Mittwo
Mittwoch, den 18. Februar 1931.
ja oft nur zu Preisen möglich, die unter den Gesamtgestehungsfoften liegen, und die Außenhandelszahlen des vergangenen Jahres zeigen auf vielen Gebieten, insbesondere bei der Textilund Montan- Industrie, ein weiteres Anwachsen der fremdländischen Einfuhr nach Deutschland.
Niedrigere Industriezölle zum Ausgleich höherer Landwirtschaftszölle und Lösung lästiger Zollbindungen" mit Abwehrmaßnahmen der damit indirekt getroffenen Staaten, würden die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie schmälern, ihren Absatzradius einengen. Das bedeutet geringere Erwerbsmöglichkeit, also Senkung der Kaufkraft für viele, von der Industrie abhängige Verbraucher. Und das wiederum wird sich in erster Linie in einer Verringerung des Konsums landwirtschaftlicher Produkte auswirken, also wieder die Landwirtschaft treffen, der geholfen werden sollte.
Wenn man sich diesen ewigen Kreislauf besieht, könnte man auf den Gedanken kommen, es gäbe keine Möglichkeit, die Lage der Landwirtschaft zu bessern. Dem ist aber nicht so. Nicht das Ziel ist unerreichbar, sondern der Weg ist falsch, der beschritten werden soll. Der richtige Weg heißt auch für die Landwirtschaft: Kostensenkung, und zwar auf allen Gebieten von der Erzeugung bis zum Absatz. Selbsthilfe also, nicht im Sinne des Kampfes gegen andere Wirtschaftszweige, sondern durch rationellere Wirtschaft in Erzeugung und Absatz!
Was auf diesem Gebiete noch getan werden kann, und zwar gerade bei der bäuerlichen Veredelungswirtschaft, die in diesen Tagen besonders lauten Anspruch auf zollpolitische Besserung erhebt, zeigen z. B. die Verhältnisse in der Geflügel- und Eierwirtschaft.
Deutschland hat hinsichtlich seines Klimas und seiner Bodenverhältnisse wesentlich günstigere Voraussetzungen für die Eierproduktion als Dänemark und Holland, die seine Haupteierlieferanten sind. Wir führen noch immer fast 3 Milliarden Eier im Werte von annähernd 300 Millionen Mark ein, das sind je fünf selbsterzeugte und drei eingeführte Eier. Aber das ist keineswegs die Folge zu niedrigen Zollschutzes. Die folgenden Angaben liefern dafür den Beweis. Die jährliche Legeleistung der Hennen beträgt in Dänemark und Holland 150 Eier, bei uns dagegen nur 80. Gewinnbringend ist die Eierwirtschaft erst von etwa 120 Eiern pro Henne an. Der Unterschied ist darauf zurückzuführen, daß die beiden fremden Staaten sich auf die Zucht einiger weniger Hühnerrassen beschränken, die für sie am geeignetsten sind. In Deutschland dagegen haben wir die leider auf so vielen Gebieten übliche ungeheure Mannigfaltigkeit. Man braucht nur darauf zu achten, um das durch die eigenen Augen bestätigt zu finden. Holland hat durch zweckentsprechende züchterische Maßnahmen, rationelle Fütterung und scharfe Kontrolle eine Normalisierung und Standardisierung seiner Eierproduktion erreicht. In Deutschland werden von 5 Milliarden Gesamterzeugung erst 150 Millionen, das sind 3 Prozent, mit dem einheitlichen Stempel ,, Deutsches Frischei" versehen, auf den Markt gebracht. Daneben gibt es zurzeit in Berlin etwa 50 verschiedene Eierstempel. Dieser Vergleich mit den Konkurrenzländern läßt die Behauptung zu, daß es uns überhaupt nicht durch einen höheren Zollschutz, sondern nur durch Verbesserung der Produktionsverhältnisse, der Qualität der Erzeugnisse und der Organisation ihres Absatzes gelingen wird, vorwärts zu kommen.
Diesem Beispiel der deutschen Eierwirtschaft stehen ähnliche, die Butter, die Forst- und die Weinwirtschaft betreffend, zur Seite. Sie im einzelnen darzustellen, würde nur eine Wiederholung der sich aus dem Beispiel über die Eierwirtschaft ergebenden grundsätzlichen Erkenntnis bedeuten: Es gibt auch bei der Landwirtschaft die Möglichkeit der Selbsthilfe durch Sentung der Gesamtgestehungskosten und durch Hebung der Orga= nisation.
