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Samstag, den 27. Juni 1931.

Arbeitslos.

Wir geben im folgenden eine Zuschrift wieder, die viel Wahres enthält. Im übrigen enthalten wir uns jeglichen Urteils.

Welch ein niederdrückendes Gefühl dieses Wort auslöst, habe ich vor einigen Tagen erfahren, als ein Arbeiter, mir ent­gegenkommend, mir dankbar die Hand drückte und mir mitteilte, daß er am nächsten Montag die Arbeit wieder aufnehmen könne: er sei überglücklich darüber und sähe seine Frau und Kinder mit ganz anderen Augen an. Das veranlaßt mich heute zu den folgenden Auslassungen über die Ursache und die Beseitigung dieser fast chronisch gewordenen Krankheit.

,, Gießener Zeitung"

Lokales.

Sonntagsgedanken.

Ein neuer Morgen steigt herauf. Mond und Sterne ver blassen langsam. Fein gemalt leuchtet das Morgenrot am dämmernden Himmel, bis plötzlich ein wolkenloses, strahlendes Firmament im Goldglanze einer verschwenderischen Sonne alle Schönheiten dieser Gotteswelt öffnet.

Mag der Krieg und andere Erscheinungen diese Kalamität hervorgerufen haben: in der Hauptsache ist die Arbeitslosigkeit durch die brutale Wegsteuerung des Betriebskapitals entstan­den. Die Wirtschaft ist ein feines Gewebe, das nur gedeihen tann, wenn es von Störungen nach Möglichkeiten ferngehalten wird. Sie besteht aus zwei mächtigen Faktoren, dem Unter­nehmertum und der Angestellten- und Arbeiterschaft. Wenn diese nicht gegenseitig das nötige Verständnis für einander auf­bringen, dann ist das Gewebe zerrissen und es währt lange, um es wieder in Ordnung zu bringen. Blüht die Wirtschaft, dann fann der Staat Steuern erheben; werden ihr aber die Mittel durch unmenschliche Steuern entzogen, wie es heute der Fall ist, dann kommt die Arbeitslosigkeit als logische Folge ganz von selbst, denn ein geschwächter Wirtschaftsbetrieb kann keine Ar­beiter in großer Zahl beschäftigen. Daß der Arbeiter sich auf alle mögliche Weise seine Lebensbedingungen durch höhere Löhne verbessern will, ist sein gutes Recht; daß er aber sich dazu hergegeben hat, seine Auftraggeber zu ermächtigen, der Wirtschaft unerschwingliche Steuern aufzulegen, war eine große Dummheit. Die Nutznießer dieser hohen Steuern sind ganz andere Leute, während er sich den Ast, auf dem er gesessen, selbst abgesägt hat. Er lebt doch von der Wirtschaft und es ist bekannt, daß er dem Unternehmer, bei dem er beschäftigt ist, den Untergang nicht wünscht, weil er damit seine eigene Exi­stenz bedroht sieht. Es fehlt bei uns leider noch das wirtschaft­liche Denken, wie es bei den englischen und amerikanischen Ar­beitern der Fall ist. Bei der englischen derzeitigen Arbeiter­regierung kann man beobachten, daß die Belange des Unter­nehmertums bei allen Vorgehen ebenfalls in Erwägung ge= zogen werden.

Die Erlenntnis, daß es so nicht weiter gehen kann, hat sich bei der Arbeiterschaft, wenn auch leider allzu spät, durch gerungen.

Nur wenn Unternehmertum und Arbeiterschaft zusammen­stehen, um alle Teile der Wirtschaft hochzubringen, können wir allmählich auf eine bessere Zukunft hoffen. Dazu gehört aber: ein Abbau der Steuern und Lasten, die zurzeit in Reich, Staat

Junger Tag reiner Morgen.

