Mittwoch, den 25. November 1931.
unent. in Oslo, Desterreich 0: 6 verl. in Berlin, Desterreich 0: 5 verl. in Wien, Schweden 0: 0 unent. in Stockholm. Handball: Desterreich 10: 9 gew. in Wien.
Soden: England 1: 1 unent. in Hamburg, Frankreich 3: 2 gew. in Paris, Holland 2: 2 unent. in Leipzig.
Regeln: Dänemark 6283: 6006 gew. in Kopenhagen, Schweden 5909: 6275 verl. in Stodholm.
Leichtathletik: England 7,5: 5,5 gew. in Köln, Frankreich 89:62 gew. in Paris, Schweiz 79,5: 57,5 gew. in Berlin; Damen: England 47,5: 53 verl. in Hannover, Frankreich 54,5: 43,5 gew. in Paris.
Rugby: Frankreich 0:34 verl. in Paris, Tschechoslowakei 38: 0 gew. in Leipzig.
Schwimmen: England 4: 0 gew. in Lübeck und Harburg, Frankreich 2: 0 gew. in Paris.
Segeln: Italien und Ungarn verl. vor Triest. Tennis: Amerika 0: 5 verl. in Berlin, Südafrika 0: 5 verl. in Düsseldorf; Damen: Brasilien 4: 0 gew. in Rio de Ja neiro, England 0:10 verl. in Edybaston. Wasserball: Belgien 2: 3 verl. in Barmen, Belgien 3: 3 unent. in Paris, England 9: 2 gew. in Lübed, England 7: 2 gew. in Harburg, Frankreich 4: 3 gew. in Paris, Frankreich 4: 1 gew. in Paris, Desterreich 5: 1 gev. in Paris, Schweden 4: 2 gew. in Paris, Tschechoslowakei 3: 1 gew. in Paris, Ungarn 2: 2 unent. in Paris.
Wie man in Ostoberschlesien
die Arbeitslosigkeit bekämpfen will! Kattowig, 24. 11. Der polnische Regierungsblock hat im Schlesischen Sejm in Zusammenhang mit der Wirtschaftskrise eine Reihe von weitgehenden und zum Teil mit der Verfassung im Widerspruch stehenden Anträge eingebracht. So wird die Einführung einer staatlichen Kontrolle der Schwerindustrie unter Beteiligung der Gewerkschaften verlangt. Gefordert wird ferner die sofortige Entlassung aller in der Woiwodschaft Schlesien noch beschäftigten Ausländer. Dieser Antrag richtet sich in erster Linie gegen die zahlreichen in Ostoberschlesien tätigen deutschen Staatsangehörigen. Ihre Stellungen sollen durch Polen besetzt
werden.
Abgeordneter Ladendorff
legt seine Parteiämter nieder.
Der bisherige Vorsitzende der wirtschaftsparteilichen Fraktion im Preußischen Landtag, der Abgeordnete Ladendorff, der zugleich Aufsichtsratsvorsitzender der verkrachten Berliner Bank für Handel und Grundbesitz ist; hat in der Fraktionssitzung am Dienstag mitgeteilt, daß er seine sämtlichen Parteiämter, insbesondere auch das des Vorsitzenden der Landtagsfraktion, bis zur restlosen Klärung des gegen ihn in Zusammenhang mit dem Zusammenbruch der Berliner Bank für Handel und Grundbesitz eingeleiteten Verfahrens niedergelegt habe.
Aus Nab und Fern.
Alsfeld. Die hiesige Gewerbeschule eröffnete ihren diesjährigen Winterunterricht. Die Schule wird von 35 Vollschülern besucht. Auch die Landwirtschaftliche Schule eröffnete ihren Winterlehrgang mit einer Schulerzahl von 36.
Alsfeld. Der Stadtvorstand hatte sich in einer dringlichen Sigung erneut mit der Frage der Erhöhung der Bürgersteuer zu beschäftigen. Es dreht sich darum, für einen Fehlbetrag von 29 400 R.-Mt. im städtischen Haushalt Deckung zu beschaffen, die nach dem Vorschlag der Stadtverwaltung durch die Einführung eines Zuschlages von 200 Prozent zu dem Landessatz der Bürgersteuer erreicht werden sollte. Dieser Vorschlag wurde abgelehnt. Aller Voraussicht nach wird nun die Aufsichtsbehörde in diesem Steuerkampf das entscheidende Machtwort sprechen.
