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Nr. 39

Samstag, den 16. Mai 1931.

Kassel. Mittwoch nacht wurden in der Holländischen Straße etwa 20 Angehörige des Stahlhelms, die aus einer Gründungs­versammlung in Obervellmar tamen, von 50 bis 80 Kommunisten überfallen, die die Stahlhelmer mit Steinen bewarfen und mit Zaunlatten und Stöcken auf sie einschlugen. Hierbei wurden sie­ben Stahlhelmer verletzt, unter ihnen einer tödlich und einer schwer.

Dessau. Angesichts der Nichtwahl von Briand zum Präsi­denten Frankreichs ist eine Voraussage interessant, die der be= tannte Hellseher Erit Hanussen in der vergangenen Woche in Dessau in öffentlicher Sigung gemacht hat. Er erklärte auf eine Anfrage, Briand werde nicht Präsident von Frankreich, er werde noch vor der Wahl von seiner Kandidatur zurücktreten.

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Der beste Kaffee Brasiliens deutsches Erzeugnis. DAJ. Aus Sao Paulo wird dem Deutschen Auslands- Insti­tut geschrieben: Merkwürdigerweise wird in der Hauptstadt des größten Kaffeeſtaates der Welt, Sao Paulo, von je darüber ge= flagt, daß das dort zum Verkaufe und Ausschank kommende Pro­dukt nicht auf der Höhe ist. Es wird vielfach gefälscht oder es werden minderwertigere Sorten, als sie nach dem Ausland gehen, im Staate selbst verwandt. Vor einiger Zeit veranstaltete nun das Ackerbausekretariat durch ihre Fachsektion eine Untersuchung des in Sao Paulo auf den Markt gelangenden gerösteten und gemahlenen Kaffees, und dabei stellte sich heraus, daß allein eine Firma ein Produkt lieferte, das vollständig allen Anforderungen entsprach und als ausgezeichnet klassifiziert werden konnte. Die Firma Kannenberg u. Cie., die von cinem aus Hamburg stam= menden jungen Kaufmann, der dort im Kaffeegeschäft tätig war, erst vor einigen Jahren in Sao Paulo begründet wurde.

Was die Fliege erzählt.

Ich bin nur eine Fliege, ein Kleinwinziges Atom in dieser großen Welt, aber ich habe doch viel Vergnügen von meinem Dasein. Ich bin eine Sausfliege" und manche nennen mich sogar die Typhus- Fliege", weil ich mich oft dort ergehe, wo Typhus- Keime in Hülle und Fülle vorhanden sind. Der erste Name ist mir lieber, denn er täuscht die Leute, und sie versuchen dann nicht, mich los zu werden. Nennen sie mich aber die Typhus- Fliege, so halten sie mich in gewisser Weise für diese Krankheit verantwortlich.

Wie es mich amüsiert, wenn die Leute meine Gewohnheiten studieren, mich beobachten, wenn ich esse und schlafe! Ich schlafe immer mit offenen Augen, denn man weiß nie, was geschieht, wenn man schläft. Das Leben einer Fliege ist verhältnismäßig furz, und wir können nicht viel Zeit durch Schlafen verlieren.

Im Frühling und Sommer vermehren wir uns stark und man sollte meinen, daß die Menschen uns dann töten, wenn wir ihnen lästig fallen. Das tun sie aber nicht. Sobald wir zahlreich genug sind, um sie zu belästigen, taufen sie starke Drahtnetze und befestigen sie vor Fenstern und Türen. Auf diese Weise schließen sie sich ein und lassen uns draußen, wo wir die vollſte Freiheit genießen. Augenscheinlich fürchten sie uns. Es macht aber viel Spaß, ins Haus zu schlüpfen, wenn die Tür einen Augenblic offen steht, und ein Bad im Milchtopf zu neh­men oder einen Spaziergang über die Butter zu machen.

Eigentlich müßte man annehmen, daß uns die Menschen, wenn wir ihnen so verhaßt sind, einschließen oder unsere Kinder in ihren Kinderstuben töten. Sie wissen, daß wir unsere Kind heit in Misthaufen, Mülleimern und an ähnlichen Stellen ver­

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bringen, aber die meisten versuchen es nicht, unserem Wachstum und zukünftigen Glüd etwas in den Weg zu legen. Ich finde das rücksichtsvoll von den Menschen, denn wir brauchen solche Nahrung, um leben zu können. Ist sie vor uns geschützt oder wird sie uns entzogen, so müssen wir bald zugrunde gehen. Anstatt nun unsere Nachkommenschaft hier zu vernichten, versuchen die Menschen uns durch Schläge zu töten, gewöhnlich, wenn wir den größten Teil unserer Eier gelegt haben und bereit sind, wegzu­sterben. Ist das nicht lächerlich von diesen intelligenten, mensch­lichen Wesen?

Neue Bücher.

Was würde ihre Wie Fragen, die heute bei der

Was waren uns unsere Kolonien? dergewinnung heute bedeuten? Wirtschaftskrise immer lauter gestellt werden. Die Woche" hat sie aufgegriffen und beantwortet. Jeder, der an den großen Fragen der Gegenwart Anteil nimmt, muß die mit wertvollen Bildern ausgestattete Kolonial- Sondernummer der Woche" lesen. Sie ist für 50 Pfg. überall zu haben.

