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Samstag, den 17. Oftober 1931.

freie Jugenderziehung in der Zeit vom 26. bis 31. Oktober dieses Jahres aufgerufen. Der hessische Minister für Kultus und Bildungswesen hat im Sinne dieses Aufrufs genehmigt, daß die einzelnen Lehrer während dieser Woche im Rahmen des Unterrichts, je nach Art der verschiedenen Fächer, Gelegenheit ergreifen, die Jugend in geeigneter Weise über die Schäden des Alkohols aufzuklären.

* Reformationsfeier im Rundfunt. Am Reformationssonn­tag dieses Jahres, dem 1. November, wird aus der Wittenberger Stadtkirche, der Predigtkirche des großen deutschen Reformators, eine Reformationsfeier auf fast alle deutschen Sender über­tragen werden.

* In Hessen hat sich die Bierproduktion am stärksten ver­mindert. Im Rechnungsjahr 30/31 betrug die Biererzeugung in Hessen nur noch 857 000 Hektoliter, so daß gegenüber dem Vor­jahr eine Abnahme um 24 Prozent eingetreten ist, eine Ab­nahme, wie sie sonst kein anderes Gebiet zu verzeichnen hat. Der Rückschlag war deshalb so start, weil in Hessen der Ver­brauch von Wein und Obstwein mit dem Bierverbrauch stark fonfurrierte. Jm Deutschen Reich betrug die Abnahme der Bier­erzeugung 16,5 Prozent.

* Kaum noch Auswanderung aus Hessen. Im Krisenmonat Juli sind nur noch 20 Hessen nach Uebersee ausgewandert. Seit 1. Januar d. J. haben damit insgesamt 82 Hessen die Heimat verlassen, gegen 273 in der gleichen Zeit des Vorjahres.

* Turnverein von 1846. Ein Schau- und Wetturnen der Schüler und Schülerinnen ist am Sonntag, den 18. Oktober, in der Turnhalle am Oswaldsgarten, das vormittags um 8.30 Uhr beginnt.

* Männerturnverein. Sonntag, den 18. Oktober, Wande­rung nach der Honigmühle bei Wetzlar. Abmarsch vormittags 8.30 Uhr von der Ede Liebigstraße und Frankfurterstraße( Bahn­übergang).

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Aus Nab und Fern.

Hungen. Dem voriges Jahr in Schotten verstorbenen Staatsrat Dr. Karl Weber soll auf dem Gelände des Jnheidener Wasserwerkes ein Gedenkzeichen errichtet werden. Bekanntlichy war Staatsrat Weber der eigentliche Urheber des Inheidener Werkes.

Bad Nauheim. Das Verkehrsamt der Hessischen Bad- und Kurverwaltung teilt mit, daß bis zum 15. Oktober 1931 der Gesamtbesuch 29 676 Gäste betrug; darunter 5247 Ausländer. Anwesend waren an diesem Tage 1349 Kurgäste.

Evangelischer Kirchengemeindetag zu Vilbel. Nachdem in einer Anzahl von Gemeinden in diesem Jahre Kirchengemeindetage unter großer Beteiligung der evangeli­schen Bevölkerung gehalten worden sind, soll auch zu Vilbel ein solcher Gemeindetag gehalten werden. Als Festprediger ist Lan­deskirchenrat D. Waitz gewonnen worden. Nachmittags wird im Gasthaus Zum Pfau" die eigentliche Gemeindetagung stattfin­den. Professor D. Matthes wird einen Vortrag über den Ge­meinschaftsgedanken und dessen Verwirklichung im tirchlichen Gemeindeleben" halten.

Der Bau der Vogelsbergsüdbahn.

Birstein. Während fast überall in Deutschland die Arbeit stilliegt und eingestellt wird, ist es, dank der umsichtigen Finan­zierungsmaßnahmen der Kreisverwaltung und der Direktion der Gelnhäuser Kreisbahn in Wächtersbach seither möglich gewesen, den Weiterbau der neuen Bahnstrecke der Vogelsbergsüdbahn in den Vogelsberg( Birstein, Hartmannshain) planmäßig fort­zusetzen. Die Arbeiten am Oberbau, Padlager sowie Schienen­legung usw., sind bereits von Birstein aus fortschreitend im Gange.

