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Samstag, den 25. Juli 1931.

der Periode des Wiederaufbaues von einer besonderen Krisis er­faßt worden. Diese Krisis trifft nun zusammen mit einer Kri­sis der Weltwirtschaft und der deutschen Volkswirtschaft und treffen die Bauwirtschaft deshalb besonders hart.

Eine bürgerliche Wahlfront in Hessen? Darmstadt. Die bürgerlichen Oppositionsparteien Hessens hatten sich in letzter Zeit auf Anregung des Stahlhelm in meh­reren Sitzungen mit dem Vorgehen bei der kommenden Land­tagswahl beschäftigt. Man war sich darüber einig, daß man in gemeinsamer Kampffront gegen die jetzige hessische Regie­rungsmehrheit kämpfen und den Kampf untereinander möglichst vermeiden müsse. Eine gemeinsame Liste wird sich aber schwer­lich ermöglichen lassen. Nachdem aber der Landtag vor kurzem die Listenverbindung in das neue Wahlgesetz aufgenommen hat, wird von dieser Möglichkeit der Reststimmenverwertung weit­gehender Gebrauch gemacht werden.

Sparmaßnahmen der Reichswehr.

Berlin, 24. 7. Das Reichswehrministerium hat im Hinblic auf die allgemeine Finanzlage des Reiches bestimmt, daß alle weiteren Uebungen des Reichsheeres, darunter auch die übliche Verlegung der Truppen auf die Truppenübungsplätze zu unter­bleiben haben. Außerdem sollen alle Dienstreisen auf das un­bedingt notwendige Maß beschränkt werden. Auch Bestellun= gen an Lieferanten, soweit sie nicht lebensnotwendig sind, wur­den rückgängig gemacht.

Die englischen Arbeitführer

und die Religion.

Ein niederländischer Journalist fragte den englischen Arbei­terführer und derzeitigen Finanzminister Snowden: Im Auslande hält man Sie oft für einen eingefleischten Theoretiker, aber Sie sind doch wohl kein strenger Marxist?" Snowden be­tonte scharf: ,, Reineswegs, ich war nie ein marxistischer Sozia­list, unsere ganze englische Art war nie margistisch. Der britische Sozialismus hatte immer den ethischen Impuls stärker empfun­den als den Materialismus, das hat unsere besten Menschen zu der Bewegung gezogen. Die Gründer unserer Arbeiterbewegung waren vor allem beseelt von religiösen Gefühlen. Deshalb war unsere Partei auch nie mit der Religion im Streit, gerade die tiefgläubigen Eiferer sind die bedeutendsten Führer geworden." Der belgische Sozialist Vandervelde erzählt: Ich saß bei einem Diner nach einer Zusammenkunft der internationalen Sozial­demokratie in London mit einem Franzosen zusammen. Bevor das Essen beginnt, erhebt sich der jezige Außenminister Hen= derson und faltet die Hände Was um Gottes willen tut er?", fragte der Franzose. ,, Er betet vor!", sagte lächelnd Vandervelde und setzte hinzu: Ich glaubte, daß meinem französischen Nach­barn der Schlag drohte". Und bei uns?

Wochenrückblick.

-

Eine Woche der gespanntesten Erwartungen liegt hinter uns. Fieberhaft wurde das Ergebnis der Pariser Konferenz erwartet, atemlos wartete man auf den Ausgang der Londoner Konferenz und jetzt wartet man auf die Konferenzen, die da kommen. Am Ende der letzten Woche schien es, als siege noch in letter Stunde auch in Frankreich die Vernunft. Dr. Brüning und Dr. Curtius wurden freundlich in Paris empfangen, die Aussprache - die, zwischen den deutschen und französischen Staatsmännern wie Dr. Curtius sagte ,,, vom Chequers- Geist" getragen war verlief erfolglos, da die Franzosen nicht auf gewisse politische Forderungen und Garantien verzichten wollten und der Plan Macdonalds, ein politisches Moratorium von 10 Jahren, fand auf deutscher und französischer Seite feine Gegenliebe. Schließ lich gab man am Schluß der Pariser Konferenz ein farbloses, vieldeutiges Kommuniqué aus. Fortsetzung der Besprechung sollte in London erfolgen. Die Sieben- Mächte- Konferenz war tatsäch­lich eine Fortsetzung der Pariser Besprechungen, denn sie hatte ein ebenso dürftiges Ergebnis. Der aufrichtige Wille Amerikas und Englands, Deutschland und damit zugleich sich selbst zu helfen, scheiterte an dem Starrsinn der Franzosen. Frankreich sieht noch nicht ein, daß auch es in Europa liegt und daß die Krise, die Europa zu vernichten droht, auch Frankreich nicht verschonen wird. Erreicht wurde lediglich in London, daß ein Stillhaltekonsortium gebildet wird, das weitere Zurüdziehungen ausländischer Kredite verhindern soll. Eine Kommission von Finanzleuten soll die Kreditbedürftigkeit Deutschlands prüfen, und eine neue Konferenz im Herbst ist in Aussicht genommen. Deutschland hat also statt des 2- Milliarden- Kredits, den es for= derte, eine ,, Bewährungsfrist" von einigen Monaten erhalten. Dabei ist die Wirkung des Stillhaltekonsortiums noch illusorisch, denn immer noch klagen die deutschen Banken über den Druck der Geldabziehungen. Wenn sich kein anderer Weg mehr findet, wird die Regierung wohl oder übel dem Inlandmoratorium

