihr Auftreten bedeutet somit eine unmittelbare Gefahr für die öffentliche Sicherheit, so daß das vorstehende Verbot nicht nur gesetzlich zu­lässig, sondern zum Schutze der friedliebenden Bevölkerung und zur Aufrechterhaltung der unmittelbar bedrohten öffentlichen Sicherheit und Ordnung auch dringend geboten erscheint."

Aus Nah und Fern.

Aus dem Vogelsberg.

Die Schneeverhältnisse im Vogelsberg sind für den Winter­sport äußerst günstig. Für den Autoverkehr ist zu raten, unbe­dingt Schneeketten mitzunehmen, da verschiedene Straßen stark verweht sind.

Großfeuer auf der Grube Messel.

Darmstadt. Am Freitag vormittag gegen 5 Uhr kam von der Grube Messel der Alarmruf Großfeuer". Die Darmstädter Feuerwehr rückte sofort an die Brandstätte ab. Dort war ein großer Delbehälter in Brand geraten, was eine mächtige Rauch­entwicklung verursachte. Die Feuerwehr griff sofort ein und lokalisierte den Brand, der auf die umliegenden Delbehälter und auf die Grube sich auszudehnen drohte. Menschenleben sind nicht zu beklagen.

Marburg. Anläßlich der 700. Wiederkehr des Todestages der heiligen Elisabeth in diesem Jahr ist eine würdige Erneue­rung der hiesigen, aus dem 13. Jahrhundert stammenden Elisa beth- Kirche geplant.

Kassel. Der Fahrkartenfälscher und Warenhausdieb Landau wurde zu Jahren Zuchthaus verurteilt. Jahrelang reiste er gratis freuz und quer durch Deutschland.

Unterschlagungen bei der Steuerkasse.

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Frankfurt a. M. Bei der Steuerverwaltung, Abteilung Wertzuwachssteuer und Grundvermögenssteuer, wurden Donnerstag vormittag durch eine Revision erhebliche Unregel­mäßigkeiten eines Steuersekretärs festgestellt. Der Beamte hat durch Fälschungen von Belegen erhebliche Beträge unterschlagen. Die Höhe der Beträge steht im Augenblick noch nicht fest.

Dillenburg. Auf der staatlichen Erzgrube Nikolausstollen im Dillkreis stürzte der 17jährige Bergmann Wilhelm Schneider aus Lirfeld mitsamt dem Förderwagen in einen 200 Meter tiefen Schacht. Er konnte nur mit furchtbaren Verletzungen als Leiche geborgen werden.

Koblenz. In der Stadtverordneten- Versammlung teilte Oberbürgermeister Dr. Russell mit, daß die Wohlfahrtslasten der Stadt in solch erheblichem Umfang gestiegen sind, daß zur Er­füllung der pflichtgemäßen Leistungen an einer Nachbewilligung von 1 Million Mt. nicht vorbeizukommen ist. Das Gesamtdefizit der Stadt beläuft sich auf 3,9 Millionen Mark. Flugzeugpilotentod.

Warnemünde. Bei einem Fluge mit einem Seeflugzeug verschätzte sich der Pilot der Ernst Heindel- Flugzeugwerke G. m. b. H., Warnemünde, Dr. King, infolge brisigen Wetters in der Söhe und stieß in voller Fahrt auf die Wasserfläche auf. Das Flugzeug überschlug sich; Dr. King erlitt einen Schädelbruch, dem er kurz danach erlag.

Vom Reparationsagenten zum Teilhaber Morgans. Laut Zeitungs- Nachrichten aus Neuyork teilte die Firma J. Pierpont Morgan u. Comp. mit, daß der ehemalige Repara­tions- Agent Parker Gilbert, der lange Zeit in Berlin wohnte, Teilhaber der Firma Morgan ab 2. Januar d. J. ist. Das ist sehr interessant. Die Bank- Dynastie P. Morgan wird nicht mit Unrecht als die ,, ungekrönte Herrscherin Europas" be­zeichnet. Die Banfiers Morgan haben die Möglichkeiten zur Ausbeutung und Knechtung der Völker mit Hilfe des heutigen Geldes und der Goldwährung am besten erkannt. Ein Ange­höriger des Hauses Morgan soll im Jahre 1907 auch die große Krise in Amerika gemacht haben, an die sich die Amerikaner nur noch mit Schrecken erinnern. Gerade dies Vorgehen von Mor­gan aber zeigt uns, daß scharfe Kritik an unserem heutigen Geldwesen geübt werden muß, denn vom Reparationsagenten zum Teilhaber Morgans gibt doch zu bedenken.

mochte. Da fiel mir sofort ein Schuppen ins Auge mit einem großen Ziehbrunnen, dessen Türe weit offen stand und an dessen Schwungrad ich mir in der Nacht den Kopf angerannt hatte. Mir lief ein falter Schauer über den Rücken, als ich das jah, denn nur ein Schritt hätte genügt, und ich wäre in der Dunkel­heit in den offenen, sehr tiefen Brunnen gestürzt. Niemand hätte über meinen Verbleib etwas erfahren und als ,, vermißt" wäre ich in die Verlustliste eingetragen worden.

Ob der Franzose den Brunnen wohl absichtlich hat offen­stehen lassen? Wer weiß es, aber man fönnte es fast annehmen. Wieviel tapfere Kameraden mögen auf ähnliche Weise ums Leben gekommen sein. Voll tiefer Ergriffenheit und Dankbar­leit gegen Gott trat ich meinen Rückweg zum Truppenteil an.

Humor.

Stimmt.

..Ich habe Sie lange nicht gesehen! Wie geht es Ihnen?" ,, Na, wie's heut' so geht! Mal rauf mal runter!" ,, Was sind Sie augenblicklich?" ..Fahrstuhlführer!"

Zeitgemäß.

Kasper.

, Aber mein Fräulein, ich begreise nicht, warum Sie nicht heiraten!" ,, Die Sache ist einfach: ich tann keinen Mann ernähren." Ungalant.

Dame: Sie glauben gar nicht, Herr Oberst, wie wenig ich esse." gefüttert!"

Oberst: ,, Ganz wie bei der Kavallerie: Gut geputzt ist halb Ausgleich.

Frau: Soll denn meine Meinung nie gelten?" Mann: ,, gewiß, mein Schatz. Sind wir einer Meinung, so gilt die deine, sind wir verschiedener Meinung, so gilt meine." Revanche.

,, Herr Schulze, Jhr Hund hat meine Frau jebissen; id ver­lange Revanche von Ihnen."

,, Schön! Ihr Hund soll meine Frau beißen!"