Lauterbach. Das Lauterbacher Heimatmuseum, dessen reich­haltige Sammlungen aus dem oberhessischen Volksleben weit bekannt und wertvoll sind, hat nunmehr im Seitengebäude des ,, Hohlhauses" eine Heimstätte gefunden.

Landwirtschaftliche Hochkultur

im rhein- mainischen Wirtschaftsgebiet. Vor dem Bund Deutscher Architekten in Frankfurt sprah dieser Tage Stadtbaurat Niemeyer über das Problem der Umsiedlung von Erwerbslosen. Niemeyer erging sich im An­schluß an die Siedlungsvorhaben der Reichsregierung zu dem Projekt eines Zusammenschlusses des rhein- mainischen Inter­essengebietes. Sachlich und nüchtern zergliederte der Vor­tragende das Problem, um den ganzen Fragenkomplex aus dem: Dunstkreis sozial- ethischer Stimmungsmacherei in die klare Sicht einer veränderten Wirtschaftsordnung zu rücken.

Kein Wunder daher, daß der große Gedanke des Vortragen­den in seiner grundlegenden Tendenz, im Bereich der rhein­mainischen Gegend dank der starken klimatischen Vorzüge eine Landschaft mit hochwertiger Gemüse- und Obstkultur dem Ruhr­gebiet mit seinem ausgesprochenen industriellen Charakter ent­

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,, Gießener Zeitung"

gegenzustellen, eine aufmerkjame Zuhörerschaft fand. Die Deffentlichkeit jedoch wird in hohem Maße interessiert sein, zu hören, daß sich die Frankfurter Architektenschaft in ihren berufe­nen Vertretern, verstärkt durch Abordnungen aus den Nachbar­städten wie Mainz, Darmstadt, Offenbach einmütig sich hinter dieses Projekt mit einer planmäßigen Innenkolonisation stellte.

Der Gedanke, das rhein- mainische Wirtschaftsgebiet zu einem Zentrum der Gemüse- und Obstversorgung zu machen, und die zwei Milliarden zu mindern, die Deutschland für den Import von Lebensmitteln alljährlich an das Ausland zahlt, hatte Wurzeln in der Versammlung geschlagen.

Da mit der Durchführung dieses Projektes auch das Ec= werbslosenproblem betroffen wird, wird man daher im rhein­mainischen Wirtschaftsgebiet, sobald die Richtlinien über Finan­zierung und Durchführung der Siedlungsabsichten herausgekom­men sind, in eine lose Arbeitsgemeinschaft der Behörden und freien Architekten zur Förderung des Niemeyerschen Planes ein­treten.

Das 11. DSB.- Fest 1932 in Frankfurt a. M.

findet statt.

In seiner Sigung in Mainz am 3. und 4. Oktober hat der Gesamtausschuß des Deutschen Sängerbundes einen Vortrag des Vorsitzenden des Festausschusses, Dr. Hermann, über die Vor­bereitungen für das XI. DSB.- Fest 1932 in Frankfurt am Main entgegengenommen und einstimmig beschlossen, das Fest trotz der schwierigen wirtschaftlichen Verhältnisse stattfinden zu lassen. Im Anschluß an die Sitzung des Gesamtausschusses tagte der Festausschuß in Frankfurt am 5. Oftober. Dabei ließen sich Ge= samtausschuß und Feſtausschuß von der Erwägung bestimmen, daß es sich bei dem XI. DSB.Fest um eine ernste, künstlerisch hochstehende Veranstaltung handelt, die heute mehr als je dazu bestimmt ist zu zeigen, daß trotz aller wirtschaftlicher Nöte das deutsche Volk auch weiterhin an der Pflege eines seiner edelsten Kulturgüter festhält.

Das Frankfurter Berufspädagogische Institut wird nicht gebaut.

Frankfurt a. M. Auf Grund der letzten Notverordnung der Reichsregierung, die bekanntlich die Errichtung aller nicht be­gonnener Neubauten der öffentlichen Verwaltung verbietet, steht nunmehr fest, daß auch das Frankfurter Berufspädagogische In­stitut, dessen Aufgabe die Ausbildung von Gewerbeschullehrern und Lehrerinnen ist, nicht gebaut wird.

Sprengstoffdiebstähle.

