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Camstag, den 15. august 1931.

Darmstadt. Nach der amtlichen Statistik über die Maul­und Klauenjeuche vom 1. August ist die Seuche weiter zurüdge­gangen. Es waren noch verseucht in Hessen 3 Gemeinden mit 15 Gehöften( davon 2 neu). Verseucht waren noch im Kreise Bensheim 1 Gemeinde mit 4 Gehösten( 2 neu), Dieburg 1 Ge­meinde mit 4 Gehöften, Friedberg 1 Gemeinde mit 5 Gehöften.

Darmstadt. Graf Kuno von Hardenberg, der Chef der Haus- und Vermögensverwaltung des ehemaligen Großherzogs von Hessen, wurde am 13. August 60 Jahre alt. Der Tätigkeit des Grafen verdankt Darmstadt die Einrichtung des Jagd­museums Kranichstein und die Gründung des Schloßmuseums. Auch bei der Gründung der Gesellschaft für freie Philosophie war Graf Gardenberg führend beteiligt.

Lampertheim. Im Hause seines Meisters geriet ein 18 Jahre alter Meggergehilfe, als er seine Hände in einem Wasser­beden hatte, mit der Starkstromleitung in Berührung und wurde auf der Stelle getötet.

Vertretertag deutscher Krankenkassen.

Mainz. Am Freitag trat in Mainz der Vertretertag des Hauptverbandes deutscher Krankenkassen zusammen. Etwa 300 Delegierte aus allen Teilen des Reiches nehmen an den Bera­tungen, die bis zum Sonntag dauern, teil. Da in diesem Jahre der Deutsche Krankenkassentag auf Wunsch des Reichsarbeits­ministers wegen der allgemeinen Notlage nicht stattfindet, kommt diesem Vertretertag erhöhte Bedeutung zu.

Bingen a. Rh. Anläßlich einer in Bingen stattgefundenen Vorstandssitzung des Bismard- Nationalvereins e. V. wurde be­schlossen, den vierten Deutschen Bismardtag wie vorgesehen, am 12. September in Bingen stattfinden zu lassen.

Wetzlar. Im Anschluß an die Verfassungsfeier des Reichs­banners am Dienstag fam es beim Abmarsch zu einer schweren Schlägerei zwischen Reichsbannerleuten und Rechtstreifen, wobei ein Angehöriger einer Rechtsorganisation einen tiefen Messer= stich in den Rücken(!) erhielt und in das Krankenhaus ein­geliefert werden mußte. Nur der größten Anstrengung der Poli­zei gelang es, die Ruhe wieder herzustellen.

Wezlar. Beim Kurkonzert in Bad Flinsberg wurde ein Angestellter einer hiesigen Genossenschaft, der 25 000 Marf un­terschlagen hatte, verhaftet. In seinem Besitz befanden sich noch etwa 11 000 Mark.

Weilburg a. d. L. Auf der Schiefergrube Langhede bei Weilmünster( Hintertaunus) ereignete sich ein schweres Einsturz­unglück, bei dem ein 23jähriger Knappe getötet und ein zweiter Knappe schwer verletzt wurde. Außerdem wurden mehrere Knap­pen leicht verletzt. Kurz nachdem etwa zehn Knappen in den Stollen zur Tagesarbeit eingefahren waren, lösten sich unter lautem Krachen etwa 40 Kubikmeter Gesteinsmassen los, durch die zwei Knappen verschüttet wurden.

Verzweiflungstat eines Siechen. Niederschelden. Der Invalide Friedrich Kolb war seit langem dem Sicchtum verfollen. Gestern legte er eine Scheiben­büchse auf den Tisch, richtete die Mündung gegen sich und zog mit einer Gardinenschnur den Hahn ab. Der Schuß ging dent alten Mann in den Hals und tötete ihn.

Erst erschossen, dann erhängt. Frankfurt a. M. In der Gartenhütte seines Kleingartens auf dem Flughafengelände hat ein 72jähriger Fuhrmann aus der Koblenzerstraße sich mit einem Gewehr eine Kugel in den Kopf geschossen und sich dann aufgehängt. Neben der Leiche wurde ein Zettel gefunden mit der Ausschrift: ,, Gestern war der Todestag meiner Matter, heute ist mein Todestag!"

Frankfurt a. M. Mit sofortiger Wirkung hat der Regie­rungspräsident den nationalsozialistischen Stadtrat Kramer vom Amt suspendiert und das förmliche Disziplinarverfahren mit dem Ziel der Amtsentlassung gegen ihn eingeleitet.

