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Samstag, den 27. Juni 1931.

Mus Nah und Fern.

Lich.

In den Ruhestand trat die Leiterin unseres Spi­tals, Schwester Magdalene Hermann nach 49 Dienstjahren. Nachdem sie 30 Jahre dem Krankenhaus in Laubach vorgestan­den hatte, wirkte sie in den letzten fünf Jahren in Lich. We­gen Krankheit mußte auch Schwester Luise Lohoff abberufen werden. Die neue Leiterin wurde Schwester Katharine Fisch= born vom Elisabethenstift, die bisher in Groß- Umstadt war, die neue Gemeindeschwester ist Elisab. Maß, die bisher in Worms

wirkte.

Hungen. An dem heute und morgen stattfindenden Reit­und Fahrturnier nehmen alle oberhessischen ländlichen Reiter­vereine, Reichswehr aus Hofgeismar, Gießen und Marburg, sowie die Stadtvereine Gießen, Hanau und Marburg teil; zur Austragung der einzelnen Konkurrenzen sind nahe an 200 Pferde gemeldet. Es sei erwähnt, daß das Turnier nicht das Gepräge eines Volksfestes trägt, sondern es sind reitsportliche Wettkämpfe, sowie das Vorführen von Gespannen und Fahr­zeugen, die uns das Beste und Höchste zeigen werden, was das Land Hessen zu bieten vermag.

Bad Nauheim. Das Verkehrsamt der Kurverwaltung teilt mit, daß bis zum 25. Juni der Gesamtbesuch 15 581 Gäste be­trug, darunter waren 2481 Ausländer. Anwesend waren am 25. Juni 4701 Gäste.

Mainz. Der Bauausschuß hat die Verlegung des Knaben­und Mädchenwaisenhauses und des Säuglingsheimes und Wöch­nerinnenheims in das ehemalige Garnisonlazarett befürwortet. Die bisherigen Räume des Waisenhauses und des Säuglings­heimes sollen zu Verwaltungszweden benutzt werden.

Rüsselsheim. Geheimrat Dr. ing. h. c. Wilhelm von Opel wurde heute vom Hauptausschuß des Reichsverbandes der Deutschen Industrie in Anerkennung seiner Verdienste um die deutsche Industrie einstimmig in den Senat des Reichsverban des der Deutschen Industrie gewählt.

Darmstadt. Die Darmstädter Studentenschaft hielt eine große Massenfundgebung in der Otto- Berndt- Allee ab, um gegen die Lüge von der Alleinschuld Deutschlands am Weltkriege und den Raub der Kolonien zu protestieren. Es wurde gleichzeitig eine dementsprechende Entschließung gefaßt.

Darmstadt. Wegen Beleidigung des hessischen Innenmini­sters hatte sich am Donnerstag der Nationalsozialist Ferdinand Abt vor der Großen Straffammer zu verantworten. Der Erst­instanz hatte ihn zu 14 Tagen Gefängnis verurteilt. Abt soll nach der Anklage in einer hiesigen Versammlung gesagt haben, Minister Leuschner habe Anweisungen ergehen lassen, Zusammen­stöße mit den Nationalsozialisten zu provozieren, um ein Verbot herbeiführen zu können. Die Große Strafkammer verurteilte den Angeklagten wegen übler Nachrede zu 500 Mark Geldstrafe.

Darmstadt. Die Darmstädter Stadtratsversammlung be= faßte sich erneut mit der Frage der Deckung des Etatfehlbe= trags. Das Kreisamt schlägt eine Verdreifachung der Bür­gersteuer, eine Verdoppelung der Biersteuer und die Einführung einer zehnprozentigen Getränkesteuer vor. Sämtliche Parteien sprachen sich gegen die Vorschläge der Steuerbehörden aus, wo­bei zum Ausdruck kommt, daß diese Erhöhungen doch nichts nutzen, da auch bei ihrer Einführung immer noch ein ungeded­ter Fehlbetrag von 1 Million Mark bleibt. Nunmehr wird also die Zwangsetatisierung unausbleiblich sein.

Osthofen. Von hier wird gemeldet, daß sich bei zwei Kin­dern, die nach dem Genuß von Kirschen Wasser getrunken hat­ten, so heftige Schmerzen einstellten, die den Tod der Kin­Ein anderes Kind erlitt beim Strid­der zur Folge hatten. hüpfen Darmverschlingung und starb gleichfalls.

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Dutenhofen. Der 74 Jahre alte Landwirt Müller von hier stürzte infolge eines Fehltritts beim Strohholen von einer Leiter und erlitt schwere Verletzungen des Rückgrates.

,, Gießener Zeitung"

Lenker des Autos fuhr, ohne sich um den hilflos daliegenden Mann zu kümmern, davon. Der Verunglückte starb später im Krankenhaus.