Darmstadt. Ein Geldeinnehmer aus Darmstadt, der in den Ortschaften Oberroden, Urberach, Messel für die„ Heag“ das Inkasso besorgt, wird seit Freitag vermißt.
Großfeuer.
Darmstadt. Am Sonntagabend brach in der chemischen Fabrik Röhm& Haas ein Großfeuer aus, dem drei große Fabrikhallen, deren größte 100 Meter lang ist, zum Opfer fielen. Auch das Laboratorium wurde von den Flammen erfaßt; ebenso das Dachgebälk des Wohnhauses fing Feuer, doch wurde ein Weitergreifen verhindert.
Der„ Bürgermeister von der Altegasse" gestorben. Frankfurt a. M. Der Schlossermeister Georg Küchler ist Ende voriger Woche einer Gasvergiftung zum Opfer gefallen. Küchler, einer der bekanntesten Handwerksmeister Frankfurts, wurde im Volksmund der„ Bürgermeister von der Altegasse" oder kurz der ,, Borjermaaster" genannt. Viele kannten ihn gar nicht mit seinem richtigen Namen. Der Verstorbene, der ein Alter von 76 Jahren erreicht hat, hat sich in seinen jüngeren Jahren um die Frankfurter Handwerkerbewegung große Verdienste erworben. Er war ein Original, das alle Menschen zu nehmen wußte.
Westerburg. In den Kreisorten Neustadt und Hellenhahn ist ein Schulstreif ausgebrochen. Die Eltern weigern sich, ihre Kinder in die Schule zu schicken, da sie das Schulgeld infolge hoher Steuerzahlungen nicht mehr bezahlen können.
Marburg. Der Kreiskirchenverband wählte an Stelle des in den Ruhestand getretenen seitherigen Kreispfarrers, Superintendent Landau, den Pfarrer Schmidtmann in Caldern.
,, Gießener Zeitung"
Die Finanzlage des Kreises Wittgenstein. Laasphe. Der Fehlbetrag aus den Vorjahren beträgt 103 000 R.-Mt. etwa. In dem abgelaufenen halben Jahre gingen ein: rund 537 000 R.-Mt., das Jahressoll mit den restlichen Die Beträgen der Vorjahre beträgt 1535 000 R.-Mt. rund. Ausgaben beliefen sich auf 565 000 R.-Mt., die Ausgaben sollen betragen im ganzen Jahre 1 466 000 R.-Mt. Bei den Ausgaben überwiegen die der Wohlfahrtserwerbslosenfürsorge am weitesten, und zwar mit einem Betrage von 175 000 R.-Mt. etwa, die Ausgaben in diesem Kapitel sind mit 425 000 R.-Mt. im Jahre angegeben.
Neuer Sprengstoff- Diebstahl.
Kassel, 24. Nov. In der vergangenen Nacht ist in dem Steinbruch bei Viermünden an der Edderstraße im Kreise Fran= fenberg abermals ein Sprengstoffdiebstahl ausgeführt worden und rund 25 Pfund Sprengstoff und 135 Sprengkapseln entwendet worden.
Handwerk und Neues Bauen“.
Zu dem obigen Thema nimmt Oberstudiendirektor Otto Rückert, München, in Heft 6 der vom Deutschen Werkbund herausgegebenen Zeitschrift für gestaltende Arbeit ,, Die Form" vom 15. Juni ds. Js. Stellung. Einleitend weist Professor Rückert darauf hin, daß es niemals Aufgabe des Handwerks war, das künstlerische Gesicht einer Zeit zu bestimmen, vielmehr war und ist das Handwerk eine getreue, und wenn es sinngemäß betrieben wird, eine zuverlässige Dienerin der Kunst, und dazu berufen, dem Werkstoff zu Leben und Gestalt, der Joee zur greifbaren Wirklichkeit zu verhelfen. Zur Beantwortung der Frage: Wie steht nun das sogenannte ,, nene Bauen" zu dem Handwerk?" bringen wir mit Genehmigung des Verfassers und der Schriftleitung der Form" nachstehende wörtlich übernommene Ausführungen, zu denen wir eine eingehende Aussprache empfehlen möchten:
Ist es wirklich so, daß die gegenwärtigen Baukünstler ledig lich das Industrieerzeugnis im Gefüge ihres Werkes dulden? Es muß zugegeben werden, daß durch Typisierungsmaßnahmen aller Art Fenster und Türen, Beschläge und andere Bauteile innerhalb großer Baukomplexe vereinheitlicht( wenn auch nicht verbilligt) wurden. Es ist weiterhin richtig, daß neben dem herkömmlichen Möbel die Stahlrohrmöbel ihre Liebhaber fanden, daß die doch noch anfallenden Holzarbeiten( und ihre Menge überwiegt das Stahlrohrmöbel ganz wesentlich!) glatt und schmucklos erstellt werden, daß kunstvoll geschmiedete Gitter und Geländer durch einfache und zweckhafte Formen, schablonierte Anstriche und buntbemusterte Tapeten durch glatte Anstriche ersetzt werden. Wurde nun die Entwicklung der Wertarbeit des Handwerks durch diese Uebung, die im besten Falle einem inneren Müssen entspringt, gefördert oder aber gehemmt?