Von ferne läuten Gloden, Sonntagsgloden, als möchten sie uns wegrufen vom öden Alltag zum Tag des Herrn, zur Kapelle und Kirche und zum hohen Dome. Der Herrgoit war­tet dort, der ewig Stumme, wartet immerfort auf die Mühseli­gen und Beladenen, auf alle, reich und arm. Folgen wir dem Glockenklang. Ein heiliger Friede zieht durch den Gottesraum. Define dein Herz, damit er auch dort eindringe, damit dieses müde Herz Ruhe bekommt und alle Sorgen und Kümmernisse schlummern können.

und Gemeinden 30 Milliarden gegen 8 Milliarden im Vorkriegsjahre betragen, in einem durch den Krieg und die Inflation verarmten Land, ferner Zurückschraubung der sinnlosen Ausgaben für Luxusbauten aller nur erdenklichen Art, ferner Reduzierung der hohen Gehälter und Pensionen, wozu wir ja durch das Versagen der Wirtschaft als der einzigen Steuer­quelle ohnedies von selbst gezwungen werden.

In einer stillen Gnadenstunde hat dort schon mancher sei­nen Frieden gefunden. In einer Ede, ganz allein, hat schon mancher dem stummen, aber ewig guten Gott sein Herzeleid ge flagt. Klagte und ging dann mit einem heiligen Frie­

Aber auch für uns ist es notwendig, die Ansprüche ans Le ben bei Zeiten zurückzuschrauben, wenn wir nicht unliebsame Ueberraschungen erleben wollen.

den, mit einem Leuchten in den Augen wieder heim. Und sein Herrgott ging mit und war sein Begleiter auf seinem stillen Sonntagsweg Songjam, wie ein Lichtlein, trug er den Frieden in seiner Brust durch den blühenden, sonnigen Sommermorgen. Ueber bunte Wiesenblumen streicht leise feiner Morgen­wind. Ein Zitronenfalter fliegt schlaftrunken von Blumen­kelch zu Blumenkelch. Im Goldglanze leuchtet der Wald und strahlen, die Wiesen und Hecken. Du wunderschöner, junger Morgen!

Die täglich vorkommenden Zusammenbrüche und Selbst­morde auf beiden Seiten der Wirtschaft reden eine deutliche Sprache. J. G.

Zur Gesichts- Bräunung

aber auch zur Bräunung des ganzen Körpers bei Sonnenbädern verwende man die reizmildernde und lühlende Leodor- Fett Creme. Tube 60 Pf. und 1 Mt. Wirlfart unterstützt durch Leodor- Edelseife Stüd 50 Pf. 3u haben in allen Chiorodont- Verlaufsstellen.

Der Mittelstürmer von Hollywood.

Ein Fußball- Roman von Sidney Horler. 11. Fortsetzung.

Der Sonntagsschreiber.

Nr. 51

* Freiherr- vom- Stein- Verfassungstaler. Um darauf hinzu­weisen, daß die diesjährigen Verfassungsfeiern im Zeichen des Freiherrn vom Stein stehen sollen, dessen 100. Todestag jetzt be­gangen wird, läßt die Reichsregierung einen neuen Verfassungs­taler mit dem Bildnis Steins prägen.

Der Siebenschläfertag. Der Siebenschläfertag am 27. d. M., einer der Lostage des Juni, geht nach der Legende auf 7 Jüng­linge( Maximianus, Malchus, Serapion, Sponisus, Johannes, Martinianus und Konstantinus) zurück, die im Verlauf einer Christenverfolgung unter Kaiser Decius im Jahre 251 in einer Höhle im Berge Kalion bei Ephisus Zuflucht suchten, dort eine schliefen und inzwischen zugemauert wurden. Etwa 200 Jahre später sollen die Jünglinge zufällig in ihrer Höhle aufgefunden und aufgeweckt worden sein, worauf sie nach Erzählung ihres wunderbaren Schicksals, umgeben vom Glorienschein der Heilig­feit, gestorben sind. Als der Lostag gilt der 27. Juni, dem Sie­benschläfertag, eine Bauernregel, nach der, wenn es an diesem Tog regnet, während der nächsten sieben Wochen jeden Tag auch etwas Regen fällt.

