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Samstag, den 29. August 1931.

Gießener Zeitung"

zur Lage der Darmstädter Volksbank.

Unter Leitung des Aufsichtsratsvorsitzenden Nohl fand im Sizungszimmer der Handwerkskammer am 27. August 1931 eine Vertrauensmänner Versammlung der Darmstäd= ter Volksbant, ca. 65 Personen aus der Darmstädter Geschäftse welt und Führer gewerblicher Organisationen, statt. Der Vor­fizzende legte u. a. dar, daß bis zum 13. Juli die Volksbank wie gewöhnlich liquid war und ihren Verpflichtungen nachkommen fonnte. Der Schalterschluß der Danatbant, die Bankfeiertage und die sonstigen Notverordnungsmaßnahmen brachten auch der Volksbank eine Erschütterung des Vertrauens, das sich in Ab­hebungen ungewöhnlicher Art äußerte, ohne daß nennenswerte Einzahlungen geleistet wurden. Konnte auch durch die Anstren­gungen von Vorstand und Aussichtsrat, sowie dank des Rückhalts an den genossenschaftlichen Zentralkreditinstituten die Liquidität zunächst aufrecht erhalten bleiben, so verschärfte sich die Lage doch von Tag zu Tag. Dies führte zu den mehrfach schon in der Presse erörterten Verhandlungen mit Stadt und Staat, die nunmehr als Ergebnis die Bürgschaftsübernahme für die Einlagen brachten. Leider ließ sich aber durch den Mangel an Zahlungsmitteln am Dienstag, den 25. August, der vorübergehende Schalterschluß nicht vermeiden. Naturgemäß entstand hierdurch eine gewaltige Aufregung in der Darmstädter Bevölkerung und gab den un­sinnigsten Gerüchten über Vorkommnisse innerhalb der Verwaltung etc. nur allzu breiten Boden. In besonnener Weise nahm der größte Teil der hessischen Presse von dem Ereignis Notiz, während besonders Blätter von auswärts in sensatio= nellen Berichten in Wort und Bild sich nicht genug tun tonn­ten. Leider gehört dies eben anscheinend dazu, alles möglichst aufzubauschen und bei jeder Gelegenheit das Sensationsbedürfnis der Massen zu befriedigen, in Wirklichkeit dieses aber aufzu= peitschen.

Eine seitens des Revisionsverbands vorgenommene gründ­liche Revision hat ergeben, daß keineswegs von Unredlichkeiten irgend welcher Art gesprochen werden kann. Wohl hat die Volks= bank, wie alle Kreditinstitute auch größere Kredite an Einzel­betriebe gegeben, deren Risiken jedoch keineswegs das in Kapital und Reserven vorhandene Vermögen der Bank erreicht oder gar überschreitet.

Es ist hierbei weiter zu bedenken, daß es sich bei diesen Kon­ten durchweg um ehrliche, arbeitsame, jahrelange Kunden der Volksbank handelte, die normale Abwidlung der umfangreicheren Kredite bei der schon länger anhaltenden wirtschaftlichen Depres= sion empfindlich ins Stoden geriet und einen starken Zinsenan­wachs bedingten. Alle diese Umstände verhinderten eine scharfe Eintreibung dieser Kredite, da Vorstand und Aussichtsrat es nicht verantworten fonnten, wegen zeitlicher wirtschaftlicher Schwierigkeiten einzelne geachtete Firmen zusammenzureißen.

Den unsinnigen in der Oeffentlichkeit verbreiteten Gerüchten möge dies entgegengehalten werden.

In gleicher Weise verhält es sich auch mit den Verpflichtun­gen der Firma Nohl. Gerade hierüber wurden unverantwortliche Dinge folportiert und scheut man auch nicht vor den ungeheuer= lichsten Verunglimpfungen zurüd. In Wahrheit hat die Firma Nohl einen regulär gededten Kredit von 125 000 RM., der 3. 3t. nur mit 55 000 RM. in Anspruch genommen, dem aber 28 000 RM. der Volksbank zedierte Außenstände gegenüber­stehen, die eigentliche Schuld der Fa. Nohl an die Volksbank nur 27 000 RM. beträgt. Außerdem ist ein Effektenkonto mit hin= reichenden Grundschuldsicherungen vorhanden.

Die sakungsmäßige Höchstkreditgrenze beträgt bei der Volks­bank bekanntlich 200 000 RM. Die neuerdings aufgetretene Ge­pflogenheit behördlicher Stellen, ihre notwendigen Arbeiten durch die Geschäftswelt selbst finanzieren zu lassen, zwangen die Fa. Nohl im Interesse der Weiterbeschäftigung ihrer großen Beleg­schaft, die Mittel für eine umfangreiche von der Stadt Darm­stadt vorgesehene Arbeit selbst zu beschaffen. Es wurden Wechsel in beträchtlicher Höhe ausgestellt, von der Stadt Darm= stadt akzeptiert und durch die Darmstädter Volksbank

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von einer Schweizer Bank diskontiert. Reines­falls können diese Distontierungen in die Darlehensverpflichy­tungen der Firma Nohl bei der Darmstädter Voltsbank einge­fügt werden. Jrgend welche Mittel der Volksbank sind nicht in Anspruch genommen worden. In gleicher Weise wurde auch eine Arbeit für den Kreis Offenbach mit dem Akzept des Krei­ses Offenbach finanziert. So liegen die tatsächlichen Ver­hältnisse.