Bedauerlicherweise wird kein Begriff, den unsere Zeit zum Schlagwort umprägte, in den Reihen des Handwerks so gründ lich mißverstanden, wie der Begriff ,, Wertarbeit". Unter Wertarbeit verstehen heute noch viele Handwerker die Herstellung reichverzierter Gegenstände, in deren engem Gefüge sich die technischen Vorgänge drängen. Ich erinnere hier an das Gebilde ,, Schrank", das im Grunde genommen eine zweckmäßige Sache ist und trotzdem mit Intarsien und Spiegeln, mit Schnitzereien und allen möglichen Finessen des Furnierens belastet wird. Dder aber an die gestrichene Wand, die durch Linien und Bänder, durch die Darstellung erotischer Pflanzen oder krauser Drnamente ihres Sinnes als Hintergrund für Mensch und Hausrat beraubt wird. Die Ursache dieses seltsamen Tuns liegt eben darin, daß der Handwerker zeigen will, was er technisch zu leisten vermag. Er will unter allen Umständen hervorkehren, daß er mehr kann als eine glatte Fläche ordentlich herzurichten, eine Wand sauber und fleckenlos zu streichen oder glatte, geschmiedete Stäbe an ständig zu fügen. Und die groben Sünden der Handwerkserziehung, die Fehler der Handwerkerschulung sprechen aus dieser sinnlosen Handlungsweise. Seien wir ehrlich! es ist doch niemandem eingefallen, dem Handwerker in Werkstätte und Schule darüber die Augen zu öffnen, daß der besondere Wert der handwerklichen Arbeit in der richtigen Darstellung des Werkstoffes und darüber hinaus in der restlosen Einstellung auf den Sinn und Zweck der gestellten Aufgaben zu suchen ist. Die gesamte handwerkliche Arbeit, die stets auf der Schulung be ruht, kam vom Drnament, vom zufälligen Zierwerk her und stellte diese manchmal recht banale Beigabe eines Werkstückes über die vernünftige Auswertung des Werkstoffes, über die sinn gemäße und sichtbare Hervorhebung der durch den Zweck ge= gebenen technischen Möglichkeiten Man lebt doch stets in der Versuchung, hinter den geschnitten und reichprofilierten Türen eines Schrankes Kostbarkeiten an Stelle getragener Kleider und Wäsche, hinter reichgeschmiedeten Gittern einen köstlichen Park statt nüßlicher Gemüsebeete zu suchen.
Der Geist, der das neue Bauen bestelt, hat mit dieser Ver logenheit so ziemlich aufgeräumt. Die soziale Lage des Großteils unserer Nation spiegelt sich nun einmal in den Siedlungs häusern wider, und die Zeit, in der jeder gute Bürger sein Huhn im Topfe u. damit sein lauschiges Häuschen inmitten blühender Bäume besitzt, scheint einstweilen nichts anderes zu sein als der ſprichwörtlich gewordene Silberstreifen am Horizont. Aus ganz selt
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samen Vorstellungen heraus verurteilen viele Menschen, denen es wohl ergeht auf Erden, die ,, grausame" Art, den Arbeiter über die einfachste schlichte Wohnung hinweg immer wieder an sein ,, Elend" zu erinnern. Ich glaube, es wäre ,, grausamer", würde man dem Mann aus dem Volk ein biedermeierliches Pa radies des Wohnens vortäuschen, das um krassesten Gegensatz zu seiner Lebenshaltung, die durch das Einkommen geregelt wird, stehen würde. Die Schlichtheit und sogenannte puritanische Ein fachheit unserer Wohnräume entspringen zumeist einem durchaus berechtigten inneren Müssen. Und diese Einfachheit wird erst dann fatal, wenn sie zur Koketterie, zur gefallsüchtigen Beto nung einer gewollten snobistischen Armut cusartet. ( Schluß folgt.)
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