Als er aus dem Ankleidezimmer trat, tam ein Mädchen rasch auf ihn zu. Sie hielt ihre Hand ausgestreckt, und in ihren Augen war ein Blid, der dem jungen Fußballer das Herz merkwürdig schnell flopfen machte.

Sie sind Mr. Marr," sagte das Mädchen. Ich habe ein gutes Physiognomiengedächtnis, und zwei Jahre sind ja schließ­lich keine gar so lange Zeit, nicht wahr? Sie haben sich nicht im geringsten verändert."

Marr blidte auf das auffallend schöne Mädchen, das ihn mit so offenere Freundschaft begrüßte, und langsam stieg die Erinnerung in ihm auf.

* Von der Universität. Dr. phil. Werner Meyer- Barkhausen, der sich für das Fach der mittleren und neueren Kunstgeschichte zu habilitieren wünscht, wird Montag, den 29. Juni, 16 Uhr, im Hörsaal des Kunstwissenschaftlichen Instituts, Ludwigstr. 34, eine Probevorlesung über das Thema: Stilwende in der deutschen Malerei des 14. Jahrhunderts" halten.

* Von der Gießener Studentenschaft. Die überfüllte Vols. versammlung der Gießener Studentenschaft billigte am 23. Juzi einstimmig folgende Entschließung der Nationalsozialistischen und Großdeutschen Kammerfraktion: Meinungsverschiedenheiten und Mißverständnisse haben zu einem Bruch zwischen der Natio nalistischen und Großdeutschen Kammerfraktion geführt, der die Existenz der Gießener Studentenschaft bedrohte. Nach Bereini gung der Mißverständnisse haben sich die beiden Fraktionen über alle Meinungsverschiedenheiten hinweg zu gemeinsamer Front und Arbeit geeinigt. Sie gehorchten damit dem Gebot der Stunde, die eine in sich geschlossene, starke und einige Stu dentenschaft fordert im Interesse unseres Volkes, das vor schwer sten Entscheidungen steht und dem wir uns vor allem anderen verpflichtet fühlen. Mit dieser Erklärung vor der Vollver sammlung der Gießener Studentenschaft nehmen die Fraktion nen die Arbeit in Kammer und Vorstand wieder auf. Gegen über Pressemeldungen stellen sie fest, daß von einer Selbst auflösung des Gießener Asta feine Rede sein kann, daß im Ge genteil die Nationalsozialistische und Großdeutsche Fraktion mehr denn je entschlossen sind, die Selbstverwaltung der Gie Bener Studentenschaft in ihrer bisherigen Form allen Gefähr dungen gegenüber zu schirmen und zu schützen.

* Die Ferienordnung in Hessen. Nach der von dem hessischen Minister für Kultus und Bildungswesen erlassenen Ferienord­nung für öffentliche Schulen in Hessen dürfen Sommer- und Herbstferien die Zeit von 42 Tagen nicht überschreiten. In Städten und größeren Landgemeinden sind die Sommerferien für sämtliche Schulen auf vier Wochen und die Herbstferien auf zwei Wochen festgesetzt. In Landgemeinden mit vorwiegend landwirtschaftlicher Bevölkerung werden die 42 Ferientage durch Beschluß des Schulvorstands meist auf drei Wochen im Sommer und drei Wochen im Herbst verteilt. Der Beginn der Sommer­und Herbstferien richtet sich nach dem Stand der Ernte, da den Schulkindern auf dem Lande Gelegenheit gegeben werden soll, sich an den Erntearbeiten zu beteiligen.

Sie sind Kirkby, Stanleys Schwester," sagte er zögernd. Er dachte verlegen daran, was wohl die an der Tür des An­kleidezimmers sich drängenden Gefährten von der Begegnung denken mochten.