Fragen deutscher Auswanderung. Das soeben zu den Jah­gart erschienene zweite Maiheft der Halbmonatsschrift ,, Der Aus­landsdeutsche" bringt mehrere Aufsätze zur Geschichte und zur Problematik der deutschen Auswanderung. Das Heft kann auch einzeln zum Preise von RM. 1.- vom Deutschen Auslands- Insti= tut in Stuttgart( Charlottenplatz 1) bezogen werden.

Wissenschaftler haben ausgerechnet, daß die Nachkommen- resversammlungen des Deutschen Auslands- Instituts in Stutt schaft eines einzigen Fliegenpaares in der Hochsaison ungefähr 195 312 000 000 000 beträgt. Wenn nun ein pflichtgetreuer Bür­ger die Gesundheit seiner Gemeinde durch Fliegenvertilgung heben wollte, wenn er eine unzerbrechliche Fliegenklappe und einen nie ermüdenden Arm hätte und durchschnittlich vierund­zwanzig Stunden am Tage jede zehn Sekunden eine Fliege töten würde, so fame er genau auf 8640 Fliegen. In 6 Mil­Tionen Jahren hätte er somit die letzte Brut vertilgt, aber viele andere Fliegengenerationen würden natürlich in der Zeit gelebt haben und gestorben sein. Hätte der Mensch die Brut dieses einen Fliegenpaares vernichtet*), er hätte sich viel Mühe gespart und mehr Nutzen gebracht.

Wehe uns Fliegen, wenn die Menschen nach der Vorschrift handelten:

Die erste Fliege vor den heißen Tagen, Die mußt Du unbedingt erschlagen! Sie fitzt und putzt sich für den Freier Und legt dann wohl Millionen Eier. Und jedes Ei bringt eine Fliege,

Uns Plag' und Schaden zur Genüge!

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An alle Kaufleute! Nun geht das prachtvolle Werk ,, Die Handelshochschule", auf deren großen Wert für den Kaufmann nicht oft genug hingewiesen werden kann, ihrer Vollendung ent­gegen. In den letzten beiden Monaten sind die Lieferungen 94 bis 97 erschienen. Wir haben das Werk genügend kennen gelernt, um uns heute ein Gesamturteil darüber bilden zu können, was die Handelshochschule" für die deutsche Wirtschaft im allgemei­nen und für unsern Kaufmannsstand im besonderen bedeutet. Jeder über dem Durchschnitt stehende kaufmännische Angestellte findet des öfteren Gelegenheit, über wirtschaftliche Fragen zu sprechen und vor seinem Chef oder sonst in Kreisen von Berufs­follegen zu wirtschaftlichen Erscheinungen Stellung zu nehmen. Was dieses Selbststudienwerk neben den eigentlichen Hochschulen für eine Mission erfüllt und erst recht in der Zukunft zu erfüllen hat, das wird überall da zum Ausdrud kommen müssen, wo man hinfort von deutscher Kulturgeschichte spricht! Uns erfüllt es mit einem gewissen Stolz, daß wir von Anfang an das Erscheinen mit Interesse verfolgt und unsere Leser von Zeit zu Zeit auf dieses wertvolle Werk hingewiesen haben, von dem der Industrie- Ver­lag Spaeth u. Linde, Berlin W 10, Genthinerstr. 42, gegen Voreinsendung der Portokosten von 30 Pfg. jedem Interessenten die Probelektion Cr 3" fostenlos liefert.

Was jeder von der Bresse wissen muß. Von Hauptschriftleiter Gg. Friedel. Verlag Wilh. Stollfuß in Bonn. Preis RM. 1.-. ( P.Sch.Kto. 76 183 Köln). Das neue uns vorliegende Bändchen der Sammlung Silf dir selbst" ist ein Hilfsbüchlein nicht nur für diejenigen, welche mit der Presse in Verbindung stehen, bezw. mit ihr in Verbindung treten wollen, sondern für jeder­mann, der sich für die Presse interessiert. Der sachkundige Ver­fasser hat sich von praktischen Gesichtspunkten leiten lassen, und jedermann sei die Schrift empfohlen.

Pflege und ernähre dein Kind richtig. Von Kinderarzt San Rat Dr. M. Wollenweber, Verlag von Wilh. Stollfuß, Bonn. Mt. 0,75. In gemeinverständlicher Weise werden hier Ratschläge von autoritativer Stelle für die so hochwichtige Frage von Pflege und Ernährung im ersten Lebensalter gegeben. Das Büchlein wird schäzenswerte Dienste leisten und die Ratschläge, befolgt von den Müttern, werden großen Segen bringen.

Krankenpflege. Ueber Pflege und Ernährung der Kranken ( von Apotheker J. Roderols)) bringt der Verlag With. Stollfuk in Bonn ein kleines Schriftchen in der Sammlung Hilf dir selbst" heraus. Preis Mt. 0,75. Eine überaus volkstümliche Schrift, die nicht nur über die richtige Ernährung der Kranken, sondern auch über alles Wissenswerte der Krantenpflege, wichtige Ratschläge erteilt.

Verantwortlich: J. V.: G. Burgeleit, Gießen.

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