Marburg. Auf der Frankenberger Chaussee wurde ein Ar­beiter von einem Auto umgerannt und schwer verletzt. Der

Verdingung.

Marburg. In Todenhausen sind mehrere Personen an Tr­phus erfrankt. Schlechtes Trinkwasser soll die Ursache sein. Die Untersuchung ist eingeleitet.

Kassel. Bei einer Sonnwendjeier in Quenteln sprangen zahlreiche Teilnehmer, wie üblich, durch die Flammen des en:- zündeten Holzstoßes. Bei einem solchen Feuersprung stießen zwei junge Leute gegeneinander und fielen in die Glut. Mit schweren Brandwunden konnten die beiden jungen Leute gebor­gen und dem Landeskrankenhaus zugeführt werden.

Frankfurt a. M. Ein 30jähriger Arzt mußte sich nach dem Genuß von Wurst unter Vergiftungserscheinungen ins Kran­tenhaus begeben. Dort ist er jetzt gestorben. Die polizeiliche Untersuchung über den Vorfall ist noch im Gange.

Frankfurt. a. M. Am Freitag veranstaltete die Frankfur­ter Studentenschaft und die Vereinigung Frankfurter Korpora­tionen am Bismarddenkmal eine Kundgebung gegen die Kriegs­schuldlüge. Diese Kundgebung findet alljährlich am Jahrestag der Unterzeichnung des Versailler Diktates, am 28. Juni, statt, der dieses Mal auf einen Sonntag fällt.

Nassau. Aus Anlaß der 100. Wiederkehr des Todestages des Reichsfreiherrn vom und zum Stein, am 29. Juni, findet im Schloß Nassau an der Lahn, an seiner Geburtsstätte, eine Gedächtnisfeier statt, an der die Reichs- und Staatsbehörden teilnehmen werden.

Bad Kreuznach. Die Wirtschaftspartei im Wahlkreis Kob­lenz- Trier Birkenfeld nahm in einer großen Kundgebung in Bad Kreuznach Stellung zu dem Ausschluß des Abgeordneten von Detten aus der Wirtschaftspartei und erklärie einstimmig die völlige Verbundenheit des Wahlkreises mit diesem

Kassel. Der Brotpreis in Kassel ist von 70 auf 76 Pfennig erhöht worden. Das Bäderhandwerk hoffte, mit Hilfe des durch die Reichs- Getreidezentrale gelieferten verbilligten Brot­getreides ein billigeres Roggenbrot gum Preise von 68 Pfen= nig herstellen zu können. Wie sich jetzt aber herausgestellt hat, ist die von der Reichs- Getreidezentrale( Lager Hameln) gelie­ferte Ladung Roggen nicht für Menschennahrung brauchbar. Die Mühlenbesitzer weigerten sich, das Getreide abzunehmen, und das Städtische Gesundheitsamt hat die Unbrauchbarkeit bestätigt. Inzwischen ist eine neue Ladung Roggen abgeschickt worden, von dessen Qualität es abhängt, ob der Brotpreis in Kassel wieder herabgesetzt werden kann.

Die Ausführungen der folgenden Arbeiten zum Um- und Erweiterungsbau der Bezirkssparkasse Gießen in Gießen sollen vergeben werden:

Titel 1 Erdarbeiten

2 Fundamente und Isolierung

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3 Maurerarbeiten

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4 Massivdecken und Eisenbetontreppen

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5 Träger- und Stühlieferung

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6 Kunststeinarbeiten

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7 Wertsteinarbeiten

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8 Tresortür und Armierung

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9 Zimmerarbeiten

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10 Dachdecker- und Dichtungsarbeiten

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11 Klempnerarbeiten

12 Oberlicht, Staubdecken und Sonnentuchanlage

13 Kortisolierung

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14 Be- und Entwässerungsanlage

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15 Elektrische Licht- und Kraftanlage

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16 Bautischlerarbeiten, Fenster

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17 Bautischlerarbeiten, Türen

18 Glaswände

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19 Glaserarbeiten

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20 Beschlagarbeiten

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21 Schlosserarbeiten

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22 Feuersichere Türen

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23 Stud- und Rabitzarbeiten

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24 Steinholzarbeiten

25 Linoleumarbeiten

26 Solnhofener Platten

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27 Bronzearbeiten

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28 Fliesenarbeiten

29 Malerarbeiten

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Sonnenwunder.

Der Mensch ist von Natur immer ein Sklave des Lichts gewesen, aber heute beginnt er die Kräfte des Lichts nicht nur unbewußt zu genießen, sondern auch bewußt auszunuzen. Un­ser Körper besteht aus unzähligen Zellen; die Haut ist dicht besetzt mit empfindungsfähigen Stellen, von denen eine jede Gruppe Strahlen vom bestimmter Wellenlänge aufnehmen

fann.