Altenkirchen. Auf der Eisensteingrube St. Andreas bei Bizen ist man Sprengstoffdiebstählen auf die Spur gekommen. Die Nachforschungen haben ergeben, daß nur Angehörige der Grubenbelegschaft als Täter in Frage kommen können. Es ist gelungen, einen 22 Jahre alten Bergmann aus Bitzen des Dieb­stahls zu überführen. Ein Teil des Dynamits fonnte wieder herbeigeschafft werden. Der Täter ist erst kürzlich der Kommu nistischen Partei als Mitglied beigetreten.

Kassel, 16. Oktober. Der ,, Reichsanzeiger" meldet offiziell, daß Landrat Dr. Schund in Westerburg zum Vizepräsidenten des Oberpräsidiums ernannt worden ist.

Hausangestellte verweigern die Annahme landwirtschaftl. Stellen.

Limburg. Wie das Arbeitsamt Limburg mitteilt, ist 15 weiblichen Unterstügungsempfängern die Unterstützung auf die Dauer von zwölf Wochen entzogen worden. Es handelt sich um Hausangestellte aus allen Teilen des Bezirks, die sich weigerten, ihnen angebotene landwirtschaftliche Arbeitsstellen anzunehmen. Die Mädchen erklärten, eine solche Arbeit nicht verrichten zu können, obwohl sie vom Lande stammen und in der Landwirt­schaft groß geworden sind.

Kommunistenunruhen.

Siegen. Aus Anlaß der kommunistischen Unruhen in Sie­gen und zur Unterbindung neuer Ausschreitungen, wie sie von fommunistischer Seite für die nächste Zeit angedroht werden, wurde von der Stadtverwaltung Siegen ein größeres Kom­mando der Schutzpolizei angefordert, das inzwischen eingetrof­fen ist.

Einbrecher im Finanzamt.

Essen. Das Finanzamt Essen- Ost wurde am Donnerstag nachts von Einbrechern heimgesucht, die mit Schweißbrennern die Geldschränke öffneten und 930 RM. in bar, ferner für 100 000 RM. Börsenumsatzsteuermarken und Landesstempel­marten im Werte von 220 000 RM. erbeuteten.

78 307 geschäftliche Besucher

auf der Leipziger Messe.

Auf der Leipziger Herbstmesse 1931 wurden insgesamt 78 307 geschäftliche Besucher gezählt gegenüber 83 266 auf der Herbstmesse 1930. Die Zahl der Besucher hat sich, gemessen am Rückgang der allgemeinen Geschäftstätigkeit, sehr gut gehalten, sie ist nur wenig- um knapp 6 Prozent zurückgegangen. Von diesen 78 307 Besuchern famen 8194 aus dem Ausland.

Nr. 83

Das Reichsgericht gegen die Schwarzarbeit!

Die Schwarzarbeit hat in der Zeit der großen Arbeits­losigkeit bekanntlich einen großen Umfang angenommen und' ie Verbände sind eifrig bemüht, hiergegen vorzugehn und auch die Behörden für die Frage zu interessieren. Leider stößt man dort vielfach auf wenig Verständnis.

Daß insbesondere in der Elektrotechnik die Beschäftigung von Schwarzarbeitern eine große Gefahr für die Auftraggeber bedeutet, ist wiederholt zum Ausdruck gekommen und öffentlich

Erscheint

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bekannt gemacht worden. Nunmehr hat das Reichsgericht sich Redaktionsschluß früh

mit dieser Frage befaßt und auch seinerseits besonders auf die Gefahren hingewiesen. Das interessante Urteil ist.am 6. 11. 30 ( 2 D 1096/26) gefällt worden und führt aus, daß derjenige, der als Auftraggeber die Ausführung gefährlicher Arbeiten, ins­besondere die Ausführung elektrotechnischer Arbeiten oder von Arbeiten an Stromleitungsanlagen vergibt, sich sorgfältig dar über vergewissern muß, ob die Betreffenden zur Ausführung von Arbeiten befähigt und bei der Arbeitsausführung in der Lage und gewillt sind, Schädigungen Dritter abzuwenden. Ist die Aus­wahl nicht in dieser Weise getroffen, sind die Aufträge z. B. an unzulässige Schwarzarbeiter vergeben und kommen durch Un­fähigkeit oder Unvorsichtigkeit der die Arbeiten ausführenden Per­sonen Dritte zu Schaden, so kann der Auftraggeber nach er vorerwähnten Entscheidung des Reichsgerichts unter Umständen wegen fahrlässiger Tötung oder Körperverlegung strafbar sein.

