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Samstag, den 18. Juli 1931.

Aus Nah und Fern.

Heuchelheim b. Gießen. Für das Rechnungsjahr 1931 liegt auf der Bürgermeisterei der Voranschlag der Gemeinde bis zum 23. Juli 1931 zur Einsicht offen. Die Erhebung einer Umlage ist von der Gemeinde beschlossen worden, zu der auch die Aus­märker herangezogen werden.

Rödgen b. Gießen. Der Gemeinde- Voranschlag für das Rechnungsjahr 1931 liegt bis zum 22. Juli ds. Js. auf der Bürgermeisterei zur Einsicht offen.

Grünberg. In der letzten Gemeinderatssitzung wurde der Bau eines Schwimmbades im Sildmann" beschlossen. Die Ko­sten sollen etwa 26 000 RM. betragen. Zum Bauleiter wurde Architekt Jäger von Quedborn bestimmt.

Bad Nauheim. Das Verkehrsamt der Kurverwaltung teilt mit, daß bis zum 16. Juli 1931 der Gesamtbesuch 19 522 Gäste betrug, darunter 3353 Ausländer. Anwesend waren am 16. Juli 4526 Gäste.

Vom Vogelsberg. Eine Gedenkfeier für Vater Bender will die gesamte V. H.- C.- Jugend am 16. August in Büdingen abhalten, wo Vater Bender den sonstigen Teil seiner Jugend verlebt hat. Das Fürsorgeamt in Frankfurt a. M. hat dem Vater- Bender- Heim auf der Herchenhainer Höhe ein Ge­schenk von 500 Mark überwiesen.

Schotten. Der Tierschutzverein für Hessen wird seine 50. ordentliche Hauptversammlung am 9. September hier in Schot=

Evangelische Jugendarbeit im hintern Vogelsberg.

Daß evangelische Jugendarbeit auch in ganz ländlichen Gemeinden möglich ist, bewies ein Jugendtreffen in Romrod, zu dem etwa 750 junge Menschen aus den Nachbarorten gefom­Das Treffen stand unter der Leitung des Land­jugendpfarrers v. d. Au. Schulrat Hassinger- Darmstadt über­brachte die Grüße des hessischen Kultusministers.

men waren.

Büdingen. In den hiesigen vor einiger Zeit in Liquidation gegangenen, nunmehr der Firma Wemhöner aus Pr.- Oldendorf gehörigen ,, Oberhessischen Obstwerken" wird nach mehrjährigem Stillstand in aller Kürze der Betrieb wieder aufgenommen. Für den einheimischen Arbeitsmarkt verspricht man sich hiervon eine wesentliche Erleichterung.

Groß- Gerau. Am Donnerstag mittag kam es an der Neben­stelle des Arbeitsamtes zwischen einem Nationalsozialisten und einigen Kommunisten zu einem harten Wortwechsel mit Schläge­rei, in dessen Verlauf ein Nationalsozialiſt vier Schüsse abgab. Dabei wurde ein Kommunist von hier getötet, einer schwer und einer leicht verletzt. Der Nationalsozialist wurde festgenommen.

Neustadt( Odenwald). Im Alter von 96 Jahren ist hier dieser Tage der älteste Lehrer Hessens, Lehrer i. R. Pull­mann, verstorben.

Nieder- Ingelheim. Ein Radfahrer überfuhr hier eine ältere Frau, die bewußtlos zu Boden stürzte und eine schwere Gehirn­erschütterung erlitt. Der Mann kümmerte sich nicht um die Ver= letzte und fuhr weiter. Die Polizei konnte jedoch seine Per­sonalien feststellen.

Bingen. Bisher noch unbekannte Täter brachen nachts in die St.- Martinskirche ein und raubten sämtliche Opferstöcke aus. Wetzlar. Ein furchtbares Autounglüd hat sich Mittwoch abend 6 Uhr in dem benachbarten Burgsolms ereignet. An dem Ortsausgang nach Oberndorf wird die Straße durch die Bahn­linie Wetzlar Grävenwiesbach geschnitten; der Uebergang ist nicht geschützt. Das Auto des Bauunternehmers Demmer aus Philippstein bei Braunfels, das mit fünf Personen besetzt war, wurde von einem in Richtung Wetzlar fahrenden Güterzug er= faßt, 150 Meter bis auf eine über den Solmsbach führende Eisenbahnbrücke mitgeschleift und vollkommen zertrümmert. Der Bauunternehmer, seine Frau und zwei erwachsene Töchter wur­den regelrecht totgequetscht. Eine weitere Tochter wurde schwer verletzt; an ihrem Aufkommen wird gezweifelt. Landleute, die auf dem Felde arbeiteten, sahen das Unheil kommen und ver­suchten durch Winken und Zeichengeben das Zugpersonal recht­zeitig zu verständigen, doch war es bereits zu spät.

