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Samstag, den 20. Juni 1931
* Die gekürzten Renten. Durch die Notverordnung des Herrn Reichspräsidenten vom 6. Juni haben neben Gehalts- und Penfionstürzungen auch die Renten usw. nach dem Reichsversorgungsgesetz und anderen Versorgungs- Gesetzen eine Aenderung erfahren. Die ab 1. Juli zustehenden Bezüge sind bereits umgerechnet. Ende Juni 1931 tommen also die für Juli zustehenden, neu berechneten Pensions- und Rentenbezüge zur Auszahlung.
* Um die studentische Selbstverwaltung an der Landesuniversität. Nachdem bereits vor einiger Zeit die republikanische Arbeitsgemeinschaft ihre Mitarbeit im Gießener StudentenausSchuß aufgegeben hatte, zog nun auch die Großdeutsche Gruppe ihre Vertreter zurüd. Anlaß waren Vorgänge, die sich bei der Entsendung der Vertreter zum Studententag abspielten, der im Juli in Graz stattfinden wird. Die Nationalsozialisten hatten im Asta beantragt, daß entgegen den sonstigen Gepflogenheiten in diesem Jahr nur ein Vertreter zum Studententag entsandt werden sollte, nämlich der nationalsozialistische erste Vorsitzende der Studentenschaft. Im Vorjahre hatte Gießen seinen ersten Astavorsitzenden, der damals ein Großdeutscher war, und den zweiten, einen Nationalsozialisten, zum Deutschen Studententag geschickt. Der Forderung der Großdeutschen, in diesem Jahr den von ihnen gestellten diesmal zweiten Astavorsitzenden gleichfalls nach Graz zu beordern, widersetzte sich die nationalsozialistische Mehrheit des schon nicht mehr vollständigen Asta, worauf die Großdeutschen austraten. Kultusminister Adelung hat die Universität aufgefordert, ihm Vorschläge zur Neuordnung der studentischen Selbstverwaltung und ihrer arbeitsfähigen Gestaltung zu unterbreiten.
* Vom Schöffengericht. Ein in Nauheim ansässiger Schuhmacher, der im Mai den Raubüberfall auf die Oberin des Jfraelitischen Frauenheims in Bad Nauheim verübt hatte, wurde zu 4 Jahren Gefängnis verurteilt, ein auswärts wohnender Arbeiter, der unter falschen Angaben und unrichtiger Namensnennung von mehreren hiesigen Geschäftsleuten kleinere Geldbeträge erschwindelt hatte, zu 2 Monaten Gefängnis, ein Reichswehrsoldat wegen Diebstahls von Waffen und Munition sowie Bestehlung seiner Kameraden zu 5 Monaten Gefängnis und Dienstentlassung.
Hessische Landesstelle für Pilz- und Hausschwamm- Beratung. Die Not der Zeit äußert sich unter vielem anderen sowohl durch eine wesentliche Erhöhung der Pilzvergiftungsziffern, wie sich auch holzzerstörende Pilze in unseren Häusern mehr oder weniger unangenehm bemerkbar machen, weil meist seit Jahrzehnten( 1914) feine größeren Reparaturen vorgenom men werden konnten. Die seit 1919 in Darmstadt bestehende öffentliche Pilz- Beratungsstelle übt ihre gemeinnützige Tätigfeit im Rahmen der obengenannten Stelle in der Stadtknabenschule, Ballonplatz 1, zu Darmstadt aus. Geleitet wird dieser Beratungsdienst durch das Mykologische Institut der Deutschen Gesellschaft für Pilzkunde. Die Beratungsstunden finden Montag und Donnerstag von 3-6 Uhr statt. Die Auskünfte sind tostenlos. An den übrigen Tagen ist der Leiter durch Fernruf 4755 erreichbar. Auswärtige Ratsuchende wollen ihr Prüfungsmaterial als Warenprobe einsenden.
