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Samstag, den 25. April 1931.

Lokales.

Sonntagsgedanken.

Und wieder ist die Zeit der Saat.

Der Landmann geht über die Furchen und streut die Körner aus. Hungernde Vögel nehmen noch schnell, was sie zu haschen vermögen. Dann kommt die Egge und deckt fürsorglich die junge Saat zu. Im Herzen spricht der Landmann noch ein Gebet, daß sie aufgehen und reifen möge und daß Gottes Segen über den Fluren walte. Dann ist Ruhe über dem Ader, nur unter der -Erde beginnt ein neues Werden.

Auch du bist ein Gämann du Vater, du Mutter, du Lehrer! Alle sind wir es, jung und alt; und magst du auch noch ein Kind sein. Wir alle säen jahraus, jahrein, jeden Tag und jede Stunde. Nur das Arbeitsfeld ist kein Ader, es ist ed­ler und weicher. Das Menschenherz ist das Saatfeld und die Samenförner sind die Worte und Taten der Menschen. Gleich wie ein schlechtes Saatforn eine schlechte Frucht erzeugt, so trägt dein Wort und deine Tat die Schuld, wenn im Herzen deines Nächsten oder deines Kindes eine üble Frucht gedeiht. Haben wir nicht schon oft vor kindlichen Ohren Worte gesprochen, die nicht abgewogen waren oder gar etwas getan, was eine reine Seele vergiften konnte? Oder vielleicht hat schon oft eine neidische Krähe noch rasch ein gutes Samenkorn geraubt, ehe es feimen fonnte. Wenn nun jedes gute Wort aus unserem Munde im Keimfeld von Menschenseelen gute Früchte bringen kann, wie Und wie ver= hoch wächst da die Größe unserer Sprache! Bei den Menschen ist immer Saat­pflichtet noch jedes Wort!- zeit. Solange, bis der himmlische Sämann deine Früchte gezählt und gewogen hat. Sorge dafür, daß sie einst in himmlische Scheunen gefahren werden!

Der Sonntagsschreiber.

Früh vor der Schule.

Von Stadtmedizinalrat Dr. med. Marloth- Leipzig. Frizz war ein Langschläfer und konnte sich nicht rechtzeitig aus dem Bett finden. Das fam daher, weil er schwer einschlief und viel wirres Zeug träumte. Den Grund hierzu fand ein Onkel, der gerade zu Besuch war. Fritz ging nämlich gleich nach dem Abendbrot schlafen, oft faute er sogar noch während des Ausziehens. Es hatte niemand daran gedacht, daß die erste Verdauung des Abendbrotes eine gewisse Unruhe in Fritzchens Magen und Körper hervorrief. Von dieser Zeit an bekam Frizz sein Abendbrot mindestens eine Stunde vor dem Schlafengehen. Er hatte sich aber das lange Schlafen schon zu sehr angewöhnt, um es besser machen zu können. Oft mußte ihn die ältere Schwe ster mit dem nassen Schwamm aus dem Bett treiben. Zum Waschen war nicht viel Zeit, noch weniger zum Kaffeetrinken, der oft hinuntergestürzt wurde; mit dem Brot oder Brötchen in der Faust, den Schulranzen auf dem Rücken rannte er in die Schule. Ueberhaupt keine Zeit blieb übrig für das beinah Wichtigste, was jeder gesundbleibende Mensch morgens vor dem Tageswerk verrichten soll. Es war kein Wunder, daß Fritz ver­stopft und in unbehaglichem Empfinden auf seiner Bank saß. Did war er sowieso nicht, die Muskeln sollten erst stärker werden. Das Rennen zur Schule mit dem schlechtgekauten ,, Unterwegs­frühstück" und der morgens ständig nicht entleerte Darm war seinem wachsenden Körper auch nicht dienlich. Es war kein Wunder, daß er oft müde und schlaff auf seiner Bank saß und nicht so gut aufpassen konnte, wie die anderen. Die Eltern konnten sich das nicht erklären; er war doch zu Hause ein leb= haftes Kerlchen, der nicht dumm oder schüchtern war. Schuppen fiel es ihnen von den Augen, als sie in einem Vor­trag des Elternabends folgende Schulkinderregeln hörten:

Wie

Gib deinem Kinde 1-2 Stunden vor dem Schlafengehen das Abendbrot.

