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Samstag, den 18. April 1931.

Neue Hoffnungen am Hypothekenmarkt.

Die Gründung der Internationalen Bodenkreditbank in Basel hat in den an der Realkreditwirtschaft interessierten Krei­sen eine zuversichtliche Stimmung in bezug auf die weitere Ent­wicklung der Lage am Hypothekenmarkt ausgelöst. Wenn auch unmittelbare Wirkungen der Errichtung des neuen Instituts noch nicht eingetreten sein können, eröffnet sich immerhin die Aussicht, daß durch die Schaffung dieser nenen Absatzmöglich keit für Hypothekenpfanobriefe eine Erleichterung der Markt­lage in nicht zu ferner Zeit bemerkbar wird, zumal, da die neue Bank ihre erste Emission, in Höhe von 25 Millionen Schweizer Franken alsbalo an den Markt bringen wird, und kaum ein Zweifel darüber besteht, daß das internationale Kapital diese Werte schnell aufnehmen wird. Tritt danach eine größere Ver­flüssigung des Hypothekenmarktes ein, und bleibt die Möglich keit des Absatzes weiterer Pfandbriefe an das internationale In­stitut erhalten, so kann auch mit einer alsbaldigen Verbilligung des Hypothekenkredits mit ziemlicher Bestimmtheit gerechnet werden; und dies ist ja neben der Schaffung einer Absazorga uisation das Hauptziel der neuen Gründung. Nachdem die Schaffung der neuen Bank so schnell und programmäßig ge­lungen ist, dürfte auch an dem Eintritt der weiteren daran ge­knüpften Erwartungen kaum zu zweifeln sein.

Inzwischen hat sich auch bereits, abgesehen von dieser künf­tigen Entwicklungsmöglichkeit am Hypothekenmarkt, ein ge­wisser Wandel zum Besseren vollzogen. Die Hypothekenban ken, namentlich die süddeutschen, sind zum größten Teil wieder mit Angeboten von Darlehnskapital am Markte, und die Sätze halten sich für gute Großstadtobjekte etwa bei 8 Prozent und etwa 95 Auszahlung, was bei fünfjähriger Laufzeit der Dar­lehen allerdings noch immer eine Effektivverzinsung von etwas über 9 Prozent ausmacht. Ein wenig billiger ist Versicherungs­geld angeboten, hauptsächlich von mittleren Versicherungsgesell­schaften in der Provinz. Dagegen sind die Sparkassen noch nicht wieder für das Hypothekengeschäft in größerem Maße flüssig, ebensowenig die anderen in Betracht kommenden Geldgeber. Immerhin findet das zu Umschuldungszwecken an den Markt kommende Beleihungsmaterial aus den Großstädten ziemlich glatt Aufnahme, während allerdings in den kleineren und Mit­telstädten die Hypothekennot noch ziemlich unvermindert anhält. Hier müssen die örtlichen Drganisationen aushelfen, soweit sie dazu in der Lage sind.

Der bevorstehende Apriltermin wird auf der einen Seite möglicherweise weitere Kündigungen von Aufwertungshypothe ken bringen, andererseits kann er aber als Anlagetermin sich auch günstig auf den Pfandbriefmarkt und damit auf das Hypo­thekengeldangebot auswirken. Für pessimistische Urteile über den Ausgang des Umschuldungsprozesses der Auswertungshypo­theken ist jedenfalls einstweilen kein Anlaß gegeben. Sollten größere Erschwerungen der Abwicklung eintreten, so wäre immer

DEUTSCHE BANK

UND

DISCONTO- GESELLSCHAFT

Bilanz am 31. Dezember 1930

Aktiva

Kasse, fremde Geldsorten und fällige Zins- und Dividendenscheine....... 84 634 575,92 Guthaben bei Noten- und Abrechnungs­banken 881 162,78 Wechsel und unverzinsliche Schatzanweisungen... Nostroguthaben bei Banken und Banktirmen...... Reports und Lombards gegen börsengängige Wert­papiere....

Vorschüsse auf verfrachtete oder eingelagerte Waren Eigene Wertpapiere.......

Beteiligungen an Gemeinschafts- Geschäften.

Dauernde Beteiligungen bei anderen Banken und

Bankfirmen.......

Schuldner in laufender Rechnung.

Langfristige Dollar- Vorschüsse.

Bankgebäude.

Sonstiger Grundbesitz

Mobilien......

Aktienkapital...