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Vogelschutz der Brutzeit. Durch den ungewöhnlich langen Fachwinter hat sich die Brutzeit unserer Vögel um Wochen Derschoben. Die Hauptbrutzeit unserer Waldvögel fällt erst in das Ende des Mai und des Juni. Im allgemeinen genießen die Vögel in Deutschland vorzüglichen Schutz und ausgezeichnete Pflege. Mehr noch als das Bewußtsein ihrer Nützlichkeit ist es die Freude an den lieblichen Sängern und bunten Tierchen, wie überhaupt die wachsende Liebe zur Natur, die dies fertiggebracht hat. Aber trotz alledem hat die Nachstellung nach den Bögeln nicht ganz aufgehört, und gerade in der Brutzeit sind die Tiere erhöhter Verfolgung meist durch Kinder und Halbwüchsige ausgesetzt. Die Freude an den kunstvollen Nestern, den bunten Eiern und den niedlichen Jungen steiert sich zum Wunsche des Besitzes und führt zum Nestraub. Schon der häufige Besuch gefundener Nester gefährdet das Brutgeschäft, da ge= störte Vögel sehr oft die Nester mit dem Gelege aufgeben. In jedem Jahr sollten Eltern, Lehrer und andere Erzieher die Jugend daran ermahnen, die Vogelnester zu schonen und vor unvorsichtigen und böswilligen Handlungen ihrer Kameraden zu schützen. Alle aber sollen sich bemühen, Katzen und andere Raubtiere den Nestern fernzuhalten.
* Vorsicht mit dem Tintenstift. Hauptsächlich deshalb, weil Jeine Schrift, besonders auf angefeuchtetem Papier, schwer ver
Untersuchung. Sie fönnen löjchbar ist, bildet der Tintenstift heute einen Gebrauchsgegen
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,, Gießener Zeitung"
besitzt. Gelangt z. B. bei ungeschicktem Anspitzen eines Tintenstiftes ein kleines Teilchen der Bleistiftmasse in die Haut, so erzeugt es dort eine heftige Entzündung, bei längerem Verweilen oft schwere Zerstörungen. Weit gefährlicher wirkt das Eindringen von Tintenstiftteilchen ins Auge. Wird, wie es schon in leichtfertiger Weise geschah, ein Stückchen Tintenstift verschluckt, so ist der Farbstoff des Tintenstiftes imstande, auf der Schleimhaut des Magens schwere geschwürige Verände rungen zu erzeugen. Deshalb sorge man bei Tintenstiftverletzungen zunächst für schleunige ärztliche Hilfe.- Kindern gebe man einen Tintenstift überhaupt nicht in die Hand. Unter allen Umständen ist aber gerade beim Tintenstift zu vermeiden, ihn vor Gebrauch mit der Lippe und Speichel in Berührung zu bringen.( Mitteilung der Deutschen Gesellschaft für Schadenverhütung e. V., München.)
Aus Nah und Fern.
Klein- Linden. Morgen findet hier das Bezirkskriegerfest statt, zu dem mit starkem Besuch aus der Umgegend zu rechnen ist. Großen- Linden. Am Mittwoch wurde in einem hiesigen Bauernhaus eingebrochen und 200 Mark entwendet.
Langsdorf. Bürgermeister Kneipp hat seiner Gemeinde als Dankesbezeugung für die einstimmige Wiederwahl zum Ortsoberhaupt eine Kirchenglode gestiftet. Eine weitere Glode konnte durch den Opfersinn der dortigen Einwohner zur Herstellung in Auftrag gegeben werden.
Lich. Bei der schönen Platanenallee im Schloßgarten, am Eingang zur Stadt in der Bahnhofstraße zeigen viele Blätter schon jetzt ein herbstliches Aussehen und fallen, wie sonst im Spätherbst zur Erde nieder. Wahrscheinlich ist diese Erscheinung auf einen Pilz zurückzuführen.
Grünberg. Auf der Landstraße Ulrichstein- Mücke stürzte am Donnerstag abend ein Elektromonteur aus Ober- Ohmen, der mit seinem Motorrad unterwegs war, in einer Kurve von der ins Schleudern gekommenen Maschine in hohem Bogen auf die Landstraße. Der bedauernswerte Mann schlug so heftig auf die Straße auf, daß er eine Gehirnerschütterung und erhebliche Kopfverlegungen davontrug.
