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asse Giessen
Mittwoch, den 29. Juli 1931.
,, Gießener Zeitung"
Tagesfragen aus Stadt und Land
Mittelstand und Wirtschaftsfreiheit
Bon Kammerpräsident Buchmann.
Die allgemeine wirtschaftliche Krise fonnte ganz naturgemäß auch nicht am gewerblichen und faufmännischen Mittelstande vorbeigehen, aber zu behaupten, diese beiden Wirtschaftsgruppen feien als aussterbende Schichten zu betrachten, ist ein völliger Trugschluß. Die bekannte Lehre von der Attumulation des Kapitals fagte das völlige Verschwinden des Kleinbetriebes zugunsten weniger Riesenbetriebe voraus. Das ist ebenfalls irrig. Denn der Kleinbetrieb ist lebensfähig und bleibt es, weil er gegenüber dem immer der Schematisierung verfallenden Großbetrieb mehr Beweglichkeit und Anpassungsfähigkeit besitzt. Eine Wirtschaftspolitik allerdings, die, wie die deutsche Nachkriegszeit. Eingriffe in die Wirtschaft vornimmt, ohne deren Wirkung auf den Kleinbetrieb zu überlegen, weil man ihn ertweder nicht fennt oder vielleicht gar nicht fennen will, verurteilt den Kleinbetrieb, wie die Erfahrung lehrt, zu einer ähnlichen Schematisierung wie die des Großbetriebes und nimmt ihm damit feine Eigenart, auf der seine Eristenzmöglichkeit neben dem Großbetrieb beruht. Infolgedessen geht es weiteren Kreisen des gewerblichen Mittelstandes jetzt in Deutschland sehr schlecht, nur beruht das eben nicht auf der vielfach behaupteten Rückständigkeit des Betriebes, sondern auf der Mißachtung seiner Eigenart durch den Gesetzgeber. Schlechte Geieße aber lassen sich ändern und damit auch die Misere des Mittelstandes.
Im übrigen muß mit allem Nachdruck betont werden, daß es feinen Gegensatz zwischen Mittelstand in Handwerk oder Handel einerseits und Kapitalismus oder kapitalistischer Wirtschaft andererseits gibt. Die Statistik lehrt, daß der selbständige Mittelstand aus Gewerbe, Handel und Industrie hinsichtlich seiner Betriebszahlen, des mit ihm unmittelbar oder mittelbar verbundenen Anteils an der erwerbstätigen Bevölkerung, des Ausmaßes seiner Mitwirkung an der Herstellung und Verteilung der wirtschaftlichen Güter durchaus seine volkswirtschaftlich hervorragende, unausschaltbare Position behauptet hat. So groß auch die gegenwärtige Not im Mittelstande ist, da die Folgen der Wirtschaftsfrise sich hier nicht nur in der Lähmung der Betriebe, sondern auch in unmittelbarer fortdauernder Gefährdung der Lebenshaltung der Unternehmer auswirken, gerade in dieser Krise zeigen fich die Lebensfräfte des gewerblichen Mittelstandes, zeigt sich feine elastische, leichtere Anpassungsfähigkeit an die Schwankungen des Marktes, zeigt sich neben seiner Existenznotwendigkeit auch seine Eristenzfähigkeit.
Etärker denn je ergeht heute an den gewerblichen Mittelstand, dem ursprünglichen, unmittelbarsten Träger der Wirtschaftsfreiheit, der Ruf, sich der hohen Ueberlieferungen seiner eigenen Entwicklungsgeschichte bewußt zu sein, die ihm auf der Grundlage der Gewerbefreiheit zum Träger einer gewaltigen fulturellen und nationalen Aufwärtsbewegung gemacht hatten. Die Weltfriegsfatastrophe hat Deutschland nochmals vor die Aufgaben ge= stellt, die ihm vor mehr als einem halben Jahrhundert zufolge der damaligen ungeheuren Entwicklung des technisch- wirtschaftlichen Fortschrittes und vorher ungeahnter verfehrswirtschaftlicher Neugruppierung der wirtschaftlichen Standortbeziehungen gestellt waren: erneut gilt es, einem auf schmalem Wirtschaftsraum zusammengedrängten Volfe von über 60 Millionen Menschen Arbeit und Brot zu schaffen. Das kann nur gelingen in wirtschaftlicher Freiheit. Wird sie dem gewerblichen Mittelstande weiter gewährleistet, so wird auch er die schweren Krisen mit überwinden helfen und im wahrsten Sinne des tes Helfer sein.