Die hier angestellten Ueberlegungen führen zu dem Ergebnis, daß von der Verwirklichung der handelspolitischen Forde= rungen der Landwirtschaft nicht eine allgemeine Besserung der
Von Frühlingskleidern.
Es ist etwas Eigenes um die suggestive Kraft, die von Namen ausgeht und unsere Vorstellungswelt sofort in ganz be stimmter Weise beherrscht. Namen wie Frühling, Riviera, lösen eine ganze Reihe der lockendsten Illusionen aus. Vergessen sind graue Wintertage und trübe Kälte, gleich glauben wir wieder an tiefe Himmelsbläue und unerhörte Sonnenfülle. Selbst dann, wenn wir nicht die Möglichkeit haben, jene gesegnete Küste aufzusuchen, selbst dann vermag uns die lebendige Vorstellung von so viel Schönheit mit Freude und Dank zu erfüllen. Tausendmal sind sie geschildert worden, die föstlichen Orte dort unten, die überall da, wo die Randfelsen nur ein wenig Raum gaben, schon vor Jahrhunderten entstanden, ihre bewegte Geschichte haben und zum lockendsten Reiseziel für alle Welt wur
den.
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Die Kleider, die sich dort behaupten, dort sich durchsetzen, ergeben den wesentlichsten Einschlag unserer Sommermode. Aber man glaube nicht, daß jene Rivierafleider so besonders luxuriös seien, sie sind von den Abendkleidern natürlich abgesehen wieder von jener so taktvollen Einfachheit, die die Mode unserer Tageskleider so bestechend hübsch erscheinen läßt. Die Kleider haben durch den Gürtel, der vielfach ein wenig über der natürlichen Taillenschlußlinie liegt, einen ganz neuen Stil. Sie sind nicht länger als bisher, wirken aber länger und die anschließende hohe Gürtellinie läßt sogar etwas Hüstrundung in Erscheinung treten. Sehr beliebt sind Passen, und bei einem besonders lieben Kleidchen aus dunkelbraunem Samt steigt eine Passenteilung von den Seitennähten, unmittelbar unter dem Armausschnitt schräg zum runden Halsausschnitt auf, unter dem runden Berthenfragen verschwindend. Denken Sie sich dazu eine gerade, verbreiterte Achsel und einen mit engem Armausschnitt eingesetzten Aermel, der bis zum Ellenbogen eng ist, dann aber in einem weiten Glockenvolant endet, dazu einen durch Godets erweiterten schlichten Rock so haben Sie eines der erfolgreichsten Modelle. Originell ein anderes Kleidchen, auch aus Samt, in einem sehr schönen Dunkelblau mit lindfarbenem Crêpe de Chine- Oberteil zusammengearbeitet. Von berückender Schlichtheit. Den blusenartigen Oberteil mit engen Aermeln ergänzen übereinandergreifende, miederartige Leibchenteile, mit denen die Aermelmanschetten harmonieren. Die Aus
„ Gießener Zeitung"
Lage unserer Volkswirtschaft und auf längere Sicht auch nicht eine Sanierung der Landwirtschaft selbst mit günstiger Rückwirkung auf die anderen Wirtschaftszweige erwartet werden fann.
800 000 aus Arbeitslosigkeit hilfsbedürftige Personen in der Fürsorge der Landkreise. Während in den Städten seit dem 31. August 1930 die Wohlfahrtserwerbslosen um 34 Prozent gestiegen sind, beträgt diese Steigerung in den Landkreisen 67 Prozent. Es ist daher durchaus erklärlich, daß die in den Mittelpunkt der öffentlichen Dis= fussion gerückte Frage der Neuregelung der Wohlfahrtserwerbslosenfürsorge die finanzielle Lage sämtlicher Gemeinden und Gemeindeverbänden auf das engste berührt.
Der Landkreistag vertritt den Standpunkt, daß die bisher bestehende Dreiteilung der Arbeitslosenhilfe( Versicherung, Krisenfürsorge, Wohlfahrtserwerbslosenfürsorge) in Zukunft nicht mehr bestehen bleiben kann. Vielmehr muß das Reich, wie auch immer die Reform der Erwerbslosenfürsorge gestaltet sein wird, Träger dieser Maßnahmen sein. Gegenüber dem Vorschlage von städtischer Seite, den Kommunen 25 Prozent der Kosten, wie es auch im Antrage Breitscheid vorgesehen ist, aufzuerlegen, muß mit allem Nachdrud erklärt werden, daß eine solche Kostenlast angesichts der schwächeren Finanzen und der wesentlich ungünstiger gearteten Steuergrundlage sowohl für die Landkreise, wie auch für ländliche Kommunen, untragbar ist.