Laß es dabei sitzen, nicht umhergehen.

Wede es rechtzeitig vor dem Schulbeginn.

Am Kaffeetisch muß es in Gemütsruhe trinken und fauen. Zeit für das Wichtigste( Stuhlgang) am Morgen muß da sein, ehe es in die Schule geht.

Keinen Wettlauf zur Schule.

So tommt Fritz gut vorbereitet auf die Schulbank und kann gut aufpassen und lernen.

*

Stadtratssigung.

In der gestrigen Sitzung des Stadtrats stand der Voran­schlag für das Jahr 1931 zur Beratung. Auf Einzelberatung wurde verzichtet. In der Generaldebatte, die fast zweieinhalb Stunden andauerte, brachten sämtliche Parteien zum Ausdruck, daß sie nur der Not gehorchend, dem vorliegenden Etat zustimm­ten. Es fanden dann die vorliegenden Anträge Annahme:

1. Voranschlag der Stadt Gießen und der städtischen Nebenkassen für das Rj. 1931.

Antr. d. Fin.- Aussch., 3. b.:

,, Der im Entwurf vorliegende Voranschlag für das Rj. 1931 wird unter Festsetzung der Einnahmen und Ausgaben in der Betriebsrechnung auf 6 456 914,49 RM. 833 731,83 RM.

in der Vermögensberechnung auf

genehmigt.

Der in der Betriebsrechnung verbleibende Fehlbetrag von 304 800,91 RM. soll zunächst aus Vermögensmitteln ge­deckt werden.

Ferner werden die im Entwurf vorliegenden Voran­schläge der städtischen Nebenkassen genehmigt.

Der Stadtrat setzt die Realsteuersätze für das Rj. 1931 in Höhe der Ausgangssäge unter Abzug der vorgeschriebenen Senfungssätze fest.

Die Erhebung sämtlicher Steuern erfolgt in 6 Zielen und zwar jeweils bis zum 25. der Monate Mai, Juli, Sep­tember, November 1931 und Januar und März 1932."

Für 1931 wird die Bürgersteuer mit einem Zuschlag von Hundert vom Hundert zu den Mindestsätzen des Landes er­hoben."

2. Den Boranschlag der Plock'schen Stiftung für Rechnungsjahr

1931.

Antr. d. Stadtverw., z. b.:

in

Der in Einnahme und Ausgabe mit 2 248,79 RM. Worten: Zweitausendzweihundertachtundvierzig Reichsmark

,, Gießener Zeitung"

79 Rpf. abschließende Voranschlag wird genehmigt.

3. Baugesuch der Frau Dr. Klewitz Wwe. zur Errichtung eines Wohnhauses Am Nahrungsberg.

4. Neubauten in der Schottstraße; hier: Vergebung der Elektro­Installationsarbeiten.

5. Wohnungsbauten in der Schwarzlach; hier: Vergebung der Weißbinderarbeiten.

6. Mitteilungen der Stadtverwaltung.

*

* Eine Reichs- Seefischwoche beginnt am Sonntag, den 26. d. M., mit dem 3wed, weiteste Volksfreise über Möglichkeit und Zweckmäßigkeit der Fischnahrung aufzuklären. Es kommt darauf an, den Ernährungsbedarf des deutschen Volkes aus heimischer Produktion zu decken, was im volkswirtschaftlichen Interesse dringend nötig ist. Vor allem durch Verringerung der Einfuhr von Lebensmitteln aus dem Auslande, wofür noch im letzten Jahre über drei Milliarden Reichsmark von dem Gelde, das in Deutschland so schwer zu verdienen ist, ausgegeben worden sind. Außerdem würde ein vermehrter Seefischverbrauch dem See­fischereigewerbe, der Fischindustrie und deutschen Arbeitskräften erhöhte Arbeitsmöglichkeiten bringen.