Land und Stadt
Durch die Presse geht wieder einmal die Nachricht, daß die fogen. Entschuldungsaktion der Reichsregierung für die Landwirtschaft zu einem völligen Fehlschlag geworden ist und daß darum die Not auf dem Lande sich bis zur Katastrophe steigert. Daneben wissen wir alle nur zu gut, auch von der Not in den Städten zu sprechen, und so müßte es doch eigentlich möglich sein,
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Jan. Febr. März Apr. Mai Juni Juli Aug. Sept. Okt. Nov. Dez. Die Arbeitszeit des Bauern(--) im Vergleich mit dem Achtstundentag() des Industrie- Arbeiters
bei einem gegenseitigen guten Willen auch einen Ausgleich zwischen Land und Stadt und umgekehrt zu schaffen. Dazu ge= hört allerdings weitestgehendes gegenseitiges Verständnis, Kennt nis der Städter vor allem von den Dingen und Arbeitsbedingungen auf dem Lande selbst. Aber nur, wer selbst mit den Bauern arbeitet und mit dessen Familie lebt, ist wohl berechtigt, ein Urteil abzugeben. Landwirtschaftliche Studenten haben es des halb unernommen, und zwar im Auftrage ihrer Hochschule, sich auf ein noffes Sohr auf den verschiedensten Höfen als einfache
Arbeiter zu verdingen, und haben dabei nach den Weisungen ihrer Lehrer aufgeschrieben, was die Bauernfamilie aus dem eigenen Betriebe verzehrt, und was sie zufauft, sie haben die Stunden der Arbeit, der Muße und des Schlafes in den ver= schiedenen Monaten genau festgehalten, sie haben treu und ges wissenhaft ihre Berichte abgefaßt, und die Hochschule Hohenheim und ihr Leiter, Prof. Dr. Münzinger, haben dann diese gesichtet und daraus ihre Schlüsse gezogen. Das Ergebnis zeigt uns erschütternde Bilder.
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Feld- u.Hofarbeit
Haushaltarbeit
Stallarbeit
Jan. Febr. März Apr. Mai Juni Juli Aug. Sept. Okt. Nov. Dez. Wie sich die Arbeit der Bäuerin in der Woche verteilt.
Da wird zuerst einmal die Arbeitszeit des Bauern dem gesetzlichen Achtstundentag gegenübergestellt, und diese Darstellung erhellt schlaglichtartig das Leben auf dem Bauernhof. Wir haben uns bemüht, aus diesen Berichten einige besonders eingehende Schlaglichter zu verschaffen und glauben, daß die hier eingestreuten graphischen Darstellungen besser als ein langer Artikel zeigen, welche ungeheure Arbeit auf dem Lande geleistet wird. Wir möchten darum die Zeichnungen für sich sprechen lassen und nur bitten, sie allen Erörterungen über die Frage Stadt und Land zugrunde zu legen, dann wird sich auch ein Weg zur Verständigung finden lassen.