Ja, ich schrieb Ihnen einen Brief, aber Sie haben ihn unbeantwortet gelassen, das macht aber nichts. Sie haben heute so ausgezeichnet gespielt, daß ich Ihnen nicht böse sein tann. Sie kommen natürlich zu mir zum Tee? Ich habe meinen Wagen hier. Ich wohne in Stapleford, gerade außerhalb der Stadt. und wir werden in einigen Minuten zu Hause sein."

Ehe er noch irgend etwas antworten konnte, fand Mart, daß er an der Seite des Mädchens dahinschritt. Wenn er nicht so verwirri gewesen wäre, hätte er wahrscheinlich die leisen Pfiffe des Erstaunens seitens der anderen Spieler gehört, die diese Szene mit Verblaffung beobachtet hatten. ..Gestatten Sie mir

* Die Wohlfahrtsbriefmarken verlieren ihre Gültigkeit. Am 1. Juli verlieren die Wohlfahrtsbriefmarken der Deutschen Nothilfe 1930-31( Städtebilder) ihre postalische Gültigkeit. Eine Zurück­wahme nicht verwandter Marken durch die Postanstalten und Nothilfestellen kommt nicht in Frage.

Der Mittelstürmer hatte endlich seine Stimme wiederge­funden. Aber mit einem Lächeln bedeutete ihm Margery Kirkby, in das Auto zu steigen, während sie selbst den Motor anfurbelte. Im nächsten Augenblick nahm der elegante kleine Wagen seinen Weg durch die noch aus dem Haupteingang zum Spielplatz kommenden letzten Besucher.

* Von der Gießener Hochschulgesellschaft. Heute um 16.15 Uhr findet in der kleinen Aula der Universität die diesjährige Hauptversammlung der Gesellschaft von Freunden und Förderern der Universität Gießen statt. Nach Erledigung der geschäftlichen Angelegenheiten, wird Professor Dr. Th. Mayer um 17.15 Uhr im Großen Hörsaal einen Vortrag über ,, Die mittelalterliche Kaiserpolitik und der deutsche Osten" halien.

,, Sie müssen verzeihen, wenn ich so viel schwayze," sagte das Mädden, während sie durch eine belebte Straße fuhren, aber ich habe mich so darauf gefreut, einen alten Freund Stanleys wieder zu treffen. Sie müssen mich für schrecklich egoistisch halten, fürchte ich, denn Sie fühlen sich sicher noch nicht ganz wohl. Sie haben heute einen schlimmen Unfall gehabt, nicht wahr? Dieser rohe Bartley hätte ausgeschlossen werden müssen; wenn ich Schiedsrichter gewesen wäre, hätte er nicht eine Se funde länger im Felde bleiben dürfen."

,, O, ich bin wieder ganz wohl, nur noch ein bißchen be­

nommen," sagte Marr. Unbewußt hatte er die richtigen Worte für seinen Zustand gefunden.

* Gründung des Reichsbundes deutscher Polizeibeamten Man meldet aus Berlin: Die drei Gewerkschaften deutscher Polizeibeamten haben in einer gemeinsamen Sigung einmütig die Gründung des Reichsbundes deutscher Polizeibeamten be schlossen. Zum Vorsitzenden wurde einstimmig Polizeirat J W. Klemm Jena gewählt. Das Organ des neuen Bundes ist die Allgemeine Deutsche Polizeibeamtenzeitung". Sitz des Bundes ist Berlin.

,, Dann dürfen Sie feine meiner Fragen mehr beantworten wenigstens nicht, che Sie nicht eine Tasse Tee getrunken haben," erwiderte das Mädchen mit einer entzückenden, beseh­lenden Art, die ihren Passagier begeisterte.

