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Nr. 7.

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Samstag, den 24. Januar 1931.

Oberregierungsrat Haberkorn in Darmstadt, vom 31. Dezember 1930 einmütigen und feierlichen Protest. Die durch die seit­herige steuerliche Belastung bereits überbürdete Wirtschaft der Stadt Gießen sieht sich durch das einseitige Dittat in seiner Existenz bedroht!

Die Versammlung ist dabei auch der Auffassung, daß einer­seits die Voraussetzungen für die Ernennung eines Staatsfom­missars nicht vorgelegen haben und daß anderseits der ernannte Staatskommissar seine ihm durch das Gesetz auferlegte beson­dere Verpflichtung, alle Ausgaben unter dem Gesichtspunkte der äußersten Sparsamkeit nachzuprüfen, nicht erfüllt hat.

Der bei einem städtischen Haushalt, der sich in Einnahmen und Ausgaben auf 7,75 Millionen Mark beläuft, Ende 1930 unvorhergesehen aufgetretene Fehlbetrag fällt nicht so erheblich ins Gewicht, daß die Voraussetzungen des§ 1 Absatz 1 des Ge­jetzes vom 11. Dezember 1930 anerkannt werden können. Die­ser Fehlbetrag hätte auf andere Weise ausgeglichen werden tönnen, als durch die vorgenommene einseitige Realsteuerbe­lastung.

Die Versammlung verlangt deshalb, daß die Ernennung des Staatskommissars für Gießen vom 30. Dezember 1930 zu= rüdgenommen und die von diesem erlassenen Maßnahmen auf­gehoben werden.

Sie weist dabei darauf hin, daß auch der Preußische Mini­ster des Innern und der Preußische Minister der Finanzen durch einen am 23. Dezember 1930 bezüglich der Stadt Hannover ge­gebenen Erlaß den Standpunkt vertreten haben, daß ein etwai­ger Fehlbetrag gegenüber dem Gesamtetat der Stadt erheblich ins Gewicht fallen muß, ehe die Ernennung eines Staatskom­missars gerechtfertigt ist, und daß die für die Stadt Hannover eingesetzten Staatskommissare am 12. Januar 1931, offenbar doch im Einverständnis mit der Regierung, zurückgetreten sind.

Die Versammlung beschließt weiter, daß für den Fall der Ablehnung der beantragten Abberufung des Staatskommissars im Wege des Verwaltungsstreitverfahrens festgestellt werden soll, daß die Ernennung eines Staatskommissars für die Stadt Gießen im Gesetz vom 11. Dezember 1930 teine Stütze findet.

Evangelischer Landeskirchentag.

Wie wir erfahren, wird der Landeskirchentag voraussichtlich am 27. April 1931 zu einer mehrtägigen Sitzung zusammentreten.

* Von der Reichsbahn. Reichsbahnassistent Speyer, Zug­schaffner Gestes und Güterarbeiter Becker sind 25 Jahre im Dienste der Reichsbahn tätig.

* Von der Universität. Um den Studierenden der Rechte unmittelbare Anschauung von den Einrichtungen der Justiz und dem Geschäftsgang bei den Gerichten zu geben, sollen für diese Studenten auf Anregung des hessischen Justizministers bei dem hiesigen Amts- und Landgericht unentgeltliche Lehrgänge statt­finden. Der erste Lehrgang dieser Art beginnt beim Amtsge­richt am 2. März.

*

Universitäts- Gottesdienst. Am Sonntag, dem 25. Januar, vormittags 11.15 Uhr, findet in der Neuen Aula ein Universi­täts- Gottesdienst statt. Die Predigt hält Professor D. Born­

tamm.

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Aus der hessischen Luther- Stiftung sind an bedürftige Stu­dierende der Theologie, die sich durch bereits erwiesene Tüchtig­feit würdig gezeigt haben, Stipendien auf zwei Jahre im Be­trage von entweder 400 RM. oder 700 RM. zu vergeben. Die Empfänger haben sich zu verpflichten, der Hessischen Landeskirche 5 bezw. 10 Jahre zu dienen. Meldungen sind an den Vorsitzen­den D. Dr. Krüger zu richten.

* Stadttheater. Morgen zum letzten Male ,, Goldmarie und Pechmarie"; abends als Fremdenvorstellung Der Kaiser von Amerika".