Auch im trauten Heim
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Sommerliche Schädlingsbekämpfung im Obstbau
Trotzdem durch die winterliche Sprihung der Obstbäume und Beerensträucher mit Solbarlösung die größte Zahl der Schädlinge in den verschiedenen Ueberwinterungsformen ge= troffen wird, treten doch auch im Sommer an den Obstzüchter mancherlei Aufgaben der Schädlingsbekämpfung heran, so be= sonders die Bekämpfung des Apfelwicklers. Die Spritzung mit Nosprafitlösung muß unmittelbar nach Abfallen der Blütenblätter geschehen. Denn in diesem Zeitpunkt entschlüpfen die jungen Räupchen den Eiern, die die Falter in die Blüten der Obstbäume auslegen, und bohren sich nach wenigen Tagen in die Fruchtfnoten ein; sie machen ihre ganze Larvenentwidlung in den heranreifenden Früchten durch und müssen deshalb befämpft werden, bevor sie sich in den Fruchtknoten eingebohrt und sich damit unserem Zugriff entzogen faben. Eine in vielen Fällen sehr erwünschte Nebenwirkung dieser Nosprasitspritzung ist die Bekämpfung des Schorfes, der sich besonders in den letzten Jahren als hauptsächlicher pilzlicher Schädling der Obstbäume breitgemacht hat. Gilt die Bekämpfung dem Schorf als dem vornehmlichsten Schädling, wird die Spritzung am besten vor der Blüte und dann wieder 14 Tage nach der Blüte durchgeführt.
Sehr wichtig ist im Sommer auch die Bekämpfung der Blattläuse, die vornehmlich wegen ihrer massenhaften Vermehrung und des dadurch bedingten starken Befalles der Nutzgewächse lästig werden. Gegen sie spritzt mar mit einem der vom Deutschen Pflanzenschutzdienst als brauchbar erprobten Blattlausmittel, wie der Benetan- Lösung. Sind die Triebspitzen der Obstbäume mit Blattläufen besetzt, so taucht man diese am besten ganz in die Lösung ein. Nachspülen mit Wasser ist dann zu empfehlen.
Nr. 60
Auch die Blutlaus macht manchen Obstzüchtern in diefen Wochen viel zu schaffen. Wie bei den Blattläufen ist auch bei der Bekämpfung der Blutlaus für den Erfolg sehr wichtig, daß die Bekämpfungsmaßnahmen rechtzeitig, d. h. beim ersten Anzeichen des Auftretens der Schädlinge ergriffen werden. Die einzelnen Kolonien des Schädlings müssen mit einer Ustin- Lösung überpinselt werden. Bei Neuanpflanzungen achte man darauf, daß an feinen Südrand oder Südostrand ein Apfelspalierbaum gesetzt wird; denn bei derartig geschützten Lagen sind Apfelbäume durch die Blutlaus besonders gefährdet.
Gejundheitswesen.
Geht rechtzeitig zum Arzt!
Jahrhundertelang raffte der Tod unter 100 bei der Geburt von Krämpfen befallenen Frauen 30-40 Opfer hinweg, eine furchtbare Zahl, die auch nicht abnahm, als mit dem Zeitalter der Aufklärung und Entdeckungen die Ursache mancher Leiden erkannt und behoben wurde. Erst vor wenigen Jahrzehnten hat ein russischer Arzt zwei Wittel eines darunter war Morphin
angegeben, mit deren Hilfe die krampfenden Frauen beruhigt und zum Teil gerettet werden konnten. Es war ein großer vortritt, daß durch dieje weiyode die Sterolateit von 30 bis 40 auf ungefähr 10% sant, und wenn wir heute Semmelweiß den Chrennamen Retter der Mütter" geben, weil er die Ursache des Kindbettfiebers erkannte und an deren Beseitigung mitwirfte, so sollte denen, die die Sterblichkeit der werdenden Mütter verringerten, ein nicht geringerer Dank zuteil werden. Als der russische Arzt Stroganoff erst einmal seine Methode an gegeben hatte, war auch der Weg gezeigt, auf dem weitere Fortschritte möglich waren. Inzwischen sind mit einem Mittel, das schwerste Krämpfe, z. B. bei Epilepsie, unterdrüden kann Erfolge erzielt worden. Es wurde kürzlich eine Reichs- Statistik Luminal auch bei den Krämpfen der Gebärenden gute veröffentlicht, die über die Erfolge der Luminal- Behandlung berichtete. Die schönsten Ergebnisse hat man in Wien erzielt, wo von 100 Kranten 98 gerettet werden konnten. Aehnliche Erfolge hatte auch der Leiter der Hebammenschule in Hannover, Dr. B. Rißmann. Er glaubt sogar, daß man die Zahlen noch verbessern fönnte, wenn die Kranken früh genug zum Arzt fämen. Also auch hier ist eine Rettung von Menschenleben durch intensive Aufklärung möglich.