Auch die in der Oeffentlichkeit stark kritisierten Effekten­geschäfte sollen nicht beschönigt werden. Gegen Wiederholung derartiger Vorkommnisse ist selbstredend Sorge getragen.

Die Bürgschaftsübernahmen von Stadt und Staat werden für die Volksbank einen Staatskommissar bringen. Aende­rungen im Vorstand werden sich erforderlich erweisen, eine Be­reinigung unter Heranziehung der offenen und stillen Reserven ist vorgesehen, wie auch voraussichtlich eine Erhöhung der Haft­summe der Mitglieder. Die Generalversammlung hat hierüber nach Fertigstellung des neuen Status zu befinden.

Wie die Revision feststellte, sind ca. 1 500 00 R.-Mt. der gegebenen Darlehen als dubios zu betrachten, von denen etwa 700 000 R- Mt. als verloren anzusehen sind, während der Rest je zur Hälfte etwa als mehr oder weniger gefährdet betrachtet werden kann. Dem stehen aber die offenen und stillen Rejer­ven mit ca. 1 000 000 R.-Mt. gegenüber. Es sind dies aber auch nur Wahrscheinlichkeitsannahmen, die sich je nach der Ent­wicklung ändern können. Allerdings muß mit evtl. weiteren Verlusten gerechnet werden, wenn die Banftätigkeit wieder aufgenommen werden tann, aber das Vertrauen seitens der Bantgläubiger noch nicht zurüdgekehrt sein sollte.

Die Versammlung nahm die Darlegungen mit gespannter Aufmerksamkeit entgegen. Es war bewunderungswürdig wie dieje, zum großen Teil an hervorragender Stelle im Geschäfts­und Organisationsleben stehenden Männer ernst und gewissen­haft den Bericht in sich aufnahmen. In feiner Weise aggref= siv oder mit Vorwürfen arbeitend wurde die Diskussion ge= führt. Bei jedem Redner konnte man die Verantwortung in diesen schweren Stunden herausfühlen und erkennen, wie sich jeder bemühte, die Verhältnisse so zu nehmen, wie sie sind, aber auch in objektivster Weise dazu beizutragen, über die schwere Krise hinweg zu kommen. Auch die Frage nach Betreuung größerer Kunden wurde zufriedenstellend dahin beantwortet, daß die Volksbant bei ihrem gegenwärtigen Umfang auf Groß­funden nicht verzichten kann, da lediglich das Kleinkreditge schäft nicht genügt, um die gestellten wirtschaftlichen Aufgaben zu erfüllen, oder auch die Untosten zu decken.

Von verschiedenen Seiten wurde dem Vorsitzenden Nohl aufrichtigster Dant gesagt für mannhafte Vertretung der In­teressen der Volksbank, ihm sowohl, wie dem Aufsichtsrat und den Direktoren das Vertrauen der Versammlung ausgesprochen. Es war tatsächlich erhebend für den Vorsitzenden, aber auch für die Personen, die mit ihm in diesen schweren Wochen zu­jammen arbeiteten, zu sehen, wie dankbar Handwerk und Ge­werbe doch die geleistete Riesenarbeit anerkannte und völlig ge= schlossen hinter der Führung der Volksbank steht.

Hier hat es sich wieder einmal als wahr bewiesen, daß Noi und Gefahr die Menschen zusammenführt und aber auch, daß trotz aller sonst vorhandenen Gegensätze die verantwort lichen Führer von Handwerk und Gewerbe einmütig zusammen­stehen, wenn es gilt, Schweres abzuwehren.

Möchte dies Ergebnis dieser für Darmstadt denkwürdigen Sigung aber auch allgemeine Beruhigung in die Kreise der

Nr. 69.

Das starke Interesse was die Bevölkerung, was das dan fenswerte Eingreifen der Staatsregierung und der Stadtver waltung entgegenbringt, beweist, daß die Darmstädter Volls bant a.s Kreditinstitut für alle Kreise nicht entbehrt werden fann. Nach Ueberwindung der Krise und Durchführung he vorgesehenen Reformen wird sie ihre Funktion als geldver mittelndes Institut erfüllen tönnen, wenn ihr das Vertrauer von Handwerk und Gewerbe wieder zugewendet wird. Vorsitzenden der handwerklichen und gewerblichen Organi sationen sind jederzeit bereit, ihre Mitglieder auf Ansuc entsprechend zu beraten. Der Vertrauensmänner- Ausschu wird demnächst wieder zu einer Aussprache zusammengerufen

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