Nr. 7.
Samstag, den 24. Januar 1931.
Vertrags günstigere Bedingungen zugebilligt wurden. Der Gemeinderat hat deshalb die Kündigung zurüdgezogen.
Oberbürgermeisterwahl in Mainz.
Mainz. In der Mittwoch- Sigung des Mainzer Stadtrats wurde dem Pensionierungsgesuch von Oberbürgermeister Dr. Külb zugestimmt. Als Nachfolger wurde der seitherige Bürgermeister Dr. Ehrhard mit 36 Stimmen gewählt. Der Gegenfandidat Dr. Kraus erhielt 27 Stimmen. Die Wahl erfolgte auf die Dauer von zwölf Jahren.
Fabritbrand in Mainz.
Mainz. In der Nacht von Donnerstag auf Freitag brachy in einer Kartonnagenfabrik ein Brand aus, der das ganze Gebäude bis auf die Grundmauern einäscherte. Als die Feuerwehr am Brandplatz eintraf, brannte das Haus bereits in allen Stod werken. Es gelang lediglich, einige wertvolle Maschinen zu retten. Alles sonstige Inventar und die Vorräte der Fabrik wurden ein Raub der Flammen. Die Brandursache konnte noch nicht ermittelt werden.
Budenheim. Jm Rhein wurde die Leiche eines unbekannten Mädchens geländet und auf den Friedhof gebracht.
Zwei Brüder an der Starkstromleitung verunglückt. Kassel. Zwei Brüder Schmidt, welche an der Starkstromleitung der Edertalsperre beschäftigt waren, famen durch den starten Wind dem Startstrom zu nahe. Der 18jährige Schmidt be= fam einen solchen Schlag, daß der Tod auf der Stelle eintrat. Sein älterer Bruder, welcher ebenfalls getroffen wurde, kam mit einer schweren Lähmung davon.
Weilburg. Aus bisher unbekannter Ursache brach in der Lagerhalle des hiesigen Güterbahnhofs am Donnerstag Feuer aus, das dort reiche Nahrung fand. Dank dem tatkräftigen Eingreifen der Feuerwehr blieb das Feuer auf die Halle beschränkt.
Wiesbaden. Wegen Sittlichkeitsverbrechens wurde ein Privatdetektiv festgenommen.
Würzburg. Ein 31jähriger Kaufmann aus Ochsenfurth wurde in einem an der Zeller- Brücke stehenden unbeleuchteten Auto ermordet aufgefunden. Der Tod war durch einen Schuß, der die Lunge durchbohrte, herbeigeführt.
Dillenburg. Die Industrie- und Handelskammern Dillenburg und Siegen haben auf Grund übereinstimmender Beschlüsse beim preußischen Minister für Handel und Gewerbe die Zusammenlegung der Handelskammerbezirle Dillenburg und Siegen zu einer gemeinsamen Kammer beantragt, für die der Name Industrie- und Handelskammer Siegen- Olpe- Dillenburg vorgesehen ist. Die Zusammenlegung soll auf Grund eines abgeschlos= senen Vertrages mit Wirkung ab 1. April erfolgen.
Wuppertal. Der aus dem Amt geschiedene Oberbürgermeis ster erhält 28 000 Mart Pension.
Nordhausen. Als sich in Worbis die Plätterin Eichner an der im Betrieb befindlichen Plättmaschine zu schaffen machte, um eine Störung zu beseitigen, wurde ihr Kopftuch von der Welle der Maschine erfaßt. Dabei wurde der Unglücklichen das Genick gebrochen. In gebückter Haltung wurde die Leiche von Hausbewohnern aufgefunden.
Anna Pawlowa †
,, Gießener Zeitung"
Der Kaffee in der Welt des Geistes.
Ey! wie schmeckt der Kaffee süße, Lieblicher als tausend Küsse, Milder als Mustatenwein. Kaffee, Kaffee muß ich haben; Und wenn jemand mich will laben, Ach, so schenkt mir Kaffee ein! Christian Friedrich Henrici, 18. Jahrhundert.
Will man seinen Kaffee haben, wie er einem am besten schmeckt, dann kocht man ihn flugerweise selbst. Das tat sogar der König von Frankreich, Ludwig XV. Auch Beethoven be= reitete den Frühstücskaffee eigenhändig. Der große Tonkünstler nahm auf jede Tasse 60 gezählte Bohnen. Kaffee war Beethovens unentbehrliches Lieblingsgetränk, von dem er ganz erstaunliche Mengen zu sich nehmen konnte. In dieser Hinsicht übertraf ihn aber Voltaire, der es auf 72 Tassen am Tage brachte. Man sagte ihm einmal, daß Kaffee ein langsames Gift sei, worauf Voitaire entgegnet: er wisse das bereits seit 80 Jahren, denn so lange tränke er schon Kaffee.
Wie aus dem Haag gedrahtet wird, ist dort die berühmte russische Tänzerin Anna Pawlowa am Freitag um 1 Uhr gestorben. Sie hatte seit einigen Tagen an einer schweren Lungenentzündung darniedergelegen. Ihr Leichnam wird nach der rus= sischen Kirche im Haag überführt werden.
Ein neuer Rekord der ,, Bremen".