Bad Münster a. St. Eine Dame, die sich in einem Gesell­schaftsauto auf einer Rundreise durch deutsche Bäder befand, ver­lor auf dem Autoparkplatz ihre Handtasche mit 30 000 Mark. Der Wächter Deutschler fand die Handtasche und lieferte sie auf dem Fundbüro ab. Die Dame gab dem ehrlichen Finder den Finder­lohn von 50 Pfennigen.

,, Gießener Zeitung"

Krebsfürsorge.

Von Dr. med. A. de Bary, Frankfurt a. M.

DKGS. Durch die vor einigen Monaten erfolgte Grün­dung eines Reichsausschusses für die Krebsbekämpfung ist das Krebsproblem dem öffentlichen Interesse näher gebracht worden. Der Gedanke, die Fortschritte der Wissenschaft durch organisa= torische Zusammenfassung der zu Gebote stehenden Hilfsmittel den Krebskranken möglichst früh und möglichst ausgiebig zu= gänglich zu machen, ist begrüßenswert. Bei den Bemühungen um die Erreichung dieses Zieles ist die Meinung aufgekommen, daß dazu eine Fürsorgeorganisation in der Art der Fürsorge für Tuberkulose, Geschlechtskranke, Trinker o. Ae. zweckdienlich sei. Diese Meinung ist nicht richtig. Die Krebserkrankung unterschei­det sich von anderen Erkrankungen in zwei wesentlichen Punkten. Sie ist einmal im Frühstadium schwer, oft gar nicht erkennbar, und sie ist ferner nicht übertragbar wie die Infektionskrant­heiten. Damit d. h. mit der Schwererkennbarkeit und der Nichtübertragbarkeit entfallen die hauptsächlichsten Voraus­setzungen einer Fürsorge durch Laien. Die Krebskrankheit ge­hört sozusagen ausschließlich in die Hand des Arztes, der allein befugt und befähigt ist, das Krebsleiden zu diagnostizieren und zu behandeln. Auch die weitere Ueberwachung des Behand lungserfolges ist Sache des Arztes, dem dann wohl eine Hilfs= fraft in Gestalt einer Fürsorgerin zur Seite treten kann, um den aus der Behandlung entlassenen Kranken zur Kontrolle des Erfolges durch den Arzt anzuhalten, welch letzterer aber die Entscheidung über alle weiteren Maßnahmen behalten muß. Mit Rücksicht auf diese Umstände hat man mit Recht die für den Ausschuß anfangs gewählte Bezeichnung ,, Krebsfürsorge" in ,, Krebsbekämpfung" umgewandelt, denn die Krebsfrage ist eben noch auf lange Sicht keine fürsorgerische, sondern eine ärzt­liche Angelegenheit. Auch die sonst bei der Fürsorge gebräuch­lichen Beratungsstellen kommen beim Krebs nicht in Betracht. Die Beratungsstelle für den Krebskranken ist das Sprechzimmer des Arztes, dessen Kenntnisse über diese Krankheit in der Aus­bildung und durch Fortbildung erweitert und vertieft werden müssen.

Koblenz. Die für die Zeit vom 24. bis 27. Juli d. J. in Koblenz vorgesehene 9. Tagung des Reichsverbandes deutscher Sanitäterkolonnen und verwandter Männervereinigungen vom Roten Kreuz findet wegen der schweren Not der Zeit nicht statt.

