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Nr. 98.

Samstag, den 19. Dezember 1931.

Aus Nab und Fern.

Wagenborn Steinberg Der 6 Bezitt des Provinzialver­bandes oberhessischer Geflügelzüchter veranstaltet hier heute und morgen in den Gasthäusern Zum grünen Baum und Zur Ktone" seine 2. Bezittsschau:" Es tamen über 3000 Gingefnum mern zur Anmeldung.

Bohl- Göns. Das Postauto der Linie Butzbach- Hochelheim stieß am Dienstagabend vollbesetzt am Bahnübergang dicht vor Pohl- Göns gegen den letzten Wagen des Zuges der Buzbach­Licher Eisenbahn. Zwei Wagen des Zuges entgleisten, mehrere Personen erlitten leichtere Verlegungen. Menschenleben sind zum Gtüd nicht zu beklagen. Der Zug wie auch der Postomnibus wut­den so schwer beschädigt, daß beide die Fahrt nicht fortsetzen fonnten. Ein anderer Posttraftwagen brachte die Fahrgäste an ihre Fahrtziele.

Buzbach. Die Kuh eines Landwirtes in Langenhain brachte ein Kalb zur Welt, das zwei zusammengewachsene Köpfe, zwei Mäuler und drei Augen hat.

Bad Nauheim. Bis zum 17. Dezember ds. Js. betrug der An= Gesamtbesuch 31 130 Gäste; darunter 5322 Ausländer. wesend waren an diesem Tage 371 Gäste.

Grünberg. Rady einer Mitteilung im Reichsanzeiger" wird nach Buzbach jetzt auch das Finanzamt Homberg aufgeho­ben. Bon den zu diesem Finanzamt zählenden Gemeinden werden Alsfeld 8 und Grünberg 20 zugeteilt.

Alsfeld. Ein junger Mann aus Wahlen wurde von einem Stier im Stalle derart an die Wand gedrückt, daß er mit schwe­ren Verletzungen in die Marburger Alinit eingeliefert werden mußte.

Schötten. Der Gemeinderat beschloß in seiner letzten Sigung, eine Milderung in der Gewerbesteuerzahlung eintreten zu lassen: Da der entsprechende Steuerrüdgang sowohl beim Ertrag, als auch beim Kapital ein recht beträchtlicher ist, wurde beschlossen, auf Antrag Stundung und Neuveranlagung eintreten zu lassen, wenn eine wesentliche Minderung bei Kapital oder Ertrag eingetreten ist. Kreis- und Prov.- Ausschuß werden gleich­lautende Beschlüsse fassen, da die Veranlagung sowohl für Ge meinde ,. Kreis und Provinzialsteuer maßgebend ist.

Schlitz. Einen erheblichen Abschlag des Milchpreises erlebten dieser Tage die Konsumenten in unserer Stadt. Ein Molkerei­betrieb von hier gab bekannt, daß er das Liter Milch frei Haus für 18 Pfennig liefern molle.

,, Gießener Zeitung"

Radländerkampf Deutschlend gegen Frankreich.

am 277 Dezember 1931 in Paris.

Der Pariser Sportpalast bringt am 27. Dezember einen Länderkampf der besten deutschen und französischen Berufs­fahrer. Bei den Stehern treffen Weltmeister Walter Sawall und Erich Möller auf die Franzosen Paillard und Grassin. In den Fliegertämpfen vertreten Peters Steffes und Mathias Engel die deutschen Farben, die jedoch gegenüber Weltmeister Michard und Faucheur nur geringe Gewinnaussichten besitzen.

Gau- Odernheim. Ein 42jähriger Kassenrechner wurde we­gen Untreue und Unterschlagung bei der Spar- und Darlehens tasse zu einem Jahr Gefängnis verurteilt.

Die Weihnachtsoffensive des Bolschewismus hat bereits begonnen. In den Städten werden u. a. in Ruß­land gedruckte Broschüren gegen das Weihnachtsfest verbreitet. Eine betitelt: Wider den Christbaum" will zeigen ,,, wie die Christbaumfeier entstanden und wie sie samt dem ganzen Schwin­del des Christentums zu bekämpfen und aus der Welt zu schaf fen ist. Darin heißt es auch: Heute bereits führen Hundert­tausende sozialistisch erzogene Proletarierbinder verschärften Kampf gegen die Feier des Christbaums und den ganzen Ho­tuspotus des mit ihm verknüpften religiösen Fanatismus". Es wird hier immer deutlicher, bei dem Kampf der Gottlosen han­delt es sich nicht um die Freiheit der persönlichen Ueberzeugung, sondern um die Erschütterung unserer ganzen Kultur. Es wird nötig sein, daß wir uns demgegenüber desto gewissenhafter auf die innere Bedeutung des Festes besinnen und auf eine Vertie fung der religiösen und häuslichen Feier bedacht sind.

Worms. Der Antrag der Deutschen Volkspartei um Auf­lösung des Stadtrates wurde mit den Stimmen der Deutsch nationalen, der NSDAP., der Volksrechtspartei und der KPD. angenommen.