* Vogelschutz. Es wird immer wieder die Wahrnehmung gemacht, daß die in Hessen und Preußen zum Schutz der Vögel erlassenen Bestimmungen bei der Bevölkerung nur wenig be­fannt sind. Als landesgesetzliche Bestimmungen kommen in Be­tracht: das Verbot des Einfangens und Tötens, sowie der Ver­fauf nachstehender Vogelarten: Würger, Neuntöter, Kuckuce, Spedite, Spechtmeisen, Wendehälse, Baumläufer, Wiedehopfe, Nachtigallen, Grasmücken, Bachstelzen, Rotkehlchen, Rotschwänz­chen, Meisen und Schwalben. Von der Jagd sind ausgeschlos= sen Dachs, Reiher, Storch, Adler, Falken, Bussarde, Weihen, Eulen. Aneignen dieser unter Jagdschutz stehenden Vögel, sowie das Ausheben, Beschädigen und die Zerstörung deren Nestbrut ( Eier oder Jungen) ist nach jagdpolizeilichen Vorschriften straf­bar, ebenso das Ausnehmen von Eiern und Jungen sämtlicher Singvögel.

* Stadttheater. Heute abend Gastspiel des Mainzer Stadt­theaters mit Eugen d'Alberts ,, Die toten Augen". Am Sonn­tag nachmittag findet eine Wiederholung des Hans- Sachst Zyklus statt. Am Abend findet zum letzten Male die Auffüh­rung des Lustspiels Feurio" statt.

* Schwurgericht. Der vom Schwurgericht zum Tode ver­urteilte Landwirtssohn Wilhelm Lehr aus Altenstadt hat gegen das Urteil beim Reichsgericht Revision beantragt.

* Tagung des Landesverbandes der Polizeibeamten Hes­sens e. V. Darmstadt, dem nahezu 100 Prozent der Hessischen Polizeibeamten vom jüngsten Polizeianwärter bis zum Polizei­direktor angeschlossen sind, hält, wie wir erfahren, am 3. Mai 1931 in Offenbach a. M. seinen 7. ordentlichen Verbandstag ab.

* Johann- Strauß- Gastspiel. Johann Strauß, wohl der populärste Dirigent der Gegenwart, wird nach seinem überaus erfolgreichen Gastspiel in England und Holland am Sonnabend, dem 9. Mai, auch hier wieder mit seinem Wiener Orchester ein Gastspiel geben.

* 3000 Mt. für befähigte Musiker. Am 1. Oktober 1931 tommen zwei Stipendien der Felix- Mendelssohn- Bartholdyschen Stiftung für befähigte und strebsame Musiker von je 1500 Mt. zur Verteilung. Das eine ist für Komponisten, das andere für ausübende Tonbünstler bestimmt. Bewerbungsfähig sind nur Schüler der in Deutschland unterstützten Ausbildungsinstitute nach Zurücklegung eines mindestens jährigen Lehrgangs an einer solchen Anstalt. Näheres erteilt das Sekretariat der Staatlichen akademischen Hochschule für Musik in Berlin- Char­lottenburg, Fasanenstraße 1.

* Die dritte Beitragsermäßigung der Barmer Ersagkasse. Die 700 000 Versicherte umfassende Barmer Ersatkasse, die größte Krankenkasse Deutschlands, hat in Auswirkung der Not­verordnung ihre Beiträge zum dritten Male gesenkt. Die Ge­samtermäßigung beträgt rund 8 Millionen Mark im Jahr und wirkt sich in einzelnen Beitragsklassen bis zu 31,7 Proz. aus.

Straßensperrungen,

( mitgeteilt vom Oberhessischen Automobil- Club E. V., A. v. D.,

Gießen.)

Die Serpentine südlich von Wolfshausen von Km. 100-106 im Zuge der Straße Gießen Marburg ist in der Zeit vom 24. April bis 8. Mai 1931 für sämtliche Fahrzeuge gesperrt. Um­leitung über Niederweimar- Fronhausen- Bellnhausen.

Die Strecke Cölbe Göttingen im Zuge der Straße Cölbe Frankenberg a. Eder ist vom 10. Mai bis Mitte Juni 1931 für sämtlichen Verkehr gesperrt. Umleitung über Wehrda- Groß­felden.

Ermäßigung der Musterkofferbeförderung bei der Reichsbahn?

Die Frage einer Ermäßigung für die Musterkofferbeför­derung der reisenden Kaufleute wird auf Veranlassung der Reichsbahn- Direktion Berlin erneut mit dem Ziele geprüft, eine Ermäßigung einzuführen. Auch soll die Herabsetzung der Hand­gepäckaufbewahrungsgebühren in Aussicht genommen sein.