Hungen. Ein Wiederaufleben der Basaltindustrie ist seit einigen Tagen auf dem großen Werk der Firma Nickel in OberWiddersheim zu beobachten. Täglich gelangen etwa 20 bis 30 Waggons auf dem dortigen Bahnhof zur Verladung, die insbesondere für die Reichsbahn verschickt werden.
Familiendrama im Vogelsberg.
nerven
Am Freitag morgen ging in Ober- Seibentenrod bei Ulrichstein im Vogelsberg der dreißigjährige, schwer leidende Lehrer Diehl plötzlich mit einem Messer auf seine 27jährige Frau los und durchschnitt ihr nach heftigem Kampf die Kehle. Sie starb bald an den furchtbaren Verletzungen. Nach der grausigen Tat trank der Mann in selbstmörderischer Absicht eine größere Menge Formalin. Einige Zeit später wurde das Ehepaar von dem Dienstmädchen aufgefunden; der rasch herbeigeholte Arzt ließ den Mann in die Gießener Klinik, überführen, wo er gegen Mittag starb. Die Eheleute hinterlassen ein zweijähriges Töchterchen.
Butzbach. Der Motorradfahrer Karl Zinser aus Allendorf an der Lumda wurde während der Fahrt bei Nieder- Weisel vom Blitz getroffen. Er war sofort tot. Die Leiche zeigt Spuren des elektrischen Schlages vom linken Ohr quer über den Körper. Die Uhr des Erschlagenen war völlig zusammengeschmolzen.
Bad Nauheim. Die Provinzialausstellung des Provinzialverbandes oberhessischer Geflügelzuchtvereine, die bedeutendste Schau für die oberhessischen Geflügelzüchter, wurde dem hiesi= gen Geflügel, Vogel- und Kaninchenzuchtverein zur Abhaltung übertragen. Als Termin ist der 20., 21. und 22. November 1931 festgesetzt. Die Ausstellung findet in der sich für diese Zwede recht geeigneten Turnhalle statt.
Bad Nauheim. Das Verkehrsamt der Kurverwaltung teilt mit, daß bis zum 18. Juni 1931 der Gesamtbesuch 14 272 Gäste betrug. Darunter waren 2193 Ausländer. Anwesend waren am 18. Juni 1931 4855 Gäste. Passanten: 3273.
Kommt der Staatskommissar?
Friedberg. Der Stadtrat lehnte wiederum erhöhte Biersteuer und doppelte Bürgersteuer ab. Nachdem nunmehr faum noch eine Möglichkeit besteht, den erforderlichen Steuern auf soge= nanntem parlamentarischem Wege zur Annahme zu verhelfen, wird das Eingreifen des Staatskommissars bald erwartet.
Büdingen. Hier feierte unter lebhafter Anteilnahme der Be völkerung Professor Dr. Otto Dingeldein seinen 70. Geburtstag.
Fällt es Ihnen schwer, die Beiträge
Nr. 49
Professor Dingeldein ist gebürtiger Oberhesse und mit Büdingen in fast vierzigjähriger Lehrtätigkeit am Wolfgang- Ernst- Gymnasium aufs engste verwachsen. In reicher schriftstellerischer Tätigkeit setzt sich der Jubilar heute noch in besonderem Maße für die Heimatbelange und ihre Förderung ein.
Büdingen. Von den finanziellen Schwierigkeiten, die die fleinen Städte zu bewältigen haben, legt der diesjährige Voranschlag der Stadt Büdingen, der, bei einer Ausgabe von 465 357,94 Mart und einem zu deckenden Umlagenbetrag von 115 000 Mart soeben vom Gemeinderat genehmigt und dem Kreisamt zur Revision zugeleitet wurde, ein Zeugnis ab. Das Wasserbezugsgeld mußte auf 200 Prozent des Friedenspreises, die Kanalbenutzungsgebühr auf 150 Prozent des Friedensabsatzes erhöht werden. Die Bürgersteuer mußte um 50 Prozent über die Landessätze erhöht werden.
Bad Salzhausen. In einem Verkaufspavillon wurde in der Nacht zum Mittwoch ein schwerer Einbruch verübt. Der Dieb hatte an der Rückseite des Pavillons einen Rolladen in die Höhe geschoben und war durch das Oberlicht eines Fensters eingestiegen. Waren im Werte von etwa 250 Mart sind entwendet worden.