Lokales.
Aschermittwoch.
Und heute Demastierung.. Nun sind die Säle vom Club, der ,, Liebigshöhe", des Café Leib, vom Schütz und Hindenburg, der Kaffeehäuser verödet. In der Turnhalle sind nicht mehr Bierbacchanale und es werden bald die politischen Abende wieder Besitz von ihr ergreifen. Der Unterschied ist freilich nicht immer gar so groß, Mastenfest oder politische Abende manchmal kaum zu unterscheiden.
es ist
An diesem Morgen gleicht Gießen einem Nachtlokal am Vormittag. Was nächstens Rot und Gold und Glanz und Jazz ist im Tageslicht ist's ein Haufen müden Plunders, verstaubte Plüschfauteuils, verwelkte Tischblumen, Kelchgläser, die einen Sprung haben, zerplatzte Luftballons: Nachtgespenster, die am Tage modern.
Papierschlangen flattern an den verschneiten Bäumen der Anlagen. Bunte Fetzen, die über Nacht ihren Sinn verloren haben. Gestern war solche Serpentine noch ein paar Meter Leben, die sie einander zugeworfen haben. Nun treten die Reinemacher in Betrieb, die den bunten Rest von Feßen, Bändern und Papier zusammenschaufeln. Es gibt viel Arbeit heute: wegzufegen, was von den Illusionen und vom Glanz der Fastnacht übrig blieb. Nächte sind um, die schrill waren, obwohl sie nicht geklungen haben, Bälle, die trüber Glanz und geborgter Schein einander Repräsentation vormachten, Begegnungen routt> nierter Leidenschaften mit Bügelfalten.
Freude am Sparen.
Vor kurzem hat der Reichsfinanzminister im Zusammenhang mit der Erhöhung der Freigrenze bei der Vermögensteuer den Satz geprägt: ,, Wir wollen den kleinen Leuten wieder die Freude am Sparen geben". Freude am Sparen zu schaffen ist bei der heutigen schwierigen Wirtschaft notwendiger, freilich auch schwieriger denn je. Es ist daher nur zu begrüßen, wenn auch die obersten Regierungsbehörden einer verstärkten Sparförderung ihr Augenmerk zuwenden. Das Ausland geht nach dieser Richtung mit gutem Beispiel voran. Als Anfang Januar in England
schnitte sind meist spit, von einer Spitzenberthe, einem rundgeschnittenen Crêpe de Chine- Kragenvolant mit Lochstickerei oder einem zierlich bestickten Georgette volant betont.
Rosa, richtiges Babyrosa, hat als Garniturfarbe das über> trieben viel angewandte Türkisblau abgelöst, aber Hellblau ist als Kleider- und vor allem als Blusenfarbe sehr beliebt. Daß Pastellblau und Pastellrosa eine vielleicht süßliche, aber sehr jugendliche, amüsante Kombination ist, läßt sich angesichts mehrerer solcher reizender Sommerkleidchen aus Georgette und Chiffon nicht leugnen. Haut- und Pfirsichtöne, Korallenfarbe, viel blaue Nuancen, auch gelblich- grüne Töne sind vertreten gelb muß besonders erwähnt werden, das ebensogut zu Weiß, wie zu Blau und auch zu Orange steht, dem man neuerdings wieder begegnet.
Daß die Bluse, die leichte, duftige, garnierte Bluse wieder da ist, begrüßen wir alle mit großer Freude. Nichts ermöglicht uns, so viel Abwechslung in unsere Erscheinung zu bringen, wie sie. Auch sie haben oft Passen, leicht drapierte, eingearbeitete Latzteile, neue Kragenformen und sind vielfach durchgehend sein plissiert.
Von den Röcken ist nicht allzu viel zu sagen sie sind noch immer fein plissiert oder ganz schlicht mit der unvermeidlichen Gehfalte. Neuartig sind die Samtreserven. Fr. Gr.
Schlaflose Nächte.
