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Samstag, den 19. September 1931.

Steuerliche Hilfe für Unwettergeschädigte.

Die Hessische Handwerkskammer hat bei den in Frage kommenden Regierungsstellen darum nachgesucht, daß den Handwerkern in den Unwettergebieten die gleichen Erleichterun gen zugebilligt werden, wie sie für die Landwirtschaft vorgesehen sind. Der hessische Finanzminister hat hierauf folgende Ant. wort erteilt:

., Meine vorläufigen Anordnungen über die Entrich­tung der Landessteuern von Landwirten sind in der ausge sprochenen Absicht getroffen, Zeit für eine genauere Schaden­feststellung zu gewinnen. Da der Staat nicht auf längere Zeit auf jegliche Steuereinnahmen verzichten kann, verbietet sich die Ausdehnung der allgemeinen Stundungsanordnungen auf solche Steuerpflichtige, die nicht im Hauptberuf die Land­wirtschaft betreiben. Andererseits bleibt es aber jedem Steuerpflichtigen unbenommen, Einzelantrag auf Steuer­stundung bei dem zuständ. Finanzamt bei Vorliegen hinreichen­der Gründe zu stellen. Ich möchte annehmen, daß die für die Landwirtschaft getroffenen Anordnungen mittelbar auch dem ländlichen Handwerk zu gut kommen, insofern, als den Land­wirten, da sie nunmehr von dem Druck der sofortigen Steuer­zahlungen entlastet sind, eher Mittel zur Verfügung stehen, um ihre Handwerkerrechnungen bezahlen zu können."

Tilly Dor Werben

( Bur Erinnerung an den 8./9. Juli 1681.)

Die Einnahme und Zerstörung Magdeburgs im Mai 1631 war für den Schwedenkönig Gustav Adolf ein so schwerer Schlag gewesen, daß er glaubte, sich deswegen vor der Deffentlichkeit in einer besonderen Flugschrift verteidigen zu müssen. Anderer­feits verkannte auch der Sieger Tilly nicht die Nachteile, die ihm aus der Zerstörung der reichen und mit ungeheuren Borräten versehenen Stadt für die Verpflegung seiner eigenen Truppen erwachsen mußten. Dazu kam, daß Gustav Adolf, gestützt auf die brandenburgische Festung Spandau, die sich ihm am 10. Juni geöffnet hatte, bedrohlich nach Süden vorrückte und bei Werben am rechten Elbeufer unweit der Havelmündung ein festes Lager beziehen konnte, das ihm zwischen Elbe und Ostsee, Havel und Spree eine gewaltige, fast unbezwingliche Stellung bot.

Um nun nicht seinen hart erkauften Stützpunkt Magdeburg plötzlich wieder preisgeb.n zu müssen, sah sich Tilly zur Ein­stellung seines Vormarsches nach Süden und zur Angriffs=

Tillys Wagenburg vor Werben.

( Nach einem zeitgenössischen Stich.)

schwenkung gegen die Schweden gezwungen. Anfang Juli kam er vor dem Lager Werben an, und hier war es, wo ihm an Abend des 8. Juli eine Zigeunerin warnte, den Schwedenkönic anzugreifen, wenn er nicht selbst seinen Stern der Unbesiegbarkeit zerstören wolle. Tilly hielt die Zigeunerin für eine im Schweden. solde stehende Spionin, verhöhnte sie und ließ sie überdies aus peitschen. Dann erteilte er für den folgenden Tag den Besch zum Angriff, der mit einer schweren Niederlage für die Kaiser lichen endete, so daß Tilly eine Rettung seiner Truppen nur nod in einer sofortigen Loslösung von dem gegnerischen Lagu sah Aber die Warnung der Zigeunerin begann sich furchtbar zi erfüllen: der Niederlage von Werben folgte die Katastrophe vor Breitenfeld am 17. September, die Tillys Feldherrnruhm ver nichtete wie sie den Gustav Adolfs strahlend emportrug, und e foigte die Niederlage am Lech mit der schweren Verwuncung Tillns. der er dann zu Ingolstadt am 4. April 1632 erlag

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Zur Bestellung des Wintergetreides. Von Dr. P. Lieb, Landwirtschaftslehrer u. Tierzuchtinspektor.