Neue Bücher.

,, Volt ohne Raum" in einer billigen Ausgabe! Endlich ist die lang erwartete billige, dabei ungekürzte und vorzüglich ausgestattete Ausgabe von Hans Grimms ,, Volt ohne Raum" da!( Verlag Albert Langen, München.) Von der zweibändigen Ausgabe zu 25 Mark haben 65 000 Exemplare ihren Weg ins deutsche Volk gefunden. Ein seltener Erfolg! Aber Tausende, die dieses Epos vom Schicksal des deutschen Volkes, von seiner Not in Frieden und Krieg, seinem Ringen um Raum und Erde liebten und sich leidenschaftlich zu ihm bekannten, hat es ge= geben, die es nicht besigen konnten, weil die Mittel dazu fehlten. Nun ist allen die Möglichkeit gegeben! Dieses Buch Grimms ist wie eine Hoffnung, die sich plötzlich in unser Herz senkt, wenn das Dunkel am drohendsten uns bedrängt. Ja, wir brauchen dieses Buch, es ist unsere Hoffnung. Volt ohne Raum" ist ein Trostbuch in dunklen Tagen, ein Buch des Deutschen Menschen, das Buch der deutschen Familie, des Deutschen Landes. In ihm ist das Wort von der Deutschen Erde wieder ein heiliges gewor den, vor dem sich auch die Gegner und die in den fremden Län­dern beugen müssen, weil in Gottes Namen von ihm gesprochen wurde. Noch stehen wir auf deutscher Erde und werden stehen, solange die Geschichte des Cornelius Friebott auf unseren Tischen liegt und mit brennendem Herzen gelesen wird. Und daß das Werk Hans Grimms weiter noch mehr Leser findet, dafür wird jetzt die wohlfeile Ausgabe von 8,50 RM. sorgen.

Wie's gemacht wird. 17 erfolgreiche Reklamefeldzüge von P. O. Althaus, 120 S. Mr. 4.50. Verlag Organisator A.-G., Zürich 6, 2. Auflage.. Das Buch hat bereits in seiner ersten Auflage Aufsehen erregt, weil es gewissermaßen aus der Werk­statt des Reklameberaters plaudert und an 17 erfolgreichen Re­flamefeldzügen großer und kleiner Firmen zeigt, wie die Sache angepadt wurde. An 61 Abbildungen wird wirklich alles ge= zeigt, was der Kaufmann über das Inserat als wichtigstes Reklame- Mittel wissen muß, sodaß das Studium für jeden Kaufmann lohnend ist.

Was der Handwerker von der Meisterprüfung wissen muß. Von Handelskammer- Syndifus Dr. Brinkmann. Verlag Wilh. Stollfuß, Bonn. Preis Mt. 1.50. Das Büchlein ist für die Handwerkerpragis ein guter Ratgeber, denn es ist in seiner allgemein verständlichen und anschaulichen Art ein Hilfsmittel zur Vorbereitung auf die Meisterprüfung. Das Handwerkerrecht, die wichtigsten Bestimmungen der Gewerbeordnung, die Sozial­versicherung, Reichsverfassung, Buchführung, Steuer und Kal­tulation sind flar und einfach gehalten.

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Wie benehme ich mich? Verlag Wilh. Stollfuß, Bonn. Mr. 1. Ein kleines aber sehr nützliches Schriftchen bringt hier der Verlag in seiner Sammlung Hils dir selbst" heraus. Alles, was der gute Ton daheim und draußen erfordert, ist in genügender, klarer Weise darin geschildert.

Der Festredner. Verlag Wilh. Stollfuß, Bonn. Mt. 1.-. Der Verfasser hat eine Anzahl Toaste und Reden zu Jubi­läums, Vereins- und öffentlichen Festlichkeiten zusammenge­stellt. In dem Bändchen ist den eigentlichen Musterreden eine praktische Einführung in die Kunst der Festrede vorangestellt.

Verantwortlich: Paul Christian Klein in Gießen.

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