* Verschärfte Auslese an den höheren Schulen. Der hessische Minister für Kultus und Bildungswesen hat für den Zugang zu den höheren Schulen und für die Schülerauslese verschärfte Bestimmungen erlassen, die den Zwed haben, den allzu starken Besuch in den höheren Schulen einzuschränken und diese von un­geeigneten Schülern zu befreien. Es wird bestimmt, daß außer

Und aus Depression, aus Mißmut, aus Pessimismus ist noch nie Gutes, Neues geboren worden. Dazu braucht's Lebens­mut, Freude, Beschwingtheit.

Und nun wollen wir ihn uns einmal ansehen, den Fa­sching von heute und wollen ein wenig vergleichen, wie so ein Maskenkostüm früher beschaffen war und wie es heute verein­facht ist, wie heute, im Zeitalter der neuen Sachlichkeit, auch die ,, Kostbarkeit" des Kostüms in der Hauptsache im guten Schnitt, der feschen Linie und anständigem Material liegt. Vergleicht man, um gleich mit dem allzeit beliebtesten Kostüm zu beginnen, eine Pierrette von früher mit ihrer heutigen Schwester, so lächelt man über den Aufwand an Schleifen, Bändern und Klingelglöckchen, der an den unmöglichsten Stel­len des Kostüms angebracht werden mußte, damit die Sache nach was aussah. Heute liegt der Schick und die Grazie der Pierrette im Stil. Das enganliegende, ausgeschnittene Leib­chen, der weitfallende, gebauschte Rock, entweder ganz kurz oder ganz lang gehalten, ist funterbunt mit ein paar Seidenpon­pons in verschiedenen Größen benäht, meist nur einseitig; der Ausputz der anderen Seite erfolgt nur durch einen großen Seidenponpon an der Schulter des Leibchens. Oder aber man sieht ganz von einer Ponponsgarnitur ab, benäht den Rock und die Taille mit lustigen Applikationen aus Samt; schwarz- weiß hat sich für dieses Kostüm als wirkungsvoll, vornehm und kleid­sam behauptet.

Beliebter als der Rock ist seit Jahren die Hose, so daß aus der Pierreite der Pierrot geboren wurde, der sich bei unserer schlanken Damenwelt größter Beliebtheit erfreut. Denkt man an die ,, Harlekins" von früher, so kann man sich eines leichten Gruselns nicht erwehren! In sackartigen Gewändern, groß ge= tupft, kariert oder gemustert, möglichst buntfarbig, mit steifer Tüllkrause, dem typischen, spizzen Hut, mit den ebenso typischen Ponpons, kam man sich äußerst sein vor. Besonders gerne ging man als Paar". Um die süßen Schäferinnen der Vorkriegs­nach denen man sich unbedenklich richten kann. Das Material beim Edelkostüm muß gut sein; Seiden, Samte und Spitzen

,, Gießener Zeitung"

den Grundschülern, die nach dreijährigem Schulbesuch in die höhere Schule eintreten wollen, auch alle Schüler mit vierjähri ger Grundschulzeit sofern sie nicht die Note 1 oder 2 im Grundschulzeugnis aufweisen eine Prüfung in Deutsch und Rechnen zu bestehen haben. Die Prüfung ist vor Beginn der Osterferien von der aufnehmenden Schule abzuhalten. Sodann haben alle in die höhere Schule eingetretenen Sertaner noch einmal eine bis zu den Sommerferien reichende Probezeit durch= zumachen. Wer sich in dieser Probezeit noch als ungeeignet er­weist, ist in die Volksschule zurückzuversetzen.

* Steuererklärungen. Die Steuererklärungen für die Ein­tommen, Körperschafts- und Umsatzsteuer für die Frühjahrs­veranlagung 1931 sind in der Zeit vom 1. bis 16. Februar 1931 unter Benutzung der vorgeschriebenen Vordrucke an das Finanz­amt abzugeben.

* Ortstrantentasse- Beiträge. Die rückständigen Beiträge zur Kranken-, Arbeitslosen- und Invalidenversicherung für den Monat Dezember 1930 können noch bis zum 28. Januar 1931 ohne Kosten bezahlt werden.