Zu den wichtigsten Herbstarbeiten des Landwirts gehört neben dem Einbringen der Krummet- und Hackfruchternte die Bestellung der Felder mit Wintersaatkorn. Durch das außer­ordentlich ungünstige Erntewetter in diesem Jahre ist viel Ge­treide angewachsen und zur Saat unbrauchbar geworden. So­weit letzteres für die einzelnen Wirtschaften zutrifft, muß neues Saatgut beschafft werden; für Anwendung von Original- Saat­gut sei an dieser Stelle ganz besonders hingewiesen.

Das Land ist in jeder Hinsicht sorgfältig zu bearbeiten. Nach dem Schälen folgt das Tiefpflügen; letzteres hat für Roggen und Weizen zeitig zu geschehen, damit sich das Land noch gut saden kann, sonst Gefahr des Auswinterns. Gerade hier wer­den oft schwere Fehler gemacht, die der Landwirt dann bitter büßen muß. Je leistungsfähiger die auszusäende Saat ist, desto besser wird die Düngung ausgenützt und desto mehr muß der Pflanzenernährung Rechnung getragen werden. Stickstoff, Phos= phorsäure und Kali, evtl. als Volldünger in Form von Nitro­phosta in einem einzigen Arbeitsgang gegeben, wirken sich günstig, sowohl in Qualität als auch Quantität der anzubauen­den Frucht aus. Bei den beiden letztgenannten Nährstoffen ist keinerlei Auswachsungsgefahr vorhanden, anders liegen die Verhältnisse beim Stickstoff. Eine Stidstoffdüngung in großen Mengen kommt nach den Erfahrungen der Praxis und besonders nach den wissenschaftlichen Ergebnissen von Professor Dr. Schneidewind nur in Frage auf tiefgründigen, besseren und schweren Bodenarten und zwar hier speziell für Weizen, wo dieser leicht befällt; hierbei verdienen besonders ammoniak­haltige Dünger den Vorzug. Auf allen leichteren Böden, beson­ders solchen mit ungünstigen Witterungsverhältnissen, darf eine Stickstoffherbstdüngung nur in kleiner Menge erfolgen( Kalk­oder Natronsalpeter) und auch nur dann, wenn es notwendig ist, die Pflanzen für den kommenden Winter zu kräftigen. Der Stickstoff muß dann im kommenden Jahre zu Beginn der Vege­tation gegeben werden. Der Fehler, der hierbei gemacht wird, ist stets der, daß die Düngemittel auf diesen Boden im Früh­jahr zu spät verabfolgt werden, so daß sich dann Verbrennungs­( Verdurstungs-) erscheinungen beim Getreide beim Eintreten der Trockenheit bemerkbar machen können.

Umstellung der sommerlichen Viehhaltung auf Weidegang.

Von Dr. P. Lieb, Landwirtschaftslehrer u. Tierzuchtinspektor. Die Verfütterung von Kraftfutter an Milchtiere wird für viele landwirtschaftliche Betriebe aus rein finanziellen Gründen für den kommenden Winter nicht, oder aber nur in geringen Maßstabe, in Frage kommen. Die Menge der zur Verfügung stehenden Rauhfuttermittel aus dem ersten Schnitt ist meiji recht befriediegend, die Qualität des zweiten Heuschnittes läßt allerdings durch die ungünstige Herbstwitterung vielfach zu wünschen übrig. Das Futterstroh ist durch andauernden Regen während der Getreideernte fast durchweg für Fütterungszwecke unbrauchbar.