Frankfurt a. M. Der Kämmerer der Stadt Königsberg, Dr. Lehmann, wurde am Dienstag in einer öffentlichen Stadt verordnetenversammlung mit 39 Stimmen des Zentrums, der Sozialdemokraten, Demokraten und der Arbeitnehmergruppe gegen 38 Stimmen der übrigen Fraktionen zum Kämmerer der Stadt Frankfurt gewählt.

Nassau. Die Bäderinnung der Stadt Nassau hat, der Not­lage der Bevölkerung entsprechend, den Brotpreis von 65 auf 60 Pfg. gesenkt.

Der Unterlahntreis pleite?!

Diez. Nach den Ausführungen des Landrats des Unterlahn­freises im Kreistag hat der Unterlahnkreis zurzeit einen Fehl­betrag von 118000 Mart aufzuweisen. Der Bruttofehlbetrag beträgt 369 877 M. Durch radikale Einsparungen fönnen 170 593 Mark Mehreinnahmen erzielt werden, so daß ein Defizit von etwa 200 000 m. bestehen bleibe. Der Landrat bezeichnet als Ursache dieser Entwidlung den riesigen Umfang der Wohlfahrts= erwerbslosenfürsorge. Bon den 46805 Einwohnern des Unter­lahntreises würden 10 494 von Unterstützung leben. Mit 200 000 Mark Fehlbetrag sei der Kreis theoretisch schon zahlungsunfähig. Durch Nichtauszahlung gesetzlicher Mittel halte er sich noch über Wasser.

Rüdesheim. Der allgemeinen Not Rechnung tragend, be­schloß der Vorstand der Bäderinnung für den Rheingaufreis, trotzdem der Mehlpreis noch nicht gesenkt worden ist, den Brot­preis für Roggenbrot auf 60 Pfg, für Mischbrot auf 65 Pfg. herabzusetzen.

Köln. Die Universität Köln zählt im Winter- Semester 1931-32 5896 eingeschriebene Studierende. Hiervon haben 5417 Studierende Vorlesungen belegt, 479 sind beurlaubt. Außerdem haben 365 Gasthörer, 191 Studierende der Universität Bonn, 81 Studierende der Musikhochschule Köln und 17 Studierende der Staatl. Kunstakademie Düsseldorf private Vorlesungen belegt; an den öffentlichen Vorlesungen nehmen 495 Hörer teil, sodaß die Gesamtzahl der Hörer 7 045 beträgt.

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Die Polen sind schlimmer als die Russen.

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Die Ehrenrangliste der Kaiserlich Deutschen Marine 1914-18. Herausgeber und Verleger: Marine- Offizier- Verband E. V., Berlin W. 9, Potsdamerstr. 21a Preis gebunden 30.- Rmt. ( auch Monatsraten). Einmalige Auflage. Neben der Ehren­rangliste der Armee gibt es nunmehr erfreulicherweise auch eine solche der Marine. Sie hat den erstaunlichen Umfang von 1888 Dudseiten bekommen und enthält doch nur in fnappster Fassung die wichtigsten personellen und materiellen Daten. Teil I führt die Organisation der See-, Landbehörden und Marines teile. Teil II, die eigentliche Rangliste, baut auf der Rangliste von 1914 auf, berücksichtigt daneben aber alle Wiedereinstel Lungen, Neueinstellungen, alle Offiziere des Beurlaubtenstandes und erwähnt auch die zeitweilig in der Marine verwendeten Armeeoffiziere. Teil III enthält die Namen aller im Kriege zur Verwendung gekommenen Kriegsschiffe, Luftschiffe, Flug­zeuge und Hilfsschiffe sowie Angaben über deren Verbleib.

Aus Lodz( Polen) wird dem Deutschen Auslands- Institut berichtet:

In der Stadt Lodz gab es bis vor kurzem noch 13 Schulen mit insgesamt 101 Klassen, die als Schulen mit deutscher Un­terrichtssprache von der Behörde gezählt werden. Ihre Um­wandlung hat schon vor Jahren begonnen; man hat langsam die bewußt deutschen Schulleiter entfernt und durch Renegaten oder Polen ersetzt. An den Schulen ist schon immer das Pol­wische, seit etwa zwei Jahren auch Geschichte und Erdkunde in Seit dem polnischer Unterrichtssprache unterrichiet worden.

Ahrweiler. Der zwangsweise Verkauf eines Weinlagers in Ahrweiler ergab, daß für 1000 Lifer 1931er Wein nicht mehr als 8 Pfg je Liter erzielt wurde. Heltere, abgelagerte Weine mußten zu Schleuderpreisen, das höchste Gebot war 32 Pfg., ab­gestoßen werden.

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,, Sicherung von Familie, Vermögen und Betrieb bei wirts schaftlichen Schwierigkeiten und im Todesfall" von Rechtsanwalt Dr. Conrad Böttcher, erschienen im Verlag für Wirt­400 S. in Ganz­schaft und Verkehr, Stuttgart, Pfizerſtr. 20.

