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Samstag, den 24. Oktober 1931.

die die Rechtsfrage betreffenden Vorschriften, die zu einem guten Teil die Rechtssicherheit zum mindesten nicht erhöhen, neue Sub­ventionen und Garantieübernahmen durch das Reich und das Kapitel über die Möglichkeit der Herabseßung hoher Dienst­vergütungen, so hat man das ungefähre Gesamtbild der neuen Verordnung.

Und diese Verordnung soll nun die Voraussetzung für das zu schaffende Gesamtwirtschaftsprogramm darstellen. In die mit ihr geschaffenen Tatbestände sollen sich Beratungen ein­fügen, die ,, Grundfragen der deutschen Wirtschaftsführung einer Lösung" entgegenzuführen versuchen sollen. Wir hegen ernsteste Zweifel, ob es verantwortliche Sachverständige geben wird, die ein Mandat in der für diesen Zweck von der Reichs regierung beabsichtigten Kommission zu übernehmen bereit fein werden. Die Bindung der Hauszinssteuer, die Aufteilung der Reparationsersparnisse im Rahmen der neuen Regelung des Finanzausgleichs und zugunsten der Gewerkschaftswünsche auf dem Gebiet der Arbeitslosenversicherung, der Abbau der schon im Juni unzulänglichen Reformen auf dem letzteren Gebiet, die überall wieder zutage tretende Vorherrschaft des fiskalischen Gedankens gegenüber jeder volkswirtschaftlichen Erwägung das sind alles Entschlüsse der Reichsregierung, die niemals die Voraussetzung und Grundlage für ein zu schaffendes Wirt­schaftsprogramm bieten können, wenn dieses Wirtschaftspro­gramm mehr sein soll als ein schwächliches, erneutes Kompro­miß zwischen individualistischer und kollektivistischer Wirtschafts­politik.

Die Regierung verwaltet die Not, verwaltet sie mit Maßnahmen, die zwangsläufig zu einer Steigerung der wirt­schaftlichen Notstände führen müssen. Wir aber sehen die Aufgabe darin, durch Maßnahmen von Gesetzgebung und Wirtschaft die Not zu überwinden. Die Gemeinschaftserklä­rung der Wirtschaftsverbände hat hierzu das Notwendigste und Dringendste in ihren Forderungen an die Gesetzgebung nieder­gelegt. In dieser Richtung muß eine klare Entscheidung er­kämpft werde. Das ist das Erfordernis angesichts der Not der Arbeitslosen, angesichts der täglich sich steigernden Zermür bung der Reste unserer wirtschaftlichen Kraft. Wir ver­langen als Motto der nächsten wirtschaftspolitischen Entschei: dungen: ,, Not überwinden" und nicht ,, Not verwalten"!

Oeffentliche Sammelgelder für Pelzmäntel verwendet!?

München. Der Bayerische Landtag, der nach den Som­merferien am Donnerstag zum ersten Male wieder zusammen­getreten war, hat sich am Freitag schon wieder auf unbestimmte Zeit vertagt. Auf die Angriffe des nationalsozialistischen Ab­geordneten Dr. Buttmann gegen den Innenminister Stüzel und gegen Beamte seines Ministeriums erwiderte der Minister­präsident Dr. Held, daß die Summen, die seinerzeit auf Grund einer öffentlichen Sammlung für das Hilfswerk für Oppau zu­sammengekommen war, bei weitem die eigentliche Schadens­summe überschritten hätten. Deshalb wurde von dem über­schießenden Rest der Gelder ein Stock gebildet, der für ähnliche Zwecke zur Verfügung stehen sollte. Der Abgeordnete Buttmann erwiderte hierauf: Es könne gar kein Zweifel bestehen, daß diese Gelder, die eigentlich zur Abwendung eines öffentlichen Un­glüds bestimmt waren, teilweise für die Beschaffung von Pelz­mänteln, für Kurgebrauch und andere persönliche Angelegen heiten von Staatsbeamten verwandt wurden, die Mitglieder der Kommission für die Durchführung des Hilfswerkes waren. Buttmann verwahrte sich sodann gegen die Behauptung, daß er seine Vorwürfe ohne Unterlage vorbringe. Er habe eine genaue Attentenntnis über die Dinge, aus der flar hervorgehe, daß man nur von einer Korruption sprechen könne.

Haus und Hof im Herbst.

Von H. Tiedtke.

,, Gießener Zeitung"

Freiwilliger Arbeitsdienst!