Union

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Frankfurt a. M. Am Donnerstag abend gegen 11 Uhr blie­ben die auf der Strede Frankfurt- Bad Homburg verkehrenden Straßenbahnzüge auf freiem Feld liegen, da der Strom der Tausendvoltleitung plöglich versagte Zwischen Obereschbach und Untereschbach war die Stromzuführung der Oberleitung zerstört und die an einem Mast angebrachte Gerätestarge etwa 20 Meter weit ins Feld geworfen worden. Die Fahrgäste konnten erst mit großer Verspätung ihr Ziel erreichen. Nach Ansicht der zuständi­gen Stellen muß die Ausschaltung des Stromes von sachkundiger Hand vorgenommen worden sein, da sich ein Laie kaum an die gefährliche Hochspannungsleitung heranwagen dürfte.

Marburg. Das Erweiterte Schöffengericht aus Marburg verhandelte in Wenkbach gegen den Schrankenwärter Konrad Weber, der am 5. Juni 1931 den Tod der Eheleute Ludwig Scherer dadurch verursacht hatte, daß er die Eisenbahnschranke vor dem Herannahen eines Eisenbahnzuges nicht rechtzeitig schloß. Das Gericht erkannte gegen Weber wegen fahrlässiger Tötung und Eisenbahntransportgefährdung auf eine Gefäng­nisstrafe von 4 Monaten.

Marburg. Auf der schwierigen Rheinstrecke am Loreleifelsen ist am Donnerstag vormittag ein mit einem alten, weißbärtigen Paddler besetztes in der gegenwärtig starken Strömung des Rheins gekentert. Es handelt sich bei dem verunglückten Padd­ler um den Stadtrat a. D. Frizz Engel aus Marburg.

Marburg. Beim Obstpflüden im Garten seines Vaters stürzte ein Student von einem Baum. Er zog sich schwere innere Verletzungen zu, denen er erlag.

Schwierige Lage des Kasseler Hotelgewerbes. Kassel. Die Hotelbesitzer- Vereinigung von Kassel und Um­gebung hat beschlossen, einen großen Teil der Fremdenbetten vorläufig ganz aus dem Verkehr zu ziehen. Zunächst werden in den nächsten Tagen zehn der größten Hotels in Kassel ihre Betriebe insofern vereinfachen, als sie ganze Etagen schließen und das in diesen Etagen bis jetzt beschäftigte Personal an Zim­mermädchen, Zimmerfellnern und Bedienungspersonal entlassen. Die einschneidenden Maßnahmen wurden notwendig, da die hohen Belastungen des Hotelgewerbes an Steuern, besonders an der Hauszinssteuer, nicht mehr aufzubringen sind.

Ein Kraftwagen vom Zuge überfahren. Hersfeld. In der Nacht zum Donnerstag wurde an einem Bahnübergang kurz vor dem Bahnhof Hersfeld ein Personen­fraftwagen von einem Güterzug überfahren. Von den Insassen war eine Frau sofort tot. Ein Mann wurde mit schweren Ver­letzungen in das Krankenhaus gebracht. Er ist noch nicht ver­nehmungsfähig. Die Ursache des Unglücks ist nach Ansicht der Reichsbahn darin zu suchen, daß der Schrankenwärter die Schranke zu spät geschlossen hat.

Duisburg. Ein schweres Autounglüd ereignete sich in der Donnerstag- Nacht in Duisburg. An der Oberbürgermeister- Karl­Lehr- Brücke werden Reparaturarbeiten ausgeführt. In der Nacht fuhr ein Auto einer Duisburger Fahrschule, in dem sich vier Herren befanden, in der Richtung nach Duisburg. Der Führer des Wagens muß wohl die geschlossene Schranke an der Brücke nicht bemerkt haben, denn das Auto fuhr in schneller Fahrt hindurch und stürzte hinter der Schranke in den Hafen, da dieser Brückenteil während der Reparaturarbeiten hochgezogen war. Das Auto mit den Insassen versank in den Fluten, und ehe Hilfe herangeschafft werden konnte, waren sämtliche vier Per­sonen ertrunken.

Eisenbahnanschlag in Hamburg.

Hamburg. Beim Dammthorbahnhof errichteten unbekannie, durch die Flucht entkommene Männer eine aus gebündelten Zaunlatten bestehende und mit einem Stein auf dem Ferngleis befestigte Barrikade. Nur durch die Aufmerksamkeit des Zug­führers eines Güterzuges konnte ein größeres Unglück verhütet

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Raubüberfall auf die Boten einer Schiffahrtsgesellschaft. Hamburg. Ein dreister Raubüberfall wurde am Freitag mittag auf zwei Boten einer Schiffahrtsgesellschaft verübt. Die Räuber warfen den Boten, die soeben 12 000 Mark von der Bant geholt hatten, gemahlenen Pfeffer ins Gesicht und gaben außerdem Schüsse auf sie ab. Zwei der Täter konnten mit dem geraubten Gelde in einem bereitstehenden Auto, das später von der Polizei gefunden wurde, die Flucht ergreifen; ein dritter Täter konnte festgenommen werden. Von den beiden anderen fehlt jede Spur.

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