Samstag, den

* Auszeichnung. Die Qualitätsmilch des Hofgutes Winne rod wurde auf der 37. Wanderausstellung der deutschen Land wirtschaftsgesellschaft in der Gruppe Rohmilch abermals mit einem ersten Preis ausgezeichnet.

Marr benutzte die noch übrige Viertelstunde der Fahrt dazu, das Mädchen unbeachtet zu studieren. Vom braunen Samthut, der durch eine seitwärts fed eingesteckte Feder ganz allerliebst aussah, bis zu den kleinen, feinbeschuhten Füßen machte Mar­gery Kirkby den Eindruck einer wahren Dame. Ihre Kleider und das zarte Braun ihrer glatten Haut fennzeichneten das Sportmädchen. Aber Margery Kirkby hatte ihre tiefgewurzelte Liebe zum Sport nie zu weit getrieben, um auch nur ein Atom ihrer angeborenen Weiblichkeit dabei einzubüßen.

Von allen Ländern der Erde ist England das einzige, das einen solchen Mädchentypus hervorbringt; der junge Mittel­stürmer wurde sich eines unbestimmten Sehnens bewußt, als er Margery anblidte.

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* Bom Gleibergverein. Morgen findet auf der Burg das diesjährige Sommerfest des Gleibergvereins statt. Die Verbun denheit aller Gleibergfreunde mit Verein und Burg soll mit diesem Fest aufs Neue befundet werden. Das Fest, das auf dem geschmückten Burghof stattfinden wird, verspricht jedem Besucher frohe und gemütliche Stunden.

Bis jetzt hatten die Mädchen in Richard Marrs Leben eine sehr kleine und nebensächliche Rolle gespielt. Er hatte sie wie alle anderen guten Dinge, die ihm Fortuna geschenkt hatte, genommen. Für einen schönen Fuß und ein hübsches Gesicht hatte er immer ein Auge welder Jüngling hat das nicht?

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Vorsicht mit Benzin als Reinigungsmittel! In letzter Zeit gibt eine Teppichfirma ,, 10 Gebote für sachgemäße Teppichbehandlung" in Broschürenform heraus un empfiehlt, zur Reinigung erhebliche Mengen von Benzin zu v wenden. Es muß daher immer wieder davor gewarnt werden derart leichtsinnig Leben und Gesundheit der Hausbewohner z gefährden. Die Gefahr liegt darin, daß die sich entwickelnden Benzingase mit der atmosphärischen Luft gemischt außerorden lich explosibel sind. Diese Benzindämpfe sind schwerer als die atmosphärische Luft, bewegen sich am Boden entlang entsprechen den hier herrschenden Strömungen und kommen auch an weil von der Benußungsstelle des Benzins entfernten Feuerstellen, brennenden Lichtern, entzündeten Streichhölzern oder gar schon an Funken von elektrischen Kontakten zur Entzündung un Explosion. Schon 2,5 Teile Benzin auf 100 Teile Luft, alf ganz geringe Mengen, lassen das gefährliche Explosionsgemije entstehen. Selbst das Deffnen der Fenster bei solchen Arbeite genügt nicht als Vorbeugungsmaßnahme, weil die schweren Ba zindämpfe auf dem Boden ruhen und nicht abziehen können.

Und manchmal, wenn er nach einem Ball ins Bett kroch, dachte er: was würde Molly oder Roja oder Rowena für eine gute, liebe Lebensgefährtin sein! Aber darüber hinaus dachte er nicht. Der wunderbaren Schwester eines alten Freundes war es vorbehalten, seltsame, nie gekannte sehnsüchtige Wünsche in ihm wachzurufen. Margery Kirkby war vom Schicksal dazu ausersehen worden, ihm zu zeigen, daß für jeden Mann nur ein Mädchen auf der Welt existiert.