* Die Bezirkssparkasse Gießen veröffentlicht in der heutigen Nummer eine Bekanntmachung, nach welcher sie mit Wirkung vom 1. Januar d. J. ab die bei ihr bestehenden Auswertungs­sparguthaben mit 5 Prozent verzinst, während der gesetzliche Zinssatz nur 3 Prozent beträgt. Weiter gibt die Bezirkssparkasse bekannt, daß ihre Aufwertungssparguthaben nunmehr mit 21,6 Prozent des Goldmarkwertes aufgewertet werden. Die Neu­Umrechnung erfolgt in den nächsten Monaten. Der erhöhte Auf­wertungssatz findet auch auf bereits ausgezahlte Sparguthaben Anwendung.

* Erfolge eines Gießener Tanzpaares. Auf den deutschen Tanzmeisterschaften errang gegen stärkste Konkurrenz das Gieße= ner Paar Ewald Bäulke und Frau in der Gesamtbewertung den 4. Platz.

* Deutschnationaler Handlungsgehilfen- Verband. Der für Samstag, den 31. Januar 1931, vorgesehene Maskenball fällt aus. Veranlassung dazu gab die gegenwärtige schlechte wirt­schaftliche Lage.

* Theater- Vereinigung 1926. Das Winterfest findet am Samstag, dem 24. Januar, im Katholischen Vereinshaus statt. Zur Aufführung fommt ein Schauspiel ,, Der Jugend Schuld ge­sühnt" von Karl Silber, in drei Atten.

* Deffentliche Versammlungen. Heute abend spricht der be­fannte nationalsozialistische Abgeordnete, Dipl.- Ing. Feder, in der Turnhalle am Oswaldsgarten. Am Montag sprechen auf Einladung der Ortsgruppe Gießen des Hypothekengläubiger- und Sparer- Schutzverbandes und der Volksrechtspartei der Engländer Prof. V. Stranders über die Kriegsschuldlüge und Justizrat Brint- Berlin über die Entschuldungslüge. Ort: Kathol. Ver­einshaus.

* Heimatvereinigung Schiffenberg. Morgen nachmittag fin­det eine Familienzusammenkunft auf dem Schiffenberge statt.

* Fahrräder müssen beleuchtet sein! Es liegt Veranlassung vor, darauf hinzuweisen, daß die Fahrräder bei dem ständig zu= nehmenden Verkehr und zur Verminderung von Straßenunfällen während der Dunkelheit und bei starkem Nebel mit einer hell­brennenden Laterne sowie mit einem Rückstrahler( Katzenauge) versehen sein müssen.

* Briefe, die nicht verweigert werden können, sind Briefe mit Zustellungsurkunden. Einschreibebriefe dagegen kann der Empfänger verweigern und in Prozeßangelegenheiten genügt es durchaus nicht immer mit der Beweiserbringung, daß der eingeschriebene Brief am Tage der Annahmeverweigerung beim Empfänger vorgelegen hat.

Wiederbelebung unserer Tabakindustrie.

Die Firma Rinn& Cloß in Heuchelheim, das größte mit vielen Filialen in zahlreichen Kreisorten vertretene Unterneh­men der Tabakindustrie Hessens und Westdeutschlands, hat den mit Jahresende stillgelegten Betrieb seiner Werke wieder voll aufgenommen, wodurch mehrere tausend Personen wieder Be­schäftigung gefunden haben.

viel, das gebauschte Kostüm in einem ,, Mastensatin", mit ,, Maskenatlasbändern" benäht, dazu die den Kopf meist un­heimlich vergrößernde weiße Perücke, in die Bänder und Blu­men einfrisiert wurden, grotesk sahen die Damen oft aus und unbequem war es zudem auch, das damalige Rolofo- oder Schäferinnenkostüm. Wie zierlich dagegen die heutige Phylis oder Ninon! Ein tokettes Samtmiederchen, ein zweigeteiltes Seidenröckchen, leicht gebauscht in unifarbiger oder gemusterter Seide; das fürzere Mittelteil entweder in abgetönten Plis­fees aus Seide oder übereinanderfallende Spitzenvolants. Auf dem Kopf die kurzgeloďte, engumschließende weiße Perücke und feck darüber ein Gedicht von einem Hütchen, winzig flein aus Samt mit langen, flatternden Seidenbändern.