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Für den Reichsausschuß bleiben dabei noch wichtige Auf­gaben vor sorgenden Charakters zu erfüllen. Da die Aussich­ten für die Heilung eines Krebses um so besser sind, je früher das Leiden erkannt wird, muß der Ausschuß für eine geschickte und eindrucksvolle Aufklärung der Bevölkerung sorgen, um eine frühzeitige Befragung des Arztes bei Auftreten verdächtiger Symptome zu veranlassen. Allerdings muß dabei vermieden werden, daß bei ängstlichen Menschen eine unbegründete Krebs­furcht gezüchtet wird. Ferner muß der irrigen Meinung begeg= net werden, als sei in der Strahlenbehandlung das Allheilmittel für den Krebs gefunden. So erfreulich die Fortschritte der Strahlenbehandlung beim Krebs auch sind, in der Mehrzahl der Fälle kann die Bestrahlung die Operation nicht ersetzen. Da gegen kann sie in der Nachbehandlung den Erfolg der Operation sichern helfen, und nach der heutigen Meinung der Aerzte ist der beste Erfolg durch zweckmäßige Kombination von Operation und Bestrahlung zu erzielen.

Da

die Hilfsmittel zur Strahlenbehandlung( Radium, Röntgen- Großapparate) sehr teuer sind, wird der Ausschuß eine zweckmäßige Verteilung dieser Einrichtungen vorzunehmen haben. Auch wird er bezw. die in ihm vereinigten Vertreter der Aerzteschaft, der Wohlfahrtspflege und der Sozialversiche rung die Wege finden müssen, die dem behandelnden Arzte bei auftauchendem Verdacht auf Krebs die nötig erscheinenden feine­ren diagnostischen Hilfsmittel( Röntgenaufnahmen, Blutunter­suchungen) leicht zugänglich machen. Ferner wären angesichts der noch stets langen Dauer der Behandlung Möglichkeit zu schaffen, daß der Kranke auch über die 26. Woche hinaus im Ge­nuß der Krankenversicherung bleiben kann.

Es ergibt sich somit, daß für die Krebsbekämpfung wesent­lich andere organisatorische Forderungen zu erfüllen sind, als bei der sonstigen Fürsorge. Bein Krebs gehen die fürsorgerischen Maßnahmen im Einzelfalle durch die Hand des Arztes und die Organe des Reichsausschusses haben nur eine geringe unmittel­bare Berührung mit dem Kranken. Ihnen fällt es zu, die stra­tegischen Probleme zu lösen, die Krebsbekämpfung die Erfül­lung des eigentlichen Wesens seines Berufes, neben der eigentlichen Behandlung seinen Kranken fürsorgerisch betreuen zu können.

Kreuzotterbisse.

Nr. 57.

Man findet sie namentlich im Heidekraut und Moos und auch unter Heidelbeersträuchern. Beerensammler und Leute, die be rufsmäßig Wald und Wiese außerhalb der Wege durchstreifen müssen, laufen somit am meisten Gefahr, gebissen zu werden Ein fester Lederstiefel schützt im allgemeinen genügend vor dem Biß. Wer sich auf derartiges Schuhzeug nicht verlassen kann oder der strumpflosen Mode huldigt, sei also beim Betreten von Wald und Wiese außerhalb der festen Wege etwas vorsichtig.

In der warmen Jahreszeit tritt auch in einzelnen Gegenden Deutschlands die Gefahr des Schlangenbisses etwas in den Vor­dergrund. In der Hauptsache kommt nur die Kreuzotter in Be­tracht. Die Kreuzotter bevorzugt Heide- und Moorgegenden.

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des oberhalb der Bißstelle sofort zum Arzt geschaffen werden, der gegebenenfalls das in Apotheken und Krankenhäusern vor= rätige wirksame Kreuzotterserum anwenden kann.

Man sei also im Walde immerhin vorsichtig, wenn man auch nicht überängstlich zu sein braucht.

Der Komposthaufen.

Von Diplomlandwirt Dr. P. Lieb, Landwirtschaftslehrer und Wirtschaftsberater.

4. Jahrg

Voliti

Die Londoner mittag im Amtsrau Unterhaus bis in di greifbaren Ergebnis Jm großen Sigu gannen die öffentlich Internationalen Ger Der geplanten deutich Mit Rüdfight au in den legten zwei V

Was der Stalldung für die Düngung des Ackerlandes be­deutet, ist der Kompost für die Düngung der Wiesen und Wei­den, und nicht zuletzt des Gartens. Der Komposthausen wird vielfach, und zwar mit vollem Recht, die Sparbüchse des Land­wirts und Gartenbesitzers genannt. Neben den für das Pflan­zenwachstum notwendigen Nährstoffen, wie Stichstoff, Phos­phorsäure, Kali und Kalk, führt er dem Boden den Hums zu, der für das Gedeihen der Pflanzen unerläßlich ist.