1. September jedoch wird nur noch polnisch unterrichtet, ledig­lich Deutsch mit vier bis fünf Stunden und evangelische Re­ligion mit zwei Stunden werden noch in deutscher Sprache gegeben, so daß an diesen angeblich deutschen Schulen nur noch in sieben Stunden deutsch gesprochen wird.

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Das ist ein Buch, das in die jetzige Zeit paẞt! Quälen wir uns nicht alle fortgesetzt mit der peinlichen Frage herum: Was geschieht mit unserem Betriebe, mit un­der Unter­serer Familie, mit unserem Vermögen, wenn nehmer und Leiter, der Gatte und der Vater, der Verwalter und Mehrer morgen die Augen schließt? Oder arbeitsunfähig wird? Oder in Schwierigkeiten gerät? Wie können wir bei­zeiten vorsorgen. Leichter gemacht wird diese Vorsorge durch dieses neue Buch.

Deutscher Reichspost- Kalender 1932. Herausgegeben mit Un­terstützung des Reichspostministeriums. Kontordia- Verlag, Leip­zig C 1, Goethestr. 6. Preis 4.-R.-Mt. Auch diesmal hat der Deutsche Reichspost- Kalender die Aufgabe, der breiten Def= fentlichkeit in gemeinverständlicher Weise einen Einblid in das weltumspannende Arbeitsgebiet der Deutschen Reichspost zu ge­währen. Der neue Jahrgang bringt eine Fülle von interessan­tem Stoff. Er unterrichtet in gefälliger und leicht faßlicher Form über die vielseitige Tätigkeit der Reichspost, über ihre volks- und weltwirtschaftliche Bedeutung, über die Technik und nicht zuletzt über die Menschen, die in und mit dieser großen Verkehrsverwaltung leben und arbeiten.

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Was ist das für ein Mensch! Ein neues Berndorff- Buch. Matuschka, der Eisenbahn- Attentäter! Was ist das überhaupt für ein Mensch, der derartiges tut? Wo kommt er her, wie hat er bisher gelebt, wie sieht es in der Seele eines solchen Menschen aus? Berndorff klärt die Widersprüche. Er sprach er kam zu den die Kriminalisten, er sah die Attentatsorte bäuerlichen Eltern im fernen Chantover, die nur von ihrem Silvi", dem Stolz und dem größten Kind Chantavers spra­chen. Er war bei den Verhandlungen, er sah die Akten mit einem Wort, er berichtet die Tatsachen über Matuschka, den Attentäter, und Matuschka, den Menschen. Der ungarische Journalist Turcjanni hat ihm bei der Beschaffung des Mate­rials geholfen. Das Ergebnis sorgfältigster Beobachtungen und allen Einzelheiten dieses grotesken einer langen Jagd nach Lebens ist Berndorffs fabelhaft geschriebenes Buch Was ist das für ein Mensch!" Verlag Died& Co., Stuttgart. Pr. 3 RM. Menschenlenntnis u. Schrift von Jost Milde. Franks Buch­handlung, Habelschwerdt i. Schl. Preis 3.- Rmt. Buch zeigt auf dem Gebiete der Berufsberatung und Berufs­cignung auf Grund des Handschriftenstudiums wie einfach und natürlich die Schriftzeichen uns Ausschluß geben über die Ver­Sch. borgenheit des Menschenwesens. Volts

Die Umwandlung ist ohne viel Aussehen durchgeführt. Man hat in den Ferien fünf bewußt deutsche Lehrer aus der Stadt Lodz auf das Land an polnische Schulen versetzt, sechs an dere sind vorzeitig pensioniert. Vor dem 1. September haben die Kreisschulinspektoren die Schulleiter zusammengerufen und ihnen die neuen Vorschriften über den Unterricht nur mündlich mitgeteilt, mit dem ausdrüdlichen Zusatz, wer nicht erfülle, werde entlassen werden. Die Schulleiter sind persönlich verant wortlich gemacht worden, daß über die Verordnungen nichts in die Presse komme. Es ist untersagt worden, Elternver sammlungen abzuhalten, ebenso wurde verboten, den Eltern­ausschuß einzuberufen. Die Amts- und Umgangssprache in den Schulen ist jetzt lediglich polnisch; es geht so weit, daß der Schulleiter, der Deutsch kann, mit deutschsprechenden Eltern nur polnisch verhandelt und sich einen Lehrer. als Dolmetscher holen muß, wenn ein Vater nur der deutschen Sprache mächtig ist. In den Pausen darf nur polnisch gesprochen werden. Aus= drücklich wird verlangt, daß der Geist" der Schule polnisch werden soll; deswegen sind sogenannte ,, polnische Tage" ein geführt worden, an denen irgend etwas Besonders zur Ehre des Staates getan werden muß. Das Deutsche darf lediglich in den alleruntersten Klassen als Hilfssprache benutzt werden, wenn Kinder vorhanden sind, die gar nicht Polnisch verstehen.

Der Vergleich mit der russischen Zeit liegt nahe; auch die Russen haben die russische Unterrichtssprache in den deut­schen Schulen verlangt, haben aber im übrigen die Schule als deutsche bestehen lassen. Niemals ist der Anspruch erhoben, den deutschen Geist auszurotten.

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