Zu der Durchführung des freiwilligen Arbeitsdienstes wird uns folgendes geschrieben:

Der Gedanke der Einführung eines freiwilligen Arbeits­dienstes in Deutschland wird seit langen Jahren von den Be= fürwortern und Gegnern umfämpft. Es ist daher umso erfreu= licher, daß eine der zahlreich ergangenen Notverordnungen auch die Schaffung eines sogenannten freiwilligen Arbeitsdienstes vor­sieht, der, wie schon der Name sagt, nicht auf Arbeitszwang be­ruht, sondern denjenigen Erwerbslosen, welche eine praktische Tätigkeit ausüben wollen, die Möglichkeit hierzu verschafft. In­folgedessen ist in einer ganzen Reihe von Bestimmungen fest­gelegt, unter welchen Voraussetzungen das Reich für bestimmte volkswirtschaftlich wertvolle Arbeiten Zuschüsse zahlt, die gleich­zeitig eine Entlohnung für den Arbeitsdienstwilligen darstellen, und es kann feinem Zweifel unterliegen, daß der freiwillige Arbeitsdienst insbesondere für Jugendliche, aber auch für Er­werbslose, die kurz vor Beendigung ihrer Unterstützung stehen, die Möglichkeit bietet, auf eine längere Zeit hinaus gegen die Leistung bestimmter Arbeiten einen bestimmten Betrag zu er­halten. Der freiwillige Arbeitsdienst sieht weiter die Möglich­keit vor, daß den Arbeitsdienstwilligen eine spätere Siedlung erleichtert wird, wie denn überhaupt die Bestimmung von dem Gedanken ausgeht, gerade die seelische Not der Erwerbslosen infolge der Untätigkeit zu mildern und ihnen wieder die Freude an ihrer eigenen Arbeit zu geben.

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werbsloser, aber auch im Interesse der Fürsorge für die zahl­reichen erwerbslosen Jugendlichen die Pläne auf Schaffung von Radfahrwegen mit Hilfe des freiwilligen Arbeitsdienstes nach Kräften fördern und unterstützen, da hiermit zweifellos der Gesamtheit ein großer Dienst geleistet wird.

Feier des 31. Oktober in Hessen.

Der 31. Oktober ist im vergangenen Jahre erstmalig in fast allen Gemeinden Hessens kirchlich begangen worden. In einigen Gemeinden wurde sogar beschlossen, ihn als bürgerlichen Feiertag mit durchgehender Sonntagsruhe und kirchlicher Feier wie am Sonntag zu begehen. Das Landeskirchenamt empfiehlt nunmehr den anderen Gemeinden, in denen die Voraussetzungen dafür gegeben sind, sich diesem Vorgehen anzuschließen, und bestimmt, daß für diese Gemeinden fünftig der 31. Oktober als Reforma­tionsfest gelten soll, während der darauffolgende Sonntag seinen Charakter als gewöhnlicher Sonntag behält. Für die andern Gemeinden bleibt es bei der seitherigen Bestimmung, daß die Feier am 31. Oktober zur Vorbereitung und Vertiefung des am darauffolgenden Sonntag zu feiernden Reformationsfestes dienen soll.