Von Geh.- Rat Dr. Bruno Schaefer Berlin- Charlottenburg. Wie wohltätig und heilsam der Schlaf ist, das weiß am besten, wer an Schlaflosigkeit leidet. Viele schlafen deswegen nicht, weil sie am Tage sich zu wenig bewegt haben, so daß sie gar nicht richtig müde werden konnten. Sie haben den Tag über herumgesessen, zwischendurch auch etwas schlafend geruht, und es fehlt ihnen daher der Hauptanreiz zum Schlafen in der Nacht, die richtige Müdigkeit. Wer den Tag über nur sitzende Beschäftigung hat, der sollte nicht versäumen, sich wenigstens für eine kurze Zeit im Freien zu ergehen und während des Tages öfters einmal einige Leibesübungen vorzunehmen.
Die schlimmsten Feinde des ruhigen Schlafes sind aber Kummer und Sorge und der Kaufmann, der sich nicht in gewagte Spekulationen einlassen will, hat recht, wenn er das damit begründet, daß er mehr Wert darauf legt, gut zu schlafen,
Nr. 14
die erste Milliarde der„ Nationalen Sparkassenscheine“ überschritten wurde, benutzte der Prinz of Wales die Gelegenheit, um in längeren Ausführungen die Bedeutung dieses Sparerfolges gebührend zu unterstreichen. Er hob hervor, daß die gewaltige Summe aus kleinsten Beträgen, teilweise durch Zeichnung von Pfennigbeträgen, zusammengeflossen sei und daß mit dem Sparbetrag die gesamte englische öffentliche Schuld der Vorfriegszeit hätte abgedeckt werden können. Anläßlich des letzten Weltspartags feierte in Jtalien Mussolini die Ziele und Erfolge der Spartätigkeit. Daß Amerika in der systematischen Unterrichtung der Oeffentlichkeit und der Schulen über die Vorteile einer planmäßigen Wirtschaftsführung sehr rege ist und hierbei die Unterstützung seiner Behörden findet, ist bekannt.
Da Sparen nun einmal in Deutschland mit den Sparkassen auf das engste verbunden ist, dürfte in diesem Zusammenhang eine Pressestimme über die Bedeutung der Sparkassen von Interesse sein. In einer großen westdeutschen Zeitung war vor einiger Zeit zu lesen:
,, Die Stellung der Sparkassen in der Volkswirtschaft des Landes ist von Jahr zu Jahr in der Nachkriegszeit, als die Kapitalbasis der Wirtschaft erheblich verengt war, mit einer Stetigkeit gestiegen, daß der in produktive Kanäle wieder aus= fließende Inhalt ihrer Sammelbecken von kleinen und kleinsten Ersparnissen zu einer immer mehr sich ausweitenden Belebung und Stützung der Privatwirtschaft, vor allem der mittelständischen, also vornehmlich von Kleingewerbe und Handwerk und Landwirtschaft, beigetragen hat."
Vor Jahresfrist hat der preußische Wohlfahrtsminister die sehr verdienstliche Hilfe der Sparkassen für den Wohnungsbau hervorgehoben und erklärt, daß sie hierbei bis an die Grenze ihrer Leistungsfähigkeit gegangen sind. In der gleichen Landtagssitzung wurde von anderer Seite gesagt:„ Die Förderung des Wohnungsbaues in den letzten Jahren wird ein Ruhmesblatt der Geschichte der deutschen Sparkassen bleiben“. Diese Urteile über die Verwendung der Spargelder sind angetan, bei jedem wirtschaftlich Denkenden die Freude am Sparen zu erhöhen.
* Tod auf der Jagd. Ein tragischer Jagdunfall ereignete sich am Samstag im Distrikt Elchersbach( Kreis Schotten). Beim Nachstellen einer Wildsau stürzte ein Forststudent in eine vom Schnee bedeckte Bodenvertiefung. Dabei entlud sich sein Gewehr und traf den einige Schritte vor ihm gehenden Jagdpächter und Restaurateur Peter Gaub von hier, Rest. ,, Bayerischer Hof". Die Kugel drang durch den Rücken in die Brust und verursachte tödliche Verlegungen, denen der Getroffene alsbald erlag.
* Kauft Wohlfahrtsbriefmarken! Der Verkauf von Wohlfahrtsbriefmarken dauert noch bis zum 28. Februar d. J.