Offenbach a. M. Die Amtszeit von Oberbürgermeister Granzin läuft im November dieses Jahres ab. Die am Donnerstag tommender Woche stattfindende Stadtratssitzung wird sich mit der Wiederwahl resp. mit der Wahl des Nachfolgers zu befassen haben.
Bensheim a. d. B. Der Verband der hessischen Geschichtsund Altertumsvereine hält hier am 20. und 21. Juni seine Jahrestagung ab, bei der Dr. Behn- Mainz über ,, Die erste germanische Siedlung Hessens" und Studienrat Dr. Glödner über die Abtei Lorsch und das Reich sprechen werden.
Krofdorf. Am Mittwoch abend fuhr ein Motorradfahrer, der aus der Schulstraße in die Hauptstraße einbiegen wollte, gegen einen Kraftwagen. Der Motorradfahrer stürzte, wurde jedoch nicht ernstlich verletzt, das Rad wurde schwer beschädigt.
Marburg. Ein Wirbelsturm hat in dem Walddistrikt der Lahnberge zwischen Hassenhausen, Treis a. d. Lumda und Staufenberg furchtbare Verheerungen angerichtet. Etwa 40 Morgen alte über 40 Meter hohe Fichten mit meist je ein bis zwei Festmeter Inhalt wurden vernichtet. Der Sturm hob die starken Stämme entweder aus dem Boden oder knickte sie in Manneshöhe ab und zersplitterte sie, so daß der alte herrliche, zur Ge= meinde Staufenberg gehörige Fichtenbestand jetzt ein Chaos von freuz und quer durcheinandergeworfenen Stämmen bildet. Es handelt sich um etwa 5000 Festmeter Fichten.
Kassel. In der Kasseler Staatsgalerie haben seit längerer Zeit der Galerieinspektor und der ihm unterstellte Kassierer sich auf Kosten der Gemäldegalerie dadurch erhebliche Nebeneinnahmen verschafft, daß sie alte benutzte Eintrittskarten zurückbehielten und immer wieder aufs neue verfauft haben. Durch einen Zufall kam diese Zusammenarbeit der beiden Beamten zur Kenntnis der Behörde, und zwar dadurch, daß ein Sohn des Inspektors nachts Räume der Bildergalerie gegen Entgelt an liebebedürftige Pärchen abgab, so daß bald weitere Kreise in Kassel von diesem verschwiegenen Absteigequartier Gebrauch machten. Schließlich hat ein Mädchen den Sohn des Galerieinspektors denunziert, und dadurch kam die vorgesetzte Dienstbehörde hinter diese ganz eigenartigen Vorgänge bei der Kasseler Gemäldegalerie.
Wirbelsturm im Kreise Altena.
Am Mittwoch raste kurz vor 18 Uhr ein ungeheurer Wirbelsturm durch das Elsetal. Der Sturm, der nur 3 Minuten wütete, richtete ungeheuren Schaden an, der auf eine Million beziffert wird. Zwei Tote und über 40 Verletzte sind zu beklagen, viele Menschen sind obdachlos. Der Landrat des Kreises Altena hat bei der preußischen Staatsregierung um Hilfe nachgesucht.
Köln. Nach Abzug der bislang erfolgten Exmatrikulatio nen und der in großer Anzahl wegen nicht rechtzeitigen Belagens erfolgten Streichungen zählt die Universität Köln im Sommer- Semester 6379 eingeschriebene Studierende.
Bernkastel. In dem bekannten Weinort Uerzig an der Mosel brach Donnerstag Großfeuer aus. Bisher sind etwa ein Dutzend Wohnhäuser eingeäschert, alte Fachwerkhäuser, die zum Teil unter Denkmalschutz stehen. Der Schaden ist beträchtlich, die Bewohner waren zum Teil nur ganz gering versichert.
Acht Personen vom Blig getötet. und in den Abe Königsberg. Königsberg. Am Donnerstag nachmittag und in den Abendstunden gingen über Königsberg und die Provinz Ostpreußen mehrere schwere Gewitter nieder. In Heiligenbeil erschlug der
für Ihre Lebensversicherung aufzubringen?
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