Die so von der Haut empfangenen Kräfte werden in­nerlich Millionen von Zellen zugeführt, die sich in den verschie= denen Geweben befinden. Dabei gibt es Strahlungen von Wellenlängen, die zwar dem menschlichen Auge unsichtbar sind, nicht aber den Empfängern in der Haut. Das sind die soge= nannten ,, ultravioletten Strahlen", durch die so schreckliche Krankheiten, wie Tuberkulose und Rachitis geheilt werden kön­

nen.

Das graue Licht eines bewölkten Tages draußen hat eine wohltätigere, sogar heilkräftigere Wirkung, als ein durch Glas= wände eingeschlossener Raum, der vielleicht nach Süden gelegen und durchflutet von Sonnenschein ist. Denn die Glasfenster berauben uns eines Teils der ultravioletten Strahlen und ihrer treibenden Kräfte.

Leistungsverzeichnisse können im Büro des Herrn Archi­tetten Hamann in Gießen, Bergstraße 11 p., in Emp­fang genommen werden. Zeichnungen und statische Berechnun gen liegen daselbst zur Einsichtnahme aus. Die Deffnung der verschlossenen und mit Anschrift und Titelbeschriftung versehe= nen Angebote sindet am Montag, dem 13. Juli 1931, vormit tags 10 Uhr, im Sigungszimmer der Bezirkssparkasse Gießen

Nr. 51

teiligen Wirkungen des Zimmerlebens hinweg. Vor allem können die kleinen, armen, eingekerferten Kinder gar nicht genug mit Sonnenschein und Luft gefüttert werden im Win­ter noch mehr, als im Sommer.

Jede draußen am Sonnenlicht verbrachte Stunde hilft dem Städter, dessen Körper in den langen Wintermonaten der nörd­lichen Länder buchstäblich nach Licht hungert, über die nach­MAN SCHREIBT HEUTE AUF OLYMPIA

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Sonnenschein wirkt wie ein Zauberer an Tieren und Pflanzen, wenn auch die Wunder, die er vollbringt, verschie dener Art sind. Die Pflanzen sind die großen Erhalter der Kräfte, während die Tiere die großen Verschwender und Ver­braucher der Energien sind, aber wenn der Mensch im Son­nenschein lebt, kann aud; er zum Teil ein Erhalter von Energien werden. Es ist schätzungsweise festgestellt worden, daß der Frei­luftarbeiter tausendmal mehr Sonnenschein empfängt, als der Zimmerbewohner, und was noch wichtiger ist: wer draußen lebt, empfängt millionenmal mehr ultraviolette Sirahlen, als der, welcher hinter durchsichtigen Glasscherben sizzt.

Man weiß, daß der Phosphor im Blute eines Kindes sich in wenigen Wochen verdoppelt, wenn man das Kind täglich einige Minuten lang draußen dem Sonnenlicht aussetzt. Die Strahlen der Sonne erhöhen den Eisengehalt des Blutes und verhüten Bleichsucht. Im Sonnenlicht ist auch die Jodabson­derung der Schilddrüse eine reichlichere. So tommen also viele gute Dinge von oben, und vom Standpunkt des Wachstums und der Gesundheit ist das Sonnenlicht nicht das geringste un= ter ihnen.

Humor. Eine Ueberraschung.

Der Bettler: ,, Gott segne Sie, mein Herr, für die Mark." Der Herr: Was? Sie haben die Mark erkannt? Ich dachte, Sie seien blind?"

Der Blinde: Nein, der Blinde ist bloß für eine Stunde weggegangen, um sich das Sechstagerennen anzusehen. Ich, mein Herr; ich bin der Taubstumme."

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Vor einiger Zeit hatte die Münchener Jllustrierte Presse ein Preisausschreiben veranstaltet, das darin bestand, aus Bil­dern, Fahrkarten und Reisedokumenten herauszufinden, welche Länder und Städte ein Mister Glück besucht hatte. Als Preise waren 23 Reisen auf Dampfern des Norddeutschen Lloyd aus= gesetzt. Das Urteil des Preisgerichts ist jetzt gefallen, und die Münchener Illustrierte Presse veröffentlicht in ihrer neuesten Nummer( Nr. 26) die richtigen Lösungen und die Namen der Glückspilze, die die Reise in die weite Welt antreten werden.

Nachnahmeoder Vor­

statt. Der die Oberleitung führende Architekt wird am Frei- Hamburger Kaffee- Importhaus Bertauswert 5-7 RM tag, dem 3. Juli 1931, zur Beantwortung etwaiger Fragen und zur Auskunftserteilung in Gießen anwesend ein. Gießen, den 25. Juni 1931.

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