Heizung der Eisenbahnzüge.

Gegenüber den bei dem kühlen und unfreundlichen Wetter vorhandenen Besorgnissen des reisenden Publikums wegen der Heizung der Eisenbahnzüge kann mitgeteilt werden, daß ,, die dem Personenverkehr dienenden Züge in der Zeit vom 15. September bis zum 15. Mai geheizt werden, wenn nicht die Außenwärme so liegt, daß die Beheizung der Wagen sich erübrigt. Die auch nachts laufenden, dem Fernverkehr dienenden Züge, bleiben bis zum 31. Mai mit Heizkuppelungen ausgerüstet, um heizen zu können, wenn ausnahmsweise auch in der zweiten Maihälfte noch niedrige Temperaturen auftreten sollten."

Deutsche Gesellschaftsreisen nach Siebenbürgen und Bukarest.

Das Deutsche Kulturamt in Hermannstadt als die Zentral­stelle des bodenständigen Deutschtums in Rumänien gibt durch zwei Gesellschaftsfahrten auch im laufenden Sommer Gelegenheit zum Besuch Siebenbürgens, wobei nicht nur die herrliche Kar­

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pathenlandschaft, das bunte Völkergemisch, die schönen Volks­trachten, die deutschen Kirchenburgen bewundert werden, sondern auch ein unmittelbarer persönlicher Kontakt mit auslandsdeut­schen Volksgenossen hergestellt wird. Die erste Reise beginnt am 9. Juli, sie führt von Wien aus nach Hermannstadt, in die Transsylvanischen Alpen( Negoi 2544 Meter) nach den Königs­gräbern in Curtea de Argesch, Bukarest, Erdölgebiet, Sinaia, Kronstadt, Schäßburg usw. Die Fahrt endet am 24. Juli in Wien. Die zweite Reise beginnt am 6. August, Reiseplan: Wien, Hermannstadt, Roter Turm, Curtea de Argesch, Bukarest, Kron­stadt, Schäßburg, Mediasch usw. Gesamtpreis jeder Reise 385 M. Auskünfte und Reisepläne kostenlos durch das Deutsche Kultur­amt in Rumänien, Hermannstadt- Sibiu, Postschließfach 152.

Ein billiges Verjüngungsmittel.

Wenig bekannt ist, daß heißes Wasser, richtig angewendet, ein derartiges Mittel ist. Das heiße Bad ist seit hunderten von Jahren den Japanern als Heilmittel gegen plötzlich auftretende Schmerzen bekannt. Auch in medizinischen Kreisen ist man über die gesundheitliche Wirkung der heißen Anwendungen, Halb­und Teilbäder längst im Klaren. Bei Rheuma und trampf­artigen Schmerzerscheinungen macht die Naturheilkunde schon lange davon Gebrauch. Bei manchen Kopfschmerzen hilft ein heißes Fußbad von 5 Minuten Dauer, aber nach jeder Minute etwas heißes Wasser zugießen. Nachher kräftig abtrocknen und eine Ruhepause von einer halben Stunde nachfolgen lassen. Daß heißes Wasser auch ein Schönheitsmittel ist, dürfte auch noch nicht allgemein bekannt sein. Wird es täglich als Halbbad von 38 bis 40 Grad Celsius und fünf Minuten Dauer genom­men, dann wirkt es erfrischend und nicht schwächend, wie vielfach oft angenommen wird.

Aus Rah und Fern.

Butzbach. Zwischen dem Reichspostministerium und der hiesi­gen Stadtverwaltung schweben Verhandlungen wegen Erbauung eines neuen Postamtes mit Selbstanschlußbetrieb. Die Ver­handlungen beziehen sich auch auf neu einzurichtende Kraft­postlinien und die Erhebung des hiesigen Postamts zum Leit­postamt zwischen Gießen und Friedberg.

Bad Nauheim. In den kaufmännischen Klassen der hiesigen Berufsschule wurde mit Beginn des neuen Schuljahres obligato­risch der englische Unterricht eingeführt. Die diesbezüglichen Anträge des hiesigen Einzelhandels fanden damit bei der Schul­behörde das erwartete Entgegenkommen.