Wohnkultur fur jchmale Börsen.
Nicht hoch hinaus.
Das niedrige Möbel hat auf der ganzen Linie gesiegt: weil die geringere Dedenhöhe der neuen Häuser dies bedingte, und weil man an niedrige öbel bequemer heranreicht.
Das niedrige Bücherregal ist heute schon allgemein einges führt. Der niedrige Schrank und der niedrige Stuhl sind überall zu Hause. Aber der niedrige Tisch ist die praktischste Errungen schaft der Neuzeit! Gleich gut zu gebrauchen als Abstellgelegen heit für Teetassen, Aschenbecher, Kuchenteller und Zuderdosen, wie neben dem Schreibtisch, um Papiere und Zeitungen abzulegen oder neben dem Bett für das Telefon.
Niedrig und unaufdringlich ist heute das Losungswort. Wo man noch gestern stattlich und ansehnlich forderte
Von den Gardinen.
Die Herrschaft der Spachtelgardinen und Point- Laceſtores ist dahin. Heute vermeidet man große Muster oder auffällige Stickereien. Man nimmt durchgängig glatte Gewebe, Boile, Tüll und Marquisette.
Fensterbekleidungen. Hellblauen Voile z. B., wenn die Wand Neuerdings verwendet man zur Farbe des Zimmers getönte wellblau ist. Oder mattgelb, wenn der Anstrich diese Farbe hat. farben am hübschesten wirken. Bu mehrfarbigen Tapeten werden immer noch Beige oder Tee
Der Auszieh- Schreibtisch.
Nicht bloß der Speisetisch soll ausziehbar sein, auch der Schreibtisch beansprucht heute diefes System für sich. Billiger find Klapp- Platten, eleganter sind richtige Ausziehplatten. So schafft man sich Raum zur Arbeit, ohne daß ewig ein riesiger Schreibtisch das Zimmer sperrt.
Merkwürdigkeiten aus aller Welt
Im Altertum färbten sich die Damen die Augenbrauen mit Graphit.
Nach einer amerikanischen Statistik werden die meisten Ehen in den Monaten Juli, August, September geschlossen.
Rant ist niemals aus seiner Baterstadt Königsberg gekommen. Prozentual hat Holland die wenigsten Sterbefälle von allen europäischen Ländern.
Alexander der Große soll das Rasieren in Griechenland eingeführt haben.
Weißes Pferd Adler", der Häuptling der Osage- Indianer, ist 108 Jahre alt.
In Chikago wurden im Januar dieses Jahres 1028 Paare geschieden. Die Sonnen- Uhr am Südportal des Straßburger Münsters stammt aus dem Jahre 1230.
( C)
er Reise
und abends die Zähne mit ba flächen mit Hilfe der Chlorodon npafte, Tube 54 Pf. und 90 Chlorodont Wundwaffer 1 Mar
Es frisst vom Baume die Giraffe;
im Blätterwerke hockt ein Affe.
1.).
7/30
"
" denkt er, warum ist der Hals " So steil?- Als Rutschbahn jedenfalls
Vergnüglich ist es, so zu gleiten, Doch minder fühlt man sich ergötzt vergnüglicher jedoch zureiten. wird man so unsanft abgesetzt