Um die Futtervorräte zu schonen, bezw. mit der Winterfütte= rung möglichst spät zu beginnen, ist dem Viehhalter dringendst zu raten, sein Vich möglichst lange auf Weide zu geben. Wo der Weidegang noch nicht eingeführt ist, muß das Vieh jetzt hin­aus auf Weide bezw. auf die abgemähten Wiesen, die meist noch recht guten Bestand aufweisen. Dabei hat sich, wie auch in den Vorjahren, immer wieder gezeigt, daß mit Stickstoff gedüngtes Grünland, also Wiesen und Weiden, gerade jetzt im Herbst, wo das Pflanzenwachstum sonst nachläßt, ein noch freudiges Wachs­tum zeigt und recht gehaltvolles, besonders eiweißreiches Futter liefert, welches die Milchbildung außerordentlich günstig be­einflußt.

Eine gute Wiese oder Weide muß auch im Herbst und Win­ter grün und nicht grau aussehen. Solchem Grünland fehlt es an genügend Stidstoff, den zu geben, im Verlauf des Sommers verabsäumt wurde. In der landwirtschaftlichen Praxis noch verhältnismäßig wenig eingeführt ist die Herbstdüngung des Grünlandes, besonders mit leichtlöslichem Stidstoff, wie wir ihn im Kaltfalpeter und auch in Nitrophosta vorfinden. Ver­suche haben ergeben, daß gerade die Stickstoffdüngung in den Spätsommer- Monaten dazu beiträgt, frühzeitig Grünfutter zu erzeugen. Dadurch wird die Pflanze befähigt, Kraftreserven in

Heizi

Nr. 75.

ihren unterirdischen Pflanzenorganen abzulagern, die ein früh­zeitiges Austreiben gewährleisten. Frühes Grünfutter jedoch bedeutet eigen erzeugtes Eiweiß und auch Entlastung an Kraft­futtermitteln in dieser schweren Zeit.

Neue Bücher.

Hessenland". Monatsschrift für Landes- und Volkskunde, Kunst und Literatur Hessens in Verbindung mit Fachberatern, herausgegeben von Dr. C. Hizeroth, Verlag N. G. Elwert in Marburg( Lahn). Heft 8 bringt mehrere Aufsätze über Esch­wege und über Wolfhagen, das seine 700- Jahrfeier begehen konnte. Aus dem sonstigen Inhalt sei erwähnt, dex. Artikel von K. von Baumbach über Kirmesgebräuche in Oberhessen und die Würdigung des verstorbenen ehemaligen Oberbürgermeisters von Marburg, Ludwig Schüler. Heft 9 bringt vor allem den Vor­trag von H. Möbius über Geschichte und Aufgabe der Vor­geschichtsforschung im ehemaligen Kurhessen. Die Lebensschicksale des ,, Wolgadeutschen" Joh. H. Fuchs werden zu Ende geführt. Dr. Becker würdigt die Vortragsreihe ,, Südwestdeutschland" als Kultur- und Wirtschaftseinheit. Weitere Beiträge vervollständi­gen den Inhalt.

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Eine originelle Jdee. H. R. Berndorf arbeitet an einer neuen Idee. Er schreibt Dumas' Romane neu feine Bearbei tung, sondern ganz neuerzählt für uns Menschen von heute. Der erste Roman ,, Der Reiter am Kreuzweg"( Verlag Died& Co., Stuttgart) benutt Motive aus Dumas ,, Denkwürdigkeiten eines Arztes" und ist besonders reich an Erlebnissen und Spannung. Der Roman erscheint Anfang Oktober.

So kämpft die Kriminalpolizei! Der Stuttgarter Polizei­präsident Klaiber schrieb soeben das Vorwort zum neuen Buche ,, Mord und Totschlag. Die Polizei greift ein" von Dr. jur. Curt Elwenspoek, dem bekannten Chronisten des Schinderhannes. Das Buch( Verlag Died& Co., Stuttgart) zeigt an Sand unzähliger praktischer Fälle aus den Akten der großen Kriminalzentren zum erstenmal für weitere Kreise den Kampf der Kriminalpolizei mit dem Verbrechertum, wie er wirklich ist. Es erscheint Anfang Oktober.

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