Der Schnelldampfer ,, Bremen" des Norddeutschen Lloyd, der am Dienstag in Newyork eintraf, hat die Fahrt BremenNewyork in sechs Tagen und drei Stunden zurückgelegt und damit den bisher von seinem Schwesterschiff ,, Europa" gehaltenen Reford für diese Strecke um drei Stunden geschlagen.
Gelbe Raucherzähne.„ Ich benutze seit Jahren die Chlorodor! 3ahnpaste und bin mit der Verwendung derselben sehr zufrieden. Trotzdem ich ein Kettenraucher bin, sind meine Zähne stets blendend weiß Auch fehlt mir fein einziger 3ahn, sodaß ich behaupte aur " Chlorodont" erhält meine Zähne gesund." H. Grunenberg, München. Chlorodont: 3ahnpaste 60 Pf. und 1 Mt., 3ahnbürsten, Mundwasser Mt. bei höchster Qualität. In allen Chlorodent- Verlaufsstellen zu haben.
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Leidenschaftliche Kaffeefreunde von Rang und Namen gab und gibt es natürlich in Menge. Als Bismard im Jahre 1870 ein französisches Gasthaus betrat, fragte er den Wirt, ob Kaffee- Ersatz im Hause habe.„ Jawohl," entgegnete dieser ,,, ich habe etwas davon." ,, Bringen Sie mir bitte allen, den Sie haben!" Der Wirt ging und brachte den Kaffee- Ersatz herbei. Bismard faßte die Büchse fest in seine Hand und sagte schnell: ,, So, nun gehen Sie und kochen Sie mir einen guten Kaffee!"
Auch Friedrich der Große war ein großer Kaffeefreund, entzog aber das edle Getränk dem Profanum vulgus, indem er es mit hohen Abgaben belegte. Als Gegenstücke nennen wir den französischen Revolutionär Marat und den Kaiser Napoleon, der ihn als Kampfmittel gegen die Müdigkeit gebrauchte. Der namhafte Mediziner William Harvey, der Entdecker des Blutfreislaufes( 1578-1658), war ein enthusiasmierter Verehrer des Kaffees, obwohl er ihn, der ja erst 1626 nach Europa tam, nur im höheren Alter kennen gelernt haben konnte. Ebenso liebte Immanuel Kant den Kaffee, den er auch erst in älteren Jahren fennen lernte.
war.
bei Nikolaus Lenau, der ein ganz fanatischer Kaffeevertilger Er lag bis mittags im Bett und trant nach authentischer Versicherung seines Freundes Alexander von Sternberg ein Unmaß stärksten Kaffees.„ Alles, um diesen orientalisch brütenden, in ungewissen Bildern spielenden Dichtertiefsinn in sich zu erzeugen." Das ging schließlich so weit, daß Lenau in eine Art Kaffeesäuferwahnsinn verfiel.
Um so weniger verständlich ist es, daß der Kaffee unseren Altmeister Goethe in eine ganz eigene triste Stimmung" versetzen konnte, ebensowenig auch, daß der von Goethe nach Tisch genossene Kaffee mit Milch die Funktion seiner Eingeweide völlig aufgehoben" haben soll, um ihn dadurch in eine große Beängstigung“ zu versetzen. Merkwürdigerweise hatte schon Lessing in seiner ,, Minna von Barnhelm" dem Kaffee eine ähn= liche Eigenschaft untergeschoben, denn er läßt in der ersten Ezene des vierten Aktes die Zofe Franziska sagen: Hier kommt eine Nahrung, bei der man eher Grillen machen kann. Der liebe melancholische Kaffee!" Und selbst Friedrich Nietzsche ruft in seinem ,, Ecce homo" aus: ,, Nur kein Kaffee! Kaffee verdüstert!" Was mögen diese Geistesheroen bloß für einen Kaffee getrunken haben.
( Aus dem im Drei- Masken- Verlag München erschienenen Büchlein ,, Rund um die Kaffeekanne" von Carl Georg von Maa
Ben.)
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Vielen, sehr vielen Dichtern war der Kaffee ein unerläßlicher Förderer ihrer Meditationen. Dem weltbekannten Verfasser ,, der Volksmärchen der Deutschen", Johann Carl August Musäus, war der Kaffee, ebenso wie der Tabak, ein unentbehrliches Stimulans bei der nächtlichen Arbeit. Der englische Dichter Alexander Pope, der behauptet hatte, daß erst der Kaffee die Politiker weise mache, pflegte den Dunst des Kaffees als Mittel gegen sein ständiges Kopfweh einzuschnupfen, wie er auch sonst dieses Getränks so wenig entraten konnte, daß er tief in der Nacht seine Bedienung zum Kaffee machen aus dem Bett holte.
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Unserem Jean Paul ging nichts über seinen Morgenkaffee, den er gegen 7 Uhr früh, eine Viertelstunde nach dem Aufstehen, allein in seinem Zimmer, auf der Ottomane liegend und dabei lesend, einzunehmen liebte. Nach Eduard Dullers Bericht waren zu einem Zusammensein mit seinem Freunde Christian Dietrich Grabbe, dem genialen Dramatiker, stets folgende Requisiten nötig: Kaffee oder eine Flasche Rüdesheimer, Zigarren, Licht und Manuskript. Aber der Alkohol hat bei Grabbe be= kanntlich doch den Sieg über den Kaffee davongetragen. Anders
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Wiesbaden, im Januar 1931.
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