In Betracht kommen für die Durchführung der Arbeiten insbesondere solche, die volkswirtschaftlich wertvoll sind und dem Interesse der Gesamtheit idenen. Als volkswirtschaftlich wertvoll und im Interesse der Gesamtheit liegend, muß auch die Sch a f= fung von Radfahrwegen angesehen werden, denn schätzungsweise fährt jeder 4. oder 5. Deutsche Fahrrad, und man fann wohl sagen, daß bei einer Zahl von ca. 13 bis 14 Millionen Radfahrern die Schaffung von Radfahrwegen voltswirtschaftlich von großer Bedeutung ist. Die außerordentliche Zunahme des Kraftfahrzeugverkehrs auf Land- und Stadtstraßen hat dem Rad­fahrer in den letzten Jahren vielfach die Benutzung der allge­meinen Verkehrswege erschwert, und die hohe Zahl der Unfall­ziffern, an denen Radfahrer beteiligt sind, beweist, daß zum Schutz von Menschenleben die Forderung auf Trennung der Verkehrsarten durchgeführt werden muß, damit es unmöglich ist, daß der Radfahrer durch die schneller fahrenden Fahrzeuge zu Schaden kommt. Der Bau von Radfahrwegen ist daher zweifel­los von großer Bedeutung, da die Radfahrwege einem sehr großen Teil der Bevölkerung zugute kommen. Tatsächlich sind ja schon in den letzten Jahren im Deutschen Reich zahlreiche Rad­fahrwege entstanden, doch ist es bisher nicht möglich gewesen, in dem Ausmaße Radfahrwege zu bauen, wie dies notwendig wäre, weil den hierfür in Betracht kommenden Wegebaupflich­tigen die Mittel für den Bau von Radfahrwegen fehlen. Des­wegen sind lebhafte Bestrebungen im Gange, die Wegebaupflich­tigen zu veranlassen, mit Hilfe des freiwilligen Arbeitsdienstes den Bau von Radfahrwegen zu fördern, da ja die Entlohnung Der Beschäftigten aus den Mitteln des freiwilligen Arbeits­dienstes bestritten wird, während den Wegebaupflichtigen ledig­lich die sogenannte Restfinanzierung, also, die Beschaffung von Werkzeugen, Material usw. obliegt. Da die Radfahrwege im Gegensatz zum sonstigen Straßenbau keine Dauerdecke verlangen, sondern mit Hilfe einfachen Materials leicht herzustellen sind, ist der Kostenanteil der Löhne ganz wesentlich höher, als derjenige des Materials, so daß der freiwillige Arbeitsdienst in geradezu idealer Weise für die Schaffung von Radfahrwegen in Betracht tommt. Es wird daher von allen maßgebenden Behörden er­wartet, daß sie im Interesse der Beschäftigung zahlreicher Er­

Der schöne Sommer ist endgültig zu Ende, wenn uns auch noch einige schöne warme Tage gleichsam als Abschiedsgeschenk erfreuen. Regen, Kälte und Stürme überwiegen und mahnen uns an den langen Winter. Wollen wir unser Eigentum ohne Schaden durch den Winter bringen, dann müssen wir jetzt auf alles in Haus und Hof ein aufmerksames Auge haben. Alle Holzteile leiden in einem nassen Winter im Freien sehr, wenn sie nicht mit einem tadellosen Farbüberzug geschützt werden. Was nicht tadellos ist, bekommt schnell einen neuen Farb­anstrich. Jetzt kann man noch alle Schäden gut sehen und die Arbeit in hellen Stunden machen. Jetzt trodnet auch die Farbe noch gut. Einige Wochen später ist das Wetter viel ungünstiger für Streicharbeiten im Freien und in diesen teuren Zeiten tönnen wir es uns einfach nicht leisten, daß etwas umkommt, weil es nicht pfleglich behandelt wird.

Ist das Dach Ihres Hauses heil? Wenn nicht, dann ist jetzt noch Zeit, an eine Ausbesserung zu denken, denn bei an­haltendem Herbstregen oder gar bei Schneefall im Winter regnet es sicher durch. Dadurch entsteht oft großer Schaden. Fenster und Türen müssen dicht schließen, weil wir nur dann gemütliche, warme, zugfreie Räume haben werden. Jetzt müssen darum alle Fugen abgedichtet werden. Kleine Fenster- und Türritzen fann man mit Dichtungsschnüren schließen. Diese werden nur angefeuchtet und zwischen geklemmt. Das kostet nicht viel und hilft immer.

Im Winter hält sich das Vieh wieder mehr in den Ställen auf. Deshalb müssen diese gesund und hell sein. Auch das Tier liebt einen warmen, zugfreien Wohnraum, in dem es nicht durch= regnet. Ein nasser Stall ist jedem Tier schädlich. Darum soll man alle Rizzen gut abdichten, Fenster und Türen durch einen guten Anstrich vor dem Verwittern schützen und vor allen Din­gen für ein gutes Dach sorgen.

Der Stall muß auch sauber und hell sein. Dunkelheit und Schmutz sind arge Feinde unserer Pfleglinge. Vor Winter­anfang sollten darum alle Ställe gründlich gereinigt und des= infiziert werden. Am besten bekommen sie danach einen weißen Anstrich mit Kaltmilch. Natürlich müssen auch die Fenster ganz sein. Schadhafte Kittstellen werden ausgebessert, weil sonst das Glas bei starkem Wind herausfällt.

Alle Eisenteile, die dem Wetter ausgesetzt sind, müssen mit einer Drahtbürste von Rost befreit werden und bekommen dann

einen Anstrich mit Rostschutzfarbe. Sollen sie mit dazu gehörigen Holzteilen zusammen gestrichen werden, dann erhalten sie erst vorher einen zweimaligen Anstrich mit Mennige.