Das frühere kattunene" Waschermädel ist der heutigen ,, Midinette" gewichen, deren reizendes kleidjames Kostümchen aus den einfachsten Stoffarten ebenso schick wirken kann, wie aus kostbarerem Material; ein gestreiftes Röckchen aus Voile oder Batist, ein fesches Samtmiederchen, in der Farbe des Streifens, sehr hübsch wirkt firschrot, ein fofett geschlungenes Fichu, auf der Schulter in feschen Zipfeln aufliegend, ein zier­liches, schiefgesetztes Hütchen, die bunte Hutschachtel an den Arm und ein Kleidsames Kostümchen, das natürlich auch in ge­musterter Seide sehr reizvoll wirkt, ist fertig.

Auch die bieder- braven ,, Stubenmädchen" in ihren gestreif­ten Waschkleidchen mit Puffärmeln und weißen, ovalen Häub­chen auf dem Kopf haben sich in lauter Fledermaus- Adelen" verwandelt; kurzes, schwarzes Seidenkleidchen, ein winziges Tändelschürzchen und ein noch winzigeres Spißentüpferl auf dem lustig gelodten Bubikopf und fertig ist das Mädchen von heute".

Man versucht heute häufig aktuelle Kostüme zu bringen. Sehr oft muß ja auch der Charakter des Festes gewahrt werden; man fann nicht als Gänseliesel" zur Venezianischen Nacht" gehen und als Pompadour beim Nilfest" erscheinen. Histo= rische Kostüme sollen möglichst nach Bildern aus der Zeit her­gestellt werden; es gibt eine Anzahl sehr guter Kostümkunden,

Aus Nah und Fern.

Nr. 7.

Nonnenroth( Kr. Gießen). Der Voranschlag der Gemeinde Nonnenroth für 1931 liegt bis Freitag, den 30. Januar, auf der Bürgermeisterei zur Einsicht offen.

Grünberg. In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag be­juchten Langfinger im Auto unsere Stadt. Sie besuchten ein Schuhgeschäft und nahmen 24 Paar Schuhe aller Art mit. Die Täter konnten bis jetzt noch nicht gefaßt werden.

Hungen. Der hiesige Ortsgewerbeverein ist zu neuer Tätig feit erwacht. In seiner ersten Generalversammlung fand er in allen sachlichen und organisatorischen Fragen reiche Unterstützung durch den Syndikus Röhr der Handwerkskammernebenstelle Gie­ßen, durch den stellv. Vorsitzenden der hessischen Handwerkskam­mer, Herrn Becker- Gießen, und durch Herrn Schreinermeister Haubach, den Vorsitzenden des Bezirksverbandes der Gewerbe­vereine.

Butzbach. Mitte dieser Woche ist in Butzbach eine Wohl­fahrtsgemeinschaft" gegründet worden, in der unter Leitung des Bürgermeisters der Alice- Frauenverein, die Arbeiter- Wohlfahrt, der Gewerbeverein, der Zweigverein des Roten Kreuzes, der Verein des Einzelhandels, die Pfarrämter usw. zusammengetreten sind, um die Not der arbeitslosen Ortsbewohner zu lindern.

Ortenberg. Im Anschluß an eine beim hiesigen Bostamt er­folgte Kassenrevision hat sich der amtierende Postmeister G. eine Kugel in den Kopf gejagt. Die Kugel wirfte jedoch nicht tödlich. G. wurde nach Büdingen ins Krankenhaus verbracht. Ob und in welchem Umfange eine Veruntreuung von amtlichen Geldern vorliegt, kann bis jetzt noch nicht gesagt werden.

Der Büdinger Petrimarkt verlegt.

Büdingen, 22. Jan. Aus zwingenden Gründen ist der ur­sprünglich für die Tage vom 22. zum 24. Februar d. J. vorge­sehene St. Petri- Markt auf den 15. zum 17. Februar verlegt worden; der von der Landwirtschaftskammer geplante Saatgut­markt findet am 17. Februar statt.

Darmstadt. Die Darmstädter Industrie- und Handelskam­mer hat gegen den Widerstand des Hessischen Justizministeriums die Veröffentlichung von Schuldnerverzeichnissen durchgedrückt. Die Schuldnerverzeichnisse erscheinen auf Grund des von den Amtsgerichten gelieferten Materials und sollen zur Erleichterung der Unterrichtung über Kreditwürdigkeit im Geschäftsverkehr dienen.