* Sigung des Kreisausschusses. Am Samstag, dem 21. Februar, 9 Uhr, findet im Kreisamt, Landgraf- Philipp- Plah, eine öffentliche Kreisausschußßigung statt. Tagesordnung: 1. Einspruch gegen den Gemeinderatsbeschluß wegen Aufwertung des Eintaufsgeldes in Wagenborn- Steinberg. 2. Einspruch gegen den Gemeinderatsbeschluß wegen Auswertung des Einkaufsgeldes in Nieder- Bessingen.
* Neuer deutsch- belgischer Expreßgutverkehr. Am 1. März 1931 tritt ein neuer Tarif für den deutsch- belgischen Expreßgutverkehr in Kraft, der die durchgehende Abfertigung von Expreßgut zwischen Deutschland und Belgien über die Grenzpunkte Aachen- Süd Hergenrath und Aachen- Raeren ermöglicht.
* Aus dem Stadttheater. Bei gewöhnlichen Preisen wird heute, Mittwoch, abend, Anfang 8 Uhr, die Komödie in 4 Atten ,, Marius ahoi!"( 3um goldenen Anker) von Marcel Pagnol gegeben.
* Der Deutsche Liedertag 1931. Nachdem gegen den Beschluß des Gesamtausschusses des Deutschen Sängerbundes keine Einwendungen erfolgt sind, ist nunmehr die Veranstaltung des Deutschen Liedertages 1931 auf den letzten Sonntag im Juni festgesetzt worden.
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als gut zu essen. Leider ist gerade bei großem Kummer der Schlaf ,, der Balsam tranker Seelen" besonders schwer in seiner vollen Wirksamkeit zu erzielen, ebenso wie bei förperlichen Schmerzen und bei Fieber. Hier wird am besten der Arzt helfen und in den meisten Fällen zu einem passenden Schlafmittel greifen müssen. Wichtig zu wissen ist es auch, daß man bei Neigung zur Schlaflosigkeit weder starken Kaffee noch starken Tee vor der Schlafenszeit trinken soll. Diese Getränke benutzt man ja auch besonders dann, wenn man aus ingendeinem Grunde sich des nachts wachhalten muß. Viele werden ärgerlich und verstimmt, wenn sie lange nicht einschlafen können. Sie sollen sich dann bemühen, die schönsten Erinnerungen ihres Lebens sich zurüdzurufen und genau zu überdenken, und so den Zug der Gedanken in das richtige Geleise zu schieben.
Die sogenannten nervösen Menschen sind auch in der Nacht nervös und häufig schlaflos. Sind sie endlich eingeschlafen, dann stört sie das geringste Geräusch wieder aus dem Schlaf. Hören sie eine benachbarte Turmuhr schlagen, dann stört sie nicht nur das Geräusch an sich, sondern es entsteht auch schon die Angst vor dem nächsten Schlagen, es entsteht die sogenannte ,, Erwartungs- Neurose". Sind sie besonders ängstlich, auf ihr Wohl bedacht, dann ärgern sie sich auch darüber, daß die Turm uhr ihnen anzeigt, daß sie schon wieder eine zu lange Zeit schlaflos zugebracht haben und fürchten sich vor dem Ermüdungsgefühl am nächsten Tage.
Im allgemeinen wird man daran Festhalten müssen, daß das Abhalten aller Sinnesreizungen den Eintritt des Schlafes und sein gutes Fortbestehen begünstigt. Dazu gehört auch, daß das vorher gut gelüftete Schlafzimmer ausreichend verdunkelt wird. Bei vielen ist nach dem Zubettgehen das Spiel der Gedanken noch sehr erregt, und es fallen ihnen immer neue Ge sichtspunkte für ihre Unternehmungen der nächsten Zeit ein. Es verschafft dann eine große Erleichterung, wenn man ein sogenanntes Nacht- Notizbuch leicht erreichbar neben dem Bett liegen hat, in welches man die neuen Gedanken kurz einschreibt. Es fällt dann die Angst weg, sie schnell wieder zu vergessen. Daß man stets im Interesse eines ungestörten Schlafes einen scharfen Kampf gegen eventuelle Insekten führen muß, ist selbstverständlich. Letztere fühlen sich am behaglichsten unter den großen, schweren, weichen Oberbetten, die unhygienisch sind, und durch Wärmeſtauung, Schweißerzeugung und mangelnde Sautabdunstung zu Schlafstörern werden können.
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