Ein Brunnen im Freien bedarf jett besonderer Beachtung. Wenn er nicht einfrieren soll, dann muß er einen Wintermantel bekommen. Die Eisenpumpe wird, wo es not tut, erst mit Mennige gestrichen, dann kann ein beliebiger farbiger Del­anstrich folgen. Die Pumpe hat noch genügend Zeit zum Trock­nen. In einigen Wochen folgt dann die Winterpackung. Am besten und saubersten ist es, wenn man die Pumpe ganz dicht mit dicen, losen Strohseilen umwidelt und dann einen gut passenden Holzkasten über das Ganze baut. Das Holz bekommt einen gründlichen Anstrich mit fetter Delfarbe, der Haltbarkeit und des guten Aussehens wegen. So geschützt, friert die Pumpe nicht so leicht ein und braucht nur bei langandauernder strenger Kälte abgestellt zu werden.

Reichsparteitag der Volksrecht- Partei.

Am Sonntag, den 25. Oftober, findet in Darmstadt ein Reichsparteitag der Volksrecht- Partei statt. Die Verhandlungen werden sich vor allem mit der Hauszinssteuerfrage und der Not­verordnungspolitik befassen. Der Reichsparteivorsigende, Land­tagsabgeordnete A. Bauser, Stuttgart, wird das Hauptreferat über Die Stellung der Volksrecht- Partei zur politischen Lage und zu den politischen Tagesfragen" erstatten. Dem Reichspartei­tag geht eine Gigung des inneren Reichsvorstandes voraus.

Zuletzt bitte ich Sie, an Ihren treuen Wächter zu denken, den Hofhund. Wie oft sieht man in einem Winkel des Hofes eine verfallene Kiste stehen, an der der arme Kerl bei Wind und Wetter schutzlos angefettet ist. Im Sommer geht es schließ­lich auch so, aber im Winter sollte man schon aus Menschlichkeit für eine gute Hundehütte sorgen. Fugen und Ritzen sind leicht mit einigen Brettchen zuzunageln oder mit Kitt zu verschmieren. Ein Stüd Teerpappe forgt für Trockenheit von oben, ein Bret­terboden und eine dide Lage Stroh oder Heu von unten. Vor dem Eingang kommt eine Dede, um den schlimmsten Wind ab< zufangen. So fühlt sich auch der Kettenhund im Winter wohl und dankt uns durch seine Wachsamkeit. Wenn noch ein biß­chen Farbe seinem Haus ein freundliches Aussehen gibt, dann braucht sich auch die Hundehütte nicht in einem Winkel zu ver­stecken, sondern fann im Schutz des Hauses ihren Platz be= tommen. H. K.

Da staunt der Laie.

Samstag, den 24.

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Zweiter deutscher Sparer- und Wirtschaftskongreß. Am Samstag, den 24. Oktober, findet in Darmstadt der 2. deutsche Sparer- und Wirtschaftskongreß statt. Es werden von den Führern der deutschen Sparerbewegung folgende Referate erstattet: Die Hauszinssteuerfrage, Sparer und Währungsfrage, Forderungen der deutschen Sparer an die Innen- und Außen­politit; Schuß der deutschen Sparer, Sparerbund, Schutz- Spar­tassen, Sparertongreß und Weltspartag. Die ganze Tagung steht unter dem Motto: Deutsche Sparer, werdet eine Macht! Die Ver­handlungen sind öffentlich. Abends wird eine öffentliche Kund­gebung stattfinden.

Berücksichtigung des Handwerks bei der Durchführung des Siedlungsplanes der Reichsregierung. Pressenachrichten zufolge beabsichtigt die Reichsregierung für Siedlungszwecke die Herstellung von 100 000 Siedlungs häusern, bei denen auch einheimisches Holz in möglichst weit gehendem Maße zur Verwendung kommen soll. Der Reichs­verband des deutschen Handwerks hat dem Reichsminister der Finanzen, den. Reichswirtschaftsminister und dem Reichsarbeits minister dieserhalb eine besondere Eingabe zugestellt, in der ge­beten wird, bei der Durchführung des Siedlungsplanes auch das selbständige Handwerk, insbesondere auch das Zimmerer­handwerk, einzuschalten. Der Reichsverband weist darauf hin, daß die Ausschaltung des selbständigen Gewerbes zur Folge haben müßte, daß die Beschäftigung noch stärker zurückgeht, weitere Betriebe zum Erliegen kommen und die Arbeitslosigkeit noch mehr wächst. Das gilt namentlich für das Baugewerbe, das von der starken Beschränkung der öffentlichen und privaten Bautätigkeit ohnehin besonders hart betroffen ist, und dessen wirt­schaftliche Lage durch die Beschäftigung bei der Umsiedlung eine gewisse Besserung erfahren könnte. Die Heranziehung des selbständigen Gewerbes würde auch dazu beitragen, daß die Siedlungsarbeiten auf die wirtschaftlich zweckmäßigste Weise und mit den geringsten Kosten durchgeführt werden.