Bei der Anlage des Komposthaufens werden noch viele Feh ler gemacht. Er soll eine Höhe von 60 bis 80 Zentimeter nicht überschreiten und soll im Jahre 1- bis 2mal umgestochen wer­den. Zur Verbesserung des Gehaltes des Komposthausens am Humus bringen wir recht viel Torfmull dazwischen, ferner Hühner, Tauben-, Ziegen- und Kaninchendünger und nicht zu vergessen den wertvollen Abortdünger. Um ein Versidern der Nährstoffe zu vermeiden, empfiehlt sich zur Unterlage des Kom­poſthaufens eine 5-10 Zentimeter hohe Schicht von Torfmull. Unkrautsamen und Quecken sollen nicht auf den Komposthaufer gebracht werden, da sie von dort wieder auf das Kulturland verschleppt werden und weiter vegetieren.

In Gegenden, wo der Gartenbesitzer sehr schwer Stallmist oder solchen nur zu unerschwinglich hohen Preisen bekommt, läßt sich der für die Pflanzen notwendige Humus im Garten­lande sehr leicht durch Untergraben von Torfmull ersetzen, na­türlich müssen dann die noch fehlenden Nährstoffe durch ent­sprechende Kunstdüngergaben dem Boden einverleibt werden.

Jetzt im Hochsommer findet sich für die Verwendung des tierischen Düngers wenig Gelegenheit. Vielfach wird er von der Dunggrube oder direkt aus den Ställen auf ein Stüd Land gefahren, dort auf Haufen gesetzt und mit Erde mehr oder weni­ger stark bedeckt. Verluste an Nährstoffen, besonders Stickstoff, sind hier nicht zu vermeiden. Um diesen Verlusten wirksam entgegenzutreten, empfiehlt sich ein, Vermischen des Düngers mit Torfmull, und zwar im Verhältnis 3: 1.- Da der Stall dung in gegenwärtiger Jahreszeit besonders billig ist, hat der Gartenbesitzer schon heute Gelegenheit, sich durch genanntes Verfahren für das kommende Erntejahr einen billigen und brauchbaren Kompostdünger zu beschaffen. Das Verwischen

des Komposthaufens mit gemahlenem Kalt hat sich in der Praxis recht bewährt und darf auf keinen Fall vergessen werden.

Neue Bücher.

über Zuschläge für Die Reichsregier reifetage von 100 eben fönne, Am Montag a peilenden Minifter Nordwolle zur Spr In den Komm kutlich der Stimmu rieder, der durch der rigeführt wurde.

,, Büchlein zur Mutter- und Säuglingspflege" von Prof. Dr. med. Martin Vogel. 56 S. Preis 30 Pf. Deutscher Verlag für Volkswohlfahrt GmbH.( Verlag des deutschen Hygiene Museums) Dresden A 1.- Besonders zu begrüßen ist ein An hang, der die wichtigsten gesetzlichen Vorschriften zum Schuße von Mutter und Kind enthält. Sch.

Mein Schred ein Fleck! Ueber Beklederungs- Konjunt tur und ihre Bekämpfung weiß die neue ,, Woche ebenso vieíe interessante Einzelheiten, wie über das große Autorennen, das demnächst auf dem Nürburg- Ring ausgefahren wird, und über die Auflösung des türkischen Harems.

Die Eröffnung des großen Negerstadions in Johannisburg, Südafrika, brachte zum ersten Male sportliche Wettkämpfe zwi schen Schwarzen und Weißen und zeigte damit, daß die engen Beziehungen zwischen Sport und Politik berufen sind, dem Ne­ger- Problem Afrikas eine neue Wendung zu geben. Die neueste Nummer der Münchener Illustrierten Presse( Nr. 29) bringt hierüber einen großen Aussatz ,, Sport in Schwarz- Weiß". Verantwortlich: Paul Christian Klein in Gießen.

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