Friedberg. Auf einem Gang durch die Stadt, der den letzten Vorbereitungen für seine Silberhochzeit galt, die er heute in Nürnberg im Kreise seiner Verwandten feiern wollte, verschied plötzlich Baurat Studerus vom Polytechnikum Friedberg.

Darmstadt. Ein Antrag der Verwaltung sieht vor, den Flugplatz am Böllenfalltor nach dem Griesheimer Sand, dem früheren Militärflugplak, zu verlegen. Dafür ist ein Kosten­betrag von etwa 310 000 Mark in Anschlag gebracht, der sich allerdings nur um den Anteil aus der Erwerbslosenversicherung für 250 Erwerbslose, die für etwa 4 Monate Beschäftigung fin­den werden, vermindern wird. Die Stadt hofft außerdem aus dem Westfonds einen Betrag zu erhalten, da Griesheim in ehe­mals besetztem Gebiet lag.

Gau- Bidelheim. In der Gemarfung stieß man bei Ro­dungsarbeiten am Gumbsheimer Weg auf ein Brandgräberfeld aus dem 1. Jahrhundert. n. Chr. Aus Unkenntnis wurden meh­rere Grabstätten zerstört. Im ganzen handelt es sich um etwa 60 Gräber.

Ober- Ingelheim. Auf Grund des§ 12 Absatz 2 der Ver­ordnung des Reichspräsidenten zur Bekämpfung politischer Aus­schreitungen, sowie der hessischen Ausführungsverordnung dazu hat der hessische Innenminister die ,, Ingelheimer Zeitung" bis einschließlich 30. April verboten.

Mainz. Der Deutsche Landkreistag, dem auch der Verband der hessischen Kreise und Provinzen angehört, hält seine dies: jährige Hauptversammlung am Freitag, dem 29. Mai.

Wetzlar. Die Wohlfahrtserwerbslosen der Stadt Wehlar mußten bisher gemäß der Fürsorgepflichtverordnung ein be­stimmtes Pensum an Pflichtarbeit leisten. Diese Regelung be­stand seit 1925. Jm vergangenen Monat wurde bei der Herab­setzung der Unterstützungsbeiträge auch gleichzeitig die Abgeltung der Pflichtarbeit geändert. Die ausgesteuerten Erwerbslosen be­antragten wieder Anpassung der Pflichtarbeitsbestimmungen an den alten Modus und forderten gleichzeitig eine Arbeitszulage von 2 Mark pro Person und Pflichtarbeitstag. Während die Stadtverwaltung geneigt war, die erste Forderung zu akzeptieren, mußte sie den letzten Antrag ablehnen, weil dadurch eine zu große Mehrbelastung des Wohlfahrtsetats von 70 000 M. ein­getreten wäre. Daraufhin beschlossen die Wohlfahrtserwerbs­losen, so lange keine Pflichtarbeit zu leisten, bis ihre Forderun gen restlos erfüllt seien. Angesichts dieser Haltung sieht sich die Stadtverwaltung gezwungen, die Zahlung der Unterstützung zu sperren.

Wiesbaden. Wie verlautet, schließt der Haushaltsplan für 1931 mit einem Defizit von 5 Millionen Mark ab. Verschiedene Teiletats, die jetzt dem Magistrat von der Kämmerei vorgelegt worden sind, sollen erhebliche Mehrzuschüsse beanspruchen als im vergangenen Jahre.

Hofgeismar. Bei einem Gewitter flüchtete ein Mädchen unter einen vereinzelt stehenden Baum. Der Blitz schlug in den Baum und tötete das Mädchen auf der Stelle.

Kassel. Das Bädergewerbe hat den Brotpreis ab 24. April von 66 auf 70 Pig. erhöht. Begründet wird diese Maßnahme damit, daß trotz der Versprechungen der Regierung, dei Steige­rung der Mehlpreise zu unterbinden, diese in den letzten Wo­chen ständig weiter gestiegen sind. Von der Bäckerinnung wird noch eine weitere Erhöhung in Aussicht gestellt, falls die Re­gierung auf dem Mehlmarkt nicht durchgreifend einwirkt und eine weitere Verteuerung des Roggenmehles unterbindet.

Jeder kluge Geschäftsmann

benutze die überall beliebten

Reichssteuer- Kaffebücher von Albin Klein, Gießen