Steinbach bei der Neuregelung der politischen Grenzen 1866 ein­fach vergessen habe. Die Schuld habe Preußen getragen.

Gegenwärtig gehört Steinbach zu der hessischen Provinz Starkenburg und zum Kreise Offenbach. Wenn ein Steinbacher mit dem Gericht etwas zu tun hat, muß er nach Offenbach bezw. Darmstadt, auch die Offenbacher Krankenkasse ist für das Dorf zuständig. Kranke Steinbacher fahren über das preu­ßische Frankfurt nach Offenbach ins Krankenhaus. Passiert in Steinbach ein Verbrechen, dann hat die preußische Polizei vom freundnachbarlichen Oberursel, Frankfurt oder Cronberg nichts zu suchen. Dafür ist die Polizei der rheinhessischen Hauptstadt Mainz allein zuständig. Vor zwei Jahren wurde auf Stein­bacher Gebiet ein Autofahrer aus Oberursel von Steinbacher Burschen überfallen und schwer mißhandelt. Die Oberurseler Polizei stand an der Grenze, durfte aber die Missetäter nicht holen, sondern mußte tagelang warten, bis Mainzer Beamte erschienen und den Fall untersuchten. Wer jagdlich Auskünfte haben will, hat nach der Provinz Oberhessen zu reisen. Denn in Friedberg ist der Amtssitz des Oberförsters. Dort wohnt auch der Kassenrevisor. Wenn der Steinbacher seine Kamine kehren lassen will, dann schreibt er eine Postkarte nach Langen in der Provinz Starkenburg, denn hier wohnt der zuständige Schornsteinfeger.

Aber auch Preußen hat seinen redlichen Anteil am hessischen Steinbach. Das Dorf ist Privatbesitzer vom Altfönig, der aber wiederum auf preußischem Gebiet liegt. So muß das Dorf für den Altkönig die Grundsteuern nach Cronberg entrichten, die Landwirtschaftskammerbeiträge indessen einmal nach Wiesbaden und Darmstadt. Aber der preußische Ober­förster von Cronberg betreute bis zur Auflösung der Cronberger Oberförsterei den hessischen Altfönig der Einfachheit halber. Daß aber auch das Reich Steinbach nicht vergessen hat, möge die Tatsache erhärten, daß das Reichspostamt zu Ober­ursel die Fernsprechverbindung mit den Steinbacher Fern­sprechteilnehmern herstellt, und daß die Steinbacher, wenn sie ,, außer Landes" reisen, entweder nach Oberursel oder nach Eschborn an die Bahn gehen müssen.

Go hängt eine kleine Landgemeinde inmitten preußischer Gebietsteile von drei hessischen Provinzhauptstädten, der Haupt

Steinbach( Taunus). Seit Jahr und Tag bemüht sich die Gemeinde Steinbach vergeblich, aus dem hessischen Staatsver­bande zu kommen und nach Preußen einverleibt zu werden. Denn es dürfte in Deutschland kaum eine zweite Gemeinde geben, die verwaltungstechnisch so vielseitig ,, orientiert" ist wie das hessische Dorf Steinbach mitten in dem preußischen Bezirk Wiesbaden.| stadt des Regierungsbezirks Wiesbaden und nicht zum wenigsten Man erzählt sich allen Ernstes, daß ein großer Teil der Be­wohner sich damit abmüht, festzustellen, welche Stadt oder welche hessische Provinz für den Ort zuständig in den mannigfachen gemeindlichen Angelegenheiten ist. Es heißt auch, daß man

der Reichshauptstadt in verkehrstechnischer Beziehung ab. Das ist wohl ein Kuriosum absonderlichster Art, aber auch finsterstes Mittelalter im 20. Jahrhundert. Wann kommt hier der frische Morgenwind?

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