Ueberfall im Darmstädter Wohlfahrtsamt. Darmstadt. Jm städtischen Wohlfahrtsamt erschien der Wohlfahrtserwerbslose Landzettel mit seiner Frau und forderte die Erweiterung seiner Wohlfahrtsunterstützung. Als dies ab­gelehnt wurde, ging er gegen den Beamten vor und versetzte diesem mit einem Stod einen Schlag über den Kopf, so daß der Beamte schwer verletzt wurde. Mehrere Wohlfahrtsempfän­ger ergriffen für Landzettel Partei, wobei es zu weiteren Aus­schreitungen fam. Inzwischen war das alarmierte Ueberfall­kommando eingetroffen, das die Ruhe wiederherstellte und Land­zettel verhaftete.

Rüsselsheim. Auf dem Heimwege warf vor einigen Tagen ein 14jähriger Realschüler von der Mainbrücke aus eine Eis­scholle auf ein durchfahrendes Lastschiff. Ein Schiffer wurde auf dem Kopfe getroffen und bewußtlos ins Krankenhaus nach Flörsheim gebracht. Dort ist der Verletzte infolge des erlitte= nen Schädelbruches gestorben.

Rüsselsheim. Nachdem die Stadt Rüsselsheim den mit der elektrischen Ueberlandzentrale in Mainz geschlossenen Vertrag mit seinem demnächstigen Ablauf gefündigt hatte, um die Elektri­zitätsversorgung der Stadt in eigene Regie zu nehmen, führten die Verhandlungen dazu, daß der Stadt bei Verlängerung des

Entfettungsfuren im Winter.

sind von besonderem Wert, da der Körper im Winter eine be= sondere Neigung zum Ansatz zeigt. Nehmen Sie früh, mit­tags und abends 2-3 Tobula Kerne, die Sie in Apotheken erhalten.

dürfen niemals ,, billig" aussehen, da sie sonst das ganze Kostüm verderben.

Viel weniger wichtig ist echtes Material bei Phantasie­lostümen, obwohl auch ein ,, Knallbonbon", eine Schneeflode", ein ,, Bridgekarte" ihre Wirkung durch gutes Material wesent­lich erhöhen kann.

Immer wieder muß es betont werden, daß die schroffe Ab­lehnung, die der Karneval da und dort von übereifrigen Be­hörden erfährt, auch eine wirtschaftlich nicht zu übersehende Seite hat. Tausende von Arbeitern des Schneidergewerbes finden in dieser Zeit der Arbeitslähmung für ein paar Wochen Betätigung und Existenzmöglichkeit; der Kleinhandel, der sich ja mit entsprechenden Stoff- und Puhmaterial eindecken muß, kann seine Ware abstoßen und es ist völlig turzsichtig und ver­fehrt, wenn Zeitungen dauernd die Abkehr vom Fasching pre­digen. Denkt daran, daß jed' Ding zwei Seiten hat" und daß die Leute, die Feste feiern können, wieder die in Nahrung setzen, die ohne diese Feste beruflich zugrunde gehen müssen.

Modetelegramm.

Kennzeichen der Mode 1931: Schlicht, dezent, geschmack­soll. Der lange Rock bleibt oder wird sogar noch länger. Selbst die Schleppe erscheint wieder; besonders das Abendkleid aus Seidensor zeigt d: cse charakteristische Note.

Große Freiheit in der Formgebung. Weitester Spielraun für die Phantasie daneben aber auch strenge, schlichte Formen. Reichere Verzierungen vorwiegend nur am Nachmittags=

kleid.

Gewebe: Marocainartige Stoffe für den Nachmittag und und Seidensamt für den Abend, insbesondere Panne und Tran­parentsamt in den verschiedensten Tönungen; noch immer viel schwarz und weiß, teilweise aber auch nun mehr farbig.

Für die Straße erhalten Mäntel und Kostüme eine sport­lichere Note. Blusen werden wieder beliebt. Die Samtkappe gilt noch immer als die geeignete Kopfbededung, auch zum ein­fachen Straßenkostüm.