Bankfeiertage. ein Auslandsmoratorium folgen lassen müs= sen, dabei ist es jedem klar, daß die kreditpolitischen Folgen eines solchen Moratoriums verhängnisvoll werden können. In Deutsch­land selbst ist die Lage des Geldmarkts noch trostlos. Zwar sind einige Erleichterungen des Zahlungsverkehrs eingetreten; aber Handel und Verkehr stoden, die Geschäftswelt sieht mit Grauen in die Zukunft. Welcher Geschäftsmann fann Zinsen von 10 bis 15 Prozent aufbringen?! Weitere Distonterhöhungen stehen be­vor! Trotz Diskonterhöhung und trotz scharfer Bestimmungen gegen die Kapitalflucht ist noch kein Geld aus dem Ausland zu­geflossen. Jetzt muß alles versucht werden, um der gedrückten, hoffnungslosen Stimmung entgegenzuwirken; neuer Glaube muß geweckt werden. Es ist bezeichnend, daß die Kommunisten in Preußen an dem Volksentscheid der Rechten teilnehmen. Moskau glaubt, seine Stunde sei gekommen. Zuversicht und staatsbürger­liche Gesinnung sind mehr denn je am Playe! Noch besteht Hoff­nung, daß, wenn auch nicht Frankreich, so doch England und Amerika, die ebenfalls unter der Krise leiden, mit Deutschland zusammenarbeiten werden. Große englische Banthäuser sind weit­gehend an deutschen Krediten beteiligt, die Diskonterhöhung der Bank von England um 1 Prozent war ein Sturmzeichen. Sams­tag fommt Stimson nach Berlin, Montag Macdonald und Henderson. Neue Besprechungen folgen...

-er.

Gießener Zeitung"

Nr. 59

Samstag, den 2

Das Geld zur Sparkasse!

In letzter Zeit ist in Deutschland ein erheblicher Mangel an Bargeld eingetreten, so daß sich im Geld und Zahlungsverkehr vorübergehend Störungen ergaben. Reichsregierung und Reichsbant, die Sparkassen und alle anderen Geldinstitute haben sofort die erforderlichen Maßnahmen getroffen, mit dem Erfolg, daß alle unbedingt notwendigen Zahlungen wieder geleistet werden können.

Die Gründe des vorübergehenden Bargeldmangels

jind verschiedener Natur. Einer der wichtigsten ist die über stürzte Kündigung von Aus= landsgeldern in den verflossenen Monaten. Dadurch wurde die Bewegungsfreiheit der Reichsbant, von der letzten Endes der Bargeldbedarf der deutschen Wirtschaft befriedigt wird, stark eingeengt. Ande rerseits wurde der Bedarf an Bargeld ungemein gesteigert durch bedeutende A bhebungen im In­land, die nicht zuletzt durch falsche Gerüchte und Meldungen veranlaßt ängstlich gewordene Kreise der Bevölkerung vornahmen. Zur Befriedigung dieser großen Geldansprüche konnte der vorhandene Bar­geldvorrat natürlich nicht ausreichen. Es tam daher vor allem darauf an, das Bargeld für

die nötigsten Zahlungen zu sichern,

also besonders für die Zahlungen von Löhnen und Gehältern und für die Arbeitslosen- und Wohlfahrts­unterstügung sowie für den dringenden Lebensbedarf usw. Eine Unterbindung dieser Zahlungen hätte das gesamte Wirtschaftsleben direkt und indirekt auf das schwerste geschädigt. Dank der wachsenden Einsicht der Bevölkerung konnten die Zahlungsbeschränkungen sehr bald in wichtigen Punkten ge­lockert werden.

Wann der Zahlungsverkehr

unbeschränkt wieder aufgenommen werden kann,

hängt letzten Endes von dem vernünftigen Verhalten eines jeden Einzelnen ab. Die meisten Kunden haben erfreulich schnell Ruhe und Einsicht wiedergewonnen. Insbesondere auch die Hausfrauen tragen für ihre Familie wie für die Gesamtheit eine große Verantwortung. Die unsinnigen Käufe von allen möglichen unnötigen Dingen in der vergangenen Woche haben im allgemeinen zwar aufgehört, aber nicht wenige unnötig abgehobene Spargelder liegen noch als Bargeld zu Hause in irgendeiner Form ,, im Strumpf", wo sie Diebstahl und Feuersgefahr ausgesetzt sind und keine Zinsen bringen. Jedes unnötig abgehobene und nicht sofort benötigte

Geld gehört auf die Sparkasse,

damit es von dort wieder an diejenigen Stellen der Wirtschaft fließt, wo es am dringendsten benötigt wird. Ueber Neueinzahlungen, die erfreulicherweise in allen Teilen des Reiches wieder vor­genommen werden, kann jeder frei verfügen. Das Geld bringt gute Zinsen, und vor allem, es trägt am wirksamsten zur Behebung des Bargeldmangels und der Kapitalnot bei.

Bei den Sparkassen

ist das Geld völlig sicher.

Die Sparkassen sind bei der Anlegung der ihnen anvertrauten Spargelder an ihre strengen jagungsmäßigen Vorschriften gebunden, deren Innehaltung vom Staat tontrolliert wird. Außerdem besteht für sämtliche Einlagen bei den Sparkassen von jeher unbeschränkte öffentliche Garantie. Da auch von einer Inflationsgefahr keine Rede sein kann jeder weiß, daß wir nicht Geldüberfluß, sondern Geldmangel haben, so fällt auch das letzte der Bedenken, die vielleicht der eine oder der andere haben könnte.

Es liegt also gar kein Grund zur Beunruhigung vor.

Das Geld ist bei der Sparkasse

am besten aufgehoben.

Darum:

Bringt Euer Geld zur Sparkasse!

Bezirkssparkasse Gießen.

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