Wie alle großen Entdeckungen fam diese Erkenntnis wie der Bliz. Sie raubte ihm die Fassung. Wenn er in einem Buch gelesen hätte, daß ein Mann ein junges, ihm ganz frem­des Mädchen treffen und sich innerhalb weniger Minuten in dasselbe sterblich verlieben könne, so hätte er mit Inbrunst und Ueberzeugung ,, Blödsinn" ausgerufen. Und doch hatte sich das, was ihm in der Phantasie des Schriftstellers als unmöglich erjchienen wäre, im wirklichen Leben zugetragen. Der Gedanke war bellemmend. Der erste Eindruck, den Marr nach dieser Offenbarung vor sich selbst bekam, war, daß er ein hoffnungs­loser Esel, der nächste, daß er ein ausgemachter Lump sei. Hier faß er, mit nichts anderem in der Welt als ein Paar Fußball­schuhen im Vermögen, und dabei verliebte er sich in dieses wirtlich entzüdende Mädchen. Wenn es, ohne die Aufmerksam= feit Margery Kirlbys zu erregen, möglich gewesen wäre, hätte er sich selbst gern ein Paar heruntergehauen.

In eine zu beiden Seiten mit Bäumen eingefaßte Straß mit fühnem Bogen einbiegend, hielt der Wagen vor einem ent zückenden, im Bungalow- Stil gebauten Hause. Marr hatte de Eindruck, daß dieser Besitz mit seinem anheimelnden Wohlstan sehr gut zu dem Mädchen paßte, welches jetzt mit einem Will tommensgruß vom Wagen sprang.

Ich werde den Wagen im Augenblid untergebracht habet, sagte Margery rasch. Ich wohne hier ganz allein mit meine Tante, müssen Sie wissen," fuhr sie fort. Sie ist die einzig Verwandte, die ich in diesem Lande habe."

Für einen jungen, verliebten Mann haben die allerg wöhnlichsten Dinge stets besondere Bedeutung. Die Tatja daß das Mädchen gleich ihm sozusagen allein in der Welt ſtan schien in der Einbildung Marrs ein Band zwischen ihnen 3 knüpfen.

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Nachdem Margery den Wagen versorgt hatte, schritt dans Paar auf einem ländlichen Pfad dahin, der sich zum Eingangs tor hinzog. Das Mädchen sperrte auf, und sie betraten eine geräumige und bequeme Halle.

,, Ah Tante, da bist du ja! Das ist Mr. Marr, Stanle bester Freund in Oxford."

Marr blidte in ein paar graue Augen, die ihn falt firierten ,, Wie geht es Ihnen?" jagte eine unangenehme Stimm und dann, den Besucher vollständig ignorierend, wandte f Mrs. Horrell an ihre Nichte. Ich hatte dich früher zu Har erwartet, Margery Mr. Stopford war eben mit seinem Wage hier und hat nach dir gefragt. Er schien sehr ärgerlich, daß nicht zu Hause warst, er wird später wieder zurückkommen. Die letzten Worte waren mit besonderem Nachdruck sprochen, so daß Richard Marr sich instinktiv der Tür zuwandt als ob er den neuen Anfömmling schon sehen könnte. Stopford Stopford wo hatte er diesen Namen Tu schon gehört? Plötzlich erinnerte er sich, und bei dieser Erinnerun runzelte er die Stirn.

6

Die Bombe plagt.

Als die volle Bedeutung dessen, was er soeben gehört ha Marr zum Bewußtsein fam, machte er einen zweiten Schritt der Richtung der Tür. Mit jeder Minute, die er länger diesem Hause blieb, wurde die Situation komplizierter. Margery Kirtby sah ihn an. Er glaubte in ihren flar Augen eine eindringliche Bitte zu lesen.

Was wohin wollen Sie denn?" fragte sie hastig. " Ich dachte mir, es ist doch besser, wenn ich gehe," sagte e Fußballer, in dessen Brust die widerstreitendsten Empfindur g einen Höllentanz aufführten.

Fortsetzung folgt.

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