RM

208 515 738 70 938 720 488 82 321 702 744 80

90 057 369 60 699 370 075 03

50 000 000

75 000 000

37 500 000

2 292 817 2 3 16

104 453 000

93 500 000

12 000 000

RM 4 923 633 631 11

Passiva

285 000 000,-

davon in eigenem Besitz

35 000 000,-

142 500 000,

17 500 000.

Allgemeine Reserve

Besondere Reserve

Gläubiger.

Akzepte.....

6% Dollar- Darlehn, fällig 1. 9. 1932..

Unerhobene Dividende.

Dr. Georg von Siemens- Wohlfahrtsfond. 3 467 812,20

David Hansemann- Wohlfahrts ond

Sonstige Wohlfahrtsstiftungen.....

RM

250 000 000

160 000 000

4 136 731 064 90

245 356 811 51

105 000 000

184 463 36

2 045 000,-

85 408,17

5 598 220 37

20 369 371 58

Übergangsposten der eigenen Stellen untereinander

Zur Verteilung verbleibender Überschuß.

370 749 30

RM 4923 633 681 11

Gewinn- und Verlustrechnung am 31. Dez. 1930

Handlungs- Unkosten.

Soll

RM

18 201 684 64

Steuern und Abgaben

Wohlfahrtseinrichtungen, Pensionen und Abfindun­gen, sowie Versicherungsbeiträge für die Beamten Abschreibung auf Mobilien

Zur Verteilung verbleibender Überschuß.

134 389 894126

15 911 149 45

339 773 07

20 389 371 58 189 231 873­

Vortrag aus 1929

RM

Haben

RM

2 895 038 53

88 173 742,45

Zinsen und Wechsel Gebühren

Sorten und Zinsscheine.

Dauernde Beteiligungen

Abschreibungen auf Wert­

papiere........... 6 101 547,10

115 829 065,24

1592 706,77

2 079 472,61

207 674 987,07

meinschafts- Geschäfte. 15 236 605,50 21 888 152,60

Abschrelbungen auf Ge­

Union

186 336 834 47

RM

189 231 873

|

,, Gießener Zeitung"

noch die Möglichkeit vorhanden, daß die Aufwertungsstellen durch allgemeine Anweisung zu einem weitgehenden Entgegen­kommen angehalten würden.

Schenkung eines Grundstücks

an einen Dritten.

Kein unittlicher Vertrag.

-

Dr. Fr.

den

Der Händler X. hatte mit seiner zweiten Ehefrau in Ehe­scheidung gelegen. Eine Aussöhnung in diesem Prozeß war nur dadurch möglich gewesen, daß er mit seiner Frau ein gemein­schaftliches Testament errichtete, in dem sich die Ehegatten ge­genseitig als Erben einsetzten. Dieses Testament reute Händler, so daß er sein Grundstück an seine Tochter aus erster Ghe, die damals noch nicht mündig war und durch einen Pfleger vertreten wurde, unter gewissen Bedingungen lebensläng liches Wohnrecht für ihn usw. verschenkte und aufließ. Dem Pfleger war dabei bekannt, welchen Zweck X. mit der Schen­kung verfolgte. Zwischen der Erwerberin des Grundstücks und ihrem Vater kam es später zu Streitigkeiten, die dazu führten, daß X. mit der Klage Rückauflassung des Grundstücks forderte, und zwar mit der Begründung, daß das gesamte Rechtsgeschäft in Hinblick auf seinen Zweck ,, sittenwidrig" und damit nichtig sei. Gleich den Vorinstanzen verneint das Reichsgericht die Auffassung des Klägers, daß der Schenkungsvertrag sitten­widrig und nichtig sei. Aus den reichsgerichtlichen Entschei dungsgründen hierzu: Richtig st zwar, daß der Kläger, wenn er den Vertrag nur abgeschlossen hat, um das gemeinschaft­liche Testament wirkungslos, also die Anwartschaft seiner Fran auf das Grundstück zunichte zu machen, aus sittenwvidrigen Mo­tiven gehandelt hat. Liegt aber nichts anderes vor, als daß seine Tochter und ihr Pfleger diese Motive gekannt und selbst nur das erlaubte eigene Interesse an dem Vertrag verfolgt haben, so genügt das nicht, um den Vertrag, der keinen unsitt­lichen Inhalt hat, als sittlich verwerflich erscheinen zu lassen. ( IV 467/30. 7. 7. 1930.)

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